Mein Ergebnis beim Wahl-O-Mat zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen

Wie ich nebenan in meinem Blog (dem Pottblog) berichtet habe, ist inzwischen der Wahl-O-Mat zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen gestartet worden.

Auch wenn ich parteipolitisch eine gefestigte Meinung habe, finde ich persönlich solche Tests immer wieder gut. Ich kann mich noch gut an einen SPD-Vorsitzenden erinnern, der bei der Bundestagswahl 1998 (so lange gibt es solche Angebote schon!) bei einem solchen Test ein eher lustiges Ergebnis erzielte, denn es zeigte sich, dass er mit der Programmatik seiner eigenen Partei nicht ganz übereinstimmte.

Solche Tests taugen jedoch nur dann was, wenn sie vernünftig gemacht sind – wenn die Methodik unzureichend ist, dann bringt das gar nichts. Da gibt es leider im aktuellen Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen auch Beispiele. Aber nicht der Wahl-O-Mat NRW 2010, dessen Ergebnis ich hier dokumentieren und auch kommentieren möchte:

Wahl-O-Mat NRW (Ergebnis Jens Matheuszik)
Wahl-O-Mat NRW (Ergebnis Jens Matheuszik)

Die SPD führt die Auswertung deutlich an, was gar nicht so selbstverständlich ist. Bei der letzten Bundestagswahl hatte ich beispielsweise die Piratenpartei (knapp, aber immerhin) vor der SPD auf Eins, wobei ich dennoch die SPD bevorzugte (das ich das ganze dokumentierte, sorgte für eine gewisse Piratenschwemme in den Kommentaren).

Doch bei der Landtagswahl in NRW ist das anders und das auf dem zweiten Platz gleich die Grünen landen freut mich – denn ich hoffe auf eine rot-grüne Koalition in NRW. Etwas gewundert hat mich jedoch der dritte Platz der Linkspartei. Ich bin kein Fan der Linkspartei, aber bei dem Thesenvergleich ging es nicht um Sympathien, die Erwartung von ernsthafter und konstruktiver Politik, sondern schlicht und ergreifend nur um die Zustimmung zu 38 verschiedenen Thesen. Da so merkwürdige Klopper wie die „Verstaatlichung von Unternehmen“, wie sie irrsinnigerweise die Linkspartei fordert, nicht bei den Thesen auftauchte, konnte sich die Linkspartei in meinem persönlichen Ergebnis nah an die SPD und die Grünen heranpirschen.

Nach den Linken kommt dann die Piratenpartei, wobei das auch dem Umstand geschuldet ist, dass die Piratenpartei bei nicht gerade wenigen Thesen sich enthalten hat. Was meiner Meinung nach übrigens ein Zeichen dafür ist, dass man sich nicht für die Piratenpartei wirklich entscheiden kann. Eine Partei in NRW die beispielsweise die wichtige Frage nach der Beibehaltung der Gewerbesteuer für die Kommunen nicht für sich beantworten kann, die kann für mich keine Wahl sein.

Jetzt würde mich interessieren: Wie sehen Eure Ergebnisse beim Wahl-O-Maten aus? (und wie beurteilt ihr das?)

30 Gedanken zu „Mein Ergebnis beim Wahl-O-Mat zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen“

  1. Mein Ergebnis: Linkspartei, Grüne, SPD.
    Was an der Verstaatlichung von Großkonzernen allerdings so „irrsinnig“ ist, würde mich durchaus einmal interessieren – Antwort erwünscht.

    1. @Justin:
      Ich finde es irrsinnig weil
      a) derzeit auf kartellrechtlicher Ebene diskutiert wird, inwiefern beispielsweise Energieriesen nicht mehr für Produktion und Vertrieb gleichzeitig verantwortlich sein dürfen
      b) eine Verstaatlichung auf Landesebene viel zu teuer wäre, da natürlich Entschädigungen gezahlt werden müssen
      c) beispielsweise an der RWE (die ja namentlich von der Linkspartei auf Plakaten genannt wird) Städte und Gemeinden beteiligt sind.

      1. @Jens:
        a+b diskutabel (neuer Artikel?)
        – c) aber ??? Wenn 40% eh schon „dem Staat“ gehören, fällt eine Ent-Privatisierung ( ;-) was für ein schöner Begriff) m. e. sogar noch leichter. Irrsinn ist in jedwedem Statement eine extreme Herabwürdigung, die „man“ sich besser sparen sollte.
        @Rayson:
        irgendwelche Belege für die These?
        „Der Staat ist blablabla“
        Hälst Du die Mitlesenden- und recht die Mitdiskutierenden hier für blöd?

        1. „irgendwelche Belege für die These?“

          Sofern Beispiele als Beleg gelten: HSH, BayernLB usw. usf.

          Ansonsten genügt für diese Erkenntnis auch ein bisschen gesunder Menschenverstand. Staatliche Unternehmen werden im Zweifel immer vom Steuerzahler gestützt werden, bevor sie bankrott gehen und im Gegenzug ganz schnell politisch instrumentalisiert werden, wenn das der Politik gerade (meistens sehr kurzfristige) Vorteile zu versprechen scheint. Beides muss zulasten von Effizienz und Gewinn gehen – und damit automatisch auch zulasten der Wettbewebsfähigkeit und Zukunftsperspektive.

        2. irgendwelche Belege für die These?

          Bundespost, British Elend, Renault, Landesbanken… Und die Tatsache, dass für Staatsunternehmen in der Regel auch der Wettbewerb ausgeschaltet werden muss.

          Hälst Du die Mitlesenden- und recht die Mitdiskutierenden hier für blöd?

          Eine ehrliche Antwort würde differenziert ausfallen.

          1. @Rayson:
            Dein voriges Statement war schon etwas platt.
            Deine Beispiele sind durchwachsen, aber sei es drum, der Uhrzeit geschuldet.
            Mit denjenigen, die einem sozialen Gemeinwesen per se jegliche Kompetenz absprechen (wollen), über Daseinsvorsorge zu diskutieren, ist schon etwas abwegig. Nein, Du bist nicht „blöd“- so einfach mache ich es Dir nicht :-)

          2. „British Elend“

            Ist damit das Elend gemeint, dass sich durch die Privatisierung von britischer Infrakstruktur ergeben hat?

          3. Ist damit das Elend gemeint, dass sich durch die Privatisierung von britischer Infrakstruktur ergeben hat?

            Nein, sondern natürlich die gloriosen Zeiten, als England noch voller glücklicher Bürger war, die voller Stolz auf die Weltmarktniveau-Produkte ihres staatlichen Autobauers schauten.

        3. a/b: neuer Artikel – hey, ich komme bei mir im Blog kaum dazu zu schreiben. ;)

          c: naja, wie soll man ein teilweise staatliches Unternehmen verstaatlichen? Es ging mir hierbei um die Ironie, dass hier Verstaatlichung für ein halbstaatliches Unternehmen verlangt wird.

          1. @Jens:
            manchmal sind 100% einfach viel besser als 49%- wir haben da in BS leidvolle Erfahrungen sammeln müssen.
            a/b- ja, auf geht’s- was ist schon das eigene Blog…hm, obwohl… :-(

  2. Mein Ergebnis: SPD, Grüne, Linkspartei, CDU, FDP

    Ich finde es übrigens immer wieder lustig, wie erstaunt viele Genossen darüber sind, dass sie beim Wahlomaten so große Nähe zur Linkspartei erhalten. Darauf folgen dann meistens peinliche Erklärungsversuche… Könnte eventuell einfach dafür sprechen, dass man programmatisch sehr viel näher beieinander liegt als Medienberichte und die Äußerungen prominenter Politiker das vermuten lassen. Nur als kleiner Denkanstoß ;).

    1. ich hatte:
      DIE LINKE
      GRÜNE
      SPD
      ÖDP
      PIRATEN
      NPD
      FDP
      CDU
      Die letzten drei mit deutlichem Abstand, Sorgen mache ich mir wegen des drittletzten Eintrags nicht, denn die Programmatik dieser Leute ist im sozialen Bereich lediglich verbal- gemessen am tatsächlich Gewollten müßte die FDP vor der NPD kommen- aber die Fragen sind landespolitisch, da geht’s weniger um Menschenrechte usw.
      Und- nein- ich wohne nicht in NRW- die meisten Fragen und Antworten sind aber auf Nds. übertragbar.

    2. @Kalle:
      Ich muss mich nicht herauswinden wegen der programmatischen Nähe zwischen Rot-Grün und Linkspartei. Denn da sind ja schon ähnliche Ansätze vorhanden. Dass es dennoch Gründe gibt, die gegen die Linkspartei sprechen – das kann man nicht unbedingt in 38 Thesen darlegen.

  3. Ich wohne auch nicht in NRW, mache damit nicht beim Test mit.
    Bei der BTW 2009 hatte ich die SPD mit deutlichem Vorsprung vor den Grünen, den Piraten und den Linken (bei den letzten beiden weiß ich die Rangfolge nicht mehr). Das hat mich gewundert; sonst haben sich SPD und Grüne immer ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert und ich war der Meinung, bei mehr Punkten als üblich der SPD-Linie nicht zuzustimmen.
    Allgemein finde ich den Wahl-o-mat allerdings nicht unbedingt immer sehr aussagekräftig. Aus zwei Gründen:
    1. Komplizierte politische Sachverhalte werden auf eine Ja-Nein-Frage heruntergebrochen. Da gehen die Nuancen völlig verloren. So bin ich zum Beispiel für regional unterschiedliche Mindestlöhne. Damit bin ich eigentlich zu zwei Dritteln auf Linie meiner Partei. Aber bei der Ja-Nein-Frage nach einem bundeseinheitlichen Mindestlohn muss ich trotzdem auf „Nein“ klicken.
    2. Gerade bei kleineren Parteien berücksichtigt der Wahl-o-mat nicht, dass die Partei vielleicht zwar eine Meinung zu dem Thema hat, dieses Thema für die Partei aber kaum bedeutend ist. Bestes Beispiel sind die Piraten, wenn es nicht um Internet und Datenschutz geht. Mit Abstufungen gilt das auch für FDP, Grüne und Linke.
    Umgekehrt haben Union und SPD vielleicht zu bestimmten Themen dieselbe Auffassung wie eine kleine, vertritt sie aber nicht so energisch, weil es nicht ihr Leib-und-Magenthema ist. Z.B. bestimmte Gentechnik-Themen zwischen SPD und Grünen. Da sind die Gewichtungsmöglichkeiten im Wahl-o-mat unzureichend.

    1. Das klassische Beispiel: SPD und NPD sind beide für einen Mindestlohn. Die NPD fordert ihn aber „nur für Deutsche“. Im Wahl-O-Mat geht diese wichtige, auch ideologisch auseinanderklaffende, Abstufung völlig verloren.

    2. Deine Kritik am Prinzip „Wahl-O-Mat“ teile ich.
      Und hätte noch einige Punkte mehr:
      Ganz entscheidend bei einer Wahl sind doch Glaubwürdigkeit und Kompetenz. Da mag eine Partei vielleicht lauter schöne Sachen versprechen – aber man kann trotzdem oft davon ausgehen, daß sie diese Versprechen nicht ernst meint bzw. diese Versprechen völlig unrealistisch sind. Und was helfen die schönsten Programmpunkte, wenn die (Spitzen-)Kandidaten nicht geeignet erscheinen, die auch umzusetzen?

      Und dann gibt es natürlich (gerade bei NPD oder Kommunisten) das Problem, daß gerade die Punkte beim Wahl-O-Mat nicht aufgeführt werden, die solche Parteien völlig unwählbar machen.

      1. @RA:
        und da haben wir sie wieder…
        Tata!
        Die Totalitarismus-Theorie. Ist egal wobei. Hauptsache, mindestens ein Mal pro Thread. Wie ermüdend- habt Ihr Neolibs/ Neocons eigentlich keine Angst, dass durch plumpe Wiederholung immer weniger Eure Thesen abnehmen? Ach, nee, den blöden Unwissenden muß stets eingebläut werden, was sie zu denken haben.
        Wirklich sehr „liberal“ ;-)

        1. @Nordstadt:
          Ist mir schon klar, daß Du diese lästigen Wahrheiten lieber nicht angesprochen haben möchtest.
          Aber da es hier eben zum Thema gehört, muß es auch gesagt werden. Und ich sehe nicht den mindesten Grund, da „Schwamm drüber und vergessen“ zu praktizieren.

          > Hauptsache, mindestens ein Mal pro Thread.
          Nicht wahr.
          Im Parallelthread geht es um Umweltzonen, da gehört es nicht hinein und deswegen taucht es dort auch nirgends auf.

          1. @RA:
            „Ist mir schon klar, … vergessen“ zu praktizieren. “
            Genau- nur ernsthaft wird es nicht gebracht, sondern als „politisches“ Ex-und-Hopp-Totschlags-„Argument“ bei jeder (un-)passenden Gelegenheit (… Flüchtlinge von Nazis zu Tode gejagt- aber die Kommunisten haben doch auch…).
            Die Ausgrenzung der stärksten Partei z. B. in Sachsen-Anhalt läßt sich auf vielen Wegen bewerkstelligen.
            Ist ja so richtig total demokratisch. Sind schon so völlig anti-demokratisch, diese Ossis… und jetzt wählen die im Westen auch immer öfter „die Kommunisten“- da fehlt einfach so innige „Aufklärung“ wie diese Gleichsetzung in einem Halbsatz. Bestechend. Einfach. Grenzwertig bis einfältig. „Man“ sollte sich schade dafür sein, es sei denn… tja, ob damit vielleicht die klammheimliche Freude am früheren Werk und heutigen Wirken der Nazis seinen „intellektuellen“ Nachhall findet?

            „Im Parallelthread geht es um Umweltzonen, da gehört es nicht hinein und deswegen taucht es dort auch nirgends auf.“
            Noch nicht. Wir werden sehen. Gegen Linke geht immer. Hat schon Goebbels gesagt. Und hat damals funktioniert. Hoffentlich heute nicht (mehr)- aber da kannst Du gern (?) anderer Meinung sein.

  4. Ich hatte:
    CDU (64)
    FDP (62)
    Grüne (50)
    Piraten (49)
    SPD (48)
    Die Linke (weit abgeschlagen).

    Hmm. Seh meine politische Zukunft als rechten SPD Stammwähler.

    Irgendwie scheint das Tool nicht so das Gelbe zu sein.

    1. „Hmm. Seh meine politische Zukunft als rechten SPD Stammwähler.“

      Die muss es ja auch geben. ;-)

      1. Stimmt, das weiß kaum einer besser als ich. Nur bin ich mir nicht sicher, ob das alle in der SPD glauben.

        1. Gilt doch für beide Seiten. Ich lese gerade die Tagebücher von H. Molkenbuhr. Sehr aufschlussreich, auch dahingehend.

  5. Der Wahl-O-Mat trägt eine Mitschuld daran, dass die Volksparteien in den letzten Jahren so starke Stimmverluste hinnehmen mussten und der Trend zwangsweise mehr und mehr zu Großen Koalitionen geht. Die platten Fragestellungen und pauschalisierten Antworten geben ein völlig schiefes Bild wieder und bevorzugen im Grunde jede Splitterpartei, sei sie noch so extremistisch, wenn das Parteiprogramm alibimäßig nur genügend gemäßigte Punkte bietet.

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