Hey, Alice Schwarzer!

Alice Schwarzer! Sie sind Gegnerin des isla­mi­schen Kopftuchs und halten dieses für die „Flagge“ der „Faschisten des 21. Jahrhunderts“. 1977 befür­wor­te­ten Sie die Zwangskastration eines Jungen, der darun­ter sein Leben lang litt. 1978 verklag­ten Sie den „Stern“ wegen „sexis­ti­scher Titelbilder“ — und machten damit deut­lich, was Sie von Meinungsfreiheit halten. Dass eine vermut­lich miss­brauchte Frau den Penis ihres schla­fen­den Mannes entfernte, fanden Sie 1994 in Ordnung. Damit erklär­ten Sie durch die Blume: Selbstjustiz ist in Ordnung, wenn sie von Frauen ausgeht.

2005 machten Sie, Alice Schwarzer, Wahlkampf für Angela Merkel, Vorsitzende der CDU — der Partei, die für die Emanzipation der Frau genau gar nichts geleis­tet hat. Von diesem Wahlkampf für Angela Merkel wollen Sie heute nichts mehr wissen.

Und 2007, Alice Schwarzer, da entblö­de­ten Sie sich nicht, Werbung für die „Bild“ zu machen. Ausgerechnet für die „Bild“! Die Fachfrau staunte, und die Öffentlichkeit wunderte sich.

Den Rücktritt von Margot Käßmann nutzen Sie, Alice Schwarzer, um sich mal wieder ins Gespräch zu bringen — und zeigen damit, wie bedenk­lich es um Ihr Ego bestellt sein muss. (Experten nennen dieses Verhalten „Guidomanie“.)

Und jetzt, 2010, machen Sie gemein­sam mit Verteidigungsminister-Eheweib Stephanie Guttenberg mit falschen und dummen Argumenten Stimmung für Netzsperren. Und sind sich nicht zu schade, in einem Halbsatz auf perfide Art und Weise die SPD zu atta­ckie­ren. Worüber ich sogar froh bin: von einer Person wie Ihnen, Alice Schwarzer, will ich meine SPD nicht unter­stützt sehen.

Für mich sind Sie, Alice Schwarzer, heute ein Hindernis, ein Problem für die weitere Emanzipation der Frau. Sie haben die Emanzipation und den Feminismus in Geiselhaft genom­men. Als Feminist in einen Topf gewor­fen zu werden mit Ihnen, Alice Schwarzer, ist mir überaus pein­lich.

Wahr ist: nach wie vor haben Sie viele UnterstützerInnen. Diese sind sich leider nicht zu schade, Ihre Kritiker als „reak­tio­när“ zu bezeich­nen, die im Grunde genom­men mit dem „Nazi-Regime vergleich­bar“ seien.

Alice Schwarzer, von Ihnen stammt der Satz: „Frauen und Männer sind Opfer ihrer Rollen — aber Frauen sind noch die Opfer der Opfer.“ Dank Ihnen, Alice Schwarzer, sind Frauen heute auch Opfer von Alice Schwarzer.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

14 Gedanken zu „Hey, Alice Schwarzer!“

  1. Bereits 2005 oder 2006 machte linke Theoretikerin Frigga Haug darauf aufmerk­sam,
    dass insbe­son­dere der mittel­eu­ro­päi­sche Feminismus um seiner Anpassung an Neoliberalismus willen bewußt sich auf die habi­tu­ell konser­va­ti­ven Eliten ausrich­tete. Um Feminismus über­haupt immer noch ernst­neh­men zu können, lese man(n)
    Nancy Hartsock, Barbara Ehrenreich, Simone Beauvoir, Donna Haraway, Bell Hooks

  2. Feminismus um seiner Anpassung an Neoliberalismus

    Wie meinen?
    Ich glaube nicht, dass etwa Hayek Zwangskastration, Kopftuchverbote oder Netzsperren
    unter­stützt hätte.

  3. Philipp Rebmann :
    der mittel­eu­ro­päi­sche Feminismus um seiner Anpassung an Neoliberalismus willen

    Gröhl.
    Der Feminismus, der sich dem Neoliberalismus anpas­sen will. Etwa so, wie sich die katho­li­sche Kirche immer den Rolling Stones anpas­sen will .…
    Ich habe ja schon viele groteske Mißdeutungen von „Neoliberalismus” gelesen, aber das hier ist schon die Krönung.

    Um Feminismus über­haupt immer noch ernst­neh­men zu können, …

    Danke, brauche ich nicht.

  4. Dass ihr Männer immer so ein Problem mit Alice Schwarzer habt. Warum eigent­lich. Da ist jemand, der sich nicht dem Mainstream anpasst. Ist doch prima.
    Nur zu einigen sehr verdreh­ten Argumenten gegen Alice Schwarzer: Sexismus in den Medien hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun. Und Lorena Bobitt (ich glaub so hieß die Frau) hat ihren Mann nach einem jahre­lang anhal­ten­den Martyrium (Vergewaltigungen) kastriert.
    Im Gegensatz zu vielen Männern hat Alice Schwarzer noch nie einen Mann ange­grif­fen (außer verbal), keinen verge­wal­tigt, keinen Zwangsprositituierten zu sich bestellt und seine Notlage ausge­nutzt und auch noch keine männer­has­sen­den Kommentare ins Internet gestellt. Alles Dinge, die Männer wie selbst­ver­ständ­lich tun und sie gar nicht so schlimm finden. Ich glaube, dass Männer, die ein Problem mit Alice Schwarzer haben, ein Problem mit der intel­lek­tu­el­len Überlegenheit dieser Frau haben.

    1. Ich verstehe. Hieße ich nicht Christian, sondern Christina, dürfte ich mich also kritisch zu Alice Schwarzer äußern.

      1. Nö. Du kannst auch auch als Frau gegen den Feminismus sein. Genau so wie die neue Familienministerin beispiels­weise.

    2. Wenn eine erwach­sene Person jahre­lang Opfer von Verbrechen ist, die als Offizialdelikte zumin­dest in Deutschland ange­zeigt werden müssten(!), jedoch nie Anzeige erstat­tet, sondern irgend­wann einen Mordversuch am vermeind­li­chen Täter unter­nimmt, dann habe ich dafür kein Verständnis.

      Dass ihr Männer immer so ein Problem mit Alice Schwarzer habt. Warum eigent­lich. Da ist jemand, der sich nicht dem Mainstream anpasst.

      Ich habe kein Problem mit Frau Schwarzer sondern nur mit einigen ihrer Positionen.
      Und Holger Apfel ist übri­gens auch „nicht dem Mainstream anpasst” und Ja, ich habe auch mit seinen Positionen Probleme.

      Im Gegensatz zu vielen Männern hat Alice Schwarzer noch nie einen Mann ange­grif­fen (außer verbal), keinen verge­wal­tigt, keinen Zwangsprositituierten zu sich bestellt und seine Notlage ausge­nutzt und auch noch keine männer­has­sen­den Kommentare ins Internet gestellt. Alles Dinge, die Männer wie selbst­ver­ständ­lich tun und sie gar nicht so schlimm finden.

      An Perfidie ist diese Unterstellung wohl kaum zu über­bie­ten, oder?

    3. Es kann aber nicht sein das eine Frau es sich angeb­lich jahre­lang gefal­len lässt statt ihren Mann anzu­zei­gen oder ähnli­ches zu unter­neh­men … und dann einta­ges an ihm Rächt während er schlaft …

      Wenn ich Richter wäre hätte ich even­tu­ell sie je nach Sachlage minde­ren Umstände verur­teilt … Aber ich hätte sie nicht zur Heldin gemacht …

      Außerdem ist es ein Skandal das wir Männer unter General-Verdacht gestellt werden für die Verbrechen einiger …

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