Sehnsucht nach der Drachme

Es ist schon erschre­ckend, was man aktuell hier­zu­lande an feind­se­li­gen Äußerungen über Griechenland lesen und sehen kann. Einen trau­ri­gen Höhepunkt hat die CSU markiert. Ihr Landesgruppenchef, Hans-Peter Friedrich, empfin­det Sehnsucht nach der Drachme. Er findet, die grie­chi­sche Regierung soll erwägen, den Euro-Raum zu verlas­sen.

Zum Glück hat Hans-Peter Friedrich nicht darüber zu entschei­den. Denn würde Griechenland tatsäch­lich die Drachme wieder einfüh­ren, müsste man von einem Wertverlust dieser Währung ausge­hen. Nur die bestehen­den grie­chi­schen Schulden blieben weiter­hin in Euro verbrieft. Und so würde sich allein durch eine Währungsumstellung die grie­chi­sche Staatsschuld plötz­lich erhöhen und das Land wäre der Zahlungsunfähigkeit ein gutes Stück näher.

4 Gedanken zu „Sehnsucht nach der Drachme“

  1. > Denn würde Griechenland tatsäch­lich die Drachme wieder einfüh­ren,
    > müsste man von einem Wertverlust dieser Währung ausge­hen.
    Gar nicht gesagt.

    Bei der ganzen Diskussion wird immer verwech­selt, daß die Währung, mit der die Leute privat ihre Einkäufe tätigen, und die Währung, in der ihre Regierung sich verschul­det, direkt nichts mitein­an­der zu tun haben.

    Solange die grie­chi­sche Regierung sich nicht in Drachmen verschul­det (würde auch kaum ein Gläubiger solche Anleihen zeich­nen), könnte diese Währung sogar stabil sein.

    > Nur die bestehen­den grie­chi­schen Schulden blieben weiter­hin in Euro
    > verbrieft.
    Richtig. Und daran ändert sich durch eine mögli­che Währungsumstellung gar nichts, die Staatsschulden werden weder höher noch nied­ri­ger.

    Letztlich gibt es für Griechenland nur zwei Alternativen: Entweder finden sich genug Dumme, die ihm Geld schen­ken (die EU-Regierungen schei­nen das vorzu­ha­ben). Oder aber es muß wirk­lich gespart werden.

  2. Wenn der Kurs der Drachme fällt, macht es für die Griechen durch­aus einen Unterschied in welcher Währung ihre Schulden verbrieft sind.

  3. Hey, immer­hin fordert die CSU nicht die Wiedereinführung der D-Mark…
    Es bleibt also noch Platz für mehr Populismus.

    Bei einer Widereinführung der DM könnte Deutschland zudem diese nach Lust und Laune abwer­ten, um den deut­schen Export zu stärken.

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