Aktuell bei Spiegel Online: „Richter stärken Rechte von Homosexuellen”. Das ist einerseits eine gute Nachricht. Gleichzeitig ist es eine skandalöse Nachricht. Denn: Gleichstellung muss offensichtlich Schritt für Schritt auf dem Gerichtsweg durchgesetzt werden. Das wäre jedoch die Aufgabe der Politik. Im Jahr 2010 ist das Konstrukt „Lebenspartnerschaftsgesetz” einfach nur ein Unding. Die Ehe sollte für alle geöffnet werden, ohne Einschränkungen. Was geht es den Staat an, ob man einen Mann oder eine Frau liebt? Mann und Frau, Frau und Mann, Mann und Mann, Frau und Frau, egal. Wenn sich zwei Menschen entscheiden, füreinander da sein zu wollen, dann ist das eine gute Sache. Das sollte der Staat nicht stören, sondern befördern. Und zwar mit allen Rechten und Pflichten, die sich daraus ergeben. Mit einem Wort: Gleichstellung. Echte Gleichstellung, keine Pseudo-Gleichstellung.
Das konservative Argentinien hat das übrigens schon hinbekommen. Peinlich für Deutschland.


Ehrlich gesagt: Wie es heißt, ist mir vollkommen Wumpe. In der Umgangssprache sprechen wir eh von „verheiratet”. Es wäre nur schön, wenn die Lebenspartnerschaft außer den gleichen Pflichten auch die gleichen Rechte mir sich bringen würde. Aber das wird eben „Schritt für Schritt vor den Gerichten erkämpft”. War ja wohl auch der Plan damals, als Volker Beck die Schwulenverbände bat, die Kompromisse mit der Union einfach schweigend hinzunehmen: „Die klagen wir dann eben alle weg!”.
Eine gute Bewertung von Dir Christian, der ich voll zustimmen kann!
Aber wir sind noch lange nicht am Ziel oder, am Ende unserer Selbstbestimmungs-Träume!
So ist es. Ehe für alle, die es möchten. Egal wie sie orientiert sind.
Ehe für alle ohne Einschränkungen öffnen — beinhaltet das auch z.B. polygame Beziehungen? Nicht, dass ich derartiges planen würde aber ich halte das zumindest für eine diskussionswürdige Option in diesem Zusammenhang. Zumindest müsste man ja schon irgendwie begründen, warum Ehe eigentlich nur was für 2er-Paare sein soll.
Im Endeffekt wäre es vermutlich konsequente, den besonderen Status der Ehe einfach komplett zu streichen. Fände ich ordnungspolitisch ohnehin am Saubersten, weil es den Staat eigentlich nichts angehen sollte, ob und mit wem man verheiratet (oder was auch immer) ist.
„Ehe für alle ohne Einschränkungen öffnen — beinhaltet das auch z.B. polygame Beziehungen?”
Zumindest nicht nach meinem Verständnis. Wenn Du das für richtig hältst, kannst Du ja dafür kämpfen. Ich kämpfe für das, was ich für richtig halte. „Ehe” ist seit über 2000 Jahren die Beziehung zwischen zwei Menschen in unserem Kulturraum — bisher nur Mann und Frau, bald hoffentlich auch Mann/Mann und Frau/Frau.
„Im Endeffekt wäre es vermutlich konsequente, den besonderen Status der Ehe einfach komplett zu streichen.”
Möglicherweise wäre es konsequent im Weltbild eines Hardcore-Liberalen, aber es wäre auch Politik gegen 99% der Bevölkerung. Also ein ähnlich toller Vorschlag wie Kommunismus.
Naja — Homo-Ehe mit allen Konsequenzen ist ja nun auch nicht grade etwas, für das die breite Mehrheit täglich demonstrieren gehen würde.
Aber ich verstehe das richtig, dass das einzige Argument dafür, dass eine Ehe ausschließlich aus zwei Personen bestehen muss das ist, dass es halt „schon immer” so war?
Woraus besteht denn momentan der besondere Status der Ehe und was davon wollen die SPD bzw. die Jusos beibehalten?
Das System „Ehe” soll im Grunde genommen so bleiben, wie sie ist, nur eben auch für Homosexuelle geöffnet werden. Das habe ich doch oben schon geschrieben. Wie kann man das nicht verstehen?
Es ging mir darum, woraus denn der besondere Status der Ehe besteht.
Das klingt immer so hehr und im Endeffekt ist es dann für den allergrössten Teil nur Steuer– und Abgabenrecht, was ja Teile der SPD und Grünen ändern wollen (z.B. Ehegattensplitting).
Ich weiß, dass Du nichts mit diesen Leuten am Hut hast und sicherlich auch in eine andere Richtung denken willst, aber ich musste gerade an die Libertarians denken, die kritisierten, demnächst dürfte man wohl „whoever or whatever you want” heiraten.
Tatsächlich ist das ja in zwei Hinsichten schwierig — warum sollte die Ehe auf zwei Menschen verschiedenen Geschlechts beschränkt sein, wenn es doch offensichtlich auch andere Beziehungen gibt? Aber warum sollte sie überhaupt auf zwei Menschen beschränkt sein, wenn es doch…
Und dann kommt man irgendwann zu der Frage, warum man nicht ein Kissen heiraten können sollte. Wobei ich darauf hinweisen möchte, dass man das
.
Tja. Nicht ganz so einfach. Vor allem, da ich hier biased bin, da ich aus ganz eigenem Interesse für die Gleichberechtigung von schwulen Ehen bin…
Äh, ich wollte keine Blockquote, sondern einen Link setzen!
Find ich unannehmbar.
@nk:
endlich– wenigstens einer mit einer konsequent rückwärts gerichteten Einstellung.
@Jan:
fürwahr wäre das in manchen Situationen besser, siehe auch andere gesellschaftliche Vereinigungen– Verein, GmbH usw. Aber ehe gleichgeschlechtliche „Bünde” nicht gesellschaftsfähig sind, hat solch eine Diskussion keine echte Funktion.
Gemessen daran gings bei genau so einer Debatte auf dem letzten JuLi-Buko aber gut ab, muss ich sagen.
@Jan:
ihr habt ja womöglich „wirtschaftlich” einflußreiche Mitglieder, aber den gesellschaftlichen Diskurs bestimmtet ihr wohl nur (eine Zeit lang) beim sog. Steuern-Senken. Schade eigentlich, da sich hier mal ein etwas anderes Politikfeld auftut, bei dem die üblichen Ideologie-Grenzen zwischen Linken und FDP etwas oder sogar ganz zurücktreten (könnten). Nicht jede/r versteht Politik als mehr, als sich um seinen eigen Ar*ch zu kümmern– so erscheint es leider häufig.
*ok, das mit diesem Körperteil, naja…
?