Lily Braun

Von Jens Tuengerthal

Lily BraunDie hier lesend abge­bil­dete schöne Dame ist Lily Braun, geboren als Amalie von Kretschmann, heute vor 145 Jahren in Halberstadt. Sie war eine deut­sche Schriftstellerin, Sozialdemokratin und Frauenrechtlerin. Ihre Großmutter mütter­li­cher­seits, Jenny von Gustedt, gebo­rene Rabe von Pappenheim, ist die unehe­liche Tochter von Jérôme Bonaparte und damit war sie mit dem Haus Bonaparte verwandt. Ihre Großnichte Marianne von Weizsäcker, gebo­rene von Kretschmann, ist die Ehefrau von Richard von Weizsäcker. Die Tochter des preu­ßi­schen Generals Hans von Kretschmann war mit dem Philosophieprofessor Georg von Gizycki verhei­ratet, der den Sozialdemokraten nahe­stand, ohne jedoch Parteimitglied zu sein. Nach dessen Tod heira­tete sie Heinrich Braun, den sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Politiker und Publizisten. Ihr hoch­be­gabter Sohn Otto Braun fiel im Ersten Weltkrieg.

Lily Braun trat schon früh der SPD bei und wurde eine der Führerinnen der deut­schen Frauenbewegung. Lily Braun hat im Laufe ihrer poli­ti­schen Karriere versucht, zwischen der bürger­li­chen und der prole­ta­ri­schen Frauenbewegung zu vermit­teln, wurde dafür aber von beiden Seiten scharf kriti­siert. Auch die von ihr propa­gierte Idee, Mutterschaft und Erwerbstätigkeit zu verbinden (ein Modell, das sie selbst lebte), wurde von beiden Seiten kritisiert.

Als Tochter aus adligem Haus wurde sie von der sozia­lis­ti­schen Frauenbewegung – allen voran Clara Zetkin und Ottilie Baader – eher abge­lehnt, obwohl sie sich selbst dieser Bewegung zuge­hörig fühlte. Clara Zetkin verriss die 1901 erschie­nene Studie Die Frauenfrage in der sozia­lis­ti­schen Frauenzeitschrift Die Gleichheit. Den bürger­li­chen Frauen hingegen waren ihre Ideen zu radikal. Um die Doppel– und Dreifachbelastung berufs­tä­tiger Frauen zu redu­zieren, forderte Lily Braun die Herabsetzung der Arbeitszeit. Sie propa­gierte neue Formen des Zusammenlebens. Als „ganze Halbheit“ kriti­sierte sie die Ausgestaltung der Wöchnerinnenversicherung, da sie nicht einmal die notwen­digsten Bedürfnisse von Mutter und Kind gedeckt sah, sowie die Unzulänglichkeit des Sozialversicherungswesens, das ganze, als Frauenarbeit ange­se­hene Bereiche ausschloss, insbe­son­dere den häus­li­chen Dienst, die Heimarbeit und die Landarbeit.

Über Jens Tuengerthal

Jens Tuengerthal kommt aus der Kurpfalz und lebt und arbeitet in Berlin.

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