Reiche Dänen zahlen freiwillig mehr Steuern. Oder: Die dpa-Meldung, die keine Welle machte

Die Deutsche Presse-Agentur, die dpa, hat vor ein paar Tagen eine Meldung mit dem schönen Titel „Reiche Dänen zahlen freiwillig mehr Steuern“ veröffentlicht. Bei „Welt“, „Zeit“, „Stern“ und diversen Lokalzeitungen schaffte es diese Meldung in den dpa-Ticker – aber eben nur in den dpa-Ticker. Der Inhalt der Meldung:

In Dänemark schrieb vor einigen Wochen ein Einwohner an das Finanzministerium und bot an, er wolle freiwillig mehr Steuern zahlen. Damit solle die Regierung den Wohlfahrtsstaat ausbauen. Erstaunlich – denn die Dänen zahlen im EU-Vergleich schon die meisten Steuern. Der Spitzensteuersatz liegt bei 67 Prozent, im täglichen Leben schlagen 25 Prozent Mehrwertsteuer zu Buche.

Man sollte meinen, diese Meldung würde umfassender kommentiert, analysiert, bewertet, einige Leitartikel würden geschrieben. Schließlich führen wir in Deutschland gerade, wie so oft, eine Debatte über unseren Sozialstaat und damit zusammenhängend über Steuern, über spendenfreudige Reiche, über Staatsschulden und den ganzen Rest. Da wäre es doch interessant, mal über den Tellerrand zu blicken und zu schauen, was die Alternativen sind oder sein könnten. Aber das wäre vermutlich zu einfach bzw. zu investigativ. Nein, im dpa-Ticker ist die Meldung wunderbar aufgehoben, nur keine echte Debatte führen!

(Via „ad sinistram“.)

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

35 Gedanken zu „Reiche Dänen zahlen freiwillig mehr Steuern. Oder: Die dpa-Meldung, die keine Welle machte“

  1. @Christian: Danke für den interessanten Hinweis, die Nachricht hatte auch ich übersehen..

    @Kalle: Gute Analyse.

  2. Mal vorbehaltlich die Meldung stimmt, zweckgebundene Steuergeschenke wären theoretisch möglich und viele Menschen würden diesem Beispiel folgen.

    Was läuft falsch, das die Freiwilligkeit der Menschen beitragen zu wollen, so gering ist? Fehlt es an Anerkennung für diejenigen die mit ihren „starken Schultern“ mehr beitragen könnten?

    1. Nein, eigentlich nicht. Die „Leistungsträger“-Debatte hängt mir zum Hals heraus. Anerkennung für die Starken, daran fehlt es sicherlich nicht.

        1. Es läuft nicht „falsch“, es ist nur so, dass hierzulande eine andere Einstellung zum Sozialstaat existiert als in Dänemark im Speziellen und Skandinavien im Allgemeinen.

          Das ist weder „falsch“ noch „richtig“ sondern einfach so.

          1. „das ist einfach so“ ist dann doch etwas kurz für jemanden, der andere zu noch mehr Sozialstaat zwingen möchte.

            Es ist doch nicht so, als seien Dänen bessere Menschen. Also muss es doch einen anderen Grund haben!? Ich hätte jetzt wetten können, das Befürworter eines umfassenderen Sozialstaats hier zu irgendwas sagen können.

          2. Es ist nun einmal so, dass es Unterschiede im Verhaltung der Bevölkerung in verschiedenen Ländern gibt. Das kann man doch nicht leugnen?

          3. @dgd: Warum mag der Amerikaner nur einen kleinen Sozialstaat, der Deutsche einen mittelgroßen und der Däne einen großen?
            Es gibt unterschiedliche historische Traditionen, Erfahrungen und Einstellungen.

          4. ich gebe Dir absolut recht @Kalle, es gibt unterschiedliche Traditionen, Erfahrungen und Einstellungen. Evtl. sogar so etwas wie Spezialisierung.

            ABER: Die Menschen sind sich doch im Schnitt ähnlich, ebenso Ihr Bedürfnis sich selbst abzusichern und anschließend Familienkreis und dann Anderen dabei zu helfen. (Wobei letztere auch als Eigenabsicherung betrachtet werden können)

            Für diejenigen, die das Heil der Menschen in D’land in der Ausweitung des Sozialstaates suchen, hätte ich jetzt mal zumindest vermutet, daß sie Interesse daran haben, ohne Zwang eine „private“ Umverteilung anzustossen. Daraus folgt doch unweigerlich die Frage nach dem „Warum“ der Freiwilligkeit. Und wie kann man Rahmenbedingungen schaffen um diese individuelle persönliche Bereitschaft der Freiwilligkeit zu fördern?

            Also ich unterstelle mal einfach, das die Logik bei Auschluß einer gewaltsam geführten Umverteilung einen an diesen Punkt führt. Oder sehe ich das falsch?

          5. Nein, das siehst du völlig richtig. Es war glaube ich Peer Steinbrück, der mal auf den Punkt gebracht hat: Der Deutsche will wenig zahlen für den Sozialstaat und viel von ihm haben.

            Ich bin auch ein Freund der Freiwilligkeit und was da in Dänemark grade läuft gefällt mir gut. Die stärksten Sozialstaaten auf dieser Welt sind sicherlich diejenigen, in denen nicht reiner Zwang die Umverteilungsmachinerie am Laufen hält sondern eine – durch alle Schichten – positive Einstellung zum Sozialstaat herrscht und das Gefühl herrscht, gerne an den Sozialstaat geben zu können.

          6. Der Deutsche will wenig zahlen für den Sozialstaat und viel von ihm haben.

            yep, Effizienz ist in D’land immer ein Thema, das macht uns wirtschaftlich erfolgreich und ermöglicht uns den Sozialstaat. Evtl. zielte Herr Steinbrück auch mit seiner Aussage auf etwas anderes ab, das weiß ich nicht.

            sondern eine — durch alle Schichten — positive Einstellung zum Sozialstaat herrscht und das Gefühl herrscht, gerne an den Sozialstaat geben zu können.

            Bleibt also die Frage, warum das in D’land nicht so ist.

        2. @don:

          „Was läuft falsch?“

          Du fragst so wie die Kuschelpädagogen in Berlin, wenn sie nach den „Gründen“ von Gewalttätern fragen.

          Es interessiert einfach nicht, warum die Oberschicht Steuern hinterzieht und Staatsleistungen lieber ohne Gegenleistung in Anspruch nimmt. Sie haben -wie andere Täter auch- keinen Anspruch darauf, dass uns die Hintergründe ihrer Verwahrlosungen besonders interessieren.

          Sie sind dafür vor Gericht zu bringen und gut.

          1. Man sollte meinen, diese Meldung würde umfassender kommentiert, analysiert, bewertet, einige Leitartikel würden geschrieben. […] Nein, im dpa-Ticker ist die Meldung wunderbar aufgehoben, nur keine echte Debatte führen!

            An wen waren diese Ansprüche eigentlich gestellt?

          2. @Rayson:
            nö, der Hr. Staatsanwalt und Verteidiger des demokratischen und sozialen Rechtsstaats klingelt womöglich auch bald mal bei Dir!
            Vielleicht wimmerst Du dann … wie ein Hund ;-)

    1. „Dänemarkt“ – ein Freudscher Versprecher?

      Mit der Größe des Landes hat das meines Erachtens eher weniger zutun.

  3. Nunja: Es handelte sich gemäß der DPA-Meldung um einen Dänen. Das gibt weder für Debatten viel her, noch ist es vor diesem Hintergrund unverständlich, dass diese DPA-Meldung nicht breiter aufgegriffen wurde.

    Ich finde, der Hintergrund zu dieser Meldung ist dennoch interessant. Ich kenne in Deutschland viele Leute, die gerne (!) viel Steuern zahlen, mit dem Primärargument „Bildung und Sozialstaat“, und ich kenne ein paar Äußerungen von Wohlhabenden, die sich durchaus mehr Steuern gut vorstellen können – unter der Voraussetzung, dass das Geld dann an der richtigen Stelle ankommt.

    Und sie meinen damit weder den Rüstungsetat, nicht die EU-Ausgaben, auch nicht die Polizei. Lieber Rayson, liebe Liberale, liebe Rechtslibertären:

    Was meinen diese Menschen dann? Und warum?

    (wäre eine interessante Debatte – finde ich)

    1. > Ich kenne in Deutschland viele Leute, die gerne (!) viel Steuern zahlen, …
      Ist ja fein.
      Und wenn die das gerne machen – sollen sie doch.
      Ich wüßte keine politische Partei, die sie daran hindern möchte.

      Aber wenn diese Leute nun eine Vorliebe fürs Steuerzahlen haben, dann haben sie damit Null Berechtigung, anderen Leuten dieses Hobby aufzudrücken.

      > die sich durchaus mehr Steuern gut vorstellen können — unter der Voraussetzung,
      > dass das Geld dann an der richtigen Stelle ankommt.
      Wenn man will, daß das Geld an der richtigen Stelle ankommt, dann muß man es selber dorthin überweisen.
      Selbst im Idealfall wird der Umweg über Finanzamt, Parlament, Regierung und Verwaltung immer dazu führen, daß vom Geld weniger an der richtigen Stelle ankommt.

      1. @RA:
        bar jeglicher staatstheoretisch-gesellschaftspolitischen oder auch nur historischen Unterfütterung äußert unser „Super-Liberaler“, dass Scheckbuch-Sozialismus möglich ist. Hahaha- klar- jede/ kauft sich seine/ ihre eigene Strasse und ein 20-30tel-Klassenraum…
        Du lebst doch gar nicht in diesem Universum- oder?

    2. nd ich kenne ein paar Äußerungen von Wohlhabenden, die sich durchaus mehr Steuern gut vorstellen können — unter der Voraussetzung, dass das Geld dann an der richtigen Stelle ankommt.

      klingt für mich wie an eine freundliche Absage an unsere, diese Vorraussetzungen nicht erfüllende Adminstration des deutschen Wohlfahrtstaates.

      1. @DGD:
        von welchem historischen „Wohlfahrtsstaat“ fabulierst Du?
        Von dem, dem erst ein Haufen rotgerobter Neun-Mal-Kluger beizubiegen hat, dass die Hartz-4-Regelsätze zu niedrig (und falsch berechnet) sind? Jungejunge, diese „Liberalen“ hatten aber früher mal mehr Niveau- Tipp: weniger PS3, mehr Lesen.

        1. wie überraschend – auch bei dem Thema darf der Klassenclown nicht fehlen.

          Wenn Du richtig gelesen -oder besser gesagt- überhaupt gelesen hättest, wüßtest Du, was das BVG wirklich festgestellt hat. Aber kein Problem, erkläre ich Dir auch diesmal gerne.

          In dem unter http://www.bundesverfassungsgericht.de/pressemitteilungen/bvg10-005 zu findenen Urteil heisst es in der Begründung, Punkt (2)

          Für den Betrag der Regelleistung von 345 Euro kann eine evidente Unterschreitung nicht festgestellt werden, weil sie zur Sicherung der physischen Seite des Existenzminimums zumindest ausreicht und der Gestaltungsspielraum des Gesetzgebers bei der sozialen Seite des Existenzminimums besonders weit ist. Dies gilt auch für den Betrag von 311 Euro [Anm. DGD: 80% des Regelsatzes] für erwachsene Partner einer Bedarfsgemeinschaft.

          dann wird hervorgehoben, das der zugestandene Betrag für 7-14 jährige nicht ausreichend ist, dieser bemisst sich derzeit mit 60% am Regelsatz. Also nicht der Regelsatz ist angemahnt worden, sondern der prozentuale Anteil der den 7-14 Jährigen zusteht.

          Eine Entscheidung die ich und viele Andere im Übrigen begrüßen.

          Und zu guter Letzt wie immer der gleiche Rat @nordstadt, nicht so demagogisch rumzetern, sondern das gefährliche Halbwissen einfach mal durch seriöse Arbeitsweise in der Argumentationsrecherche aufarbeiten.

          1. @DGD:
            „nicht evident“ ist unter Juristen der Ausdruck dafür, dass man sich nicht absolut festlegen will.
            Ansonsten sollte hier nicht die Debatte vom Februar dieses Jahres, bei der offenbar wurde, dass ihr Neo… weder das BVerfG-Urteil noch dessen Auswirkungen verstanden hattet, wieder aufrollt werden.
            (Im Gegensatz zu wahrscheinlich den meisten Schreibenden hier habe ich das Urteil im Ganzen gelesen.)
            Zu Deinem sonstigen „Ausdruck“- spare Dir Beleidigungen, das deuet zu sehr auf einen arg begrenzten intellektuellen Horizont.
            Keine Sorge, es macht mir manchmal sogar Spaß, „Euch“ zu überfordern, denn das geht ja leicht von der Hand :-)

          2. Im Gegensatz zu wahrscheinlich den meisten Schreibenden hier habe ich das Urteil im Ganzen gelesen.

            verstehen wäre auch nicht schlecht gewesen :-D

          3. @DGD:
            vor dem eigenständigen (!) Verstehen, ist die Lektüre und das Quellen-Studium notwendig. Achja, als „Wiwi“ lernt „man“ das an der Uni nicht ;-)
            Ob ich das richtig oder Du das richtig verstehst, das zeigen Debatten und Wahlergebnisse, zur Zeit scheinst Du falsch zu liegen… 15 auf 7%, ätsch.

          4. Ob ich das richtig oder Du das richtig verstehst, das zeigen Debatten und Wahlergebnisse, zur Zeit scheinst Du falsch zu liegen… 15 auf 7%, ätsch

            Ich wußte gar nicht das Stimmungsumfragen irgendeiner Partei neuerdings Argumente ersetzen.

            Ansonsten langweilen mich Deine realitätsdiametralen Uminterpretationen und Deine nie belegte Behauptungen.

          5. @DGD:
            „…Uminterpretationen“
            immerhin- es gibt nicht die eine, unumstößliche Meinung des großen Vorsitzenden >strike>Josef StalinDGD.
            Was für ein Fortschritt. Ein Meilenstein- der erste aus „unserer“ neo…-Fraktion, der nicht akribisch-verbissen an Glaubenssätzen festhält.

  4. Was soll denn an dieser Meldung berichtenswert sein?
    Es geht hier um einen einzelnen Typ. Und der bringt es nicht fertig, seine Spendenbereitschaft sozialen Organisationen zukommen zu lassen – und überweist stattdessen an das Finanzamt (und wählt damit die ineffizienteste Möglichkeit, aus Geld soziale Hilfen zu generieren).

    Eigentlich müßte man das unter „Doofer der Woche“ bringen – wäre aber unfair, weil er es eigentlich ja gut meint.

    Vorbildhaft und berichtenswert wären nur die vielen Millionen Leute, die wirklich etwas (finanziell oder mit Engagement) für diverse gute Zwecke tun.

    1. @RA:
      sicher gibt so eine „NGO“ wie Greenpeace (hm, sozialer Zweck?), der PWV oder das DRK Deine Spenden-Millionen ganz gezielt „unters Volk“?
      Soviel Blauäugigkeit schockiert doch ein kleines Bißchen.

  5. Oh, die Sache mit den Wohlhabenden, die gerne viel Steuern zahlen, scheinen ja einen empfindlichen Nerv getroffen zu haben.

    Dabei ist es doch so einfach: Man kann diesem Land gegenüber und dem eigenen Wohlstand gegenüber auch dankbar sein – man kann sogar (für manche unvorstellbar) Mitgefühl für jene haben, die weitaus weniger Glück hatten.

    Doch, doch, meine lieben Liberalen: Das geht.

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