Sophie Josephine Ernestine Friederike Wilhelmine Gräfin von Hatzfeldt-Wildenburg-Schönstein

Die hier abge­bil­dete gelas­sene Raucherin, deren Geburtstag gedacht werden soll, ist Sophie Josephine Ernestine Friederike Wilhelmine Gräfin von Hatzfeldt-Wildenburg-Schönstein, geb. Gräfin v. Hatzfeldt-Trachenberg, sie wurde am 10. August vor 205 Jahren in Trachenberg geboren, war eine deut­sche Sozialistin und die Lebensgefährtin Ferdinand Lassalles. Um Familienstreitigkeiten zwischen den Linien Hatzfeldt-Trachenberg und Hatzfeldt-Wildenburg zu beenden, war Sophie zur Heirat mit ihrem brutalen und gewalt­tä­tigen Vetter aus der Linie Wildenburg gezwungen worden, einem vermö­genden Mann mit Wohnsitzen auf Schloss Kalkum bei Düsseldorf, Schönstein und Schloss Crottorf. Auch die Geburt ihres Sohnes Paul im Jahr 1831 konnte den Grafen nicht von seinen Ausschweifungen abhalten. Schon um 1830 wollte sie sich­scheiden lassen, ihre Brüder versagten ihr jedoch jede finan­zi­elle Unterstützung. Seit 1846 betrieb sie die Scheidung selbst und wurde dabei vom renom­mierten Rechtsanwalt und Arbeiterführer Ferdinand Lassalle unter­stützt, den sie durch Vermittlung des Obersten Graf Keyserling kennen­lernte. Der Prozess, den Lassalle auch zu Propagandazwecken der Arbeiterbewegung nutzte, zog sich bis 1854 hin und fand vor 36 Gerichten statt.

Seit 1848 lebte die „rote Gräfin” mit Lassalle in Düsseldorf zusammen und war dort während der Märzrevolution poli­tisch aktiv. Auch nach ihrer Scheidung (1851) lebte sie bis 1856 mit Lassalle zusammen; danach zog sie nach Berlin, blieb aber in engem Kontakt mit ihm. 1861 trafen beide in Italien Giuseppe Garibaldi. 1862 lebte sie in Zürich und reiste mit Wilhelm Rüstow durch Süddeutschland. Nach dem Tod Lassalles 1864 sah sie sich als seine geis­tige Erbin, gab seine nach­ge­las­senen Schriften heraus und war in dem von Lassalle gegrün­deten Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein ADAV tätig, wo sie indessen schnell in Konflikt mit vielen männ­li­chen Mitgliedern der Arbeiterbewegung geriet. Im Jahr 1867 grün­dete sie als Abspaltung vom ADAV den „Lassalleschen Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein” (LADAV). Der Präsident dieses streng zentra­lis­ti­schen Vereins war Fritz Mende. Nach der Wiedervereinigung des LADAV mit dem ADAV im Jahr 1869 zog sich die Gräfin aus der Politik zurück. Nachdem sie sich mit ihrer Familie wieder ausge­söhnt hatte, lebte sie auf dem gräf­li­chen Gut zu Frauenstein oder in Heddernheim, später in Wiesbaden.

Über Jens Tuengerthal

Jens Tuengerthal kommt aus der Kurpfalz und lebt und arbeitet in Berlin.

Kommentare sind abgeschaltet.