Deutschland ist kein Hochsteuerland

Eine Studie der OECD hat ergeben: Deutschland ist kein Hochsteuerland. Und: die „kalte Progression” ist eine zu vernach­läs­si­gende Randerscheinung. Joachim Poß meint dazu: „Eindrucksvoll stellt die OECD fest, dass die prozen­tuale Belastung der Bruttoeinkommen in Deutschland seit 1990 für alle Einkommensklassen gesun­ken ist. Und das, obwohl die Bruttoverdienste im glei­chen Zeitraum um 20 Prozent gestie­gen ist. Gäbe es die immer wieder als Kritik an unserem progres­si­ven Steuertarif ange­führte kalte Progression wirk­lich, hätte das Gegenteil der Fall sein müssen: Bei stei­gen­dem Bruttoverdienst hätte die prozen­tuale Belastung steigen müssen. Genau diesem Effekt aber, so die OECD, hat insbe­son­dere die rot-grüne Steuerpolitik in den Jahren nach 2000 entge­gen gewirkt.”

Durchaus inter­es­sant; da die Bekämpfung der „kalten Progression” ein Hauptthema der schwarz-gelben Regierung Merkel war, hat Merkel durch Aussitzen ein weite­res Ziel erreicht.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

11 Gedanken zu „Deutschland ist kein Hochsteuerland“

  1. Im Handelsblatt steht aber auch (und der Meinung kann ich mich anschlie­ßen):

    „OECD-Chef Angel Gurría hat mehr­fach darauf hinge­wie­sen, dass die Höhe der Sozialabgaben das größere Problem in Deutschland sei. Bei Vorlage des OECD-Länderberichts hatte er gefor­dert, die Sozialsysteme künftig stärker aus Steuern, etwa auf den Konsum und Grundbesitz, zu finan­zie­ren.”

    Sieht das die SPD auch so? Ich schätze mal nicht.

    1. Steuerfinanzierung ist schon ok, aber nicht über Konsum. Das wäre „linke Tasche, rechte Tasche”. Vermögensteuer und höhere Erbschaftsteuer fände ich richtig.

      1. …bringt andere Probleme mit sich; Eine hohe Besteuerung von Grundbesitz wäre m.E. eine ‚gute’ (da wenig markt­ver­zer­rende) Steuer; mit Scharz und Rot und deren Häuslebauer-Lobby aber völlig utopisch.

          1. Und genau dieses Problem hat dazu geführt das die Vermögenssteuer abge­schaft wurde.
            Die Alternative zur Abschaffung wäre es gewesen Grundbesitz bei der Vermögenssteuer weniger zu bevor­zu­gen.

            So eine Reihenhäuschen in mitt­lere Lage kann zwischen 200 000 bis 300 000 Wert sein.
            Mehr wenn das Wohnviertel durch gentri­fi­zie­rung zur Guten Lage wird.

            Mit einem gewis­sen Bauchgrimmen könnte ich da eher mit höheren Konsumsteuern leben.
            Eine Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes betrifft natür­lich Arme und Reiche.
            Beide merken es im Geldbeute, wenn der Preis für den neue Plasma TV, den Porsche Boxster oder die Flugreise auf die Seychellen statt 19% z.B. 21% MWSt enthält… ;-)

  2. Der Knackpunkt in Deutschland war nie die reine Steuerbelastung, sondern die Kombination aus Steuern und Abgaben. Ein nennens­wer­ter Teil der Bevölkerung zahlt kaum Steuern und kann daher auch schlecht entlas­tet werden. Dagegen schla­gen die Sozialabgaben auch bei nied­ri­gen Einkommen voll durch. Ein Grund, warum z.B. die Skandinavier ihre Sozialsysteme größ­ten­teils von der Abgaben- auf die Steuerfinanzierung umge­stellt haben.

    Zur kalten Progression: Ich warte immer noch auf ein brauch­ba­res Gegenargument, warum die Grenzsteuerkurve nicht regel­mä­ßig um die gemes­senene Inflationsrate nach rechts verscho­ben werden sollte.

  3. Der Artikel spricht einen wich­ti­gen Punkt an: Die Belastung von Gering- und beson­des Mittelverdienern in Deutschland ist im Vergleich zur Belastung der Unternehmen und Spitzenverdiener zu stark.

  4. Tjaja, Belastungen für den Bürger steigen natür­lich nicht, logisch. Der Bundeshaushalt wächst demnach allein aufgrund von Luft und Liebe. Und dass über 50 Prozent unserer Löhne vom Staat einge­sackt und höchst geist­reich (viel geist­rei­cher jeden­falls, als wir Idioten das jemals könnten) wegver­schenkt werden, macht Deutschland selbst­ver­ständ­lich noch lange nicht zu einem Hochsteuerland. Das Geld ist schließ­lich nicht weg, es hat nur jemand anders.

  5. Der Artikel spricht einen wich­ti­gen Punkt an: Die Belastung von Gering– und beson­des Mittelverdienern in Deutschland ist im Vergleich zur Belastung der Unternehmen und Spitzenverdiener zu stark.

    Und warum ist das so?
    Weil selbst bei jeman­dem, der ein Einkommen unter­halb des Existenzminimums hat, von 1 EUR, den die Lohnbuchhaltung für ihn über­weist, nur 67 Cent auf seinem Konto ankom­men. Die Sozialversicherungen kennen kein Existenzminimum. Das möchte aber meines Wissens auch die SPD nicht ändern.

    Für 1’620 EUR Nettolohn muss der Arbeitgeber 2’980 EUR über­wei­sen. So kommt man auf eine Belastung durch Steuern und Sozialabgaben von 48%.

    Das ist übri­gens die gleiche Quote, die jemand hat, der pro Monat 11’170 EUR netto verdient.

    Die Lösung der SPD: „Dann sorgen wir dafür, dass die Belastung durch Steuern und Sozialabgaben bei stei­gen­dem Einkommen nicht sinkt und wenn die 33% Sozialabgaben wegfal­len, schla­gen wir dem AN wenigs­tens die 16% auf die Steuer drauf”, über­zeugt mich nicht.

    Das einzige System in Deutschland, welches alle Einnahmen einer Person erfasst (wenn dank Mithilfe der SPD auch unter­schied­lich stark) ist die Steuer. Da wehrt sich die SPD aber mit Händen und Füssen dagegen, damit auch den Bereich der Sozialversicherung abzu­de­cken.
    Lieber ist ihr, dass wir mit den Sozialabgaben eine flat tax von (wenn man denn an das Märchen von der Parität der Finanzierung glaubt) 20% auf Einkommen aus unselb­stän­di­ger Arbeit haben, die im Bereich 0 EUR bis 66’000 EUR Jahreseinkommen erhoben wird.

    Wenn Du jetzt mit Gegenleistung kommst: Wieviel die 0,25 Entgeltpunkte pro Jahr dem Niedriglöhner bringen, oder wie sehr sein Arbeitslosengeld durch die Zahlung in die ALV steigt, kannst Du selbst ausrech­nen. In der Krankenversicherung reicht momen­tan auch verhei­ra­tet oder Kind zu sein, um beitrags­frei versi­chert zu werden. Bei den Kindern sagt jeder „die können noch nicht selbst ihren Beitrag erwirt­schaf­ten”. Bei dem bemüh­ten aber mit nied­ri­ger Intelligenz ausge­stat­te­ten (oder was auch immer den Ausschlag für beruf­li­chen Erfolg bringt) Niedriglöhner, sagt man das nicht, obwohl der es auch nicht kann.

  6. Hallo! Haben Sie schon entdeckt, dass Ihr Artikel auf Handelsblatt.com gezeigt wird? Zusammen mit dem Artikel, auf den Sie verlin­ken? Handelsblatt.com, WiWo.de, Karriere.de, Freitag.de, LR-Online.de und T-Online.de zeigen nun mit Hilfe von Twingly Blogposts, die auf sie verlin­ken zusam­men mit den jewei­li­gen Artikeln. Viele Grüße, Anja Rauch.

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