Ehe endlich für alle öffnen

Aktuell bei Spiegel Online: „Richter stärken Rechte von Homosexuellen”. Das ist einer­seits eine gute Nachricht. Gleichzeitig ist es eine skan­da­löse Nachricht. Denn: Gleichstellung muss offen­sicht­lich Schritt für Schritt auf dem Gerichtsweg durch­ge­setzt werden. Das wäre jedoch die Aufgabe der Politik. Im Jahr 2010 ist das Konstrukt „Lebenspartnerschaftsgesetz” einfach nur ein Unding. Die Ehe sollte für alle geöff­net werden, ohne Einschränkungen. Was geht es den Staat an, ob man einen Mann oder eine Frau liebt? Mann und Frau, Frau und Mann, Mann und Mann, Frau und Frau, egal. Wenn sich zwei Menschen entschei­den, fürein­an­der da sein zu wollen, dann ist das eine gute Sache. Das sollte der Staat nicht stören, sondern beför­dern. Und zwar mit allen Rechten und Pflichten, die sich daraus ergeben. Mit einem Wort: Gleichstellung. Echte Gleichstellung, keine Pseudo-Gleichstellung.

Das konser­va­tive Argentinien hat das übri­gens schon hinbe­kom­men. Peinlich für Deutschland.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

16 Gedanken zu „Ehe endlich für alle öffnen“

  1. Ehrlich gesagt: Wie es heißt, ist mir voll­kom­men Wumpe. In der Umgangssprache spre­chen wir eh von „verhei­ra­tet”. Es wäre nur schön, wenn die Lebenspartnerschaft außer den glei­chen Pflichten auch die glei­chen Rechte mir sich bringen würde. Aber das wird eben „Schritt für Schritt vor den Gerichten erkämpft”. War ja wohl auch der Plan damals, als Volker Beck die Schwulenverbände bat, die Kompromisse mit der Union einfach schwei­gend hinzu­neh­men: „Die klagen wir dann eben alle weg!”.

  2. Ehe für alle ohne Einschränkungen öffnen — beinhal­tet das auch z.B. poly­game Beziehungen? Nicht, dass ich derar­ti­ges planen würde aber ich halte das zumin­dest für eine diskus­si­ons­wür­dige Option in diesem Zusammenhang. Zumindest müsste man ja schon irgend­wie begrün­den, warum Ehe eigent­lich nur was für 2er-Paare sein soll.

    Im Endeffekt wäre es vermut­lich konse­quente, den beson­de­ren Status der Ehe einfach komplett zu strei­chen. Fände ich ordnungs­po­li­tisch ohnehin am Saubersten, weil es den Staat eigent­lich nichts angehen sollte, ob und mit wem man verhei­ra­tet (oder was auch immer) ist.

    1. „Ehe für alle ohne Einschränkungen öffnen — beinhal­tet das auch z.B. poly­game Beziehungen?”

      Zumindest nicht nach meinem Verständnis. Wenn Du das für richtig hältst, kannst Du ja dafür kämpfen. Ich kämpfe für das, was ich für richtig halte. „Ehe” ist seit über 2000 Jahren die Beziehung zwischen zwei Menschen in unserem Kulturraum — bisher nur Mann und Frau, bald hoffent­lich auch Mann/Mann und Frau/Frau.

      „Im Endeffekt wäre es vermut­lich konse­quente, den beson­de­ren Status der Ehe einfach komplett zu strei­chen.”

      Möglicherweise wäre es konse­quent im Weltbild eines Hardcore-Liberalen, aber es wäre auch Politik gegen 99% der Bevölkerung. Also ein ähnlich toller Vorschlag wie Kommunismus.

      1. Naja — Homo-Ehe mit allen Konsequenzen ist ja nun auch nicht grade etwas, für das die breite Mehrheit täglich demons­trie­ren gehen würde.

        Aber ich verstehe das richtig, dass das einzige Argument dafür, dass eine Ehe ausschließ­lich aus zwei Personen bestehen muss das ist, dass es halt „schon immer” so war?

        1. Das System „Ehe” soll im Grunde genom­men so bleiben, wie sie ist, nur eben auch für Homosexuelle geöff­net werden. Das habe ich doch oben schon geschrie­ben. Wie kann man das nicht verste­hen?

          1. Es ging mir darum, woraus denn der beson­dere Status der Ehe besteht.

            Das klingt immer so hehr und im Endeffekt ist es dann für den aller­gröss­ten Teil nur Steuer- und Abgabenrecht, was ja Teile der SPD und Grünen ändern wollen (z.B. Ehegattensplitting).

    2. Ich weiß, dass Du nichts mit diesen Leuten am Hut hast und sicher­lich auch in eine andere Richtung denken willst, aber ich musste gerade an die Libertarians denken, die kriti­sier­ten, demnächst dürfte man wohl „whoever or whate­ver you want” heira­ten.
      Tatsächlich ist das ja in zwei Hinsichten schwie­rig — warum sollte die Ehe auf zwei Menschen verschie­de­nen Geschlechts beschränkt sein, wenn es doch offen­sicht­lich auch andere Beziehungen gibt? Aber warum sollte sie über­haupt auf zwei Menschen beschränkt sein, wenn es doch…
      Und dann kommt man irgend­wann zu der Frage, warum man nicht ein Kissen heira­ten können sollte. Wobei ich darauf hinwei­sen möchte, dass man das

      in Japan darf

      .
      Tja. Nicht ganz so einfach. Vor allem, da ich hier biased bin, da ich aus ganz eigenem Interesse für die Gleichberechtigung von schwu­len Ehen bin…

    1. @nk:
      endlich- wenigs­tens einer mit einer konse­quent rück­wärts gerich­te­ten Einstellung.
      @Jan:
      fürwahr wäre das in manchen Situationen besser, siehe auch andere gesell­schaft­li­che Vereinigungen- Verein, GmbH usw. Aber ehe gleich­ge­schlecht­li­che „Bünde” nicht gesell­schafts­fä­hig sind, hat solch eine Diskussion keine echte Funktion.

        1. @Jan:
          ihr habt ja womög­lich „wirt­schaft­lich” einfluß­rei­che Mitglieder, aber den gesell­schaft­li­chen Diskurs bestimm­tet ihr wohl nur (eine Zeit lang) beim sog. Steuern-Senken. Schade eigent­lich, da sich hier mal ein etwas anderes Politikfeld auftut, bei dem die übli­chen Ideologie-Grenzen zwischen Linken und FDP etwas oder sogar ganz zurück­tre­ten (könnten). Nicht jede/r versteht Politik als mehr, als sich um seinen eigen Ar*ch zu kümmern- so erscheint es leider häufig.
          *ok, das mit diesem Körperteil, naja…

Kommentare sind geschlossen.