Bundespräsident Horst Köhler hat „Deutschlandradio Kultur” ein Interview gegeben. Das ist soweit nicht zu beanstanden, sondern ganz im Gegenteil eine schöne Sache, dass man von unserem Bundespräsidenten mal wieder etwas hört. Was nicht so schön ist: Horst Köhler hat sich auf sehr zweifelhafte Art und Weise über Auslandseinsätze der Bundeswehr geäußert. Und leider wusste „Deutschlandradio Kultur” sich anscheinend nicht anders zu helfen, als die betreffende Passage aus dem Interview zu entfernen, ohne es kenntlich zu machen. Da sie aber einmal online war, und, wie wir alle wissen, das Internet nichts vergisst, bleibt die Aussage Horst Köhlers dank „unpolitik.de” der Nachwelt erhalten:
Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt, wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe, mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit, auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall, auch militärischer Einsatz notwendig ist um unsere Interessen zu wahren. Zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen, negativ, durch Handel, Arbeitsplätze und Einkommen. Alles das soll diskutiert werden und ich glaube wir sind auf einem nicht so schlechten Weg.
Die entsprechende MP3-Datei habe ich hier noch einmal gespeichert.
Mehr zum Thema bei „querblog.de”, bei „joese.de”, „glas-training.de”, Till Westermayer und Jörg Rupp.
Das Grundgesetz lässt es meiner Meinung nach nicht zu, einen Krieg für „freie Handelswege” zu führen. Man kann nur hoffen, dass Horst Köhler etwas anderes gemeint bzw. sich missverständlich ausgedrückt hat — aber eigentlich ist alles eindeutig …


[…] am Samstag ein Interview im Deutschlandradio Kultur, welches allerdings mittlerweile bereits einige Wellen geschlagen hat. Dort forderte er „mehr Respekt“ für die deutschen Soldaten in […]
[…] Horst Köhler redet Tacheles? (Rot steht uns gut) – Im Deutschlandradio Kultur hat Bundespräsident Horst Köhler ein bemerkenswertes Interview zum Thema Auslandseinsätze der Bundeswehr gegeben. Umstrittene Passagen wurden jedoch wieder entfernt. Das Internet vergisst jedoch so etwas nicht… […]
Hm, kein Krieg für freie Handelswege ?
Jetzt könnte man sich drüber streiten ob es bei der Operation Atalanta nicht genau darum geht.
@Alrik:
nein, genau darum geht es bei dieser „Operation”:
„Die EU NAVFOR Somalia – Operation Atalanta ist eine multinationale Mission der EU zum Schutz von humanitären Hilfslieferungen nach Somalia, der freien Seefahrt und zur Bekämpfung der Piraterie vor der Küste Somalias am Horn von Afrika im Golf von Aden und bezeichnet gleichzeitig einen gemischten multinationalen Marineverband (Flottille). Die Mission ist die erste Marineoperation der EU.
Die Abkürzung NAVFOR steht für Naval Forces (dt. „Seestreitkräfte“). Der Operationsname Atalanta lehnt sich an die gleichnamige jungfräuliche Jägerin aus der griechischen Mythologie an. (…) ” wikipedia zu „OP Atalanta”
Marodierende Banden Pauperisierter-denen man jede andere wirtschaftliche Betätigung genommen hat
(de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaft_Somalias)
sollen am beliebigen Plündern, Morden und Erpressen von Seeschiffen, deren Besatzungen und Eignern (aller Art) gehindert werden
de.wikipedia.org/wiki/Piraterie_vor_der_K%C3%BCste_Somalias
In Saudi-Arabien, Syrien, Lybien oder dem Jemen traut „man” sich so etwas nicht. Kein Wunder, dass manche Somalis die „Geschichte” auch etwas persönlich nehmen, mittlerweile, deren Bürgerkrieg geht meines Wissen schon mehr als 19 Jahre und die zerstörerische Auswirkung eines Bürgerkrieges kann jede/r immer noch in den USA „bewundern” (obwohl der vor mehr als 140 Jahren beendet wurde).
de.wikipedia.org/wiki/Somalia (als Hauptartikel)
Insofern faßt Horst Köhler nur das zusammen, was eh jede/r wissen kann, wenn er/sie eine Adresse im Browser einzugeben in der Lage ist.
Mein Wunsch-BPräsi ist er nicht, aber ehrlich ist er manchmal.
„Die EU NAVFOR Somalia – Operation Atalanta ist eine multinationale Mission der EU zum Schutz von humanitären Hilfslieferungen nach Somalia, der freien Seefahrt und zur Bekämpfung der Piraterie vor der Küste Somalias am Horn von Afrika im Golf von Aden”
Sorry, und was genau ist diese „freie Seefahrt” die von sogenannten „Piraten” angegriffen wird ?
Irgendwelche Hobbysegler ?
Nein — es sind Containerfrachter — die unter anderem deutsche Industrieprodukte fürs Ausland und Rohstoffe für deren Produktion transportieren — sowie Öltanker.
Wie alle Industriestaaten ist Deutschland abhängig von preiswerten Öl, und die Piraten treiben diesen Preis nach oben.
Hier ist das Eigeninteresse der NATO Mitgliedsstaaten ziemlich eindeutig. Komisch, sonst bestreitet doch keiner bei jeder von der UN abgesegneten NATO oder US Operation das in Wahrheit wirtschaftliche Interessen dahinterstecken.
Siehe die Pipelines auf dem Balkan und in Afghanistan…
Nur hier wird es bestritten ?
Dabei gibt es sogar Alternativen zu diesem Militäreinsatz.
Man könnte an die sogenannten Piraten Tribut zahlen damit sie davon absehen deutsche Schiffe zu überfallen.
Hat im 18. und 19. Jahrhundert recht gut mit den Algeriern funktioniert.
Ich finde es schwierig, auf Deine Kommentare zu antworten. In jeden Satz baust Du etwas ein, dass man auf die eine oder andere Weise deuten kann — alles sehr schwammig und vage, schlimmer als Pofalla.
hm, ich kann nichts eindeutig zweideutiges finden.
Möglicherweise hängt aber die Deutung von der jeweiligen Person ab, die meine Texte liest ;-)
Zur Ergänzung von Alrik aus der Bundestagsdrucksache 16/11337 vom 10.12.2008:
http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/16/113/1611337.pdf
Wenn Köhler es so gemeint hat, gehe ich d’accord. Ich habe es aber anders verstanden.
Wie?
Nicht so.
Hallo liebe Leute,
ich habe eine Strafanzeige gegen unseren Bundeshorst erstellt und erstattet.
Lesbar und als PDF-Download unter http://bundeshorst.wordpress.com
Bitte weitergeben. Danke :-)
Laevus Dexter
Super Idee.
Ein Politiker äußert also die Meinung das ein Staat auch Militär einsetzen kann wenn es darum geht wirtschaftliche Interessen zu verteidigen.
Und dafür soll ihm dann der Prozeß gemacht werden, weil er mit der Äußerung dieser Meinung einen Angriffskrieg vorbereitet unddas friedliche zusammenleben der Völker stört ?
Ja Nee, ist klar. Eindeutig ein Gedankenverbrechen, für das Köhler büssen muß ;-)
@Alrik:
na, da hat aber einer seinen Orwell gelesen– und nicht verstanden.
Weiter so. Ist lustig hier.
Ey Alder, du kannst auch sicher genau sagen wo ich Orwell missverstanden habe ?
@Alrik:
gerne, beim von mir ausgerichteten Anglistik-Seminar der Hans-Dampf-Arbeiter-Hochschule für angewendete Psycho-soziale Diagnostik der Ruhruniversität Bochum am 30.02.2011, Hörsall 08/15, 11 Uhr 05 (c. t.) ;-)
Denke mal über das Wort „Gedanken” nach. Denken hilft.
Ich habe Horst Köhler ganz anders verstanden. Köhler bezieht sich im Kontext auf die offene Benennung von Kriegseinsätzen. Damit bezieht er sich auf Afghanistan.
Auch ein zweites ihm zugeschriebenes, kritisches Zitat bezieht sich auf Afghanistan: „Warum höre ich das nicht von Ihnen?” in Richtung eines Bw-Soldaten, der nicht so zackig und siegesgewiss auf „unsere Zukunft” in Afghanistan blickt, wie sein amerikanisches Kamerad.
Nach meiner Einschätzung hat sich Köhler hier von seinen unmittelbaren Eindrücken und Gedanken ganz einfach hinreißen lassen. Er hat einfach kein Gefühl für Sprache und ihre Wirkung. Wir kennen ihn ja auch als Redner mit Lese– bzw. Intonationsschwäche.
Köhlers Aussage halte ich für sehr kritisch. Es wird sicher zwei Tage dauern, bis das in die Mainstreammedien sickert. Danach wird es Wellen schlagen.
Ob er dafür auch strafrechtlich belangt werden kann, hängt vielleicht damit zusammen, ob er hier wirklich aus dem Amt gesprochen hat, oder eher seine Meinung gesagt hat.
Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe ohne Kriegserklärung, mehr noch als der Rücktritt des Ministerpräsidenten des Landes Hessen Roland Koch am 25. Mai 2010. Bei allem Respekt vor der Würde des Amtes bleiben Fragen offen, die sich aus der Eurokrise und einer möglichen Währungsreform ergeben. Die Geschichte wird die Antworten liefern müssen: Am 1. Juni 2010, sowie in den Jahren und Jahrzehnten danach. Europa unterliegt einem Wertewandel wie nie zuvor in der Weltgeschichte.