
Guido Westerwelle hat auf dem Parteitag der FDP Nordrhein-Westfalen eine Rede gehalten. Die schönsten Stilblüten, freundlicherweise von @fdp_nrw zur Verfügung gestellt, möchte ich dem geneigten Publikum nicht vorenthalten:
In unserer Republik geht es in politischen Diskussionen derzeit darum, welche Geisteshaltung in den nächsten Jahren herrscht.
Stimmt. Die Frage ist: schafft es Westerwelle, die FDP in eine deutsche FPÖ zu transformieren und mit dumpfem Rechtspopulismus Stimmung zu machen? Oder sind die Bürger Deutschlands stark genug, sich nicht von den einfachen Wahrheiten verführen zu lassen?
Die FDP musste nicht erst dazu überredet werden, über Bildung als Bürgerrecht nachzudenken. Wir haben es erfunden.
Die Studiengebühren-Partei FDP versteht Bildung als Bürgerrecht. Alles klar.
The published opinion is not always the public opinion. Oder auf deutsch: Ihr kauft mir den Schneid nicht ab!
Mal wieder muss die schweigende Mehrheit herhalten, allerdings ein wenig verklausuliert. Das kennt man schon.
Diese ganzen Kampagnen haben nur ein Ziel: Sie wollen eine rot-rot-grüne Mehrheit. Aber unsere Bürger sind viel zu klug dafür.
Ursache und Wirkung zu verwechseln ist sehr beliebt. Dass Westerwelle Partei– und Geschäftsfreunde auf Reisen mitgenommen hat, war allein seine Entscheidung.
Man wird nur bei uns in Deutschland dafür kritisiert, wenn man seinem Land wirtschaftliche Chancen verschafft.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Bundeskanzler Gerhard Schröder von Guido Westerwelle kritisiert wurde, weil er deutschen Unternehmen beim Handel mit China und Russland geholfen hat. Um das mal klar und deutlich zu formulieren: natürlich muss ein deutscher Minister und Kanzler die deutschen Interessen verfolgen. Die Kritik an Schröder war deshalb völlig absurd. Genau das ist ja das Problem bei Westerwelle: man nimmt es ihm nicht ab, seine Reisen riechen nach Günstlingswirtschaft.
Wir wollen nicht, dass in Deutschland 20 Jahre nach der Wende Kommunisten wieder das Sagen haben.
Das will niemand. Deshalb ist die KPD verboten, und die MLPD ist eine unwichtige Splitterpartei.
Unter tosendem Applaus endet Guido Westerwelles Rede mit dem Versprechen, dass die FDP die Wahl gewinnen wird.
Und ich dachte, das hätten die Wählerinnen und Wähler zu entscheiden. Da habe ich mich wohl geirrt.
So. Da ich mit diesem Beitrag erneut Guido Westerwelle, den Unantastbaren, kritisiert habe, bin ich laut FDP damit endgültig ein schwulenhassender Demokratiefeind. So ist das in diesem unseren Land, in dem ein Minister einfach so einen General entlassen kann, weil dieser es es gewagt hat, einen kritischen Brief zu schreiben.
Bild: Politblogger
9 Kommentare
„Wir wollen nicht, dass in Deutschland 20 Jahre nach der Wende Kommunisten wieder das Sagen haben.”
Wo genau sieht der gute Mann die bolschewistische Gefahr?
In der „Kommunistischen Plattform der LINKEn”?
Hmm, dann habe ich auch Angst vor der „Libertären Plattform” in der FDP.
Da frag ich mich doch: In welchem Land leben wir überhaupt?!? Zumindest steht schon mal fest, dass Westerwelle ein Versprechen nicht halten kann.^^
Wer hat denn großzügig eine Ex-DDR-Partei nach der Wende übernommen…? FDP und CDU…
Also, zum großen Teil hat Westerwelle hier seine Aschermittwochsrede zweitverwertet.
Nichts neues — die altbekannten Guidonomics: Rekordschulden für die Günstlingswirtschaft.
Auf die Verdachtsmomente, die gegen ihn im Raum stehen, ist er leider nicht eingegangen. Er hat die Chance, diese zu entkräften, verstreichen lassen. Man darf mutmaßen, warum: Er kann sie nicht entkräften. Um es in seiner neu entdeckten Fremdsprache zu sagen: It’s a family business.
Sein früheres Bild vom Schiff, das dampft und segelt, und ihm selbst, der „die Sache regelt” versteht man erst heute so richtig.
Ich finds ja doch reichlich mutig, so zu tun, als gäbe es in der Partei, die bis vor gut 20 Jahren noch die DDR regiert hat heute keine Kommunisten mehr. Dass eine Partei nicht verboten ist, heisst doch nicht, dass eine Regierungsbeteiligung mit ihr wünschenswert ist.
Für den Vorwurf des „Rechtspopulismus” hätte ich übrigens gerne mal ein paar Beispiele. Mir ist irgendwie entgangen, dass Westerwelle gegen Ausländer gehetzt hätte.
@Jan:
jeder Rechtspopulist hetzt gegen „die Unterschicht”, indirekt sind damit immer (auch) Ausländer („Menschen mit Migrationshintergrund”) gemeint– was jeder weiß, der weniger mit Haare spalten und mehr mit Politik am Hut hat.
Deinen Verweis auf die DDR verstehe ich nicht– achja, ich habe sie mitgegründet, nach 40 Jahren Stasi-Operationalität war es mir dann „zu bunt”-da bin ich dann lieber in die FDP eingetreten ;-)
„jeder Rechtspopulist hetzt gegen “die Unterschicht”
Interessante These. Hast du dir in den letzten Jahren mal die Kampagnen der NPD angesehen? Ich mein ja nur.
Dass neuerdings die Ablehnung einer Arbeitslosengelderhöhung als „Hetze gegen die Unterschicht” gilt habe ich damit auch gelernt.
Was konkret an meiner Aussage, die Die Linke hätte die DDR regiert stimmt denn nicht, dass du darauf so seltsam reagierst?
Das wird er nicht schaffen — weil er es nicht vorhat.
Und wie Du solche finsteren Absichten aus dieser Rede herauslesen willst ist kaum erklärlich.
Wie diverse SPD-Wahlerfolge (schon etwas länger her) zeigten, lassen sich deutsche Wähler am ehesten von einfachen Lügen verführen.
Richtig. Schön, daß wir uns hier mal einig sind ;-)
Da müßtest schon mehr bringn, um Dich für diese Kategorie zu qualifizieren (obwohl die FPÖ-Unterstellung leider schon ziemlich grenzwertig ist).
Ein Trackback
Westerwelle-Rede auf dem FDP-NRW-Parteitag: http://wp.me/pti5k-WB