Werbeblocker-Egoisten treiben Online-Medien in den Ruin!

„SPON” berich­tet aktuell darüber, wie teuf­li­sche Werbeblocker-Egoisten brave Online-Medien in den Ruin treiben. Die Diskussion ist natür­lich nicht neu. Drüben bei den Ruhrbaronen wird Verständnis für den Appell geäu­ßert: man möge doch bitte ohne Werbeblocker surfen.

Ich halte den Appell für unsin­nig. Ich für meinen Teil nutze AdBlock Plus nicht aus Bosheit, sondern weil Online-Werbung derma­ßen pene­trant und nervig ist, dass es kaum noch zu ertra­gen ist. Mein Netbook wird von einigen beson­ders fiesen Flash-Bannern regel­recht über­las­tet. Das sehe ich nicht ein, ergo blocke ich.

Natürlich ist nach­voll­zieh­bar, dass Medienhäuser Gewinn machen wollen. Ohne Moos nix los, das gilt auch im Informationsbereich. Aber Appelle an die Nutzer, Werbung zu gucken? Das ist absurd und führt zu nichts.

Der Medienwandel durch das Internet macht es für Verlage nötig, sich neue Einnahmequellen zu suchen. Premium-Bereiche wären eine Möglichkeit, ausführ­li­che Hintergrundartikel, Förder-Abos und was es noch so alles gibt. Dass Werbung funk­tio­nie­ren kann, zeigt Google — nach wie vor ist Werbung die Google-Haupteinnahmequelle. Die Verlage machen also offen­sicht­lich irgend­et­was falsch.

Eine gute Idee wäre es jeden­falls, guten Journalismus zu bieten. Gerade Regionalzeitungen verschen­ken derma­ßen viel Potenzial, es ist zum Heulen. Von Gemeinderatssitzungen wird kaum berich­tet, echte Lokal-Reportagen gibt es quasi nie; Pressemitteilungen werden fast wort­wört­lich ohne sie zu hinter­fra­gen veröf­fent­licht. (Als Lokalpolitiker finde ich das natür­lich gut, als unab­hän­gi­ger Leser, der sich infor­mie­ren will, hinge­gen nicht.)

Mehr regio­nale Berichte, mehr hoch­wer­tige Inhalte — Verzichtbares weglas­sen. Exklusivität heißt das Zauberwort. Artikel, die ausschließ­lich dpa zur Quelle haben, sind ergo völlig wertlos — schließ­lich stehen sie im ganzen Internet.

Pauschallösungen habe ich keine anzu­bie­ten. Den Nutzer, also den Kunden, indi­rekt oder gar zu beschimp­fen, ist jeden­falls keine gute Idee. Ich für meinen Teil lasse mir das nicht gefal­len.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

7 Gedanken zu „Werbeblocker-Egoisten treiben Online-Medien in den Ruin!“

  1. Ich für meinen Teil lasse mir das nicht gefal­len.

    Du gehst jetzt deshalb nicht mehr zu SpOn, oder wie darf ich das verste­hen?

    Google hat ein anderes Geschätsmodell, das sich nicht 1 zu 1 auf Verlage über­tra­gen lässt.

    Mit den Regionalzeitungen hast Du recht. Teilweise ist es erbärm­lich, was da abge­lie­fert wird.

  2. Sagen wir so: Wenn Dich eine Werbung eh nur nervt, dann verpasst der Werbende auch nichts, wenn Du die Werbung raus­fil­terst.

    Ein Verlust durch Webwasher entsteht ja dem Werbetreibenden doch eigent­lich nur, wenn ein Banner oder Adword oder ähnli­ches unter­drückt wird, dass Dich eigent­lich inter­es­siert hätte.

    Nur dann bewirkt die Werbung doch über­haupt irgend­et­was.

  3. Der SpOn-Artikel war ganz prak­tisch. Er hat mich erst auf die Idee gebracht, daß Adblock ganz nütz­lich wäre und ich habe es sofort instal­liert.

    Ich habe ja nichts gegen Werbung, die mit Bild und Text in die norma­len Seiten mit einge­baut wird.
    Aber nervig sind Flash-Einblendungen, die den Rechner blockie­ren, blöde Fenster, die auftau­chen, den Text verde­cken, beim Zuklicken oft noch weitere Fenster öffnen.

    Wenn nicht zuviele Webseitenbetreiber so aufdring­li­che Werbemethoden akzep­tiert hätten, hätte es über­haupt keinen Bedarf gegeben, Blocker zu entwi­ckeln.

  4. @R. A.:
    das steht im Widerspruch zur sonst kolpor­tier­ten Aussage, dass das freie Unternehmertum und „der Markt” schon alles richten wird.
    Verbraucher wehren sich eben manch­mal gegen Zwangsbeglückung :-)

  5. -nord­stadt
    Hä? Habe ich was verpasst? Wurde AdBlock von der Kommunistischen Partei Kubas entwi­ckelt? Haben die Verbraucher Nordkoreas die Möglichkeit, sich beson­ders nach­hal­tig gegen Zwangsbeglückung zu wehren? Ketten Rollkommandos der INSM Fernsehzuschauer wärend der Werbepausen an ihre Wohnzimmermöbel? Worin genau besteht die Korrelation zwischen Marktwirtschaft und „Zwangsbeglückung”?

    1. @TW:
      verstehe Deine (Ihre?) Verknüpfungen nicht- ich persön­lich kenne Software-Entwickler, die „unpo­li­tisch”, die Linke und die Piraten sind- manche sollen sogar mal FDP oder Grüne gewählt haben. Was willst Du uns mit Kuba und Nordkorea sagen? Wird dort Software entwi­ckelt? Wenn ja, wäre das bewun­ders­wert, denn trotz Embargo moderne Computer zu erlan­gen, dürfte jeweils schwie­rig sein. Aber die notlei­den­den Software-Entwickler, die in „IT-Sweat-Shops” z. B. in Indien alle mögli­che Software zu vgl.-weise Hungerlöhnen entwi­ckeln… kümmern die jeman­den abge­se­hen von der indi­schen KP und anderen „Gutmenschen”?
      de.wikipedia.org/wiki/Communist_Party_of_India_%28Marxist%29 und
      http://www.zeit.de/1958/08/Indiens-KP-maechst?page=all (mächst?… wächst war wohl gemeint)
      Was ist der Sinn(?) der INSM? Wußte gar nicht, dass die auch in der Security-Branche aktiv sind ;-)
      Zur Beantwortung Deiner letzten Frage- empfehle dazu mal einen Nachmittag Privatfernsehen als sprich­wört­li­chen Anschauungsunterricht.

  6. Ich würd mal sagen der Markt bzw. die freie Gesellschaft hat das Bedürfnis nach weniger pene­tran­ter Werbung ganz fein gelöst. Dazu brauchte man kein Staatsdiktat welches die Werbung regu­liert.

    Das private Fernsehen ist Dreck, das ist nix neues. Das schöne daran ist aber, das ichs weder bezah­len noch anschaun muss. Das nennt man dann Freiheit.

    Und am Rande wollt ich mal bemer­ken, „der Markt” ist kein Wesen. Wenn man „dem Markt” ketten anlegt, legt man sie sich selbst und allen anderen an ;-)

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