Mal so gefragt

Mario Sixtus stellt die rich­tige Frage: „Wenn die FDP die Linke für ‚Verfassungsgegner’ hält, warum überlässt sie ihr dann die NRW-Regierung, statt sie mit einer Ampel zu stoppen?”

Eines jeden­falls hat die NRW-FDP erreicht: selbst die entschie­densten Linkspartei-Gegner in der SPD sind nach dem unde­mo­kra­ti­schen Gehampel der Freidemokraten für Rot-Grün-Rot.

Über Christian Soeder

Christian Soeder schreibt zu netzpolitischen Themen, über die SPD und die Gesellschaft generell. Feminist.

17 Kommentare zu “Mal so gefragt

  1. Erst die Partei, dann das Land. So kennen wir die neue FDP.

  2. selbst die entschie­densten Linkspartei-Gegner in der SPD sind […] für Rot-Grün-Rot.
    Besser kann man nicht ausdrü­cken, dass es in der SPD keine Hemmungen mehr vor Koaltionen mit der SED 3.0 gibt.

    • In NRW gab es nie eine SED, inso­fern erschließt sich mir das „SED 3.0″ nicht so ganz.

      Außer, sie stimmen mit mir überein, dass die NRW-FDP die „Blockpartei LDPD 2.0″ („Sozialismus auf libe­ralem Wege, Genossen!”) ist und es sich bei der NRW-CDU um „Blockpartei CDU 2.0″ handelt. Dann können wir natür­lich diskutieren.

  3. die SPD wird gera­dezu zu den Betonsozialisten gezwungen. FDP ist Schuld, diese elenden Steigbügelhalterverweigerer. Ich beginne Ihre Denkweise zu verstehen.

  4. >FDP 2001:Koalition in Hamburg mit CDU undGa­no­ven­truppe um Roland Barnabas Schill
    Und mit so einer Partei wollen die Spezialdemokraten koalieren? Heiliger Willi steh uns bei!

    • Tja, eigent­lich dürfte ja niemand mehr mit irgend­je­mandem koalieren ;).

  5. Tja, eigent­lich dürfte ja niemand mehr mit irgend­je­mandem koalieren

    Das wäre manchmal besser, als sich zu einer Koalition des kleinsten gemein­samen Nenners zusam­men­zu­schliessen, in der man alle diver­gie­renden Punkte ausspart und 4 bzw. 5 Jahre Stillstand hat, statt teil­weise auf wech­selnde Mehrheiten zu setzen, die man ja inner­halb der Koalition gar nicht ausloten darf (siehe nur die SPD bei der Wahlrechtsänderung vor der BTW, oder die FDP jetzt, oder die Grünen beim Kosovokrieg …)

  6. Schade, dass die FDP so gar nichts auf das gibt, was vor der Wahl noch absolut unver­han­delbar war.
    Bund 2009: Für die FDP war ein Steuersystem unver­han­delbar, dass immer mit drei uns sattsam bekannten Adjektiven beschrieben wurde. Heute ist klar, dass nichts in der Richtung passiert (vor allen Dingen wurden noch mehr Ausnahmetatbestände geschaffen, was das „einfach” sowieso konter­ka­riert).
    NRW 2010: Die FDP will unter allen Umständen eine stabile Regierung ohne die Linke. Dazu hat sie jetzt die Chance. Sie könnte wohl sogar etliche Positionen durch­setzen, weil die SPD lieber ohne Linke regiert. Ich könnte sogar verstehen, wenn die FDP nach Koalitionsverhandlungen oder nach Sondierungen sagen würde, die inhalt­li­chen Differenzen seien zu groß. Aber dass sie noch nicht einmal reden und die Möglichkeiten ausloten will, stellt für mich einen ekla­tanten Bruch all ihrer Versprechen dar.

    • Uups, da habe ich mich wohl vertippt. „ein Steuersystem, das.…„
      Jedenfalls müsste die FDP doch die Bundesregierung verlassen, wenn ihr einziges Wahlkampfthema der letzen 10 Jahre so abge­schmet­tert wurde?! Nur so ne Frage.…

    • Ich bitte um Beispiele für die „etli­chen Positionen”.

    • Die FDP hat verspro­chen, nicht mit Grünen und SPD zu verhan­deln, solange die sich die Option Linkspartei offen­halten. Dieses Versprechen hält sie. Inwiefern sie „etliche Inhalte” durch­setzen könnte, ist mir unklar. Die FDP wäre der kleinste Partner in einer Koalition, wo sich die anderen beiden regel­mäßig gegen sie verbünden werden und im Zweifelsfall auch immer damit drohen können, die FDP gegen die Linkspartei auszu­tau­schen. Die FDP hätte also eine denkbar schlechte Verhandlungsposition. Mit einer Ampel würde sie ihr zentrales, durch einen Parteitagsbeschluss gege­benes Versprechen brechen und könnte prak­tisch keine Inhalte durch­setzen. Niemand wählt aber FDP, wenn er dafür rot-grüne Politik bekommt. Von den Folgen der Ampel würde sich die FDP auf viele Jahre nicht erholen. Aber das ist euch natür­lich Recht. Verdammt aber die FDP nicht dafür, dass sie keinen Selbstmord begeht.

  7. > warum überlässt sie ihr dann die NRW-Regierung, …
    Die FDP überläßt gar nichts.
    Sie wird die Kommunisten auch nicht in die NRW-Regierung wählen — das werden SPD und Grüne tun. Und die haben auch die allei­nige Verantwortung dafür.

    > selbst die entschie­densten Linkspartei-Gegner in der SPD …
    Wo sind die und warum haben die sich bisher nicht gemeldet?

  8. Mal gene­rell:
    Wenn es wirk­lich ein Interesse der SPD an einer Ampel gäbe, dann hätte man der FDP ein Gesprächsangebot gemacht, OHNE auf die Linken-Frage einzu­gehen. D.h. man hätte die Bedingung der FDP zwar nicht akzep­tiert, aber die Frage offen gelassen.

    Dann hätte man über die Reaktion der FDP streiten können.

    Was die SPD gemacht, war aber etwas Anderes: Sie hat beschlossen und öffent­lich gemacht, daß sie sowohl mit FDP als auch mit den Linken verhan­deln will. Und es wäre in keiner Weise nötig gewesen, diesen zweiten Teil des Beschlusses jetzt schon zu fassen und zu veröf­fent­li­chen.
    Und damit ist klar, daß die FDP das Angebot nicht einmal versuchs­weise annehmen kann — sie hätte sich sofort blamiert, ohne greif­bare Aussicht auf Erfolg.

    Das Ampel-Angebot ist eine Farce, reine Taktiererei.
    Wenn Kraftilanti mit den Kommunisten regieren will, dann soll sie es verdammt nochmal machen, ohne solche geheu­chelten Gesprächsangebote an Leute, mit denen sie gar nichts zu tun haben will.

    • Das Ampel-Angebot der FDP ist die Farce gewesen. Pinkwart und Co. haben niemals auch nur die Möglichkeit ins Auge gefasst, mit der SPD zusam­men­zu­ar­beiten. Das war von Anfang an ein Versuch, Kraft zu diskre­di­tieren und sie in die Ypsilanti-Ecke zu stellen. Hätte Kraft sich öffent­lich von der Linken distan­ziert, hätte die FDP die Gespräche unter einem anderen faden­schei­nigen Vorwand platzen lassen. Es ging der FDP nur darum, die SPD wieder als wort­brü­chig dastehen zu lassen. Dabei vergibt die FDP eine Chance auf eine Regierungsbildung ohne die Linke.
      Die SPD hat in der Vergangenheit Fehler im Umgang mit der Linken gemacht. Ich fürchte, sie ist auf dem Weg, weitere zu machen. Aber die FDP kann die SPD nicht für dumm verkaufen; nichts anderes war das Gesprächsangebot.

      • > Hätte Kraft sich öffent­lich von der Linken distan­ziert,
        > hätte die FDP die Gespräche unter einem anderen
        > faden­schei­nigen Vorwand platzen lassen

        danke für Deine auf Vermutungen baise­rende Einschätzung der poli­tisch Andersdenkenden ^^

      • Es hätte überhaupt keinen Sinn für die FDP gemacht, dann Gespräche unbe­dingt platzen zu lassen. Man hätte dadurch ja nicht viel gewonnen, außer der Möglichkeit ein wenig zu schimpfen. Vielmehr hätte man dann sehr viele Forderungen stellen und durch­setzen können, weil Rot-Grün keine Alternative und die SPD nur die große Koalition mit einem CDU-Ministerpräsidenten als Alternative gehabt hätte. Die FDP hätte dann ähnlich die Grünen im Saarland viele ihrer inhalt­li­chen Ziele durch­setzen, ihre Posten behalten und sich gleich­zeitig von der Union eman­zi­pieren können. Das wäre ein großer Gewinn für die Partei gewesen, ohne ihr Wort brechen zu müssen. Es ist daher überhaupt nicht ersicht­lich, warum das Angebot der FDP „vergiftet” gewesen sein soll.