Es gibt ein Recht auf Freiheit von Gesundheitsgefährdung

6. Juli 2010
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Eine merkwürdige Debatte über das „totale Rauchverbot” wird zur Zeit geführt. Sachlichkeit kommt darin kaum vor, Polemik und Unterstellungen dafür umso häufiger. Der widerliche Gutmensch, dieser Überzeugungstäter der guten Sache, hat wieder zugeschlagen und dafür gesorgt, dass in Bayern in der Kneipe nicht mehr geraucht werden darf.

Zu einer Klärung des Sachverhaltes will ich ein Stück beitragen.

Als nächstes wird dem braven Bürger dann verboten, auf seinem Balkon zu rauchen, danach wird der Alkohol verboten!” keift es einem entgegen. Dabei geht das völlig an der Sache vorbei. Weder hat das Rauchverbot in Kneipen eine generelle Genußfeindlichkeit als Grund, noch geht es irgendjemandem an, was der brave Bürger zuhause so treibt. Und der Alkoholkonsum schädigt — anders als der Zigarretenkonsum — nicht die unmittelbare soziale Umwelt.

Es gibt kein Menschenrecht auf Kneipenbesuch!” schmertet es einem entgegen. „Aha, und jetzt?” frage ich mich. Es gibt auch kein Menschenrecht auf’s Rauchen. Vielleicht taugt dieses Menschrechts-Argument einfach nicht. Vielleicht geht es auch eine Nummer kleiner. Hier geht es nicht um Menschenrechte. Gibt es auch ein Recht auf 100km/h-Fahrten in der Fußgängerzone, weil ja niemand gezwungen wird, in die Fußgängerzone zu gehen und dort dann von Speedjunkies überfahren zu werden? Ist es auch legitim, nachts um Vier die Boxen voll aufzudrehen, weil ja niemand gezwungen wird, neben den nächtlichen Ruhestörer zu ziehen?

Mit dem bisschen Gestank könnt ihr ja wohl leben! Der Schweiß und abgestandene Biergeruch ist auch nicht besser” lautet das nächste Argument. Nun, hier wurde wohl nicht ganz verstanden, worum es geht. Nicht der Gestank ist das störende Element, sondern die krebserzeugenden Inhaltsstoffe im Zigarettenrauch. Schweißgestank und abgestandenes Bier erzeugen keinen Krebs. Zigarettenrauch tötet täglich in Europa mindestens 130 Nichtraucher.

Wer sich ganz abgebrüht geben will, führt das ökonomische Argument an: „Wenn in den Kneipen nicht mehr geraucht werden darf, dann müssen die alle zu machen!” Genau das gleiche wurde in Irland und Italien doch auch erzählt. Und nun gibt es dort keine Kneipen mehr? Ich habe in meinem Leben nie geraucht und bin trotzdem so gut wie jedes Wochenende in der Kneipe. Ich gelobe, auch bei einem Rauchverbot in NRW weiterhin dort aufzutauchen. Und meine rauchenden Freunde kann ich bestimmt überzeugen, zum quarzen mal eben vor die Tür zu gehen.

Leben und leben lassen!” sagt der liberale Freigeist (Nebenbei: „Leben und sterben lassen!” fände ich passender) . Auf meine Erwiderung, das wäre eigentlich nie linkes Programm gewesen kommt der hämische Kommentar unserer lieben Scheinliberalen: „Ja, so sind sie, die Sozis. Endlich gibt es mal einer von denen zu, dass sie nur Verbote wollen!”. Dabei heißt „Leben und leben lassen”, ernstgenommen, jedem Menschen das Maximum an Freiheit zuzugestehen. Und ist das sinnvoll? Jeder Demokrat weiß: Die Freiheit des einen endet dort, wo die Freiheit des anderen substantiell gefährdet ist.  Es gibt mitnichten einen Anspruch auf das Maximum an Freiheit. Es gibt Regeln und Gesetze, die das Zusammenleben ermöglichen. Und wenn die Freiheit des Nichtrauchers von Gesundheitsschädigung gefährdet ist hört der Spaß auf. Dass Passivrauchen keine Marginalie ist zeigen unzählige Untersuchungen, auch wenn die Tabak-Lobby gerne anderes behauptet.

Was wäre denn die Konsequenz dieses Arguments? Dürften Nichtraucher jetzt nicht mehr in Kneipen gehen? Na, ob sich das von den angeblich so liberalen Freunden des Rauches so leicht rechtfertigen ließe?

Zwei Bemerkungen zum Schluß: Mir ist völlig klar, dass das bayrische Gesetz problematische Inhalte enthält. So halte ich es für absolut sinnvoll, Rauchern jederzeit die Möglichkeit zu geben, in abgetrennten Räumen nach Herzenlust zu qualmen. Und wieso in Shisha-Bars nicht geraucht werden soll ist wahrlich auch schwer zu verstehen. Es geht aber um das Grundlegende, darum, dass anscheinend einige Mitglieder der Gesellschaft nicht bereit sind, einzugestehen, dass ihr asoziales Verhalten, das Rauchen im Beisein von anderen Menschen, die damit nicht einverstanden sind, nicht akzeptabel ist. Sie gefährden die Gesundheit ihrer Mitmenschen. Darum geht es. Bezeichnenderweise wird auf dieser Ebene auch garnicht argumentiert. Es ist wohl vollkommen anerkannt, dass Aktivraucher den Passivrauchern schaden. Es werden nur Argumente gesucht um dieses gemeingefährliche Verhalten zu rechtfertigen. Und das will ich nicht durchgehen lassen.

Ein weiterer Hinweis: In der FAZ ist ein wunderbarer Artikel zum Thema erschienen.  Möglicherweise kann die Lektüre das Gemüt etwas abkühlen.

Also, meine lieben rauchenden Freunde: Niemand missgönnt euch den Genuß beim Schwärzen eurer Lunge. Wohl aber möchte ich nicht gezwungen werden, daran teilzunehmen. Raucht in eurem Wohnzimmer, auf dem Balkon, auf der Straße oder meinetwegen auch in abgetrennten Raucherräumen in Kneipen. Aber tut nicht so, als wäre es selbstverständlich, dass ich diese Belästigung hinnehmen müsste.

PS: Der ein oder andere mag sich fragen, wieso hier auf „Rot steht uns gut” erst zwei Artikel gegen das Rauchverbot und dann ein Artikel für das Verbot erscheinen. Das liegt ganz einfach daran, dass hier viele verschiedene Autoren mit teilweise abweichenden Meinungen ihre Gedanken zum Ausdruck bringen.


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49 Responses to Es gibt ein Recht auf Freiheit von Gesundheitsgefährdung

  1. Pelykanos on 6. Juli 2010 at 15:43

    Gehört zwar nicht zum Thema, aber „Erwiderung” schreibt sich ohne „ie” nur mit einfachem „i”. Es bedeutet „Entgegnung” und kommt von dem alten mittelhochdeutschen Wort „wider” = „gegen”; daher auch Widerstand, Widerschein, Widerspruch, Widrigkeit usw., aber nicht „Widerholung”, „Widervorlage”, sondern „Wiederholung”, „Wiedervorlage” usw.

    Nix für ungut, aber soviel Rechtschreibung darf schon sein ;-)

    • Kalle Kappner on 6. Juli 2010 at 15:44

      Danke für den Hinweis.

  2. Markus Ritter on 6. Juli 2010 at 15:46

    Und der Alkoholkonsum schädigt — anders als der Zigarretenkonsum — nicht die unmittelbare soziale Umwelt.

    Wenn man sich anschaut, wieviele Delikte unter Alkoholeinfluss begangen werden, dann stimmt obige Aussage nicht.

    Aus der polizeilichen Kriminalstatistik:
    „Von insgesamt 156.979 aufgeklärten Fällen im Bereich der Gewaltkriminalität wurden 51.887 Fälle (33,1 Prozent) unter Alkoholeinfluss verübt. Insbesondere bei den schweren und gefährlichen Körperverletzungsdelikten (44.468 Fälle) ist dies zu beobachten, deren Anteil im Vergleich zum Vorjahr von 34,5 auf 36,2 Prozent angestiegen ist.”

    Kann also durchaus gefährlich sein, sich in der Nähe von Betrunkenen aufzuhalten. Ich will weder Alkohol verbieten, noch rituelle Besäufnisse in Form von Festen.
    Ich wollte nur mal darauf hinweisen, dass derjenige, der von einem enthemmten, alkoholisierten Menschen zusammengeschlagen wird, weil der gerade Bock drauf hat, zur Gefährlichkeit von Alkohol anderer Meinung ist.

    • Kalle Kappner on 6. Juli 2010 at 15:49

      Zweifellos richtig, jedoch spielt sich diese Gefahr durch Alkoholismus auf einer anderen Ebene ab. Es gibt keine direkte Schädigung meiner Gesundheit, wenn ich neben einem Biertrinker in der Kneipe sitze.
      Außerdem gibt es für diese Probleme bereits Regelungen. Menschen, die unter Alkoholeinfluß andere Menschen zusammenschlagen werden dafür im Allgemeinen auch bestraft.

      • Markus Ritter on 6. Juli 2010 at 17:02

        Zweifellos richtig, jedoch spielt sich diese Gefahr durch Alkoholismus auf einer anderen Ebene ab. Es gibt keine direkte Schädigung meiner Gesundheit, wenn ich neben einem Biertrinker in der Kneipe sitze.

        Zweifellos richtig, wenn ich mir allerdings die Wiesn-Bilanz der bayrischen Polizei anschaue

        http://www.polizei.bayern.de/muenchen/news/presse/aktuell/index.html/102681

        dann scheint mir die Gefährdung der eigenen Gesundheit durch Angetrunkene auf dem Oktoberfest doch weitaus höher zu liegen, als die Gefährdung durch Passivrauchen. Dass der täter dann irgendwann bestraft wird, mag dem Gerechtigkeitsempfinden dienen, der schmerz und die bleibende körperliche und seelische Beeinträchtigung (bei schweren Körprerverletzungen bzw. Sexualdelikten) bleiben.

        So, wer hat jetzt gesagt, dass man eben nicht auf die Wiesn solle, wenn einem das zu gefährlich sei?

  3. Christian Soeder on 6. Juli 2010 at 15:48

    Raucht in eurem Wohnzimmer, auf dem Balkon, auf der Straße oder meinetwegen auch in abgetrennten Raucherräumen in Kneipen.”

    Sehr großzügig. Die abgetrennten Raucherräume wurden in Bayern allerdings gerade verboten. Und genau das wird in meinen Beiträgen behandelt.

    • Kalle Kappner on 6. Juli 2010 at 15:50

      Steht in meinem Artikel schon drinne.
      Es ist aber nicht das einzige, worum sich die Diskussion dreht, das sollte dir schon aufgefallen sein. Vielleicht ließt du meinen Artikel einfach nochmal.

      • Christian Soeder on 6. Juli 2010 at 15:55

        Ich habe den Artikel gelesen. Und kann nur sagen: „Sachlichkeit kommt darin kaum vor, Polemik und Unterstellungen dafür umso häufiger. ”

        • Kalle Kappner on 6. Juli 2010 at 15:59

          Es ist das größte Kompliment für mich, dass du anscheinend nicht in der Lage bist, mir argumentativ entgegen zu treten sondern einfach nur ohne jegliche Erläuterung ein Zitat von mir wendest ;). Oder zumindest versuchst, es zu wenden. Denn überzeugen will es nicht so recht.
          Argumente überzeugen. In meinem Artikel findest du genug davon. Widerleg sie, dann kannst du auch überzeugen.

          • Christian Soeder on 6. Juli 2010 at 17:14

            Da tauchen nun einmal keine neuen Argumente auf, insofern kann man darauf auch nicht eingehen.

          • Kalle Kappner on 6. Juli 2010 at 17:41

            Du ignorierst dir unangenehme Argumente einfach. Kann man so natürlich auch machen.

          • Christian Soeder on 6. Juli 2010 at 17:45

            Ne.

          • Nordstadt on 6. Juli 2010 at 17:45

            @Kalle:
            Du hast Argumente verkürzt–

            ich habe z. B. nicht lediglich die Wirtschafts-Karte ausgespielt, also dass es Eckkneipen sowieso schwerer haben als vor 2005 (Hatz4…)-

            sondern dazu noch die soziale und habituarische Rolle bzw. Aufgabe der Klein-Gastronomie besonders im klein-städtischen und ländlichen Bereich (und in den größeren Städten, wie BS z.B. in bestimmten Quartieren, in denen nicht nur Lehrer und andere Beamte wohnen),
            die sich eben keine abgetrennten RaucherInnen-Räume (mal gelesen, wie teuer so eine Abluft-Einrichtung oder so ein [Anbau mit] Glaskasten ist?) leisten kann oder darf
            (Hallo? Wo leben wir? In Ticka-Tucka-Land oder im Kapitalismus?),
            hervorgehoben.

            Wenn Du zitierst, dann bitte richtig.

            @smoker-hating-folks:
            Diese schmierige, verlogene Gesundheits-Debatte (es fing mal an mit „Keine Macht den Drogen”) nervt nur noch (C. Reimann auch mal wieder– nur gut, dass die in ihrem Leben nie geraucht, gekifft oder gesoffen hat)-

            da geht durch Flächenversiegelung jedes Jahr die Fläche von Salzgitter verloren (mit allen Bäumen drauf, Ihr Pseudo-Ökos)
            oder die Polkappen schmelzen (Klimawandel ist ja kein Problem…)
            oder mehrere Tierarten verschwinden gänzlich (jedes Jahr ein paar!- da muß „man” im Bio-Unterricht nicht mehr so viel auswendig lernen),
            und Ihr Lust-Killer regt Euch wegen Rauchern, Trinkern oder Kiffern auf. Am Besten darf ich auf meinem Klo zu Hause nicht mal mehr im Stehen puschern… (sorry wg. der derben Sprache, ich habe mich lediglich bemüht, peinliche und deplatzierte Nazi-Vergleiche zu vermeiden).

          • Kalle Kappner on 6. Juli 2010 at 17:51

            Wäre wirklich schön, wenn es mal gelänge aus einer — wenigstens einer! — Diskussion Hartz IV mal rauszuhalten.

            Und dich habe ich nicht zitiert. Das ökonomische Argument findet man überall. Das macht es nicht richtiger.

          • Christian Soeder on 6. Juli 2010 at 17:53

            Hier kann man Hartz IV nicht raushalten. Es ist ein Putsch von Oben gegen Unten.

          • Nordstadt on 7. Juli 2010 at 00:59

            @Kalle:
            wenn es um das „Freizeitverhalten” derjenigen auf beiden Seiten des Tresens geht–

            - der KneipengängerInnen, die zumeist (ok, bißchen Clichée dabei) schon auf „Hartz4” sind

            - derjenigen hinter dem Tresen, die

            a) als Angestellte (auf 400 €-Basis … „wer hat’s erfunden…”)
            oder

            b) als (sich selbst womöglich allein) ausbeutende Kleinunternehmer
            verdingen–

            dann ist H4 zu erwähnen.
            Wundert mich, dass Christian mir da mal recht gibt (roter Stern im Kalender ;-)

            Nicht umsonst gibt es den bösen Spruch:
            „wer Nichts wird, wird Wirt…„
            Wenn kein 24/7-Kiosk dranhängt (und der Supermarkt um die Ecke bloß bitte-bitte nicht wieder eröffnet wird… Bsp. aus der Praxis… linke Bürgernähe… Realität…), ist es zumeist +-Null, eher Subsistenz als „goldene Nase”.

            Und dies Bißchen wollen die „Gesundheitsapostel” mit ihrem Weidenkorb voll Öko-Laden-Einkauf (Tee von glücklichen Kühen handgemolken …), der schwer am Handgelenk zerrt, diesen auch noch nehmen– fürwahr „ein Putsch von oben nach unten” (Zitat Christian).

            Einer der (zukünftigen?) Gastwirte hat sich mal im vorletzen Thread getraut, seine Meinung dazu zu schreiben. *Das* ist auch Volkes Stimme!
            Arme SPD, die darauf nicht mehr hört (und das in Bayern!). Die StudienrätInnen wählen doch eh die Linkspartei ;-)

    • Pelykanos on 6. Juli 2010 at 16:19

      In meinen auch…@ Christian

      Das scheint eine große Zahl der JA-Voter aber anscheinend gar nicht richtig verstanden zu haben. Es ging in der Abstimmung eben nicht um „Nichtraucherschutz — ja oder nein”.

      Diese Frage ist längst entschieden gewesen und die allermeisten Raucher haben sich damit nicht nur auch abgefunden, sondern befürworten durchaus ein Rauchverbot in Speiselokalen usw. Niemand hatte auch etwas dagegen, dass die meisten Kneipen inzwischen rauchfrei sind.
      Worum es in diesem Volksentscheid ging, war, dass den Rauchern auch ihre letzten Refugien genommen werden sollen.

      Ich z.B. mache mir gar nicht viel aus Kneipen, da ich keinen Alkohol trinke und nicht dabei zusehen muss, wie sich andere allmählich an den Rand des Komas saufen. Als seit 25 Jahren trockener, ehemaliger Alkoholiker käme ich aber nie auf den Gedanken, deshalb zu fordern, dass andere in der Kneipe oder im Biergarten deswegen keinen Alkohol mehr trinken dürfen sollten.

      Ich kann auch nachvollziehen im Restaurant nicht mehr zu rauchen, auch wenn ich persönlich deshalb jetzt kaum noch zum Essen gehe, weil ich es einfach ungemütlich finde, dass ich für die Zigarette nach dem Essen jetzt rausgehen muss. Ich gehe jetzt aber auch nicht mehr in Cafés, was ich früher gerne gemacht habe, um bei einem schönen Cappuccino und einer Kippe Zeitung zu lesen.

      Warum es jetzt keine Lokalitäten für Raucher mehr geben soll, ist einfach nicht einleuchtend, sondern nur noch ein Glaubenskrieg einiger weniger Gesundheitsfanatiker.

  4. Markus Ritter on 6. Juli 2010 at 16:16

    Ein sehr emotionales Thema wie mir scheint. Den Kalauer mit der Friedenspfeife schenke ich mir jetzt (wer weiss, wie dieses Stilmittel heisst, bekommt ein Eis).

    Wäre das für Euch zwei eigentlich ein Gebiet, in dem ihr auf Fraktionsdisziplin pfeifen würdet und nach Eurem Gewissen abstimmen?

    • Kalle Kappner on 6. Juli 2010 at 16:24

      Für mich ja. Aber noch lieber würde ich die Entscheidung in diesem Fall dem Bürger überlassen, obwohl ich nicht der größte Fan der direkten Demokratie bin.

      Doch die Politik scheint mir — über Parteigrenzen hinweg — viel zu sehr unter dem Einfluß von Tabak– und Nichtraucherlobby zu stehen.

  5. Dennis Morhardt on 6. Juli 2010 at 16:17

    Schöner Artikel, danke für dafür.

    Und Christian: Reg dich ab und zünd dir eine Zigarette an, vielleicht geht’s dann ein bisschen besser und sachlicher ;-)

  6. Joel on 6. Juli 2010 at 18:54

    Herrvorragender Artikel!
    „Die Freiheit des einen endet dort, wo die Freiheit des anderen substantiell gefährdet ist.„
    Mehr muss man zu disesem Thema eigentlich doch garnicht sagen.

    Was ich zuletzt noch gerne einwerfen möchte ist, dass nicht nur die große Masse der Kneipenbesucher geschädigt wird. Sondern vor allem auch die Angestellten in den Kneipen. Jede Fabrik müsste dichtmachen, wenn sie ihre Mitarbeiter einer derartigen Schadstoffbelastung aussetzen würde.

    • Pelykanos on 9. Juli 2010 at 02:05

      Abgesehen davon, dass der größte Teil der Angestellten in der Gastronomie selbst Raucher sind — darum ging es in der Volksabstimmung ja gar nicht. Es ging lediglich darum, ob nun auch das inhabergeführte Trinkstüberl unter 75 qm (Lokalitäten, die von den Gesundheitsaposteln ohnehin nie aufgesucht würden) rauchfrei sein muss. Also mit anderen Worten — ob es noch ein paar wenige Reservate für Raucher geben darf.

      Übrigens ist es mit der angeblich wissenschaftlich bewiesenen Kausalität von Passivrauch und Krebsrisiko gr nicht so weit her, wie publizistisch immer behauptet wird: http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?src=heft&id=15034

      Besonders bemerkenswert ist dieser Satz: „Dagegen suggeriert der Zusammenhang von Tabakrauchexposition” (d.h. dem Ausgesetztsein von Tabakrauch) „während Kindheit und Jugend und Lungenkrebsrisiko sogar einen protektiven” (d.h. vorbeugenden) „Effekt.”

      Man muss nicht soweit gehen zu behaupten, dass der Umstand in der Kindheit und Jugend dem Zigarettenrauch der Eltern ausgesetzt gewesen zu sein, eine vor Krebs schützende Wirkung hat.

      Was sich aber sagen lässt, ist, dass die angebliche Gefährlichkeit von Passivrauchen wissenschaftlich auf ziemlich tönernen Füssen steht.

      Somit reduziert sich die Frage des Gesundheitsschutzes eher auf den Schutz vor einer als subjektiv empfundenen Belästigung.

      • Pelykanos on 9. Juli 2010 at 02:16

        Wenn also eine lediglich subjektive Belästigung, einem bestimmten Zeitgeist folgend durch höchst fragwürdige Expertisen (die berühmten angelichen 3.301 Passsivrauchtoten pro Jahr) einen derart massiven Eingriff in die Grundrechte Einzelner (der Wirte) bzw. einer (inzwischen) Minderheit (die Raucher) rechtfertigt, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis alle möglichen subjektiv als belästigend empfundenen Lebensäusserungen zur Disposition stehen.

        Wie wäre es denn mal mit einem Gesetz gegen das Furzen, da wird immerhin Methangas freigesetzt?

  7. Laszlo Riedl on 6. Juli 2010 at 20:27

    Ich glaube über die Gefährlichkeit von (Passiv-)Rauchen brauchen wir uns nicht mehr weiter unterhalten. Auch, dass der Gesetzgeber schon dafür sorgen sollte, dass man in rauchfreier Luft ein Bier trinken kann wird doch kaum noch von einem bestritten.
    Die Frage ist doch, ob das überall und jederzeit der Fall sein muss. Das Fehlen jeglicher Ausnahmen halte ich auch als Nichtraucher für problematisch, davon, dass ein Shisha-Cafe schließen muss haben weder ich noch Herr Frankenberger einen nennenswerten Vorteil. Gut der ehemalige Betreiber wird bei künftigen Wahlen drei mögliche Fehler nicht mehr machen ;-)
    Beim Thema Alkohol nur eines: die Bayern-SPD ist auch da tätig geworden. Immerhin ein Trost für Frau Seeliger: Die strengsten Nannies sitzen nicht bei den Grünen.

    • Pelykanos on 6. Juli 2010 at 21:24

      Bin ich froh, dass ich in den 70ern aufgewachsen bin. Da konnte man noch als Jugendlicher mal über die Stränge schlagen, ohne dass überall Zäune, Aufpasser und Ganzkörperkondome zugegen waren…

      • Lasse on 6. Juli 2010 at 23:08

        Dann macht doch das über die Stränge schlagen erst richtig Spaß.
        Statt AcidSpießer ist man heute AnarchoRaucher.

        • Nordstadt on 7. Juli 2010 at 01:01

          @Lasse:
          ja, das ist dann bald wirklich „der Duft von Freiheit und Abenteuer” ;-)

  8. MultiGD on 6. Juli 2010 at 23:10

    Der Beitrag geht leider völlig an der Problematik vorbei. Es geht nicht primär um Nichtraucherschutz. Den möchte niemand mehr aussetzen. Nichtraucher sollen die Möglichkeit haben, in Gaststätten und Kneipen einzukehren, ohne sich einem gesundheitlichen Risiko auszusetzen. Alle Argumente dagegen sind blödsinnig.

    Der Kern der Debatte ist allerdings ein anderer. Den Vertretern des Volksentscheides ist es gelungen, Rauchen in Gastronomiebetrieben generell zu untersagen. Das heisst, dass ab jetzt das Rauchen auch in abgetrennten Räumen verboten ist. Raucherkneipen als solche sind nicht mehr gestattet. Einzig Psychisch Kranken haben noch die Möglichkeit in ihren Anstalten in geschlossenen Räumen zu rauchen.

    Dies ist ein Armutszeugnis für die Freiheit. Es ist sehr wohl möglich eine friedliche Koexistenz zwischen Rauchern und Nichtrauchern zu gewähren. Eben durch die Auflagen, in allen mittleren und größeren Gastronomiebetrieben nur noch Rauchen in abgetrennten Räumen zuzulassen und somit Nichtrauchern ihre Gesundheit zu gewährleisten.

    Was wir jetzt bekommen haben, ist ein Volksentscheid, der ALLE Raucher gängelt. Er schreibt ihnen ein Verhalten vor — obwohl sie in ihren abgetrennten Raucherräumen niemanden geschädigt haben, der dies nicht selbst wollte. Das ist ein weiterer Schritt in den Neopaternalismus, in einen Staat, der auf der einen Seiten die Wirtschaft immer weiter liberalisiert, der immer mehr Sozialrechte verwässert und abbaut, und auf der anderen Seite das alltägliche, private Leben immer mehr reguliert.

    In der Amerikanischen Verfassung ist „Pursuit of Happiness” als Grundrecht definiert. Kein Staat hat sich anzumaßen, seinen freien Bürgern vorzuschreiben, wie sie dieses Glück zu erreichen haben.

    Andrea Nahles hat übrigens zum Thema Nannystaat und Neopaternalismus vor einigen Monaten einen interessanten Artikel verfasst. Sie sieht sich in der Tradition der Freiheits-Linken.
    http://www.welt.de/politik/deutschland/article5479738/Ich-habe-ein-Recht-auf-ungesundes-Leben.html

    • Rayson on 6. Juli 2010 at 23:34

      Nichtraucher sollen die Möglichkeit haben, in Gaststätten und Kneipen einzukehren, ohne sich einem gesundheitlichen Risiko auszusetzen. Alle Argumente dagegen sind blödsinnig.

      Welch bestechende Argumentation! Nun ja, jeder wie er mag und kann…

      in einen Staat, der auf der einen Seiten die Wirtschaft immer weiter liberalisiert

      Schön wär’s, aber das ist leider nur die bei Linken gefühlte Realität…

      • MultiGD on 7. Juli 2010 at 16:36

        Und Deine bestechende Argumentation geht davon aus, dass Nichtraucherschutz unsinnig ist? Welch bestechendes Verständnis von Freiheit… Mehr darf man von Liberalen leider nicht erwarten.

        • Kalle Kappner on 7. Juli 2010 at 20:25

          Der liberale sagt: Auch hier wird der Markt alles regeln.

          • der_gute_don on 7. Juli 2010 at 20:55

            manch einer scheint zu vergessen, was der „Markt” ist. Er basiert im Wesentlichen auf der Nachfrage der Menschen. Das „Angebot” ist nur williger Erfüller.

          • Kalle Kappner on 7. Juli 2010 at 21:14

            Naja, der Markt sagt auch noch: Es ist nur jene Nachfrage relevant, die auch bezahlt werden kann.

          • der_gute_don on 7. Juli 2010 at 21:29

            ja, ganz schöne Gemeinheit das das Leben einem nicht Milch und Honig in den Mund fließen lässt.

            Aus welchem Land kommen eigentlich Deine Schuhe, Dein Hemd, Deine Hose, Deine Jacke, Deine Teppiche, Dein Tee, Dein Kaffee, Dein Kakao, Deine Bestandteile Deines Autos/Krads/Rads, die Komponnenten Deines PCs? Welche Arbeiter unterstützt Du mit Deinem Konsum @Kalle? Die Sozialversicherten?

            Verstehst Du was ich meine?

          • Kalle Kappner on 7. Juli 2010 at 21:43

            Ich habe nichts beklagt, sondern nur etwas festgestellt. Der Markt als Allokationsinstrument ist blind für Bedürfnisse, die nicht bezahlt werden können. Dass etwas von einer Person nicht bezahlt werden kann, heißt nicht, dass es nicht finanziert bzw. hergestellt werden kann. Das beste Beispiel sind die Unmengen an guten Nahrungsmitteln, die weltweit täglich weggeworfen werden während anderswo auf der Welt Menschen verhungern. Offensichtlich werden hier Güter, die vorhanden sind und von niemandem sonst gebraucht werden trotzdem nicht an Menschen gegeben, die diese benötigen. Eben weil sie die nicht bezahlen können.

            Mit „Milch und Honig” hat das ganze also relativ wenig zutun sondern mit der Allokation der Güter.

            Aber wie gesagt: Keine Klage, nur Feststellung.

          • Kalle Kappner on 7. Juli 2010 at 21:45

            Was ich eigentlich nur sagen wollte: Es ist nicht so, dass das Angebot der willige Sklave der Nachfrage wäre ;). Wäre das so, dann würden wir tatsächlich im Land von Honig und Milch leben. Ein bisschen komplexer ist es schon :).

          • Laszlo Riedl on 7. Juli 2010 at 23:01

            Die Nachfrage nach rauchfreier Gastronomie kann doch genauso bezahlt werden, wie die nach Raucherkneipen. Nichtraucher haben ja nicht weniger Kaufkraft als Raucher.
            Die Ursache für den Mangel an rauchfreier Gastronomie lag eher in einem gewissen Beharrungsvermögen seitens der Wirte.

        • Kalle Kappner on 7. Juli 2010 at 23:09

          Stimmt, aber wir waren schon längst auf einer abstrakteren Ebene ;).

  9. der_gute_don on 7. Juli 2010 at 10:40

    der Beitrag steht für mich ganz im Zeichen von: waschen aber bitte nicht nassmachen.

    Es sollte den Rauchern gestattet sein, sich zusammenzufinden, sich Bier einschenken zu lassen und dem Raum sogar eine Schankgenehmigung zu erteilen. Für Nichtraucher, die sich dem giftigen Rauchschwaden nicht aussetzen wollen gibt es genügend rauchfreie Alternativen. Wo es sie noch nicht gibt, werden sie aufgrund der offensichtlich hohen Nachfrage entstehen.

    eine Argumentation und Gesetzgebung nach dem Motto, „wir müssen in eurem Sandkasten die spitzen Plastikschipchen verbieten, ich könnte mich dran verletzen wenn ich in eurem Sandkasten spielen möchte” ist geradezu grotesk. Geht in andere Sandkästen!

    Alternativ nochmal die km/h Sache, die hatte ich anders formuliert.

    30 km/h Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn wäre nach stattfindender Logik ebenso als „Verbot” geeignet, da dies zu einer drastischen Reduzierung der Unfalltoten führen würde. Messbar.

    • Kalle Kappner on 7. Juli 2010 at 10:47

      30 km/h Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Autobahn wäre nach stattfindender Logik ebenso als „Verbot” geeignet, da dies zu einer drastischen Reduzierung der Unfalltoten führen würde. Messbar.”

      In der Tat. Jedoch wäre das dann keine Autobahn mehr. Aber eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen ist — wie in anderen europäischen Ländern — durchaus sinnvoll, weil die Zahl der Toten messbar abnimmt.

      • Nordstadt @PLI on 7. Juli 2010 at 12:15

        @Kalle:
        in dieser Logik sollte weniger geraucht werden– Tabaksteuer erhöhen– gleiche Wirkung (?). Nebenbei SPD-Wählerschaft unter 20% gedrückt.
        Absurde Debatte.

        • Christian Soeder on 7. Juli 2010 at 12:34

          Die roten Nannys würden die SPD vollends ruinieren, wenn man sie ließe.

        • Kalle Kappner on 8. Juli 2010 at 22:49

          In weiten Teilen Europas ist ein Geschwindigkeitsbegrunzungsgesetz völlig normal und akzeptiert.

          Aber hierzulande würde es natürlich der Weltuntergang, herbeigeführt durch „rote Nannys” (was auch immer das sein soll) sein.

          • Christian Soeder on 9. Juli 2010 at 02:34

            Das sind Leute wie Du, Kalle.

          • Kalle Kappner on 9. Juli 2010 at 08:19

            Achso. Na, dann ruiniere ich die SPD mal weiter.

            Du hast übrigens den Sinn des Nichtraucherschutzes immernoch nicht verstanden. Es geht nicht darum, wie eine Nanny, den Rauchern ein „gutes Leben” aufzuzwingen und ich habe hier schon mehrmals gesagt, dass es mir egal ist, wieviel und ob irgendjemand raucht. Aber du bist wohl blind für Argumente. Hauptsache du hast deinen Feind gefunden!

          • Christian Soeder on 9. Juli 2010 at 10:06

            Du hast übrigens den Sinn des Nichtraucherschutzes immernoch nicht verstanden.”

            Selbstverständlich habe ich das verstanden. Es geht darum, dass Nichtraucher weltweit und zu jeder Zeit vor Rauch geschützt werden müssen — ohne jegliche Einschränkungen und völlig ohne Kompromisse. Hier wird eine Minderheit unterdrückt, und zwar massiv.

          • Kalle Kappner on 9. Juli 2010 at 15:35

            Wenn du das verstanden hast, wieso schreibst du dann so einen Quatsch von „roten Nannys”? Ist es jetzt die Aufgabe von Nannys, Menschen in Schutz vor anderen Menschen zu nehmen?
            Ich dachte immer, Nannys sind diese bevormundenden älteren Damen, die einem schlechte Angewohnheiten abgewöhnen wollen.

            Vielleicht wirfst du alles etwas durcheinander…?

      • Rayson on 8. Juli 2010 at 22:55

        In der Tat. Jedoch wäre das dann keine Autobahn mehr.

        Und der Name einer Fahrbahn ist uns die Unfallopfer wert? Verstehe ich nicht.

        Aber eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen ist — wie in anderen europäischen Ländern — durchaus sinnvoll, weil die Zahl der Toten messbar abnimmt.

        Aber eben wohl nur bis zu einer bestimmten Mindestzahl, wenn ich das richtig verstehe. Die wird von den roten Nannys kabbalistisch ausgeknobelt.

  10. Stefan Balker on 7. Juli 2010 at 16:39

    Der Gesundheitsgefährdung kann man ganz einfach entgehen, indem man Raucherkneipen fernbleibt. Wer Raucherkneipen betritt, setzt sich freiwillig dieser Schädigung aus. Man kann auch nicht vor ein Auto laufen und sich beschweren, angefahren worden zu sein.

    Ein Rauchverbot in Kneipen ist unverhältnismäßig und daher abzulehnen.

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