Verlage aus dem Suchindex kicken

18. Juni 2010
By

Klare Kante im Heise-Forum:

Liebe Suchmaschienenbetreiber,

bitte kicken Sie im Interesse aller die indizierten Seiten der Verlage von Axel Springer bis Zeitverlag aus dem Index und sorgen Sie so dafür, dass der Flachsinn von Bild, Spiegel & Co im schwarzen Loch des Internets versinkt. Webmaster, Seitenersteller, Werbetreibende und Forumsteilnehmer: linkt nicht auf Seiten der Medien, die Gier mit Qualitätsjournalismus und Lobbyismus mit Recht gleichsetzen. Sorgen wir alle gemeinsam dafür, dass die scheinheiligen Medien, die von Deppen Geld verlangen, aber Besuchern, die via Google kommen, bereitwillig und entgeltfrei ihren angeblich unverzichtbaren Content darbieten, Inseln im Nirgendwo werden. Auf dass den Claqueuren der Macht und den Mainstream-Apologeten klar werde, dass es nicht nur eine „Kostenlos”-Kultur gibt, sondern auch einen Mangel an Interesse für eigengelobten Wortmüll der vorhersagbaren Art. Und dass es Dinge gibt, die niemanden interessieren — eure Webseiten — oder die wie Blei im Regal liegen bleiben. Lassen wir also im Zweifelsfall auch das Papier da, wo es gut entsorgt werden kann: im Zeitungsladen. Ich bin sicher, das Wehklagen um die Goldgruben, die andere angeblich mit den Wortschnipseln der Verlage heben, schnell umschlagen wird in blankes Entsetzen, wie schnell man sich ins Abseits manövrieren kann.

Wer sich jetzt fragt: „was nützt uns das?”, dem antworte ich: u. U. gar nichts. Mit einer gewissen Chance aber bekommen wir die Vielfalt von Meinungen und dei Qualität von Recherche und Schreibe zurück, die ich in den Medien, vor allem auch den Zeitungen und Zeitschriften, schon lange vermisse. Dafür kann man dann gern auch zahlen, Artikel für Artikel und je nachdem, was er einem wert ist. Probieren wir es!

M. Boettcher

Hintergrund bzw. Grund für die Erregung:

Die deutschen Verleger wollen den Schutzes von Presseerzeugnissen im Internet stärker ausweiten als bisher bekannt. Laut einem auszugsweise vom Blog Netzpolitik veröffentlichten Eckpunktepapier der Branchenverbände VDZ und BDZV sollen „auch Überschriften, Sätze, Satzteile etc.” schutzwürdig sein, soweit sie „einer systematischen Vervielfältigung, Verbreitung oder öffentlichen Wiedergabe” in Verbindung mit dem Titel eines Presseerzeugnisse dienten.


Ähnliche Artikel:

Tags: , , , , , ,

5 Responses to Verlage aus dem Suchindex kicken

  1. Jan on 18. Juni 2010 at 23:31

    Ich weiss nicht, ob ich im Ernst gut finden soll, wenn jemand Google auffordert, seinen Index nach bestimmten Kriterien zu gestalten, die ihm nun grade politisch in den Kram passen. Genau darum handelt es sich aber ja in diesem Fall wohl, auch wenn ich die Ablehnung irgendwelcher Verlegersondergesetze absolut teile.

    Wie man so liest, hat Google da eventuell aber auch schon ganz eigene Pläne und stellt uns demnächst ein System vor, mit dem Bezahlinhalte googlebar bleiben und trotzdem gegen Geld angeboten werden können.

    Der Markt findet eben immer einen Weg, wenn man ihn nur lässt (und wie so oft wäre es auch hier der eindeutig bessere).

  2. Karl K. on 19. Juni 2010 at 13:13

    Was für ein Schwachsinn… Die wunderbare Blogosphäre lebt doch im Moment als Parasit des klassischen Journalismus. Sicher gibt es auch ab und zu interessante Geschichten in Blogs und für spezielle fachliche Dinge mag es Blogs geben, für die es kommerziell einfach keine Entsprechung gibt. Aber nehmen wir so eine Geschichte wie die mit Köhler: Das ist zwar über Blogs wieder groß geworden, aber das ursprüngliche Interview hat ein bezahlter Korrespondent des Deutschlandradios geführt. Mal eben nach Afghanistan fliegen, ist eben nichts, was Blogger leisten können.

    Unsere Demokratie ist auf die vierte Macht angewiesen und wir sollten sie nicht angefeuert durch besserwisserische Polemmik gegen die Wand fahren lassen, ohne eine Alternative zu haben.

    Das gleiche gilt für Parteien: Jaja haha, Parteien braucht kein Mensch. Die Menschen sind nicht politik– sondern parteiverdrossen. Man kann sich jetzt vor den Rechner setzen und zynisch jeden Stimmenrückgang und jeden Rückgang der Wahlbeteiligung belächeln und sagen: „Das haben die verdient!” Die Wahrheit ist aber, dass diese Parteien unsere einzige Möglichkeit zur Zeit sind, anderen mächtigen Interessen etwas entgegen zu setzen. Wer Lobbyismus beklagt, sollte die Politik stärken und nicht schwächen.

    Was wäre denn, wenn Verlage und Politik auf die Stimmung im Netz hören würden und sich allesamt auflösen. Was bliebe dann?

    • Christian Soeder on 19. Juni 2010 at 13:17

      Das ist zwar über Blogs wieder groß geworden, aber das ursprüngliche Interview hat ein bezahlter Korrespondent des Deutschlandradios geführt.” „Unsere Demokratie ist auf die vierte Macht angewiesen und wir sollten sie nicht angefeuert durch besserwisserische Polemmik gegen die Wand fahren lassen, ohne eine Alternative zu haben.”

      Das Deutschlandradio ist gebührenfinanziert. Wenn es die kommerziellen Verlage nicht schaffen, profitabel zu sein, müssen die öffentlich-rechtlichen Sender eben ausgebaut werden.

      Das gleiche gilt für Parteien: Jaja haha, Parteien braucht kein Mensch. Die Menschen sind nicht politik– sondern parteiverdrossen.”

      Habe ich nirgends behauptet — wäre auch Quatsch, ich bin schließlich aktives SPD-Mitglied.

  3. vera on 19. Juni 2010 at 19:00

    Bezahlen — ja, aber nur, wenn es den Journalisten zugute kommt, was dabei nicht angedacht ist — 50% lehnen die Verleger kategorisch ab. Viele Schreiber betreiben eigene Blogs, auf denen sie ihre Meinungen darstellen, auf die kann man auch verlinken und mittlerweile sehr häufig schon flattrn. Bitte auch mal bei Freischeiber gucken.

    Warum habt Ihr nicht zu Netzpolitik verlinkt?

    • Christian Soeder on 19. Juni 2010 at 19:01

      Weil ich via Heise darauf gestoßen bin. :)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Wir sind dabei

re:publica 12

Facebook

Switch to our mobile site