Der Duisburger OB Sauerland (CDU) erinnert mich allmählich an die Affäre Dieter Althaus (ebenfalls CDU).
Er ist in Sachen Loveparade gestern der bewussten Unwahrheit überführt worden, als Medien seine PK-Aussage, er habe von Warnungen und Risiken vorher nichts gewusst neben seine Unterschrift auf einem Sitzungsprotokoll gelegt haben.
Nun klebt der Mann weiter im Amt und ignoriert, wie unwürdig sein Auftritt allmählich ist. Er agiert respektlos gegenüber Opfern und ihren Angehörigen. Er sucht Verständnis für sein „juristisch richtiges” Handeln und heuchelt, die Sache mit aufklären zu wollen. Als stünde er über der Sache, anstatt Teil von ihr zu sein. Immerhin leuchtet ihm inzwischen ein, dass sein störrisches Festhalten an seinem Amt, die Opfer provoziert — weswegen er der Trauerfeier am kommenden Wochenende fern bleiben will.
Aus bürokratischen Gründen verweigert er nun die größte Geste der Anteilnahme, die ihm möglich gewesen wäre. Dieser Mann hat menschlich versagt. Nicht vor der Katastrophe, sondern danach.
Er ist eine Last für diejenigen geworden, auf deren Schultern er steht und deren Loyalität und Solidarität er normalerweise beanspruchen konnte.
So wie Dieter Althaus damals, der ernsthaft glaubte, uns sei seine Tat weniger wichtig, als die Frage, wie er persönlich damit fertig würde. Das ist anmaßend und respektlos gegenüber den Opfern.
Dennoch erwarte und hoffe ich, dass ihm seine am nächsten stehenden Berater heute den Rücktritt nahe legen werden und er auf diese hört.
Es sind übrigens immer die selbsternannten „Bürgerlichen”, denen man das kleine Einmaleins von Sitte und Anstand beibiegen muss.


Was ist das eigentlich für eine merkwürdige Wendung von der ‚Würde der Opfer’ ? Wo ist da die Logik ? Es ist sicherlich moralisch und christlich nicht in Ordnung, Tote zu verhöhnen, sie sind letzten Endes Menschen.
Dennoch fällt mir auf, wie die Wendung von der Würde der Opfer so ausgesprochen handlich im politischen Tageskampf ist. Das riecht entschieden nach Heuchelei.
Auch ist sie natürlich ein tolles Argument, um die Frage zu tabuisieren, die sich stellt: Was ist das für eine Gesellschaft, die eine ‚Love’-Parade als Kulturereignis hochpusht ?
Und was ist toll daran, wenn sich hunderttausende in gleißender Sonne zudröhnen ? Die die große Freiheit feiern aber gleichzeitig erwarten, dass der Staat für die Sicherheit sorgt ?
@nk:
mit der gleichen Verve könnten auch beliebige andere Events untersagt werden.
Da stellt sich schon die Frage, was denn „hochwertig” ist– und noch schlimmer, wer das entscheiden soll?
Vielleicht der „allseits geschätzte” Bundespräsident?
Und– @nk– heute schon beim K*pp-Verlag die neuesten Argumentations-Anweisungen geholt? Frau Herman kommt ähnlich daher– sinngemäß: „alle selbst schuld”…
:-(
Ein gutes Beispiel dafür, wer BürgerInnen schützt bzw. schützen will– und wer nicht. Aber nein, diese Linken, die wollen immer nur Reglementierung…
Ich bin gewiss nicht für untersagen. Selber schuld ist sicherlich nicht angemessen, leichtsinnig ist es schon, sich mit 100.000 zugeknallten Leuten zu versammeln. Aber — wie gesagt — ich bin da nicht für verbieten — jeder trage das Risiko selber.
Ich finde es nur inkonsistent, wenn man die große Freiheit vollkaskoversichert feiern will. Freiheit ja, aber Selbstverantwortung gehört schon dazu.
@nk:
ja, und die Toten und Verletzten habe doch wohl leidlich genug „bezahlt”- jetzt sind die anderen Verursacher dran, Verantwortung zu übernehmen. So ist das in der Politik, ein/e Mandats-/Amtsträger/in übernimmt nicht nur (Versorgung– / Erstattungs-Ansprüche, sondern auch Verantwortung. Beim kleinen Bezirksrat fängt es an– und mit den Rechten wächst die Verantwortung. Macht ist keine Einbahnstraße, sonst kannst Du als Nächstes fordern, dass die SED-Bonzen wieder frei kommen bzw. für ihre Haft zu entschädigen bzw. posthum freizusprechen sind. Eine bestechende Analogie…
Sorry aber dass dieses Drama, was sich am Wochenende abgespielt hat jetzt hier mal eben in eine Anti-CDU-Kampagne verwandelt werden soll, finde ich in mehrfacher Hinsicht unterste Schublade. Meinetwegen schreib, was du von dem Mann hältst (der mit seinem Rücktritt halt die Ermittlungen abwartet, was ich erstmal wenig vorwurfsvoll finde) aber die unterschwellige Behauptung, Politiker anderer Parteien wären schon von ihrem ganzen Wesen her völlig anders drauf, ist einfach nur lächerlich.
@Jan:
nein, in der CDU wird ausgesessen (siehe „Ehrenwort-Kanzler” H. Kohl)- so ca. seit Adenauers Zeiten– es sei denn, der Proband hätte
jemanden getötetirgend etwas Schlimmeres getan. Immerhin tritt Frau Leuth-Schnarrenberger alle Naslang zurück, das rettet die FDP ein wenig.(na, … Bonussmeilen?…)
@Jan: Dann hast Du die gesellschaftlichen Eigenarten unserer Parteien noch nicht verstanden. Vielleicht, weil Du noch zu jung bist. Ich hebe hier die Bürgerlichen Parteien heraus, weil sie selbst oft genug mit „Anstand” und „Würde” argumentieren.
Z.B. packen Guttenberg und Westerwelle gerne den sittlichen Oberlehrer (Stichwort „Kinderstube”) aus, wenn jemand den Bundespräsidenten kritisiert.
Aber wie so oft: Was einer andauernd behauptet zu sein, das ist er nicht. Mit ständig wiederholter Kritik an anderen weist er nur auf eigene Defizite hin. Und die Defizite an Anstand und Moral bei leitenden Angestellten der CDU und FDP sind peinlich häufig. Aber gerade damit identifizieren sich ja viele ihrer Wähler.
Mit einfacher Menschenkenntnis kann man in den Seelen der selbst ernannten „Bürgerlichen” (sie sind natürlich selbst das nicht) lesen wie in einem Buch.
@nk: Wenn Du nicht weißt, was ich mit Würde der Toten meine, dann kann ich Dir nicht helfen. Und wenn Du nicht weiß, inwiefern die Loveparade ein Kulturereignis war, dann bist Du nie auf ihr gewesen.
@nordstadt: Genau so isses!
Wie gesagt: Mit dem Tod von Menschen auf Krampf irgendwelche Parteikampagnen anzufangen, finde ich schon für sich unterste Schublade; Dass es sachlich schwachsinnig ist, ist noch wieder eine andere Ebene (wie man Spendenskandale mit sowas verbinden kann will mir auch nicht in den Kopf) — könnt ihr ja von mir aus anders sehen aber ist hier eigentlich auch nur ein Randaspekt für mich.
@Jan:
wo soll hier eine „Parteikampagne” sein– das hier ist SPD-Blog– ich bin Linksparteiler– und Frank vielleicht bei der „M„LPD (kleiner Scherz).
Kohl’s Skandal, ja, das ist wohl die Gnade der späten Geburt bei Dir, war nicht bloß die Annahme bzw. das Einfädeln äußerst dubioser bis krimineller Spenden-GESCHÄFTE, sondern auch sein späterer Umgang, als es dann doch rausgekommen war. „Ehrenwort” ist spätestens seitdem ein Witz. Ganovenehre wäre ein passender Begriff. Dass Hr. Sauerland vielleicht einfach nur dumm war– und nicht (so) gerissen wie Kohl, das macht den Vorgang an sich, dass sich über Bedenken einfach hinweg gesetzt wird und damit an sich schon Menschenleben gefährdet wurden, nicht besser.
Kurze Frage– hast Du schon mal einen „Event” (mit)organisiert? Wenn ja, dann wüßtest Du, wie wichtig eine dementsprechend genaue Vorbereitung ist– die Eventualitäten und „worst-case”-Szenarien mit einschließt– die nicht lediglich darauf hofft, dass es schon gut gehen wird, nicht regnet, nicht alle auf einmal da sind usw. usf. Ein Massen-Event ist eben kein CDU-Kreisparteitag.
Parteikampagne nenne ich, das Unglück zum Anlass zu nehmen für irgendwelche wirren Behauptungen, wie sie ja im Artikel stehen. Den Zusammenhang zu Helmut Kohl kann ich immer noch nicht nachvollziehen aber was ich persönlich mit dem Mann zu tun haben soll, ist mir ohnehin nicht klar. Genau wie warum ich nun plötzlich irgendwelche Events organisieren soll. Tut an sich auch sonst absolut gar nichts zur Sache, weil die Stadt Duisburg nicht Veranstalter war, ihr Bürgermeister privat nach allem was bekannt ist auch nicht. Bleibt die Frage, was denn bloß dagegen spricht, anhand eines zu erwartenden Ermittlungsergebnisses den oder die Schuldigen zu bestimmen. Der einzige Grund, der an dieser Stelle eine Rolle spielt, scheint mir die Tatsache zu sein, dass es sich zufällig um einen Bürgermeister der CDU handelt und das ist einfach nur albern.
@Jan:
wer Zusammenhänge, die sehr einfach sind, nicht herstellen will, sollte vielleicht aufhören, politich tätig sein zu wollen.
” sollte vielleicht aufhören, politich tätig sein zu wollen.”
Aha, wie beruhigend, dass ich das weder bin noch will.
@Jan: Dieter Althaus ließ es genau so an Anstand und Sitte vermissen wie Adolf Sauerland. Und Helmut Kohl macht sich ebenfalls seine eigenen Regeln und lässt es dabei an Anstand und Sitte vermissen. Alle sind in der CDU. Das ist kein Zufall. Das ist die Doppelmoral der Bürgerlichen.
Und die Jobs von Schröder, Fischer, Schily etc markieren halt die Doppelmoral der Sozialdemokraten. Einen echten Unterschied in der Qualtität mag ich da nicht erkennen und finde es immer noch taktlos, die Opfer der Loveparade für diesen Schmarrn zu missbrauchen. Aber in Deinem Werteuniversum geht das vermutlich schon deswegen in Ordnung, da es ja eh nur die Bösen trifft. Der Zweck heiligt die Mittel und da kann man sein Mitgefühl schonmal beiseite packen.
@Jan:
” (…) und da kann man sein Mitgefühl schonmal beiseite packen.„
das ist eine Unterstellung. Ist die FDP so weit unten, dass ihr Nachwuchs schon keine Argumente mehr hat?
Mal ganz davon abgesehen, wie gut oder schlecht Kohl war : Ich finde es grundsätzlich in Ordnung, das persönliche Ehrenwort höher als das Gesetz zu stellen. Man muss dann natürlich bereit sein, die Konsequenz zu ziehen.
@nk:
Hr. Kohl hatte aber auch schwer zu leiden. Sitzt er eigentlich immer noch in Stadelheim ein?
@nordstadt: Mein Herz schlägt links :-)
@Frank:
schon bemerkt :-)
Keine Ahnung wer die Verantwortung für das Unglück trägt, aber sollte man nicht zunächst die abschließende Untersuchung abwarten — so voll „dubio-pro-reo-bürgermässig” bevor man mit der öffentlichen Verbrennung beginnt?
@DGD:
gut, dass Hr. Sauerland in der CDU ist, als SPD– oder gar Linksparteiler würde Dir Dein Satz doch schwer fallen– oder?
nö, ist nur mein üblicher Gedanke wenn der geifernde Mob durch die Straßen zieht und jemanden hängen will.
Das wird schon seinen Weg gehen, wenn er Schuld trägt wird er abdanken. Aber um das zu entscheiden sollte man erstmal den Abschlußbericht auf dem Tisch liegen haben, denke die 300 Polizisten und 5 Staatsanwälte werden das schon hinkriegen.
Aber ist mir schon klar @NS das das für Dich eine rein politische Frage ist. Der Mob speist sich ja nunmal aus Leuten die sich zusammenrotten und welche die brüllend vorraus führen.
@DGD:
war mir noch gar nicht bekannt, dass ich einen Mob (§ 127 StGB … ca. „Bildung bewaffneter Haufen”) anführen würde. Hast Du die Anklageschrift schon diktiert? ;-)
Ist echt lustig hier.
Wehe ein „Rechter” wird mal kritisiert. Euer Aufjaulen ist bemerkenswert.
ich weiß mehr über Dich als über den OB Sauerland. Deswegen erlaube ich mir bei Dir auch ein Urteil und beim OB Sauerland eben nicht.
Das mag Dir zwar fremd erscheinen, aber die politische Gesinnung hat bei derlei Dingen nichts zu suchen und auch nicht zu interessieren. Aber das mag wohl exakt die persönliche Einstellung sein, die uns beide trennt.
@DGD:
wenn Du das mit dem Zurückstehen politischer Grundüberzeugungen (Gesinnung ist zumeist ein abwertend verwendeter Begriff) bei der Beurteilung von (Fehl-)Leistungen ernst meinen würdest, dann würde Du nicht so herumwimmern, wenn es mal einen „Rechten” treffen könnte– was ja nun lange noch nicht ausgemacht ist– siehe NRW-Filz (u. a. schön analysiert beim Spiegelfechter
http://www.spiegelfechter.com/wordpress/3744/tauschen-tarnen-tricksen).
Ansonsten richtig– über mich ist hier mehr bekannt als über Hr. Sauerland– das mögliche oder wahrscheinliche Fehlverhalten des selbigen abzuurteilen ist weder Deine noch meine Aufgabe– dafür gibt es– hoffentlich– unabhängige RichterInnen.
@Don: Der Mob sitzt in diesem Fall IM Rathaus. Hinterm Schreibtisch und hebt die Hände: „Ich habe nichts unterschrieben.” Das ist der Mob.
Die „öffentliche Verbrennung” wie Du sie nennst, die aber in Wahrheit nur eine Empörung der in ihrem sittlichen Empfinden verletzten Bürger ist, ist nur eine Reaktion auf das Verhalten von Adolf S.. Der verhält sich so, wie ich es aus Geschichtsbüchern kenne: Ich war für nichts verantwortlich, ich habe es so organisiert, dass ich nie was unterschreiben musste. Am Ende sind die Schüler und Studenden, die die Ordnerjobs gemacht haben, die einzigen „Täter”.
Der Adolf S. hat der BILD und DerWesten zwei Interviews gegeben, da stockt einem der Atem über so viel Unverfrorenheit. Dazu kommt, dass er der Lüge überführt ist. Aber auch das empfinden CDU-Politiker bekanntermaßen nicht als Makel.
Die CDU und ihr Sympathisantenumfeld empfinden es als Provokation, wenn man von ihrer Arbeit und ihren Exponenten Qualität erwartet.
@Frank:
nein, überdurchschnittliche Qualität wird erhofft, aber nicht erwartet. Eine durchschnittliche Leistung ist aber zu erwarten. Und die kam nicht, selbst wenn es keine Toten, sondern „nur” Verletzte gegeben hätte.
Es ist fürwahr zusätzlich traurig, dass manche hier (… und anderswo) Verantwortungsgefühl vom „richtigen” Parteibuch abhängig machen.
verurteilt vor soviel ihr wollt. Ihr seid wir ihr seid.
Fritz Pleitgen: „OB Sauerland würde alle Pensionsansprüche verlieren, wenn er zurücktreten würde. Da müsste eine Lösung gefunden werden.„
Quelle: http://www.ftd.de/politik/deutschland/:loveparade-katastrophe-sauerland-verliert-bei-ruecktritt-jede-menge-geld/50150954.html
Ist das ekelhaft.