In den letzten fünf Jahren konnte Deutschland seine Rüstungsexporte verdoppeln. Angeblich, so Bettina Schulze, spielt Deutschland deshalb eine „traurige Rolle auf dem weltweiten Rüstungsmarkt und damit auch in der internationalen Friedenspolitik”. Und außerdem, so Franziska Drohsel: „Deutschland bereichert sich am Krieg und Elend anderer.”
Starker Tobak. Wer traut sich da, zu widersprechen? Nur völlig herzlose Kapitalistenschweine, die morgens kleine Kinder fressen und abends das Licht auf dem Flur nicht ausmachen! Na gut. Da muss ich wohl durch.
Die Fakten, laut Tagesschau: „Wichtigste Kunden der deutschen Rüstungskonzerne sind die Türkei, Griechenland und Südafrika. In der Statistik erfasst sind ausschließlich schwere Waffen wie Panzer, Kampfflugzeuge und Kriegsschiffe — nicht jedoch leichte Waffen wie Gewehre, Pistolen oder Handgranaten.”
Warum ist das relevant? Ganz einfach: Panzer, U-Boote und Kriegsschiffe sind nicht das Problem. Sie werden nur nach strengen Vorgaben exportiert und kommen kaum zum Einsatz. Aus dem Kalten Krieg sollte der Begriff „Gleichgewicht des Schreckens” noch bekannt sein: zwei hochgerüstete Staaten werden keinen Krieg führen, da es schlicht und ergreifend zu verlustreich ist. (Klingt zynisch, ist aber wahr.) Generell gehören traditionelle Kriege mehr und mehr der Vergangenheit an. Dass Griechenland so blöd ist und Waffen kauft, obwohl dafür eigentlich kein Geld da ist, ist natürlich ein Problem. Vor allem, da Deutschland bzw. die Europäische Union Griechenland jetzt aushelfen muss.
Die wahre Geisel unserer Zeit sind Kleinwaffen, nicht die neuesten Panzer aus Deutschland. Unicef, Juni 2006: „Weltweit gibt es rund 600 Millionen Kleinwaffen — umgerechnet kommt eine Waffe auf zehn Menschen. Kleinwaffen sind die wahren Massenvernichtungswaffen unserer Zeit. Sie bringen jedes Jahr 500.000 Menschen den Tod, darunter Tausende Kinder und Jugendliche. Mit Sturmgewehren, Maschinenpistolen und –gewehren werden heute mehr Menschen getötet als mit allen anderen Waffensystemen.”
Hier muss angesetzt werden. In Afrika gibt es aus dem Kalten Krieg noch Millionen von AK-47, die man für ein paar lausige Dollar bekommt. Die Roten Khmer haben mit ihren Macheten mehr Menschen niedergemetzelt, als kleine Länder Einwohner haben.
Rüstung sollte nicht verharmlost werden. Aber so zu tun, als sei Deutschland ein Hauptprofiteur von Not und Elend in der Welt, bringt niemanden weiter.
Dass in der Statistik von Kleinwaffen keine Rede ist, ist ein großes Problem. Kleinwaffenexport ist nämlich in der Tat sehr zu kritisieren, da diese, im Gegensatz zu Panzern und U-Booten, völlig unbemerkt den Besitzer wechseln können. Möglicherweise sollte Kleinwaffenexport generell verboten werden.
Da die Statistik sich darüber aber ausschweigt, bleibt es bei der Aufregung bei moralinsaurer Empörung, die gerne ohne Faktenkenntnis daherkommt. So auch hier.

> Wichtigste Kunden der deutschen Rüstungskonzerne sind die
> Türkei, Griechenland und Südafrika …
Also drei Länder, die keine militärische Bedrohung zu befürchten haben, völlig überrüstet sind und eigentlich das Geld nicht haben, um sich diese überflüssigen Waffen zuzulegen.
Aber das ist natürlich nicht unser Problem.
Und ansonsten hast Du sowieso recht.
Naja, ich stelle den Sinn jeglicher Waffenexporte in Frage, egal ob es sich um Kleinwaffen oder High-Tech-Panzer handelt. Ich sehe für Länder wie die Türkei und Griechenland kaum einen Sinn in Aufrüstung und den Unterhalt eines teuern Militärs.
Deutschland bereichert sich in der Tat am Elend anderer, aber Waffenexporte spielen da eine eher untergeordnete Rolle.
Stimmt, Griechenland und Türkei bräuchten kein Militär. Aber das haben wohl eher deren Parlamente und Regierungen zu entscheiden, oder?
Logisch, wer sonst?
Das Problem der Griechen ist unterandern das sie behaupten sie müssten aufrüsten um sich gegen einen anderen NATO-Partner names Türkei zu schützen … Dies ist ein Skandal das Bündnispartner meinen ein Wettrüsten betreiben zu müssen …
Zum Glück für Heckler& Koch usw. sind manche nahezu komplett ahnungslos–
„man” gebe bitte mal „Zypern„
bei wikipedia ein.
Dann erübrigen sich solche
flachen Statements. Der Skandal liegt m. E. darin, dass die NATO
in den mehr als 40 Jahren NATO-Mitgliedschaft beider Länder nie in der Lage war, den o. a. Konflikt, z.B. durch Druck auf beide Seiten, zu beenden.
Wer meint, geostrategische
Gründe seien für Aufrüstung, schleppend geführte Friedensverhandlungen, faule Kompromisse und (Bürger-)Krieg(e) irrelevant, der
sollte auch für den Abzug
aus Afghanistan sein.
„Panzer, U-Boote und Kriegsschiffe sind nicht das Problem. Sie werden nur nach strengen Vorgaben exportiert und kommen kaum zum Einsatz.”
Ein paar Kriege NACH dem Kalten Krieg: Ex-Jugoslawien, Irak, Afghanistan, Georgien, Israel und Umgebung und überhaupt die weltweiten Anti-Terror-Einsätze. Wieso kommen/kamen da Panzer und Kriegsschiffe kaum zum Einsatz? Woran bemisst sich dieses „kaum”?
“Wichtigste Kunden der deutschen Rüstungskonzerne sind die Türkei, Griechenland und Südafrika.”
Speziell die Türkei setzt sehr wohl Panzer gegen Kurden ein. Und bzgl. Griechenland ist überhaupt nicht abzusehen, wie sich die Sparpolitik und die Proteste dagegen noch entwickeln. Und im Falle von Aufständen ist es nicht unüblich, auch mit Panzern für Ordnung zu sorgen.
„Aber so zu tun, als sei Deutschland ein Hauptprofiteur von Not und Elend in der Welt, bringt niemanden weiter.” und „Die wahre Geisel unserer Zeit sind Kleinwaffen”
Hab’ zwar gerade keine Statistik parat, aber dass Heckler & Koch ein weltweit bedeutender Produzent von Kleinwaffen sind, ist wohl klar.
Ob D nun ein „Haupt„profiteur von Leid und Elend in der Welt ist, ist doch schnurz. Dass D von seinen Waffenexporten profitiert und mit diesen Waffen weltweit Menschen umgelegt werden, ist aber nicht zu leugnen.
„Griechenland und Türkei bräuchten kein Militär”
Warum bräuchte die Türkei z.B. kein Militär? Sie setzt es doch regelmäßig ein. Braucht Deutschland auch kein Militär? Könnte die Bundeswehr ersatzlos abgeschafft werden, Eurer Meinung nach?
„Panzer, U-Boote und Kriegsschiffe sind nicht das Problem. Sie werden nur nach strengen Vorgaben exportiert und kommen kaum zum Einsatz.”
Ein paar Kriege NACH dem Kalten Krieg: Ex-Jugoslawien, Irak, Afghanistan, Georgien, Israel und Umgebung und überhaupt die weltweiten Anti-Terror-Einsätze. Wieso kommen/kamen da Panzer und Kriegsschiffe kaum zum Einsatz? Woran bemisst sich dieses „kaum”?
„Wichtigste Kunden der deutschen Rüstungskonzerne sind die Türkei, Griechenland und Südafrika.”
Speziell die Türkei setzt sehr wohl Panzer gegen Kurden ein. Und bzgl. Griechenland ist überhaupt nicht abzusehen, wie sich die Sparpolitik und die Proteste dagegen noch entwickeln. Und im Falle von Aufständen ist es nicht unüblich, auch mit Panzern für Ordnung zu sorgen.
„Aber so zu tun, als sei Deutschland ein Hauptprofiteur von Not und Elend in der Welt, bringt niemanden weiter.” und „Die wahre Geisel unserer Zeit sind Kleinwaffen”
Hab’ zwar gerade keine Statistik parat, aber dass Heckler & Koch ein weltweit bedeutender Produzent von Kleinwaffen sind, ist wohl klar.
Ob D nun ein „Haupt„profiteur von Leid und Elend in der Welt ist, ist doch schnurz. Dass D von seinen Waffenexporten profitiert und mit diesen Waffen weltweit Menschen umgelegt werden, ist aber nicht zu leugnen.
„Griechenland und Türkei bräuchten kein Militär”
Warum bräuchte die Türkei z.B. kein Militär? Sie setzt es doch regelmäßig ein. Braucht Deutschland auch kein Militär? Könnte die Bundeswehr ersatzlos abgeschafft werden, Eurer Meinung nach?
„Panzer, U-Boote und Kriegsschiffe sind nicht das Problem. Sie werden nur nach strengen Vorgaben exportiert und kommen kaum zum Einsatz.”
Ein paar Kriege NACH dem Kalten Krieg: Ex-Jugoslawien, Irak, Afghanistan, Georgien, Israel und Umgebung und überhaupt die weltweiten Anti-Terror-Einsätze. Wieso kommen/kamen da Panzer und Kriegsschiffe kaum zum Einsatz? Woran bemisst sich dieses „kaum”?
„Wichtigste Kunden der deutschen Rüstungskonzerne sind die Türkei, Griechenland und Südafrika.”
Speziell die Türkei setzt sehr wohl Panzer gegen Kurden ein. Und bzgl. Griechenland ist überhaupt nicht abzusehen, wie sich die Sparpolitik und die Proteste dagegen noch entwickeln. Und im Falle von Aufständen ist es nicht unüblich, auch mit Panzern für Ordnung zu sorgen.
„Aber so zu tun, als sei Deutschland ein Hauptprofiteur von Not und Elend in der Welt, bringt niemanden weiter.” und „Die wahre Geisel unserer Zeit sind Kleinwaffen”
Hab’ zwar gerade keine Statistik parat, aber dass Heckler & Koch ein weltweit bedeutender Produzent von Kleinwaffen sind, ist wohl klar.
Ob D nun ein „Haupt„profiteur von Leid und Elend in der Welt ist, ist doch schnurz. Dass D von seinen Waffenexporten profitiert und mit diesen Waffen weltweit Menschen umgelegt werden, ist aber nicht zu leugnen.
„Griechenland und Türkei bräuchten kein Militär”
Warum bräuchte die Türkei z.B. kein Militär? Sie setzt es doch regelmäßig ein. Braucht Deutschland auch kein Militär? Könnte die Bundeswehr ersatzlos abgeschafft werden, Eurer Meinung nach?
Nur weil der SIPRI Bericht die Kleinwaffen nicht aufführt, heisst das nicht, dass die nicht auch ein Problem sind.
Nachlesen kann man dass im Bericht der GKKE Bericht auf S. 31–34.
http://www3.gkke.org/fileadmin/files/publikationen/2009/GKKE_51_REB_2009.pdf
Und Deutschland hat seine Zahlen innert 3 Jahren fast verdoppelt.
Zudem ist das Problem ja auch, dass unklar ist wohin ALLE Arten von Waffen nach dem Verkauf wandern.
Danke für den Link! Zu Kleinwaffen habe ich ja ziemlich klar Position bezogen, oder?
Da muss man einen längeren Zeitraum betrachten, um die Schwankungsbreite zu ermitteln. Größere Rüstungsaufträge (vor allem Schiffe und Flugzeuge) brauchen Jahre und zwischendurch werden mal Aufträge für die heimische Armee abgearbeitet, so dass auch bei gleichbleibender Produktion große Schwankungen im Exportvolumen entstehen können. Als Deutschland vor ein paar Jahren begann, seine über 30 Jahre alten U-Boote zu ersetzen, waren die entsprechenden Werften natürlich erst einmal voll ausgelastet und daher gingen die „Exporte” in den Keller. In ein paar Jahren explodieren dann wieder die Exportzahlen, weil die Bundesmarine nichts mehr bestellt und man eine Werft nicht mal eben so für 20 Jahre stilllegen kann.
„Panzer, U-Boote und Kriegsschiffe sind nicht das Problem. Sie werden nur nach strengen Vorgaben exportiert und kommen kaum zum Einsatz.”
Ein paar Kriege NACH dem Kalten Krieg: Ex-Jugoslawien, Irak, Afghanistan, Georgien, Israel und Umgebung und überhaupt die weltweiten Anti-Terror-Einsätze. Wieso kommen/kamen da Panzer und Kriegsschiffe kaum zum Einsatz? Woran bemisst sich dieses „kaum”?
„Wichtigste Kunden der deutschen Rüstungskonzerne sind die Türkei, Griechenland und Südafrika.”
Speziell die Türkei setzt sehr wohl Panzer gegen Kurden ein. Und bzgl. Griechenland ist überhaupt nicht abzusehen, wie sich die Sparpolitik und die Proteste dagegen noch entwickeln. Und im Falle von Aufständen ist es nicht unüblich, auch mit Panzern für Ordnung zu sorgen.
„Aber so zu tun, als sei Deutschland ein Hauptprofiteur von Not und Elend in der Welt, bringt niemanden weiter.” und „Die wahre Geisel unserer Zeit sind Kleinwaffen”
Hab’ zwar gerade keine Statistik parat, aber dass Heckler und Koch ein weltweit bedeutender Produzent von Kleinwaffen sind, ist wohl klar.
Ob D nun ein „Haupt„profiteur von Leid und Elend in der Welt ist, ist doch schnurz. Dass D von seinen Waffenexporten profitiert und mit diesen Waffen weltweit Menschen umgelegt werden, ist aber nicht zu leugnen.
„Griechenland und Türkei bräuchten kein Militär”
Warum bräuchte die Türkei z.B. kein Militär? Sie setzt es doch regelmäßig ein. Braucht Deutschland auch kein Militär? Könnte die Bundeswehr ersatzlos abgeschafft werden, Eurer Meinung nach?
Huch, statt pathetischem Pazifismus ein richtig ausgewogener Kommentar zum deutschen Rüstungsexport, dem ich in allen Punkten zustimmen muss:
–den Rüstungsbedarf eines souveränen Stattes darf dessen Parlament selbst festlegen, auch wenn andere (mich eingeschlossen) keine besonders große Bedrohungslage für z.B. Griechenland sehen
–wurden seit dem zweiten Weltkrieg so um die 2 Schiffe durch U-Boote versenkt (ein indisches durch Pakistan und die argentinische „Belgrano” im Falklandkrieg), während wohl deutlich mehr Matrosen durch Unfälle seeuntüchtiger U-Boote ums Leben kamen (eine alte Exportrichtlinie hieß mal „was schwimmt, geht immer”)
–Menschenrechtsverletzungen und Massaker werden in der Regel mit leichten Handfeuerwaffen begangen. Und wenn die türkische Regierung (die ja als entwickelte Demokratie bald in die EU soll) mal wieder die Lehmziegelhütten eines aufmüpfiges Kurdendorfes niederwalzen will, dann wird ihr Generalstab sicher nicht sündhaft teure Leo-2-Panzer dafür nehmen, um die man so lange gebettelt hat, sondern ein paar alte US-Modelle, die sowieso in den nächsten 10 Jahren verschrottet worden wären
Aber dafür noch eine Anmerkung zu Kleinwaffen:
Was, wenn in einem boykottierten Schwellenland (sagen wir mal Jemen) bei der nächsten Geiselnahme (…deutscher Touristen?) die dortige Antiterrorspezialeinheit statt mit deutschen Präzisionswaffen halt mit der etwas weiter streuenden Kalaschnikow draufhält und statt des Geiselnehmers die Geisel erlegt?
Schön, von dir endlich mal wieder einen rundweg vernünftigen Artikel lesen zu können.
Eine kleine Nachfrage hätte ich allerdings: Wie verhindert man, beispielsweise, die Machetenproduktion in Schurkenstaaten?
–Stahlboykott
–Verbot der Lieferung von Schmiedehämmern, Ambossen und sonstigem Schmiedezubehör
–Ausfuhrverbot für Schleifsteine
Oder als Gegenmaßnahme: Lieferung gebrauchter deutscher Ritterrüstungen an gefährdete Zivilisten (unsere Museen sind unglaublich voll davon)
@Christian:
Kleine Anmerkung: neben dem AK47 (74) spielt auch das FN FAL (de.wikipedia.org/wiki/FN_FAL) und vor allem modernere Produkte US-amerikanischer bzw. deutscher Hersteller (Heckler& Koch z. B.) in Afrika (etc.) eine zunehmende Rolle beim massenhaften Hinschlachten von Zivilisten.
Dass sich Militärs mit Gewehren usw. gegenseitig umbringen, ist wohl systemimmanent, im Gegensatz zu Küchenmesser oder Machete stellen sog. Kleinwaffen jedoch keine notwendigen, überlebenswichtigen Produkte dar.
Sie gehörten „verboten” bzw. ihre Ausfuhr, der (nationale wie interantionale) Handel damit kontrolliert und Verstöße hiergegen als Verbrechen geahndet (analog KWKG).
PolitikerInnen, die zum unkontrollierten Waffenhandel, vor allem in Krisen– und Bürgerkriegsgebiete, beitragen oder solche Geschäfte, auch wissentlich über Drittländer (Südafrika, Brasilien, Israel z. B.), einfädeln, sind wie Beihelfer oder mindestens wg. Fahrlässigkeit zu bestrafen. Da mit diesen Waffen auch Völkermorde und Pogrome durchgeführt wurden (und werden) ist das o. a. Verbrechen zudem ein völkerrechtliches Verbrechen, welches ggf. in Den Haag vorm Internationalen Strafgerichtshof abgeurteilt würde (außer man flüchtet sich z. B. in die USA).
Frau Drohsel wie Frau Schulze beschreiben die Situation, sie beklagen sie– das ist gut so.
Aber haben sie auch irgendeine Idee (s. o.) wie die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden können und damit indirekt der ausufernde Handel mit Kleinwaffen eingedämmt werden kann? Oder irgendeinen anderen Lösungs-Ansatz?
Oder soll wie üblich alles im Betroffenheits-Blabla enden? Ist es womöglich– von mancher Seite aus– sogar erwünscht (Vorsicht– blöde Wortwahl…), dass sich die „Kaffern”* gegenseitig umbringen?
*Filmzitat: Hardy Krüger in „Die Wildgänse kommen” (das o. a. Wort dient lediglich dem Ziel der inhaltliche Zuspitzung)
Das Problem sehe ich nicht im Export von Neuwaffen (die sind meist viel zu teuer), sondern in dem ganzen alten Zeug, das jahrzehntelang an Verbündete (je nach ideologischer Ausrichtung an Regierungen oder deren rebellischen Gegenpart „Freiheitskämpfer”) in Drittweltstaaten ging, sowie in den Restbeständen der Ostblockstaaten, die sich nach dessen Zusammenbruch verflüchtigt haben. Die meisten Ex-Sowjetrepubliken haben mehr geerbt, als sie selbst gebrauchen können, und daher denn Rest entweder planmäßig exportiert oder als „Schwund” ausgebucht.
Sierra Leone, Liberia, der Sudan oder der Kongo waren nie bedeutende Kunden der wichtigen Rüstungsfirmen. Und die großen Importeure sind auch nicht alles kriegslüsterne Despoten: Bei Südkorea habe sehe ich angesichts dessen nördlichem Nachbarn sogar ein sehr berechtigtes Interesse an „Verteidigungsmitteln”.
Danke für die wertvollen Ergänzungen. :)
Bezüglich der Importe von Griechenland und anderen:
Eine allzu große Bedrohungslage ist da sicher nicht vorhanden. Ich denke eher, dass es da um Modernisierung der Verbände geht und andererseits auch darum, innerhalb der Nato nicht das Schmuddelkind zu sein, das zu schlecht für wichtige Bündnisaufgaben ausgerüstet ist.
Damit kann man Modernisierung begründen, nicht jedoch die schiere Größe.
Deutschland hat 82 Mio. Einwohner, Griechenland etwa 11.
Die Bundeswehr hat 284.000 Soldaten, die griechischen Streitkräfte 177.000.
Deutschland verwendet 1,5% des BIP für Verteidigung, Griechenland 4,3.
(alle Zahlen von Wikipedia, ein bißchen gerundet und vielleicht auch ein paar Jahre alt)
Griechenland ist also hochgerüstet, was man von den meisten Nachbarn (Albanien, Mazedonien, Bulgarien) nicht behaupten kann. Einzig aufgrund dieses dämlichen Streits um ein paar Ägäis-Inseln mit NATO-Partner Türkei unterhält man also eine gewaltige Armee — was zusammen mit einem aufgeblähten Staatsdienst, niedriger Steuermoral und großzügiger Sozialpolitik (Pension mit Mitte 50) dann halt in einer Finanzkrise endet. Da hält sich mein Mitleid in Grenzen.
Das ist wirklich mal ein *differenzierter* Beitrag zum Problem. [Sag ich ja nur ungern ;)]
Möchtest Du nochmal darüber nachdenken? Du könntest mit einem Blick auf Google Earth und die Nachbarschaft der Türkei anfangen, anschließend die durchaus militärisch aufgeladenen Spannungen zwischen Griechenlands mit Türkei, Makedonien, etc. bemerken und schließlich einfach mal ein paar Südafrikaner fragen, wie sie die politische und militärische Stabilität ihrer Umgebung einschätzen. Bei der Frage einer möglichen Überrüstung Südafrikas lohnt sich auch ein Blick auf die Ausdehnung des Landes.
Der einzige Abrüstungskandidat in der Liste ist Griechenland. Aber bei denen gehört Sparen und Gewaltverzicht bisher grundsätzlich nicht zum politischen Vokabular, egal ob es um den Staat oder irgendwelche Gewerkschaften geht.
Ein Rüstungsanteil von 4,x% kann pauschal kaum als zu hoch bezeichnet werden, jedenfalls nicht im Vergleich zu dem von Deutschland.
Im Gegenteil: Der Anteil in Deutschland ist sträflich niedrig. Siehe dazu beispielsweise die ehrliche Abschiedsstellungnahme von Robbe, das Trauerspiel um PZH2000 und Tiger oder die Berichte der SWP.
Generell kann man solche Zahlen, auch „Truppenstärken” oder Etats nicht wie Karten auf den Tisch kloppen. Man vergleiche dazu mal den Sold von chinesischen und amerikanischen Soldaten oder den logistischen Aufwand von russischem und deutschem Heer. Dazu kommt noch die Frage, was im Verteidigungshaushalt alles drin ist: Bei den Amis steckt nämlich über DARPA et al. ein erklecklicher Teil der Bildungs– und Forschungslandschaft drin. Die meisten Haushalte sehen außerdem Pfründe für Professionelle und Veteranen vor: Stipendien, Versicherungen, Renten, Schulungen, Wohn– und Altersheime, Krankenversorgung, Kindergärten, ganze Städte rund um Stützpunkte, …
Selbst bei vergleichbaren Pfründen fallen die Kosten für diese landesabhängig sehr unterschiedlich aus.
Bei der Analyse von militärischen Bedrohungslagen kommt es weiterhin nicht nur auf eine gegenwärtige Regierung des Nachbarlandes oder dessen gegenwärtigen Verteidigungshaushalt an. Das ist sträflich naiv und wird in Deutschland freilich gern gemacht: Wir schaffen gerade einen Hubschrauber an, der den Rhein gegen sowjetische MotSchützen-Verbände verteidigen kann, nachdem wir glücklicherweise endlich den Jäger90 haben — die Luftwaffe der NVA wäre damit gerade noch rechtzeitig unter Kontrolle gebracht. (Ok, da spielt auch der vorbildlich niedrige Rüstungsanteil Deutschlands eine Rolle. Warum schützen wir uns nicht einfach gegen mongolische Reiterverbände? Das wäre noch viel billiger.)
Man muß sich bei einer seriösen Bedrohungsanalyse vielmehr die Frage stellen, wer einen wie und wo gewaltsam angreifen oder erpressen könnte. Und da kommt man manchmal zu unbequemen Antworten.
Die Hauptbedrohung geht heute für alle drei genannten Länder nicht von der regulären Armee eines rationale Machtinteressen vertretenden Staates aus sondern von Banden halbirrer Fanatiker, die vernetzt mit Geheimdiensten, organisierter Kriminalität und privaten Finanziers in instabilen Regionen gedeihen.
Die Abwehr einer konventionellen staatlichen Bedrohung hat sich mit der Verfügungsgewalt über Kernwaffen bzw. mit der Einbindung in ein Bündnis mit den USA erledigt.
Die Renaissance der asymmetrische Bedrohung bei zunehmender Schonung von Nichtkombattanten verlangt aber nach neuen Fähigkeiten des Militärs bei der Aufklärung und Bekämpfung von Punktzielen. Und das in Einsatzszenarien, die immer weniger klassischen Feldschlachten und immer mehr komplizierten Geiselbefreiungen ähneln.
Und das ist schweineteuer. Da kann man eben nicht, wie ein Arnoldt meint, mit ungelenkten Koaxial-MGs den Acker umpflügen, sondern man braucht eine schwenkbare Waffe für kurze Feuerstöße, die sowohl Personen als auch leicht gepanzerte Fahrzeuge sehr selektiv bekämpfen kann.
In den letzten Jahren hat sich die Feldelektronik der NATO revolutioniert. Die entsprechenden Steuerungs– und Beobachtungsterminals müssen aber von vielen erst noch beschafft werden. Der finanzielle Hauptaufwand der westlichen Rüstung dürfte derzeit in der Modernisierung und Beschaffung von Hard– und Software zur Kommunikation und Aufklärung liegen.
Ein paar Zahlen auf den Tisch zu werfen, bringt da überhaupt nichts. Ich weiß natürlich nicht, wie der Wehretat von Somalia oder Ruanda aussieht. Ich würde es aber ablehnen, den Wehretat eines Nachbarlandes daran zu messen…
Kleine Anmerkung zur Sprache: Daß man englische Begriffe wortwörtlich übersetzt, ist zur Pest geworden. Die korrekte Übersetzung von small arms ist Handfeuerwaffen.
Sieht Wikipedia anders: http://de.wikipedia.org/wiki/Kleinwaffe
Hast Du einen Beleg für Deine Behauptung?
Ich hatte Englischunterricht: Amerikaner, Briten, Australier. Friedensbewegte und Ex-Soldaten. Keine Wikipedianer, leider.
Also kein Beleg. Schade. Unicef spricht auch von Kleinwaffen. Du wirst verstehen, dass ich eher bei der allgemein anerkannten Übersetzung bleibe, oder? :)
Ich sehe gerade, daß die dort small arms als leichte Waffen übersetzen. Kann man abhängig vom Kontext auch machen. Der Begriff Kleinwaffen ist eine überflüssige Lehnübersetzung.
@cali+Christian:
schön, dass es jetzt um Übersetzungen
von Begriffen geht.
Echt „knuffig„
@cali:
die Statements zur Bewaffnung /
„Wehrtechnik„
wären eines NVA-Offiziers würdig–
hat er denn „gedient”? ;-) ROFL
Und das Auswärtige Amt auch:
http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Aussenpolitik/Themen/Abruestung/MinenKleinwaffen/KleinLeichtWaffen.html
„Bei Kleinwaffen und leichten Waffen (Small Arms and Light Weapons — SALW), im folgenden Kleinwaffen, handelt es sich um Waffen und Waffensysteme, die nach militärischen Anforderungen für den Einsatz als Kriegswaffen hergestellt oder entsprechend umgebaut sind und dem militärischen Einsatz vorbehalten sein sollen.”