Seit Tagen verfolgt uns der unaussprechliche Vulkan auf Island in den Medien. Das Flugverbot wird medial ausgeschlachtet bis zum Geht-nicht-mehr. Aber was ist eigentlich passiert?
Eine Sondersendung jagt die andere, Radiosender machen ganze Thementage zur Vulkanasche, die ARD zeigt Brennpunkte und verwendet 2/3 der Tagesschau zur Berichterstattung über den Vulkanausbruch und dessen Folgen. Passiert ist eigentlich nichts. Für einige Tage war der Flugverkehr über Europa eingestellt und eigentlich war das auch ganz in Ordnung so. Das mediale Orchester, das aber angestimmt wurde, klang eher so als sei ein Vulkan in der Eifel ausgebrochen. Es wurde wieder deutlich, wie hier medial aus einer Mücke ein Elefant gemacht wird. Genauso war es schon bei der Schweinegrippe und auch bei dem kalten Winter.
Die Medien sind eben ein Geschäft, und wer da am lautesten schreit, dem wird Gehör geschenkt. Die Tatsachen fallen dann teilweise unter den Tisch. Es werden die immer gleichen Informationen in hoher Schlagzahl wiederholt, um den Eindruck zu erwecken es würde etwas passieren. Schlagzeilen wie „Vulkan spuckt weiter Asche” sind an ihrer Trivialität kaum zu toppen, aber sie sollen wohl für einen Hingucker oder Hinhörer mehr sorgen. Die Flugsicherung hat sich auch keinen Gefallen damit getan das Flugverbot nur stundenweise zu verlängern, da sie so den Medien stets Futter hinwarf, obwohl sie selbst keine Ahnung von der Situation hatte.
Als Horrorvision wurde dieses Mal die Erfahrung eines Piloten an die Wand gemalt, der 1982 durch eine Aschewolke geflogen war und dabei alle vier Triebwerke verloren hatte. Andere Beispiele gab es nicht. Unpassend war das Beispiel allerdings, weil der Pilot damals die Wolke sehen konnte und naiverweise hindurchflog. Die Wolke über Europa ist nicht einmal sichtbar, was dafür spricht, dass die Konzentration der Ascheteilchen recht gering ist. Das genügte aber um die Medien Europas in Ekstase zu versetzen. Endlich war etwas los, obwohl eigentlich nichts los war.
Viel „interessanter” wäre die Sache geworden, wenn der Vulkan seine Asche bis in die Stratosphäre geschleudert hätte. Damit wäre wohl ab einer gewissen Menge eine Klimaänderung für ein paar Jahre eingetreten. Die Temperaturen wären in Europa um einige Grad gesunken, da die Aerosole in einer Höhe von plus zwölf Kilometern das Sonnenlicht reflektieren und sich dort auch lange halten, weil sie über dem Wetter schweben. Dann wäre mediale Aufregung angebracht gewesen. Aber so ist sie nur heiße Luft.
Natürlich gab es auf Seiten der Behörden Unerfahrenheit und es gibt keinen Grenzwert ab wann ein Flugzeug nicht mehr fliegen darf. Es ist nicht mal bekannt, ob es diesen Grenzwert überhaupt gibt. Wenn aber jetzt Leute der Politik vorwerfen sie hätte falsch oder überstürzt reagiert, ist das entweder Blödsinn oder Besserwisserei. Tatsache ist, dass es eine solche Situation vorher nicht gegeben hat und es also keine Erfahrung gab außer der von 1982. Die Politik hat das Einzige gemacht, was verantwortliche Politik in dem Moment machen kann: Das Risiko reduziert. Die Sperrung des Luftraums war nichts anderes als eine Sicherheitsmaßnahme. Wer von Politikern Allwissenheit und göttliche Vorhersehung erwartet, überfordert das politische System vollkommen und sollte sich besser an die Religion halten.
Wenn Medienvertreter von „Angst in der Bevölkerung” reden, weiß ich nicht worauf sie diese Aussage stützen. Ich kenne niemanden der wegen der Aschewolke Angst hatte. Man redet über das Thema, aber man weiß auch, dass hier nur das alltägliche Mediengeschäft am Werk ist. Viele nehmen das alles nicht mal ernst. Ich kenne auch niemanden, der sich Gedanken um seine Gesundheit machen würde. Es wäre auch sehr paradox, wenn jemand, der an einer stark befahrenen Straße wohnt Angst vor Vulkanasche hätte. Ich persönlich hab mich eher an dem Himmel ohne Kondenzstreifen und den tollen Sonnenuntergängen erfreut, als mich über das Flugverbot und Vulkanasche aufzuregen.
Viel interessanter finde ich einen Nebeneffekt, der mit dem Flugverbot einherging: Entschleunigung. Menschen mussten plötzlich wieder den Zug, den Bus oder den PKW benutzen. Kanzlerin Merkel musste sich langsam von Kalifornien nach Portugal, dann nach Italien und schließlich nach Deutschland vortasten. Verteidigungsminister zu Guttenberg, in Istanbul gestrandet, lieh sich kurzerhand zwei Wagen der Botschaft und fuhr mit seinem Stab incognito durch die Balkanstaaten nach Italien.
Es wäre schön, wenn hinterher von diesem Vulkanausbruch zwei Erkenntnisse übrigblieben: Zum einen sind wir Menschen nicht immer in der Lage die Natur zu beherrschen. Zum anderen würde es uns allen und unserer Umwelt guttun, wenn wir die Dinge etwas langsamer angehen würden. Aber leider wird bestimmt bald wieder die nächste Sau durchs Dorf getrieben und diese wieder vergessen werden. So ist das in der Mediengesellschaft.

Grundsätzlich würde ich der Medienkritik ja zustimmen. Es wird sehr oft aus einer Mücke ein Elefant gemacht. Wegen eines Halbsatzes eines Politikers kann es locker eine Woche mit hyperventilierender Empörung geben, Themen kommen viel zu kurz.
Aber konkret hier schien mir die Berichterstattung angemessen. Ein tagelanger Totalausfall des Flugverkehrs mit Milliardenschäden und vielen zehntausend direkt Betroffenen, das ist schon ein Großereignis.
> Als Horrorvision wurde dieses Mal die Erfahrung eines Piloten an die Wand
> gemalt, der 1982 durch eine Aschewolke geflogen war und dabei alle vier
> Triebwerke verloren hatte.
Nicht verloren, sie sind nur ausgegangen. Nach Verlassen der Wolke hat er sie wieder angelassen und ist sicher gelandet.
Und das zeigt: Nicht die Medien haben hier hysterisch überreagiert — sondern die Politik.
Je nach damals vorhandener Informationslage mag die Vollsperrung als Erstreaktion noch vertretbar gewesen sein — aber diese über Tage aufrecht zu erhalten, obwohl klar erkennbar war, daß es über Europa KEINE Aschewolke gab, das war schlicht Flucht vor der Verantwortung.
Und es war auch keine Risikoreduzierung. Nach aller Wahrscheinlichkeit hat es jetzt bei den vielen zusätzlichen Autofahrten (meist zu ungünstigen Bedingungen) mehr Opfer gegeben als bei einer Fortführung des Luftverkehrs.
Allwissenheit verlangt keiner, aber es wäre nötig gewesen, daß sich die Verantwortlichen informieren und frühzeitig mit Messungen und Probeflügen für Klarheit sorgen.
Siehe dazu:
http://www.pilotundflugzeug.de/servlet/use/Home.class?frame&main={http://www.pilotundflugzeug.de/artikel/2010–04-19/Vulkanausbruch_und_die_Folgen}
Zum einen fand ich die Berichterstattung völlig unpassend. Im Verhältnis zum Ereignis wurde ihm viel zu viel Platz eingeräumt. Das ist aber ein allgemeines Phänomen unserer Mediengesellschaft.
Zum anderen finde ich es gerechtfertigt, dass der Luftraum gesperrt wurde, da man das Risiko nicht verantworten konnte. Die Situation war einfach neu und unbekannt. Für Laien auf dem Gebiet, was Politiker von Natur aus immer sind, war das vollkommen in Ordnung.
Du hast aber natürlich Recht, wenn du schreibst, dass man aus Verlegenheit oder Unentschossenheit den Luftraum gesperrt ließ. Man hat ja schließlich den Sichtflug erlaubt, der zwar nicht technisch, aber rechtlich einen Unterschied macht.
Aber auch das kann man mit der weitgehenden Ahnungslosigkeit (bis in wissenschaftliche Kreise) über die Zusammensetzung und Gefährlichkeit der Wolke erklären. Hier hat sich die Politik der Verantwortung entzogen und sie stattdessen den Piloten überlassen. Auch das ist in Ordnung im Kontext eines Aushandlungsprozesses zwischen Regierung und Fluglinien. Warum sollte die Regierung die Verantwortung übernehmen, wenn Fluglinien fliegen wollen obwohl die Situation ungeklärt ist?
> Zum anderen finde ich es gerechtfertigt, dass der Luftraum gesperrt wurde,
> da man das Risiko nicht verantworten konnte.
Wie schon gesagt: Als erste Reaktion fand ich das auch angemessen. Aber die folgenden Tage kamen die Versäumnisse.
> Für Laien auf dem Gebiet, was Politiker von Natur aus immer sind, war
> das vollkommen in Ordnung.
Wenn man als Entscheider in so einer Situation ist, dann muß man sich halt informieren. Und zwar schnell. Angesichts der Dimension des Problems muß das erste Priorität haben, da ist auch das Wochenende keine Freizeit mehr.
Der Witz ist ja: Die Situation ist heute genau dieselbe wie vor einer Woche!
Es gibt keine Aschewolke über Europa, es gab sie zum Zeitpunkt der Sperrung nicht. Es gab ein erhöhtes Staubaufkommen, das gibt es heute immer noch. Die Vorschriften und Richtlinien haben sich auch nicht geändert. Es hat schlicht eine Woche gebraucht, bis die Politik die vorhandenen Informationen und das vorhandene Fachwissen zur Kenntnis genommen hat. Das ist inakzeptabel.
Was zusätzlich dazukam an Information waren die Ergebnisse von Testflügen die auch augenscheinlich bewiesen haben, daß es keine Gefahr gibt. Und solche Flüge hätten schon gleich nach Sperrung durchgeführt werden können und sollen, dafür stehen der Regierung ja genügend Möglichkeiten zur Verfügung. Es ist doch ein Witz, daß diese Testflüge im wesentlichen von den Airlines auf eigene Faust durchgeführt wurden, damit der Minister eine Entscheidungsgrundlage behaupten kann.
> Warum sollte die Regierung die Verantwortung übernehmen, wenn Fluglinien
> fliegen wollen obwohl die Situation ungeklärt ist?
Flugsicherheit ist nun mal Verantwortung der Regierung. Bzw. sie beansprucht diese Verantwortung.
Schließlich hat sie ein generelles Verbot erlassen, ohne die Möglichkeit für Fluglinien und Passagiere, auf eigenes Risiko zu handeln.