Israelkritik und Antisemitismus

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

85 Gedanken zu „Israelkritik und Antisemitismus“

    1. „Wer Israel kriti­siert, ist ein heim­li­cher, feiger Hamas-Sympathisant!”

      Warum heim­lich? Die meisten erklä­ren das doch ganz offen.

      Besonders bedenk­lich findet Sand die israe­li­sche Abstammungspolitik. „Sie ist einer der Hauptgründe dafür, dass der Nahost-Konflikt nicht gelöst werden kann.” Nur wer eine jüdi­sche Mutter habe, könne Staatsbürger werden, erläu­tert Sand in seinem Buch. Damit können zwar alle in den USA, in Russland oder anderswo gebo­re­nen Juden Israelis werden, niemals aber die in Israel gebo­re­nen und aufge­wach­se­nen Palästinenser und Araber.

      Das ist schlicht­weg falsch. Vgl. http://en.wikipedia.org/wiki/Israeli_nationality_law

      1. „Warum heim­lich? Die meisten erklä­ren das doch ganz offen.”
        Lässt sich das irgend­wie unter­mau­ern oder ist das auch ein Bestandteil der israel. Gesetzgebung?

        Die fakti­sche Unterscheidung zwischen Juden/Nichtjuden mit allen gravie­ren­den Folgen ist meiner Meinung nach ebenso fatal wie die Selbstbetrachtung als „jüdi­scher Staat”. Sowas kommt im oben verlink­ten Beitrag 8min. lang, aller­dings muss man ihn dann auch kurz anhören (wenn man sowieso schon darauf eingeht) und nicht nur gegen­lin­ken.

        1. Ich muss mir keinen dumm­dreis­ten Kommentar anhören, um zu wissen, dass es Schwachsinn ist.

          Wer das Existenzrecht Israels infrage stellt, bekommt die entspre­chende Antwort.

          1. Man kann es auch über­trei­ben. Hier stellt niemand was infrage, deine Antwort schießt wirk­lich übers Ziel hinaus.

      2. @Christian:
        Danke für den Link- hast Du dies hier gelesen:
        „(…) In 1999, the Supreme Court of Israel ruled that Jews or the descen­dants of Jews that actively prac­tice a reli­gion other than Judaism would not be allowed to immi­grate to Israel as they would no longer be cons­i­de­red Jews under the provi­si­ons of the Law of Return. (…)”
        Da könnte doch eine/r das nun so inter­pre­tie­ren, dass Israel ein Art von Gottesstaat ist…

        Zwischendrin „Residence” (gilt nur für dieje­ni­gen, die vor 1948 geboren waren und im heuti­gen Israel verblie­ben sind) und „Birth” (nur grade Linie, nur für eine Generation drunter, als Sohn ja, Enkelin nicht) gelesen…

        und dann das hier:
        „(…) Adults may acquire Israeli citi­zenship through natu­ra­li­za­tion. To be eligi­ble for natu­ra­li­za­tion, a person must have resided in Israel for three years out of the previous five years. In addi­tion, the appli­cant must have a right to reside in Israel on a perma­nent basis. All natu­ra­li­za­tion requests are, however, at the discre­tion of the Minister of the Interior. (…)”
        Christian, nun erkläre doch bitte mal, wie bzw. woraus sich dieses Recht, in Israel auf regu­lä­rer, perma­nen­ter Basis zu leben, ablei­tet.

        Da bin jetzt aber mal gspannt- bei dem Maßstab, den Du in einem anderen Beitrag bei „The Joker” ange­legt hast, müßtest Du Dich selbst „sperren”.

        (auch die rest­li­che Lektüre des Wikipedia-Eintrags
        [den bestimmt die Hamas geschrie­ben hat {Vorsicht — Ironie!}]
        ist sehr inter­es­sant- hier­zu­lande wäre solch ein Gesetz in Null-Komma-Nichts vorm BVerfG und in einer Vorab-Entscheidung für verfas­sungs­wid­rig erklärt … mein Lieblings-Satz in dem Abschnitt darun­ter ist: „If the person commit­ted an act which is cons­i­de­red a breach of loyalty to the country.”)

        Christian, ich habe den Eindruck, Du verrennst Dich da in etwas- so düster-dumpf-alle-Bärteträger-und-Frauenhasser sind die Palästinenser wahr­schein­lich nicht in Gänze, wie auch Isralies nicht auto­ma­tisch Wahrheit, Menschlichkeit und allzeit rich­tige Entscheidungen gepach­tet haben.

    2. @Jan

      Ach, der werte Herr Sand… viel schöner als sein Buch finde ich natür­lich den Anklang, den es hier in Deutschland findet. Bin mal gespannt, ob es „Die Erfindung des Belgischen oder sonst­was Volkes” auch mal zu einem Bestseller bringen wird.

      Mit seiner grund­sätz­li­chen These, dass es kein „jüdi­sches Gen” gibt, rennt er doch in jeder aufge­klär­ten Gesellschaft offene Türen ein; so eine Position ist common sense.

      Die Unterstellung von Nazi-Ideologie ist jedoch mehr als dumm: Das ‚Recht auf Rückkehr’ wurde in Israel gerade aus der Erfahrung von Auschwitz einge­führt und ist ein Schutzrecht für alle vom Antisemitismus Verfolgten; und wie sollte ein solches Gesetz seine Funktion erfül­len, wenn es nicht die Kriterien der Antisemiten über­nähme? Der Antisemitismus schafft ‚das jüdi­sche Volk’ ex nega­tivo, als Gemeinschaft der Verfolgten.

      „Ich trage auf meinem linken Unterarm die Auschwitz-Nummer, die liest sich kürzer als der Pentateuch oder der Talmud und gibt doch gründ­li­cher Auskunft. Sie ist auch verbind­li­cher als Grundformel der jüdi­schen Existenz. Wenn ich mir und der Welt, einschließ­lich der reli­giö­sen und natio­nal­ge­sinn­ten Juden, die mich nicht als einen der Ihren ansehen, sage: ich bin Jude, dann meine ich damit die in der Auschwitznummer zusam­men­ge­faß­ten Wirklichkeiten und Möglichkeiten.” (Amery)

      Sands Buch ist weder substan­zi­ell noch span­nend, sondern einfach nur über­flüs­sig, weil es dem Stand der Wissenschaft und des gesell­schaft­li­chen Diskurses in Israel hinter­her­hinkt. Und wenn, dann hat es für die israe­li­sche Gesellschaft eine Bedeutung, aber nicht für Deutsche, die mal wieder besser als ‚Die Juden’ wissen wollen, wer Jude ist und wer nicht!

      1. „Und wenn, dann hat es für die israe­li­sche Gesellschaft eine Bedeutung, aber nicht für Deutsche, die mal wieder besser als ‚Die Juden’ wissen wollen, wer Jude ist und wer nicht!”

        Wenn wir, wie du vorher erläu­terst, den Juden erfun­den hätten, hätten wir doch auch ein Copyright drauf, oder?

      2. > Sands Buch ist weder substan­zi­ell noch span­nend, sondern einfach
        > nur über­flüs­sig, weil es dem Stand der Wissenschaft und des
        > gesell­schaft­li­chen Diskurses in Israel hinter­her­hinkt.
        Sehr gut — wie Dein ganzer Beitrag!

      3. Verstehe die Einlassung nicht, die Nazis haben Juden doch anders defi­niert, als es die die jüdi­sche Orthodoxie tut. Es ist nicht so, dass sich diese die Definition des Judentums von den Antisemiten vorschrei­ben lässt.

    3. > Wer Israel kriti­siert, ist ein heim­li­cher, feiger Hamas-Sympathisant! -.-
      In der Theorie gibt es keinen solchen Zusammenhang.

      In der Praxis stimmt es leider fast immer.

      1. So ein Schwachsinn. Die anti­se­mi­ti­sche Hamas dient zur Diffamierung der Freunde des vertrie­be­nen Volkes.

          1. Glaubst du da eine rechts­po­pu­lis­ti­sche Vokabel zu iden­ti­fi­zie­ren oder störst du dich an dem Wort Freund in diesem Zusammenhang?

  1. Israelverteidigung und Islamophobie:

    „Die meisten Israelkritiker sind Hamasfreunde” — „Ich habe keine Argumente, deswe­gen erkläre ich andere einfach für böse. Schließlich weiß jeder, dass alles „Musels” böse Terroristen sind.”

    „Wer das Existenzrecht Israels infrage stellt, bekommt die entspre­chende Antwort.” — „Scheiß auf die Existenz eines paläs­ti­nen­si­sches Staates.”

    „Ich muss mir keinen dumm­dreis­ten Kommentar anhören, um zu wissen, dass es Schwachsinn ist.” — „Ich muss gar nicht zuhören. Israel macht nie etwas falsch, Moslems sind blöd. LALALALALALA *Ohren zuhalt””

  2. Man kann den dämli­chen Antiimperialismus in weiten Teilen der deut­schen Linken auch kriti­sie­ren ohne gleich auf Israel-Hurrah-Seiten wie „Spirit of Entebbe” zu verlin­ken. Dort tummelt sich nämlich die gegen­tei­lige Klientel, die in der Siedlungspolitik nicht das geringste Übel sieht, und jedem, der dies anders sieht, vorwirft man würde ein „juden­freies” Palästina schaf­fen wollen…

    1. @MGD:
      die Gleichsetzung von Antiimperialismus mit Antisemitismus ist, wie viele Vereinfachungen, kurz­grei­fend- und hier- schlicht- falsch.
      Der Kontext, in dem z. B. DD sich im obigen Video äußerte, ist nicht zu verges­sen. Das ist kein wohl­fei­ler, über­dach­ter und unun­ter­bro­che­ner Redebeitrag auf einem Parteitag oder im Bundestag, sondern eine- wie dem geneig­ten Zuhördenden möglich zu erfas­sen sein könnte- hitzige Debatte. Allein dies stellt die Gleichsetzung Antiimps = Antisemit doch sehr in Frage.
      Und- gebets­müh­len­ar­tig- ich hege keinen Zweifel am Existenzrecht Israels.
      Wer mir jedoch die Kritik an israe­li­scher Regierungspolitik unter­sagt, sollte sich nicht mehr „Demokrat” nennen dürfen.

  3. Hallo Christian,

    Ich bin ja kein Fachmann auf dem Gebiet, aber was ist denn theo­re­tisch so anti­se­mi­tisch daran, den Palästinensern einen eigenen Staat zuzu­ge­ste­hen? Mal so ganz naiv gefragt.

    1. Könntest du Christian bitte mal zitie­ren, damit man weiß, auf welche Aussage du dich beziehst, wenn du sagst: „Ich bin ja kein Fachmann auf dem Gebiet, aber was ist denn theo­re­tisch so anti­se­mi­tisch daran, den Palästinensern einen eigenen Staat zuzu­ge­ste­hen? ”

    1. Ein Antideutscher würde dir antwor­ten: Wegen der Shoa.
      Ich dagegen benutze lieber den Begriff Holocaust.

      1. Ein Antideutscher würde wohl eher sagen: Wegen Auschwitz, gell… Viele Juden würden sagen: Wegen der Shoah und die meisten Deutschen verwen­den den kultur­in­sus­tri­el­len Begriff Holocaust, welchen wiederum Juden und Antideutsche ableh­nen, u.a. weil dieser der Judenvernichtung einen Sinn unter­schiebt und keine Täter benennt.

        1. Ich sage deshalb Holocaust, gerade weil es ein deut­scher Mainstreambegriff ist und dass das vom altgrie­chi­schen Wort für Tierbrandopfer kommt, weiß doch eh keiner mehr, auf jeden Fall klingt der Begriff einfach direk­ter. Ich könnte über­le­gen, ob ich lieber Auschwitz sage… da weiß auch jeder, was gemeint ist.

          1. Achso. Dann ist ja die Israelkritiker nicht anti­se­mi­tisch und auch nicht anti­zio­nis­tisch sondern einfach nur kritisch. Und alle, die Israel nicht kriti­sie­ren sind anti­is­la­mis­tisch und reak­tio­när.

          2. Die Ablehnung der Israelkritik in der deut­schen Linken ist eine Folge der fehlen­den inhalt­li­che Vergangenheitsbewältigung und des Kalten Krieges. Im Kalten Krieg wurden die Begriffe „Faschismus” und „Antisemitimus” so infla­tio­när gebraucht, dass überall den SS-Deutschen (/strukturellen Antisemiten) lauern sehen, aber gerade die Umgebung in der die Antideutschen Land gewin­nen, die Antifa, ist ein gutes Beispiel mit der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und sollte nicht so pole­misch von anti­deut­scher Seite ange­grif­fen werden. Die Kritiker aus dieser Bewegung sind mit Sicherheit keine Antisemiten und alle die, Israel nicht kriti­sie­ren, schauen zu oder fühlen sich in der Vergangenheit so verfan­gen, dass sie ein theo­re­ti­sches, komple­xes Konstrukt errich­ten, dass ihnen die Solidarität mit Israel und den USA erlaubt. Die sind dann auch anti­is­la­mis­tisch und manch­mal reak­tio­när.

    2. @Thomas:

      Du soll­test dich mal ein wenig in die Geschichte des Zionismus einle­sen, dann erüb­rigt sich deine Frage. Lasses Antwort ist nur inso­fern richtig, als dass die deut­sche Judenvernichtung eine der Haupttriebkräfte war, den Staat Israel zu gründen. Aber den Zionismus gab es ja schon vorher, doch auch da war die Hauptmotivation der Antisemitismus. Es war, wenn man so will, das Anliegen des Zionismus, in einem eigenen Staat die den Juden verwei­gerte bürger­li­che Emanzipation zu verwirk­li­chen. Aber obwohl der Zionismus äußerst viel­fäl­tig war, war das reli­giöse Element eher margi­nal. Wie du viel­leicht weißt, sind ortho­doxe Juden die Hauptgegner des Zionismus.

      1. Naja wir alle. Will alle würden zu recht protes­tie­ren, wenn bei uns wieder mehr das christ­li­che Menschenbild als das Menschenbild der Aufklärung in die Verfassung und die Gesetze gepflanzt werden würde.

        Israel ist gut, weil es eine der sehr wenigen Demokratien in diesem Bereich der Welt ist. Aber wie bescheu­ert muss man sein, dass man jeman­den, der das Handeln Israels kriti­siert, als Antisemiten hinstellt. Das entzieht sich jegli­cher Legitimation. Israel ist doch keine jüdi­sche Reparationszahlung von uns.

        1. Es gibt doch die beiden (de jure) christ­li­chen Gottesstaaten der Vatikanstadt und des Vereinigten Königreiches, dessen Staatsoberhaupt gleich­zei­tig reli­giö­ser Führer der meist­ver­tre­ten­den Religion ist. Da schreit auch keiner, weil das eine bloß ein Steuerparadies ist und das andere durch Reformen parla­men­ta­risch wurde. Warum also Israel vorwer­fen, dass es achso reli­giös ist, wenn in der Knesset auch Araber sitzen? Einzig bei der Gründung könnte man einen natio­nal-reli­giö­sen Charakter kriti­sie­ren, aber die Gründung ist, wie bereits erwähnt, gerecht­fer­tigt durch Auschwitz.

        2. „Naja wir alle. Will alle würden zu recht protes­tie­ren, wenn bei uns wieder mehr das christ­li­che Menschenbild als das Menschenbild der Aufklärung in die Verfassung und die Gesetze gepflanzt werden würde.”

          Präambel GG: „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleich­be­rech­tig­tes Glied in einem verein­ten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfas­sungs­ge­ben­den Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.”

          Oh nein, was nun?!

      1. Klasse Auskunft! Und deswe­gen brauchst du dich mit Argumenten garnicht ausein­an­der­set­zen, oder? Mal abge­se­hen davon, dass es da noch einige andere Publikationen gibt, die ‚zwischen’ der Jungle World und der Bahamas stehen, was ist denn so schlimm an anti­deut­schen Zeitschriften? Nehmen wir doch mal die Bahamas: Was stört dich an denen? Kannst du mal gute Argumente gegen grund­sätz­li­che Positionen der Bahamas bringen? Bitte mit Quellenangebe und nicht irgend so einen rand­stän­di­gen Scheiß!
        Mag ja sein, dass die Bahamas nicht so toll ist, nur könn­test DU höchst­wahr­schein­lich noch einiges aus der Lektüre lernen.
        Manmanman, was ein Kindergartenquatsch!

        1. Die Bahamas sieht sich selbst nicht mehr als links, sondern als ideo­lo­gie­kri­tisch. Jede Kapitalismuskritik, die nicht in ihr Konzept passt, dass keine Täter, sondern nur Opfer benennt, ist völkisch / anti­se­mi­tisch, obwohl über­haupt nich von Juden die Rede war. Desweiteren betrach­tet sie die west­li­che Gesellchaft als die fort­ge­schrit­tenste und jede kultu­rell gear­tete Abänderung oder Teilablehnung wird als Kulturallismus bzw. Rassismus beti­telt. Weiterhin vertritt die Zeitschrift eine herab­las­sende Ablehnung auf den Islam, seine Ausprägungen und Einflüsse. Statt ihn säkular zu kriti­sie­ren, wird er dagegen als Islamfaschismus stili­siert, was zur Folge hat, dass im Pott, wo es große anti­deut­sche Gruppen gibt, regel­mä­ßig Moscheen beschmiert weden, nicht beson­ders drama­tisch, aber recht sinnlos. Der letzte Punkt wäre dann die Annäherung an die Werte der bürger­li­chen Gesellschaft und die Kritik an allem Abweichenden, womit sich diese Kritiker als abge­ho­ben, unkon­kret, pola­ri­sie­rend und neokon­ser­va­tiv entlar­ven.

          1. Also:

            Zunächsteinmal grund­sätz­li­ches zu deiner Argumentationsweise: Dass die Jungle World anti­deutsch (was so nicht stimmt) und die Bahamas nicht links sind, mag man so sehen. Nur was sagt das über die Positionen aus, die sie vertre­ten, außer dass sie viel­leicht für dich, weil du ‚irgend­wie links’ bist, deswe­gen schon a priori durchs Raster fallen und du dich schon allein deswe­gen nicht mit ihnen beschäf­ti­gen brauchst. Christian hat einen ganz konkre­ten Text verlinkt, und deine Antwort bezieht sich nicht auf diesen, sondern auf die Zeitung, in der er erschie­nen ist. Desweiteren handelt es sich bei dem Text um ein Interview und nicht um einen redak­tio­nel­len Beitrag oder Kommentar. Aber du brauchst das alles ja nicht lesen, weil es in der falschen Zeitung steht. So, weiter…

            @„Die Bahamas sieht sich selbst nicht mehr als links, sondern als ideo­lo­gie­kri­tisch.”

            Was ist daran jetzt a priori falsch? Sie habe diese Wendung ja begrün­det voll­zo­gen. Und als ‚nicht-links’ haben sie sich doch schon vorher geoutet, und zwar aus zwei Gründen: Zum einen betrach­ten sie, wie viele Kommunisten, Bezeichnung und Sache des ‚Links-seins’ als in den Verhältnissen verhaf­tet (und somit als Teil der poli­ti­schen Antinomien, durch deren Widerstreit hindurch sich das ‚falsche Ganze’ repro­du­ziert). Zum anderen wollten sie sich von ‚der Linken’ abgren­zen, die im wesent­li­chen durch Antiamerikanismus, Antizionismus, perso­na­li­sierte Kapitlismuskritik usw. auszeich­net. Dies rühert daher, dass sie dem Antikapitalismus als abstrakte Negation den Kommunismus als bestimmte Negation (im Sinne Adornos) entge­gen­hiel­ten. Damit erüb­rigt sich auch dein nächs­ter Punkt:

            „Jede Kapitalismuskritik, die nicht in ihr Konzept passt, dass keine Täter, sondern nur Opfer benennt, ist völkisch / anti­se­mi­tisch, obwohl über­haupt nich von Juden die Rede war.”

            Du meinst wohl die These des struk­tu­rel­len Antisemitismus, richtig? Vielleicht kennst du ihn ja schon, aber du soll­test dir dies­be­züg­lich nochmal Postones Text durch­le­sen, dann erüb­rigt sich einiges: http://www.comlink.de/cl-hh/m.blumentritt/agr315s.htm

            @„Desweiteren betrach­tet sie die west­li­che Gesellchaft als die fort­ge­schrit­tenste und jede kultu­rell gear­tete Abänderung oder Teilablehnung wird als Kulturallismus bzw. Rassismus beti­telt.”

            Also, zunächst einmal ist „die west­li­che Gesellschaft” (ich weiß, ich weiß, starke Verallgemeinerung) die fort­ge­schrit­tenste inso­fern, als dass sie, bei aller Kritik und Scheinhaftigkeit, dem Einzelnen das histo­risch höchst­mög­li­che­größte Maß an Freiheit bietet. Diese Freiheit und die bürger­li­che Subjektivität, d.i. die auto­nome Formulierung des indi­vi­du­el­len Willens und des subjek­ti­ven Interesses sind die Voraussetungen eine kommu­nis­ti­schen Gesellschaft, die den Namen verdient. Zudem sollte viel­leicht noch auf die Marginalie verwie­sen werden, dass die Aufklärung dezi­diert west­lich ist.
            Als Rassismus und Kulturalismus werden nicht die ‚Abänderungen’ bezeich­net, sondern eine Legitimation dieser, die sich darauf beruft, dass diese oder jene Leute ‚eben eine andere Kultur’ hätten, ‚nicht aus ihrer Haut’ könnten und nicht demo­kra­tiefä­hig o.ä. seien.

            @„Weiterhin vertritt die Zeitschrift eine herab­las­sende Ablehnung auf den Islam, seine Ausprägungen und Einflüsse.”
            Ja, und? Bestimmte moderne Erscheinungen regres­si­ver Reaktionsformen auf den Kapitalismus (und daruter fällt auch der Islam und Islamismus) haben nichts als Polemik verdient. Diese Wendung war notwen­dig. Die Linke versucht natür­lich immer, massig Verständnis zu zeigen. Anfang der 90er gab es etwas ähnli­ches: Da wurden den Neonazis perma­nent Verständnis entge­gen­ge­bracht: Sie wurden zu Opfern stili­siert (‚Modernisierungsverlier’ usw.), ohne sie auch nur einmal als bewußt handelnde Menschen anzu­se­hen, die Verantwortung für ihr Tun tragen und deren Positionen nicht mit Argumenten, sondern mit (mili­tan­ter) Polemik zu entgeg­nen sei.

            @„Statt ihn säkular zu kriti­sie­ren, wird er dagegen als Islamfaschismus stili­siert, ”

            Was auch immer du damit genau meinst: natür­lich fällt der Islam auch unter die allge­meine Religionskritik. Dennoch ist er doch mehr: Er ist global viel­fach an die Stelle von Antiimperialismus, Antikolonialismus und Befreiungsnationalismus der Zeit des Kalten Krieges getre­ten; deswe­gen besitzt er als WIRKLICHE Bewegung einen anderen Stellenwert als andere Religionen. Zudem ist er gerade aus linker Perspektive doch wohl als Konkurrenzunternehmen in Sachen Widerstand und Befreiung u betrach­ten und verdient allein deswe­gen kriti­sche Aufmerksamkeit. Was den Islamfaschismus angeht, so ist die These ja nicht so abwegig, oder? Man könnte sich drüber strei­ten, ob es Islamfaschismus, Klerikalfaschismus oder gar Islam-NS heißen müsste, aber ansons­ten stimmt das Urteil doch…

            @ Gruppen im Pott:

            Kann ich nicht beur­tei­len, ob die das waren. Geht ja auch um die Bahamas hier.

            @„Der letzte Punkt wäre dann die Annäherung an die Werte der bürger­li­chen Gesellschaft und die Kritik an allem Abweichenden”

            Was hast du denn gegen die ‚Werte der bürger­li­chen Gesellschaft’? Welche Werte stören dich denn genau? Es ist doch die bürger­li­che Wirklichkeit, die zu kriti­sie­ren ist. Und dies grade doch auch im Namen und auf Grundlage der bürger­li­chen Werte; sie sind als Ideologie zu entlar­ven und der Realität gegen­über­zu­stel­len. Du willst sie wahr­schein­lich einfach so entsor­gen, oder? „Man muß verstei­ner­ten Verhältnissen ihre eigene Melodie vorsin­gen, um sie zum Tanze zu zwingen!”, sagte einmal ein kluger Mann.

            @„womit sich diese Kritiker als abge­ho­ben, unkon­kret, pola­ri­sie­rend und neokon­ser­va­tiv entlar­ven.”

            Abgehoben und unkon­kret sind ja schon­mal geile Vorwürfe. Typisch links­deutsch, sag ich mal. Hier hast du eine Leseempfehlung: http://www.copyriot.com/sinistra/reading/agnado/adorno02.html Und was spricht nochmal genau gegen pola­ri­sie­rende Kritik? Gerade aus linker Perspektive?

          2. Ich numme­riere deine Antworten mal bezogen auf die Zitate. Zu deiner Einleitung ist zu sagen, dass dieses Interview nicht mit jeman­dem in seiner poli­ti­schen Meinung medial deter­mi­niert ist, sondern einem unbe­kann­ten Exiliraner, der genau die pro-israe­li­sche Meinung vertrat, die von der Redaktion gewünscht, statt einen Unterzeichner der erwähn­ten Erklärung einzu­la­den, um kritisch nach anti­se­mi­ti­schen Zügen in der Begründung zu forschen. Außerdem ist Jungle World eine anti­deut­sche Zeitung, es wäre einfach lächer­lich das zu bestrei­ten.

            1. „Zum einen betrach­ten sie, wie viele Kommunisten, Bezeichnung und Sache des ‚Links-seins’ als in den Verhältnissen verhaf­tet (und somit als Teil der poli­ti­schen Antinomien, durch deren Widerstreit hindurch sich das ‚falsche Ganze’ repro­du­ziert).”

            Die Antideutschen hinge­gen sind noch mehr im poli­ti­schen System fest­ge­fah­ren als sog. „ortho­doxe” Linke. Wenn du dich in der Szene auskennst, weißt du, dass Drogen, Mode und Konsum eine größere Rolle spielen als bei nicht­an­ti­deut­schen Linken, außer­dem ist nicht­kon­struk­tive Kritik an der gesell­schaft­li­chen Alternative nicht hilf­reich um diese durch­zu­set­zen / zu verbes­sern.

            2. Postones Text ist inhalt­lich der Sache (dem Antisemitismus) nicht ange­mes­sen.

            3. Die west­li­che Gesellschaft ist Urheber des Antisemitismus und der Shoa. Die arabisch-isla­mi­sche Kultur hinge­gen hat bis ins letzte Jahrhundert weites­ge­hend alle Judenfeindlichkeit ausge­merzt. Weiterhin ist und war die west­li­che Gesellschaft betei­ligt an der Koloniastion / impe­ria­lis­ti­schen Unterwerfung der rest­li­chen Welt und damit Hauptverursacher des Antagonismus der sozia­len Demarkation. Unserer Kultur erwächst über­haupt der Grund zum eman­zi­pa­to­ri­schen Widerstand.

            4. Das Wort Islamfaschismus ist eine diffa­mie­rende Bezeichnung für isla­mi­sche Gruppen, die immer wieder ins Visier der anti­deut­schen Kritiker geraten. Der Islamismus, den du ohne weite­res gerne als „Islam-NS” bezeich­nen würdest, weißt erheb­li­che Parallelen zum Zionismus auf: Beide sind natio­nale, reli­giös­kul­tu­relle Bewegungen, die dem Marxismus Konkurrenz machen. Mit diesem Meinungsbild schlie­ßen sich viele Antideutsche übri­gens dem „Kampf der Kulturen” von Pro NRW an um der poli­ti­schen Bedrohung des Islam entge­gen­zu­tre­ten. Sehr frag­lich.

            5. Man kann doch nicht einfach die Leser und Aktivisten der Zeitschrift ausblen­den. Das wäre, wie wenn man leni­nis­ti­sche Texte ohne die Aktionen der Bolschewisten betrach­tet.

            6. Wir als Linke sind nicht die Theoriepolizisten dieser Gesellschaft. Es ist eher die Aufgabe der Konservativen die bürger­li­che Realität mit ihren Werten z vergleik­chen und eins von beiden anzu­pas­sen. Links bedeu­tet dagegen die Negierung (nicht die trini­täre Aufhebung) der bürger­li­chen Gesellschaft, entwe­der durch Reformen oder durch Revolution. Mich stört die bürger­li­che Ideologie, die besitz­re­gelnd das wider­na­tür­li­che Abhängigkeitsverhältnis immer wieder entste­hen lässt, ange­fan­gen im Kindesalter, fort­ge­führt nach der Ausbildung zum solda­ti­schen Leistungsträger oder abge­stem­pelt als chro­ni­scher Arbeitsverweigerer. Eion anderer Punkt ist die fehlende Partizipationsmöglichkeit in der regu­lä­ren Politik, die dazu beiträgt, dass die bürger­li­che Schicht an der Macht bleibt. Achja und dann wäre noch die fehlende inhalt­li­che Aufarbeitung des Holocaust, die auch irgend­wie zu den deutsch­bür­ger­li­chen Werten zu gehören scheint.

            7. Die Antideutschen kriti­sie­ren ihre eigene Szene, auch durch Gewalt und Beschimpfung, und sehen nicht ein, dass das zur Spaltung führt, die noch nicht mal dem leni­nis­ti­schen Prinzip „Klarheit vor Einheit” folgt, wenn durch falsche oder über­spitzte Vorwürfe ständig Aktionen kriti­siert werden, aber nie wirk­lich etwas von anti­deut­scher Seite orga­ni­siert wird, außer anti­is­la­mi­scher Demos und Drogenpartys. Das ist natür­lich jetzt auch über­spitzt, aber ich weiß nich, wie ich den Frust zum Beispiel über die drei verschie­de­nen Maidemos in Hamburg anders rüber­brin­gen soll.

  4. Ich finde es gut, wie sich die „Israelkritiker” immer und immer wieder selbst entlar­ven.

      1. Falls Englisch das Problem sein sollte: http://www.israswiss.net/israswiss/staatsbuerger/index.html

        @„hierzulande wäre solch ein Gesetz in Null-Komma-Nichts vorm BVerfG und in einer Vorab-Entscheidung für verfas­sungs­wid­rig erklärt”

        Warum sollte dies der Fall sein, wo doch über jahr­zehnte das rassis­ti­sche deut­sche Staatsbürgerschaftsrecht auf Grundlage der Verfassung bestand und nicht für verfas­sungs­wid­rig erklärt wurde.

        1. @nexus:
          mit dem rassis­ti­schen Part magst Du recht haben. Dass jedoch eine Staatsreligion exis­tie­ren würde, deren Nicht-Ausübung oder Ablehnung (siehe Art. 4 GG- inter­es­sante Lektüre… nega­tive Religionsfreiheit) zur Ausbürgerung oder Nicht-(Wieder-)Einbürgerung führen würde, halte ich für ein Gerücht.
          Aber Israel ist immer das beste, tollste und hypste Land, ganz klar. Weder in der BRD noch in der DDR, noch im wieder­ver­ein­ten Deutschland wurde je ein Bundeskanzler erschos­sen. In Israel ist das schon ok, wenn er „auf der falschen Seite steht”. Es gibt eine Liebe, die im Übermaß in Haß umschlägt. Wer Teil hiervon sein will, kann sich bei allen mögli­chen Demagogen und Heilspredigern hinten anstel­len und glück­lich damit werden, seine 100%-Wahrheit gefun­den zu haben. Zweifel uner­wünscht. Woran das nur erin­nert?

          1. Was die Staatsreligon angeht: Israel ist ein säku­lä­rer Staat. So einfach ist das. Zudem ist Israel eine weit­ge­hend säku­lare Gesellschaft: http://de.wikipedia.org/wiki/Israel#Religionen

            @„deren Nicht-Ausübung oder Ablehnung (siehe Art. 4 GG– inter­es­sante Lektüre… nega­tive Religionsfreiheit) zur Ausbürgerung oder Nicht-(Wieder-)Einbürgerung führen würde”

            Wo du das mit der Ausbürgerung her hast, weiß ich zwar nicht. Was die Nicht-Einbürgerung angeht: Es ist doch nicht die einzige Möglichkeit. Sieh’s als eine Art special. Zudem werden doch, wie du nach­le­sen kannst, keine Gesinnungstests vorge­nom­men. Durch das Gesetz können auch Kinder jüdi­scher Eltern die israe­li­sche Staatsbürgerschaft bekom­men, die ‚ungläu­big sind’.

            Btw., die Freiheit von Religion steht leider so nicht in der Verfassung, auch wenn es schön wäre…

            Der Rest, den du schreibst, ist natür­lich Quatsch. Aber eins würd ich gerne noch wissen: ich kann deine rheto­ri­sche Frage, „Woran das nur erin­nert?”, leider nicht beant­wor­ten. Hilfst du mir?

          2. @nexus:
            „nexus­rerum
            Erstellt am 11. Juli 2010 um 22:20 | Permanent-Link
            Was die Staatsreligon angeht: Israel ist ein säku­lä­rer Staat. So einfach ist das. Zudem ist Israel eine weit­ge­hend säku­lare Gesellschaft: http://de.wikipedia.org/wiki/Israel#Religionen
            Das sah für mich 1984 ganz anders aus- aber Theorie und Praxis können ja ausein­an­der­fal­len.

            „”@„deren Nicht-Ausübung oder Ablehnung (siehe Art. 4 GG– inter­es­sante Lektüre… nega­tive Religionsfreiheit) zur Ausbürgerung oder Nicht-(Wieder-)Einbürgerung führen würde”
            Wo du das mit der Ausbürgerung her hast, weiß ich zwar nicht.”
            Aus dem Text oben … if the person commi­ted a breach of loaya­lity…

            „Was die Nicht-Einbürgerung angeht: Es ist doch nicht die einzige Möglichkeit. Sieh’s als eine Art special.”
            *Special* inwie­fern?

            „Zudem werden doch, wie du nach­le­sen kannst, keine Gesinnungstests vorge­nom­men.”
            Wo kann man das nach­le­sen?

            „Durch das Gesetz können auch Kinder jüdi­scher Eltern die israe­li­sche Staatsbürgerschaft bekom­men, die ‚ungläu­big sind’.”
            Wer die Staatsreligion nicht prak­ti­ziert, fällt hier heraus, s. oben.

            „Btw., die Freiheit von Religion steht leider so nicht in der Verfassung, auch wenn es schön wäre…”
            Na, das ist doch mal ein Ding!

            „Der Rest, den du schreibst, ist natür­lich Quatsch. ”
            Wenn ich’s mir einfach machen will, dann schreibe ich so etwas- Du soll­test die Äußerungen anderer Menschen ernster nehmen und deren Erfahrungen und die damit zusammenhängende(n) Geschichte(n).

            „Aber eins würd ich gerne noch wissen: ich kann deine rheto­ri­sche Frage, „Woran das nur erin­nert?”, leider nicht beant­wor­ten. Hilfst du mir?”
            Ganz einfach: J…n uner­wünscht. Zweifel uner­wünscht. Schwarz-Weiß-Malerei. Wohin das führt, soll­test Du mal gelernt haben. Straight von der Meinungs- in die Erziehungs-Diktatur.

          3. @Nordstadt @PLI

            @Staatsreligion: Natürlich ist Israel ein jüdi­scher Staat. Dafür ist er ja gegrün­det worden und dass ist auch der Grund, warum er unter­stüt­zens­wert ist. Dennoch bestimmt sich die jüdi­sche Identität nicht allein reli­giös (siehe mein Beitrag oben zu S. Sand) Andererseits ist er auch nicht-jüdisch, was den wesent­li­chen Teil der Rechtssprechung angeht (sieht man mal von Heiratsgesetzen ab oder bestimm­ten Regelungen, die es anderswo auch gibt, wie etwa Sonntag als Ruhetag in Deutschland). Diese Dinge sind jedoch Verhandlungssache der israe­li­schen Gesellschaft, die aus gutem Grund eine mehr­heit­lich jüdi­sche sein und bleiben will. In jedem Fall ist Israel keine Theokratie, sondern eine Demokratie; übri­gens eine vorbild­li­che, was die Repräsentation von Minderheiten in der Knesset angeht. Das mit dem ‚special’ war darauf bezogen, dass die vermeint­lich oder reell reli­giö­sen Elemente im Staatsbürgerschaftsrecht nicht die Einzigen sind; sie kommen zum Rest dazu.

            @ Ausbürgerung:

            Im deutsch­spra­chi­gen Beitrag steht nichts von AUSbürgerung. Wohl aber von einer Einschränkung bei der EINbürgerung:

            „Ein Einwanderungszertifikat kann Personen verwei­gert werden, die:

            1. an einer Handlung gegen das jüdi­sche Volk betei­ligt waren;
            2. die öffent­li­che Gesundheit oder Sicherheit des Staates gefähr­den;
            3. eine krimi­nelle Vergangenheit haben und von denen anzu­neh­men ist, dass sie das öffent­li­che Wohl gefähr­den.”

            Insgesamt ist es mir in der Tat schlei­er­haft, warum du dich so auf das Staatsbürgerschaftsrecht Israels einschießt. Zum einen hat es einen Zweck, der über das Religiöse hinaus­geht (siehe eben­falls den Beitrag zu S. Sand); zum anderen würde es mich mal inter­es­sie­ren, wie viele Länder deine wie auch immer defi­nier­ten Kriterien für ein gutes Staatsbürgerschaftsrecht erfül­len, so es so etwas denn über­haupt gibt. Denn jedes Staatsbürgerschaftsrecht „diskri­mi­niert”, allein die Kriterien sind verschie­den.

            @Gesinnungstest: Damit meinte ich, dass die darin nicht vorkom­men. Wie du nach­le­sen kannst, reicht es ja aus, Kind einer jüdi­schen Mutter zu sein. Deswegen fällt auch nicht raus, wer die „Staatsreligion” nicht prak­ti­ziert. Sonst müsste Israel ja mehr als die Hälfte seiner Bevölkerung raus­wer­fen.

            @Quatsch:

            Ich muss sagen, dass du immer­hin, im Gegensatz zu den meisten anderen, auf der Grundlage von Fakten argu­men­tierst. Deswegen ist dein ‚Quatsch’ etwas anderes als der von Lasse oder Thomas. Ich meinte deine letzte Passage:

            „Aber Israel ist immer das beste, tollste und hypste Land, ganz klar.” Das sagt doch niemand. Es geht mir bei der Beschäftigung mit Israel auch weniger um Israel selbst, als um den deut­schen Blick darauf. „Es gibt eine Liebe, die im Übermaß in Haß umschlägt.” Da gebe ich dir unum­wun­den Recht und das charak­te­ri­siert zunächstein­mal den Umgang der deut­schen Gesellschaft insge­samt wie der deut­schen Linken (Bruchstelle 1967) im Besondern zu Israel. Zudem finde ich auch die Überidentifikation einiger Antideutscher mit Israel proble­ma­tisch. Dennoch würde ich sagen, dass es schlim­me­res gibt und ich nicht glaube, dass hier unbe­dingt Philosemitismus vorliegt, der irgend­wann einmal umschlägt. Wie auch immer, sowas lässt sich immer erst post festum beur­tei­len.

            „Weder in der BRD noch in der DDR, noch im wieder­ver­ein­ten Deutschland wurde je ein Bundeskanzler erschos­sen. In Israel ist das schon ok, wenn er „auf der falschen Seite steht”.” Wer findet das denn OK in Israel? Das ist doch eine Minderheit, wenn ich mich recht entsinne. Vor allem eine Minderheit, die zu einem großen Teil übri­gens anti­zio­nis­tisch ist. Hätte jemand Willy Brandt erschos­sen, hätten sich zu Zeiten seiner Annäherungspolitik weitaus mehr Leute gefreut und es OK gefun­den.

            „Wer Teil hiervon sein will, kann sich bei allen mögli­chen Demagogen und Heilspredigern hinten anstel­len und glück­lich damit werden, seine 100%-Wahrheit gefun­den zu haben. Zweifel uner­wünscht.” Nun, wer behaup­tet denn, dass er die 100%-Wahrheit gefun­den hat? Und das Zweifel uner­wünscht sind? Das ist mir voll­kom­men neu. Der Beitrag von SoE, um den es hier ja eigent­lich geht, enthält doch mehr als nur einen ‚wahren Kern’.
            Ich zitiere mal den Kommentar, den ich auf der Seite geschrie­ben habe, weil er hier auch hinpasst (leicht gekürzt):

            „also, zunächt einmal ist dieser Text ja wohl eine Satire; du soll­test ihn daher nicht zu wört­lich nehmen. Andererseits ist die Israelkritik sowas von Realsatire, dass sie wiederum von diesem Text einge­holt wird und sich dieser, trotz seines humo­ris­ti­schen Charakters als beseres Abbild der Wirklichkeit erweist als wenn man die israel­kri­ti­schen Statements wort­ge­treu auffasst.

            „Eine des Antisemitismus unver­däch­tige Kritik an Israel ist möglich, aber selten. Nur 10% der Befragten, die im GMF-Survey 2004 eine Kritik an Israel ohne anti­se­mi­ti­sche Anleihen äußer­ten, signa­li­sier­ten keine Zustimmung zu mindes­tens einer weite­ren Facette des Antisemitismus. […]“
            (Quelle: http://www.bpb.de/publikationen/3OSAET,2,0,Antisemitismus_in_Deutschland_und_Europa.html#art2)

            Warum du in diesen Beitrag gleich wieder ein Kritiktabu rein­le­sen willst, verstehe, wer will… ”

            Last not least ist deine Paranoia in bezug auf deine Kritik an der israe­li­schen Politik wirk­lich der größte Quatsch. Zum einen disku­tie­ren wir hier doch fleißig. Zum anderen ist in diesen Kommentaren doch nirgends ein Antisemitismusvorwurf geäu­ßert worden, oder? Aber dass du von Israel und einem vermeint­li­chen Kritikverbot unver­mit­telt zur „Meinungs–[und] Erziehungs-Diktatur.” kommst, ist doch wirk­lich an Blödheit nicht zu über­tref­fen. Sorry, aber das ist wirk­lich das Letzte. Fühlst du dich grad wirk­lich so wie die Leute unter Stalin oder Hitler? Oder glaubst du, wir steuern darauf zu, weil die Diskussionen über Israel so geführt werden, wie sie geführt werden?

    1. Meinst du mich? Wenn ja, entschul­dige ich mich dafür, dass ich unfun­diert meine Ansichten preis­gebe, die anschei­nend doch nicht, wie ich erwar­tet hätte, allge­meine Zustimmung finden.

      Ich hatte eigent­lich erwar­tet, dass ihr die Antideutschen etwas distan­ziert betrach­tet.

    2. ALso man darf also Israel nicht kriti­sie­ren? Sonst ist man Hitler?
      Was ist man, wenn man Deutschland kriti­siert?
      Was, wenn man Kroatien kriti­siert?
      Was beid er USA?
      Chile?
      Grönland?

      1. Die Antworten in numme­ri­scher Reihenfolge:

        1. Nein
        2. Ja
        3. Adorno
        4. Milosevic
        5. Stalin
        6. Ein massi­ves Erdbeben der Stärke 8,8 M
        7. mmhh das ist schwie­rig.

    3. @Lasse: Du schreibst eindeu­tig zuviel Mist, als dass man da im Einzelnen drauf einge­hen kann. Jungchen, ließ mal ein paar Bücher und genieße das Leben und versuch es später nochmal. Am lustigs­ten fand ich natür­lich deine vernich­tende Kritik Postones. Habe letz­tens noch eine Hausarbeit über ihn geschrie­ben, aber dein Argument habe ich wahr­lich verges­sen.

      Falls es so eine Zumutung ist, die Jungle World zu lesen, dann nimm dir doch die TAZ: http://taz.de/1/politik/nahost/artikel/1/nicht-gaza-nicht-libanon/

      1. Ich lese im Moment „Israel — Kritik von Links” von Ernst Vogt und neben bei komm ich immer an die aktu­elle Ausgabe der konkret ran. Auf die Auseinandersetzung mit dir kann ich eh verzich­ten, du bist ein wenig zu sehr auf Nexus, wenn du verstehst, was ich meine.

  5. Ich möchte an dieser Stelle mal Uri Averny, ein israe­li­scher Journalist und ehem. Knessetmitglied, zitie­ren:

    ” „Noch einmal wird bewie­sen, dass die ganze Welt gegen uns ist. Sie sind alle Antisemiten.“

    Die öffent­li­che Weltmeinung ist immer auf Seiten der Unterdrückten. In diesem Kampf sind wir Goliath und sie sind David.
    In den Augen der Welt kämpfen die Palästinenser einen Befreiungskampf gegen eine feind­li­che Besatzung. Wir sind in ihrem Land – nicht sie in unserem. Wir siedeln auf ihrem Land – nicht sie auf unserem. Wir sind die Besatzer, sie sind die Opfer. Dies ist die objek­tive Situation und kein Propagandaminister (wie Herr Nachman Shai) kann dies ändern. ”

      1. @nexus:
        ehe hier alles etwas unüber­sicht­lich wird, werde ich mal hier am Ende des Threads auf Deine letzten Kommentare antwor­ten- zuerst zur letzten Frage:
        ja, genau in diese Richtung geht es, s. z. B. Magdeburger Auseinandersetzungen. Das machen sowohl die A-Dt. als auch ihr Konter-Part sehr gut. Je mehr sich die „Linke” die Köpfe einhaut, desto mehr haben die Reaktionäre aller Couleur zu lachen und zu feixen.

        Es gab so einige, die mal fest­stell­ten, dass „der Hauptfeind im eigenen Land” (K. Liebknecht, R. Luxemburg z. B.) stehen würde. Diese Banalität wird heute zumeh­mend igno­riert- „euch” sind Pali-Tuch bzw. IDF Aufreger genug, um hier­zu­lande keiner­lei ernst­hafte Verändeung mehr anstre­ben zu wollen. Dazu noch der ledig­lich im Theoretischen behaf­tete entor­tete Diskurs, der keine oder nur margi­nale Lehren aus der Vergangenheit und Gegenwart der Linken in Dt. und Europa ziehen will (oder kann?).

        Es ist doch mehr als traurig, mit was für „Nebenkriegsschauplätzen” sich die Linke (mal nicht die Partei gemeint) herum­wun­dert, anstatt zumin­dest immer­hin defen­siv die letzten verblie­be­nen Rechte der arbei­ten­den Bevölkerung (Porletariat … you name it…) zu vertei­di­gen- hier vor Ort. Klar, *irgend­wie* hängt ALLES zusam­men- nur die Theorie, dass der in China umfal­lende Reissack hier­zu­lande ein Erdbeben auslöst, ist noch nicht belegt worden ;-)

        Und- nein- ich hänge nicht an irgend­ei­nem Ein-, Aus- oder Wieder-Einbürgerungsrecht- es war Christian, der das „über den grünen Klee” lobte und (dummer­weise?) verlinkte, so dass ich mir als- anglis­tisch-juris­tisch inter­es­sier­ter- Mitdiskutant, den Sekundär-Text durch­las und zu einem anderen Zwischenurteil kam als Christian, dessen Antwort immer noch aussteht. Natürlich ist ein Staatsbürgerschaftsgesetz regle­men­tie­rend, denn würde „man” keine Regeln brau­chen, brauchte „man” auch kein solches Gesetz.

        Ob Uri Avnery ein „Spinner” ist, wage ich nicht zu beur­tei­len- das fällt mir schon bei manchen Bundesbürgern schwer- viel­leicht sollte „man” sich abge­wöh­nen, über alles und jede/n vorschnell Urteile zu über­neh­men.

        Es bleibt fest zu stelen, dass wir hier einen Diskurs begin­nen könnten, der nicht den übli­chen Gang (Vorwurf .. Gegen-Vorwurf .. Verallgemeinerung … Allgemeinplatz …) nehmen könnte. Und das läßt ihn wert­voll genug erschei­nen, sich sach­lich zu betei­li­gen.

        1. @ Nordstadt:

          Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen, dass es massig solcher frucht­ba­ren Diskussionen gab und gibt. Ich glaube jedoch nicht, dass man in Auseinandersetzungen, die notwen­dig sind, unver­brüch­li­che Einheit demons­trie­ren sollte, bloß weil sich dann die falschen Leute freuen. Die Geschichte der Nachkriegslinken in Bezug auf den Antisemitismus, den Nationalsozialismus und Israel ist besten­falls pein­lich zu nennen. Die wirk­lich rabia­ten Auseinandersetzungen in der radi­ka­len Linken fanden ja vorwie­gend in den Jahren 2000ff. statt, und sie waren 1. notwen­dig, 2. glück­li­cher- und notwen­di­ger­weise derart rabiat, dass sie 3. mehr oder minder von Erfolg gekrönt waren. In der radi­ka­len Linken, die, wenn man ehrlich ist, sich ja auf einen kleinen Teil des Studentenmilieus beschränkt, sind grund­le­gende Argumentationsmuster anti­deut­scher Kritik ange­kom­men und über­nom­men worden.

          Was einige Diskussionen heute so hitzig macht (Diskussionen, die sich jetzt grade von der radi­ka­len Linken in die ‚Restlinke’ verla­gern; damit meine ich auch die Partei), sind wesent­li­che Unterschiede in der Auffassung, was ‚deutsch’ (im Wort Antideutsch) und Antisemitismus eigent­lich ist. Auch wenn die Bahamas vieles schreibt, dass mir nicht gefällt, so fand ich ihre Bestimmung, was unter deutsch und somit auch anti­deutsch zu verste­hen sei, garnicht­mal so schlecht:

          „Aber „deutsch“ ist erstens keine fixe „Eigenschaft“ eines bestimm­ten Kollektivs, sondern bezeich­net eine gesell­schaft­li­che Konstellation, die zwei­tens auch nicht auf einen bestimm­ten Landstrich in Mitteleuropa beschränkt ist: die Mutation einer Gesellschaft zur Selbstmordsekte, die, ange­feu­ert von ihren Einpeitschern, vor dem eigenen ins Auge gefaß­ten oder zumin­dest geahn­ten Untergang zunächst den anderen die Hölle auf Erden berei­tet und deren Mitglieder gerade aus der Vergeblichkeit ihrer Unternehmungen die sinistre Energie ihres Handelns bezie­hen. Man braucht gar nicht auf all die Letten, Ukrainer und eben Palästinenser verwei­sen, die sich als frei­wil­lige Hilfstruppen der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Vernichtungspolitik andien­ten, um zu erken­nen, daß die Deutschen ein der globa­len Wertvergesellschaftung imma­nen­tes Potential aktua­li­sier­ten, weshalb sich bis heute aller­lei ähnlich dispo­nierte Bewunderer und Nachahmer auf den Plan gerufen sehen, die sich das von den Deutschen erst­mals exeku­tierte Prinzip eben­falls zunutze machen wollen: Gleiches Elend für alle, während der kalte Haß der Zukurzgekommenen an ausge­wähl­ten Volksfeinden sich gütlich tun darf.” (Quelle: http://redaktion-bahamas.org/auswahl/web35-4.html)

          Damit erüb­rigt sich viel­leicht auch die Sache mit dem Sack Reis und den Nebenschauplätzen. Die globale Entwicklung zeigt doch, dass die Krisenhaftigkeit des Kapitalismus nicht unbe­dingt Emanzipationspotenziale frei­setzt, sondern im Gegenteil: Es erfolgt eine Regression auf Familie, Clan, Religion kurzum, dass, was in der Kritischen Theorie unter dem Begriff Racket firmiert. (Und darun­ter fällt nicht allein der Islamismus, sondern auch Bandenkriege der ‚warlords’ in Weltregionen, in denen das staat­li­che Gewaltmonopol zerfal­len ist; hier wird offen­bar, was staat­li­che Herrschaft immer schon war). Antideutscher Kritik ging es nicht unwe­sent­lich darum, der Linken einmal klar zu machen, dass sich ihr Geschichtsoptimismus gehörig an der Wirklichkeit blamiert und blamiert hat; es gibt keine auto­ma­ti­sche Emanzipation und eben­so­we­nig steht für die nächste Zeit eine nicht-auto­ma­ti­sche an. Wenn man sich die globa­len Verhältnisse ansieht und zudem das eigene Potenzial betrach­tet, ist es dann viel­leicht nicht sinn­voll, sich zunächst einmal dafür einzu­set­zen, dass zumin­dest die Bedingungen der Möglichkeit von Emanzipation erhal­ten bleiben?

          Was den Vorwurf des ledig­lich „im Theoretischen behaf­tete entor­tete Diskurs[es]” angeht, empfehle ich dir unbe­dingt, den Text von Adorno zu lesen: http://www.copyriot.com/sinistra/reading/agnado/adorno02.html Ich glaube, er triff darin genau das Problem.

          Was die Verteidigung frühe­rer Rechte aus dem Fordismus in der Gegenwart betrifft, gebe ich dir ja garnicht mal unrecht. Dennoch findet dies 1. im oben beschrie­be­nen Kontext statt, der welt­ge­schicht­lich allemal bedeu­ten­der sein wird. 2. Gilt es auch hier, Wesen und Zweck des Sozialstaats einer Kritik zu unter­zie­hen (bei dieser Thematik lobe ich mir den Gegenstandpunkt ;) ) 3. Ist es auch hier zentral, hinsicht­li­cher der Teilnehmer die Ideologiekritk, hier vor allem hinsicht­lich des Nationalismus und des — ja, auch den gibt es, und zwar bei der über­wäl­ti­gen­den Mehrheit — struk­tu­rel­len Antisemitismus, nicht über Bord zu werfen; und da reicht es bei weitem nicht, platt an den Internationalismus vergan­ge­ner Zeiten anzu­knüp­fen.

          @ Avnery: Er ist einer, vertrau mir ;)

          @Diskurs:

          Ich glaube, dass viele Verallgemienerungen und Allgemeinplätze daher auf den Tisch kommen, weil der Platz in einem solchen Forum äußerst beschränkt ist. Zudem haben die Leute ja auch noch ein Privatleben und können hier nicht auf Dissertationsniveau schrei­ben. Zudem trollen sich, auch hier, immer Leute herum, bei denen es nicht anders geht. Ich behaupte mal ganz frech, dass das halb­wegs gute Klima, dass hier herrscht, nicht das Ergebnis einer sach­li­chen Diskussion oder der Beiträge vieler Israelkritiker herrührt (dich nehme ich jetzt mal, größ­ten­teils, davon aus), sondern in der Tat aus der Zurückhaltung derje­ni­gen, die hier eher prois­rae­lisch argu­men­tie­ren (denen man höchs­tens vorwer­fen kann, dass sie nicht auf jedes einzelne Argument einge­gan­gen sind). Auch hier tummelt sich genug ‚Deutsche Ideologie’, als dass keine Polemik ange­bracht wäre, z.b. die Permanente, kontra­fak­ti­sche und beleg­freie Unterstellung, dass jede Kritik an der israe­li­schen Regierung als Antisemitismus abge­stem­pelt wird. Kostprobe:

          „Aber die die es tun, sind Hitler?”

          „ALso man darf also Israel nicht kriti­sie­ren? Sonst ist man Hitler?”

          In der Tat ist diese Unterstellung, voral­lem derart formu­liert Teil des anti­se­mi­ti­schen Diskurses. Auch der Drang, Israel perma­nent in die Rolle des Gottesstaates eines sich für auser­wählt halten­den Volkes zu drängen, ist schon sonder­bar. Dazu kommen noch die übli­chen Idiotien:

          „Die anti­se­mi­ti­sche Hamas dient zur Diffamierung der Freunde des vertrie­be­nen Volkes.”

          „„Der Islamismus, den du ohne weite­res gerne als „Islam-NS” bezeich­nen würdest, weißt erheb­li­che Parallelen zum Zionismus auf: Beide sind natio­nale, reli­giös­kul­tu­relle Bewegungen, die dem Marxismus Konkurrenz machen.”

          „Die Antideutschen kriti­sie­ren ihre eigene Szene, auch durch Gewalt und Beschimpfung, und sehen nicht ein, dass das zur Spaltung führt, die noch nicht mal dem leni­nis­ti­schen Prinzip „Klarheit vor Einheit” folgt, wenn durch falsche oder über­spitzte Vorwürfe ständig Aktionen kriti­siert werden, aber nie wirk­lich etwas von anti­deut­scher Seite orga­ni­siert wird, außer anti­is­la­mi­scher Demos und Drogenpartys.”

          auch von dir, sorry: „Aber Israel ist immer das beste, tollste und hypste Land, ganz klar.”

          „Meinungs–[und] Erziehungs-Diktatur.”

      2. „[…]der in Israel aus gutem Grund die gleiche Resonanz findet wie hier­zu­lande die MLPD oder die BüSo[…]

        Spricht nicht gerade für die israe­li­sche Mehrheit, genauso wie die alltäg­li­che Ethnokratie und der Hang zum Militarismus.

        1. @ „Hang zum Militarismus”… ist wahr­schein­lich gene­tisch bedingt.

          @ „alltäg­li­che Ethnokratie”: schon schlimm, dass die Juden nach Jahrhunderten der Verfolgung nicht endlich aufge­ben und noch ihre letzte Zufluchsstätte (und erste, die ihnen zumin­det die von dir ja gehaßte bürger­li­che Emanzipation garan­tiert) preis­ge­ben.

          Welchen Vorschlag hast du denn? Soll Israel kein expli­zit jüdi­scher Staat sein? Willst du es ihnen verübeln, dass sie aus ihrer Geschichte einen anderen Schluß gezogen haben, als viel­leicht du?

          1. Wie du versuchst die jüdi­sche Vergangenheit als Argument anzu­füh­ren ist lächer­lich. Die jüdi­sche Kultur ist nur eine unter vielen, auch eine unter vielen unter­drück­ten, aber damit ist die Benachteiligung / Diskrimminierung Menschen anderer Kultur nicht gerecht­fer­tigt.

            Willst du den Hang zum Militarismus anzwei­feln? Dann frag dich doch mal rum in Israel, wieviele in der Armee waren / sind, wieviele diese ideo­lo­gisch unter­stüt­zen und wer für sein Land sterben würde.

          2. @ Lasse: bla bla blub

            Was für ein leeres Gewäsch! Vielleicht hätte dich meine Anmerkung („„Hang zum Militarismus”… ist wahr­schein­lich gene­tisch bedingt.”) über die Idiotie der Vokabel ‚Hang’ in diesem Zusammenhang etwas zum Nachdenken bringen können. In Israel gibt es nämlich einen Grund dafür, dass die Verteidigung einen so hohen Stellenwert hat. Und dieser liegt nunmal zum einen in der geschicht­li­chen Erfahrung des Antisemitismus begrün­det, zum anderen in der Tatsache, dass Israel am Tag seiner Gründung der Krieg erklärt wurde, und dieser Kriegszustand bis heute anhält. Dieser stän­dige Linke Beißreflex bei Militär und Militarismus blamiert sich nämlich bei Israel, wo das Militär bei Gott einen anderen Stellenwert besitzt als anderswo — und das zu Recht.

            Vielleicht gucktst du dir mal den Militarismus der helden­tod­gei­len Gegner Israels an, die du als unter­drückt und diskri­mi­niert bezeich­nest, und die nicht nur ihr Land vertei­di­gen, sondern so viele Juden wie möglich ermor­den — und dafür sterben — wollen. Dort passiert so etwas, um nur ein paar Beispiele zu nennen, die ich in den letzten Tagen zu Gesicht bekom­men habe:

            http://lindwurm.wordpress.com/2010/06/29/wenn-wir-als-martyrer-sterben/

            Und so etwas läuft im Kinderprogramm:

            http://www.youtube.com/watch?v=illF1vt5g1Q&feature=related

            http://www.youtube.com/watch?v=YIBNRVgq59Y&feature=related

          3. Du weißt schon, dass solche Videos der Auslöser für weitere Eskalation sind, die abwech­selnd von den Islamisten und der israe­li­schen Regierung, gestärkt und voran­ge­trie­ben wird?

          4. Ich weiß zwar nicht genau, was du mir mit deinen Worten sagen willst, aber dafür weiß ich, dass diese Videos von einer sonder­ba­ren Pädagogik zeugen und Golda Meirs Wort belegen, dass es erst dann Frieden geben wird, wenn die Palästinenser ihre Kinder mehr lieben als sie die Juden hassen!

            Selbst wenn es einmal Frieden in der Region geben sollte: Diese Erziehung brennt sich derma­ßen in die Köpfe der Kinder ein, dass der Schaden irrepa­ra­bel ist… Für so etwas gibt es keine Rechtfertigung, seien die Lebensumstände auch noch so schlimm und Israel noch so aggres­siv! Selbst wenn es in Israel ähnli­che Fernsehsendungen gäbe, was nicht der Fall ist, so wäre dies keine Rechtfertigung.

            Aber ich weiß, ich weiß: die Israelis sind ja auch nicht anders… und zudem noch rassis­tisch… dazu noch ein lusti­ger Klassiker:

            http://www.lizaswelt.net/2007/12/vergewaltigungssoziologie.html

          5. Israel führt Krieg gegen die Zivilbevölkerung Palästinas, genauso wie die Hamas. Das will ich damit sagen.

          6. Nein. Israel vertei­digt sich gegen die Hamas-Faschisten, die die Palästinenser zur Geisel nehmen. Wenn die Hamas weg ist, dann klappt’s auch mit dem Frieden.

          7. Und wieso greift Israel inter­na­tio­nale Hilfsorganisationen, Krankenhäuser undan­dere zivile Einrichtungen an bei einem Bombardement? Und welche getarn­ten Hamaskämpfer gibt es im See Genezereth oder den Golanhöhen?

          8. Ach Lasse, lass es… zunächstein­mal sind Diskussionen sinnlos, in denen eine Partei nicht die Entgegnungen der Gegenseite, ob ableh­nend oder zustim­mend, aufnimmt. Deweiteren kommen von dir nur unqua­li­fi­zierte und unbe­legte Bemerkungen. Deswegen komme ich zu dem Schluss, dass du Israel unbe­dingt ans Bein pissen willst, koste es, was es wolle. Argumente der Gegenseite hörst du garnicht, da dein Verhalten reine Projektion ist und für dich nicht sein kann, was nicht sein darf.

            @„Israel führt Krieg gegen die Zivilbevölkerung Palästinas, genauso wie die Hamas. Das will ich damit sagen.” Komm schon, ich weiß, dass es dir unter den Nägeln brennt: Sei so lieb und mach den Blüm für mich: http://www.shortnews.de/id/392572/Norbert-Bluem-Sharon-fuehrt-Vernichtungskrieg.

            @„Und wieso greift Israel inter­na­tio­nale Hilfsorganisationen, Krankenhäuser undan­dere zivile Einrichtungen an bei einem Bombardement? ” Kreuze an:

            [ ] Reine Lust am Töten
            [ ] Rassismus
            [ ] Imperialistische Machtgeilheit

          9. > Argumente der Gegenseite hörst du garnicht, da
            > dein Verhalten reine Projektion ist und für dich
            > nicht sein kann, was nicht sein darf.

            habe ich auch bereits bei Diskussionen mit Lasse so wahr­ge­nom­men.

          10. Halbsatirische Beispiele für unge­schickte / unan­ge­mes­sene Israelkritik, heißt also auf ein Argument einzu­ge­hen?
            Das ist jeden­falls die Hauptmethode, mit der prois­rae­lisch hier argu­me­tiert wird. Dazu käme noch Pauschalisierung und Diffamierung. Ich hab schon oft in Diskussionen erlebt, dass von beson­ders fest­ge­fah­re­nen Leuten eine Haltung ausgeht, den anderen Debattanten als erstes in eine Ecke zu stellen ohne die Motive seiner Kritik zu durch­schauen.

          11. Satire ist nicht so Dein Ding habe in nem anderen Thread fest­ge­stellt. Immer so reden wie es einen gerade in den Kram passt — das gefällt mir nicht.

    1. Wie kommst du denn darauf, dass er Jude sein könnte? Er vertritt nur seine Meinung wie jeder andere Wählerspeichelschlecker auch, nämlich die, dass es profi­ta­bel ist, sich den Anschein zu geben, als habe man eine Meinung, die man auch dann zu vertre­ten bereit ist, wenn andere anderer Meinung sind. Das ist kein jüdi­sches Phänomen.

    1. Vielleicht beant­wor­tet das, was er hier in Ermangelung eines Witzes über den Kapitalismus geschrie­ben hat, ja deine Frage. Nicht der Witz selbst, denn der ist durch­aus witzig (Und warum soll man über Juden keine Witze machen dürfen?), sondern die Tatsache, dass Linksman sich gerade diesen Witz ausge­sucht hat, um dem Sozialdemokrötchen Soeder ’was entge­gen­zu­set­zen. (Mir ist übri­gens auch kein Witz über den Kapitalismus einge­fal­len. Der ist einfach nicht witzig. Liegt viel­leicht daran, dass er im Gegensatz zum Kommunismus exis­tiert und exis­tierte. Stattdessen habe ich dann nach mittel­al­ter­li­chen Witzen gesucht, aber die schie­nen mir alle nicht authen­tisch zu sein. Witze über den Zustand der sozia­len Marktwirtschaft lassen sich vermut­lich leich­ter konstru­ie­ren. Eigentlich kann sich ja nur etwas in einem Zustand befin­den, das exis­tiert.)

      Jedenfalls ist es völlig abwegig, jeman­dem, der scharfe Kritik an Israel wegen Menschenrechtsverletzungen übt, allein deswe­gen Antisemitismus zu unter­stel­len. Israel hat lange genug einen Freibrief für Menschenrechtsverletzungen gehabt.

  6. Jemand: „Ich hatte mal ne Zwischenlandung in Tel-Aviv — da war das Wetter nicht so gut.”
    Christian über­setzt in Gedanken: „Hamas Hamas Hamaaaaas!”

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