Schäm Dich, „Tagesspiegel”!

23. Juli 2010
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Der „Tagesspiegel” ist sich nicht zu schade, diesen Müll von Malte Lehming zu veröffentlichen:

Das alles also ließe sich zu dem Kramer-Interview sagen. Ganz zuletzt indes drängt sich eine andere Frage auf: Was ist bloß aus der guten alten Antisemitismuskeule geworden? Einst war sie härter als jeder Dickschädel, auf den sie traf, heute wirkt sie schlapp und schlaff, abgenutzt durch inflationären Gebrauch. Denn was für fast alle stimmt, stimmt für fast keinen mehr. Deshalb wird der Antisemitismusvorwurf oft nur noch als Teil der jüdischen Folklore wahrgenommen, ein bisschen wie Klezmer-Musik. Der Papst warnt vor Kondom und Pille, die FDP vor „anstrengungslosem Wohlstand”, ein Marxist vor dem Privatbesitz an Produktionsmitteln, und die Juden warnen halt vor dem stets zunehmenden Antisemitismus. Ohne viel Gefühl für Relevanz und Proportionen ziehen sie in symbolische Schlachten, auto-immunisiert gegen die Realität. Frei nach Asterix lautet das Resümee: Die spinnen, die Juden, jedenfalls einige, jedenfalls manchmal.

Hätte Lehming sich auch nur einen Hauch von Anstand bewahrt, wären seine Finger beim Tippen dieser Zeilen verkümmert. „Denn was für fast alle stimmt, stimmt für fast keinen mehr.” Respekt, Lehming, eine rhetorisch-analytische Glanzleistung! Die Mehrheit hat immer Recht, Wahrheit durch Mehrheit — der reinste Wahnsinn. Und klar, „die Juden spinnen”. Wussten wir guten Deutschen ja schon immer!

Lehming! FES-Studie „Vom Rand zur Mitte” lesen, schämen und Fresse halten!

Im Übrigen hat die „Titanic” alles gesagt, was zu sagen ist:

Haha, so ist er halt, der Jude, nicht wahr? Wittert, nur weil ein paar seiner Glaubensbrüder irgendwann mal durch ein paar deutsche Einzeltäter zu Tode gekommen sind und weil deren überlebende Nachkommen heute entweder gleich ganz von der Landkarte getilgt werden sollen (Teheran) bzw. nur unter Polizeischutz ihre Bagel essen können (Berlin), überall Diskriminierung. Obwohl er doch selbst schuld daran ist!

Dass an dieser Stelle die Satire-Zeitung „Titanic” die Moral verteidigen muss, zeigt übrigens, wie tief der „Tagesspiegel” gesunken ist.


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18 Responses to Schäm Dich, „Tagesspiegel”!

  1. Frank on 23. Juli 2010 at 05:23

    100% zustimmung, christian. Malte lehming schreibt oft muell., manchmal schreibt er auch ab Aber das hier ist der tiefpunkt.

  2. Kalle Kappner on 23. Juli 2010 at 09:45

    Bah.

    • Nordstadt on 23. Juli 2010 at 16:41

      @Frank und Kalle:
      macht Euch nicht ins Hemd– weder verteidigt der Autor Antisemitismus noch ruft er zu irgend etwas auf, das gänzlich unzulässig wäre.
      Ich habe hier schon Verletzenderes (vA seitens Christian) z. B. über die Linkspartei gelesen, als der TS-Autor in seiner Glosse (!) verbrät.

      Und dann fiel mir noch auf, dass der verlinkte Artikel schon zwei Monate alt ist und 236 Mal kommentiert wurde. Was uns das nun sagt? Das schaffen wir auch! ;-)

      • Arne on 23. Juli 2010 at 18:23

        Ich würd’ sogar noch weiter gehen und die Glosse als ausgesprochen gelungen bezeichnen. Wer wegen dieser Glosse Scham einfordert, den hatte die Glosse anvisiert. Christian packt die Antisemitismus-Keule nur aus, um sich zu profilieren. Ekelig, sowas.

        Ich kenne übrigens keine Antisemiten. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der irgend etwas Antisemitisches von sich gegeben hat. Antitürken, Antirussen, Antigriechen, Antipolen – ja, solche Leute kommen mir gelegentlich unter – aber keine Antisemiten.

      • Frank on 25. Juli 2010 at 10:06

        @Nordstadt:

        Malte Lehming geht mir auf den Sack. Schon lange. Er ist wie Westerwelle: Wartet immer ab, bis man gefahrlos so tun kann, als würde man mutig und einsam ein Tabu brechen.

        Was er hier jedoch zum besten gab, ist unter aller Kanone.

  3. Arne on 23. Juli 2010 at 09:55

    Das alles also ließe sich zu dem Kramer-Interview sagen. Ganz zuletzt indes drängt sich eine andere Frage auf: Was ist bloß aus der guten alten

    Liest sich beinahe so wie eine gelungene Antwort auf dein Geschreibsel, Christian. Die Antisemitismus-Keule wirkt nicht mehr, weil Leute wie du damit selbst auf ihre Kinder einschlagen würden, wenn sie ihren Teller nicht leer gegessen haben. Wenn sich irgend jemand schämen sollte, dann du. Du bist derjenige, der Antisemitismus verharmlost. Du bist derjenige, der den Unrechtsstaat DDR und die Verbrechen der SED verharmlost, weil du nicht zwischen der SED und der Linken unterscheidest.

    • Christian Soeder on 23. Juli 2010 at 10:47

      So wird es sein. :D

      • Arne on 23. Juli 2010 at 12:58

        So wird es sein.

        So war es und so ist es. Und offenbar willst du auch zukünftig die Antisemitismus-Keule verschleißen, in dem du sie zweckentfremdest.

    • R.A. on 23. Juli 2010 at 10:48

      > Du bist derjenige, der den Unrechtsstaat DDR und die Verbrechen der SED
      > verharmlost, weil du nicht zwischen der SED und der Linken unterscheidest.
      Was ist denn das für ein Unsinn?
      Verharmlose ich die Nazi-Diktatur, wenn ich die NPD kritisiere?

      • Nordstadt on 23. Juli 2010 at 16:30

        @RA:
        und wieder Äpfel (sic!) mit Birnen verglichen. Macht das eigentlich Spaß?

  4. R.A. on 23. Juli 2010 at 10:47

    Wirklich ein erstaunlich mieser Text (ich meine von Lehming auch schon mal gute gelesen zu haben).
    Interessant ist seine Behauptung, die deutsche Medienlandschaft wäre mit die israelfreundlichste der Welt. Das ist schon erstaunlich realitätsfremd — er hat sich an das ständige Israel-Bashing in deutschen Zeitungen und Sendern wohl schon so gewöhnt, daß er es gar nicht mehr wahrnimmt.
    Richtig ist natürlich, daß in ausländischen Medien „authentische Hamas-Positionen” und ähnliches eher zu finden sind. Das liegt einfach daran, daß dort quellenorientierter gearbeitet wird (man könnte auch sagen: mit mehr journalistischer Qualität). Man liest dort dann aber auch die Gegenpositionen und kann sich sein Bild machen.

    Der typische deutsche Journalist achtet erst einmal darauf, daß er im engen Korridor des Mainstreams bleibt (wie er von Spiegel und SZ vorgegeben wird). Und zum Mainstream gehört in erster Linie die Beachtung zahlreicher Tabus. Einige davon kann man als Israel-freundlich sehen — z. B. gilt die Hamas als Terrororganisation und wird nicht direkt zitiert.

    Aber leicht umformuliert und abgemildert wird die Hamas-Propaganda dann schon gebracht, so daß sie der Leser für die neutrale Sichtweise des Journalisten halten muß. Und auf die israelische Gegenposition wird dann oft verzichtet.

    • Nordstadt on 23. Juli 2010 at 16:32

      @RA:
      irgendwelche Nachweise für die Behauptung im letzten Satz?

  5. Forentourist on 24. Juli 2010 at 11:59

    >FES-Studie „Vom Rand zur Mitte” lesen, schämen und Fresse halten!
    Oh, eine höchswissenschaftliche Studie des SPD-Propaganda-Instituts, die beweisen soll, dass die Forderungen des SPD-Programms richtig sein müssen. Schon klar. Extremismus der Mitte usw.

    Wir finden im Literaturverzeichnis:
    Adorno (6mal)
    Freud (5mal)
    C. Butterwegge von der SED (1mal)
    und sogar je einmal Popper und Ludwig Erhard ¯\(O_o)/¯
    Riecht also schon von weitem noch völliger wissenschaftlicher Objektivität, wie sie sich jemand vom linken SPD-Rand vorstellt.

    Inhaltlich der übliche Schmu: Wer meint, die Freistellung der Sonn-, Nacht– und Feiertagszuschläge von Steuern und Sozialabgaben sei eine gute Sache, müsste ja eigentlich der Aussage „Der Nationalsozialismus hatte auch seine guten Seiten.” voll zustimmen.
    Konklusio: SPD und DGB sind auch nur Nazis.

    • Arne on 24. Juli 2010 at 14:59

      Inhaltlich der übliche Schmu: Wer meint, die Freistellung der Sonn-, Nacht– und Feiertagszuschläge von Steuern und Sozialabgaben sei eine gute Sache, müsste ja eigentlich der Aussage „Der Nationalsozialismus hatte auch seine guten Seiten.” voll zustimmen.

      Was ist denn da jetzt Zitat?

      Abgesehen davon hatte der Nationalsozialismus natürlich auch seine guten Seiten, sofern damit einige Ereignisse aus der Menge aller Ereignisse in Deutschland von 3345 gemeint sind. Es ist völlig naiv zu glauben, dass es in einem bevölkerungsreichen Land wie Deutschland eine Phase geben kann, in der nur Schlechtes geschieht. Das ist statistisch ausgeschlossen. Nur darf man halt nicht von den wenigen guten Seiten auf die Qualität des Systems schließen. Ebenso wie es erlaubt sein muss, Israel zu kritisieren, muss es auch erlaubt sein, Menschen, die Nazis sind, für Taten zu loben, wenn sie lobenswert sind. Es gab und gibt nicht viele Menschen, die ausschließlich negative Eigenschaften hatten/haben oder ausschließlich Nazis waren/sind.

      Ein Satz wie „Der Nationalsozialismus hatte auch seine guten Seiten.” wirkt nur deswegen so verharmlosend, weil er die guten Seiten nicht spezifiziert.

    • Nordstadt on 24. Juli 2010 at 19:45

      @FT:
      so sehr im Vergangenen leben… Christoph B. ist SED-Mitglied… interessant– hast Du mal die Kartei (geht als als Excel-Liste)?

  6. Linksman on 25. Juli 2010 at 17:47

    Malte Lehming hat vollkommen recht. Alles Antisemi — außer Mutti. Der Antisemitismusbegriff ist absolut unbrauchbar geworden. Die Keule ist zerbrochen. Wer sie weiterhin benutzt, muss nicht mehr ernst genommen werden.

  7. MultiGD on 25. Juli 2010 at 20:31

    Der Artikel ist über 2 Monate alt. Spricht nicht für die Aktualität dieses Blogs. Warum erst jetzt?

    • Nordstadt on 25. Juli 2010 at 21:22

      @MGD:
      ud auch Du bist Teil des großen Ganzen– uns fehlen nur noch 219 Kommentare ;-)

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