„Auswanderung lässt deutsche Bevölkerung schrumpfen”, titelt Spiegel Online reißerisch. In Deutschland leben ungefähr 82 Millionen Menschen. Im Text steht dann:
734.000 Auswanderern standen 721.000 Zuzügler gegenüber, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Allerdings verringerte sich demnach das Wanderungsdefizit von 13.000 Menschen im Vergleich zu 2008 um rund 43.000.
Deutschland ist also um 13.000 Menschen „geschrumpft”, wenn man Zu– und Abwanderung aufrechnet. Für mich sieht „Schrumpfung” anders aus. Es ist eher ein Nullsummenspiel. Ob 13.000 Menschen mehr oder weniger einwandern, ist kaum zu beeinflussen. Und Auswanderung wird es immer geben, daran kann ich nichts Schlechtes sehen. Schließlich wird ja auch immer „Mobilität” gepredigt.
Die Herkunfts– und Zielländer finde ich da schon spannender:
Hauptherkunftsländer der Zuwanderer waren im vergangenen Jahr Polen (123.000), Rumänien (56.000), die USA (30.000), die Türkei (30.000) und Bulgarien (29.000). … Die Hauptzielländer der Auswanderer waren 2009 Polen (123.000), Rumänien (44.000), die Türkei (40.000), die USA (36.000) und die Schweiz (30.000).
Was sagt uns das? Dass sich Türken in Deutschland nicht wohl fühlen, Rumänen hingegen schon? Und dass Polen sich nicht so recht entscheiden können? Und Amerika ein spannendes Land ist? Und die Reichen in die Schweiz fliehen?
Ich würde sagen: die Zahlen sind schlicht und ergreifend ausgeglichen. Es wandern Menschen ein, es wandern Menschen aus. Dass die Auswanderung etwas höher ist als die Einwanderung ist natürlich schade, aber von einer „Schrumpfung” zu sprechen ist wirklich übertrieben.
Wenn man wirklich will, dass die Einwanderung bedeutend höher liegt als die Auswanderung, führt kein Weg an qualifizierter Einwanderung vorbei; dann muss man um Einwanderer gezielt werben und sie nicht mit Gesinnungstests abschrecken, an denen die Häfte der Bürger scheitern würde.


Die Frage ist aber : Welche Sorte Leute geht und wleche Sorte kommt und was nützt oder schadet uns das.
Kommt drauf an. Wenns mal 13.000 Minus und mal 13.000 Plus sind, hast du recht, dann ists ausgeglichen. Wenn es sich um einen klaren Trend handelt, lohnt es sich allerdings vermutlich schon, das mal zu prüfen.
Ui, da hat einer angesichts des Pisa-Tests bereits resigniert…
Nullsummenspiel als Überschrift würde aber keine Leute auf die spOn-Seite locken :-)
In der heutigen Zeit ist mit der Abmeldung des deutschen Wohnsitzes nicht unbedingt verbunden, dass man alle Zelte abbricht und mit Sack und Pack das Land verlässt.
Firmenprogramme, bei denen man für 2–3 Jahre zur Konzernmutter/tochter ins Ausland geht, ein längerer Studienaufenthalt z.B. für die Promotion, ein tolles Jobangebot (bei dem der Job und nicht das Land in dem man ihn ausübt im Vordergrund steht) …
Was aus dem Nullsummenspiel eine Tragödie macht sind die ausbleibenden Geburten in Deutschland.
Ein Lesenswerter Beitrag zu dem Thema ist . Da passt auch mal die Überschrift.
Nimmt man zu den hier diskutierten 13.000 die 190.000 Überschuss der Gestorbenen dazu, sieht die Lage mit einem Bevölkerungsrückgang von über 200.000 Menschen im Jahr doch ganz anders aus.