Der konservative, wirtschaftsliberale Blogger-Kollege Zettel schreibt in seinem Artikel (Das dümmste) Zitat des Tages: Bundespräsident Köhler. Mann und Amt. „Spiegel-Online” at its worst:
Das Amt des Bundespräsidenten ist aber ein politisches Amt. Gewiß haben die Väter des Grundgesetzes, nach den leidvollen Erfahrungen mit dem senil gewordenen Paul von Hindenburg, die Befugnisse des Präsidenten eingeschränkt, verglichen mit der Verfassung von Weimar.
Dazu zwei Anmerkungen: die Tatsache, dass Hindenburg Hitler zum Reichskanzler ernannte und damit endgültig den Untergang der Weimarer Republik einläutete, als „leidvolle Erfahrung” zu bezeichnen, ist eine ziemliche Untertreibung. Der frühe Tod des Reichspräsidenten Friedrich Ebert und Hindenburgs Wahl zum Reichspräsidenten 1925 waren der Anfang vom Ende des ersten demokratischen Deutschlands. Hindenburg hätte niemals Reichspräsident werden dürfen: er war sein Leben lang reaktionärer Monarchist, der Demokratie und die junge Republik verachtete. Und der als ehemaliger General keinerlei Verantwortung für die Kapitulation nach dem Ersten Weltkrieg übernahm. Das mussten notabene die von ihm so verachteten demokratischen Politiker übernehmen. In diesem Zusammenhang verbreitete Hindenburg die Dolchstoß-Legende.
Weiter: Hindenburg war nicht senil, wie der Stuttgarter Geschichtsprofessor Wolfram Pyta erarbeitet hat. Er wusste, was er tat, als er Hitler zum Reichskanzler machte, er zerstörte die Republik bewusst — weil er sie niemals wollte, weil er sie immer verachtete.
PS: Noch eine Ergänzung; Zettel schreibt:
Natürlich paßten Amt und Mann zusammen. Bundespräsident Köhler war ein Präsident so, wie das Grundgesetz ihn vorsieht. Er war einer in der Reihe der großen Bundespräsidenten — Theodor Heuß, Gustav Heinemann, Richard von Weizsäcker, Roman Herzog. Ein bedeutender Mann. Gerade, ehrlich, kompetent und ohne Allüren.
Ich weiß nicht, wie man auf die Idee kommen kann, Köhler mit Heuß, Heinemann und Weizsäcker zu vergleichen. Deren Wirkung und Bedeutung hat Köhler nie erreicht, nicht einmal ansatzweise. Herzog passt ebenfalls nicht in die Reihe, denn dessen „Ruck-Rede” verhallte gänzlich. Ich vermisse hingegen den großen Johannes Rau — wer Herzog als „großen Bundespräsidenten” ansieht, darf Rau nicht unerwähnt lassen.

Da kann man sehr geteilter Meinung sein. Rau hatte seine besten Tage schon hinter sich, als er Bundespräsident wurde, und an den Intellekt eines Herzog kam er auch vorher nie heran. Außerhalb der SPD ordnet ihn wohl kaum jemand als „groß” ein.
In hundert Jahren wird man sich wenn, dann an Heuss und Richie erinnern. Ob verdientermaßen, ist wieder eine andere Sache.