Boeing-Marktwirtschaft

Rückblick: vor einiger Zeit gewann Airbus (Europa) einen Rüstungsauftrag in den USA. Boeing (USA) fand das doof, intervenierte bei ein paar US-Abgeordneten, die Ausschreibung sei unfair gewesen, drohte mit Arbeitsplatzabbau, und prompt erfolgte die Ausschreibung erneut — dieses Mal auf Boeing zugeschnitten.

Aktuell: Airbus verzichtet vor diesem Hintergrund darauf, sich erneut an der Ausschreibung zu beteiligen. Boeing gewinnt.

Und fast alle Beteiligten tragen den Schaden davon. Der amerikanische Steuerzahler, weil er nicht das beste Gerät für sein Geld bekommt. Das US-Militär, das mit unpassenden Flugzeugen hantieren muss. Und natürlich Airbus.

Eigentlich profitiert nur Boeing. (Und ein paar Abgeordnete, die glauben, sich mit Arbeitsplatzerhalt vor ihren Wählern brüsten zu können.)

Erneut zeigte sich: Unternehmen und Konzerne sind groß darin, das Hohe Lied der Marktwirtschaft, des Wettbewerbs und des Kapitalismus zu singen.

Allerdings nur, so lange sie nicht selbst betroffen sind. Wenn sie selbst betroffen sind, dann heißt es: Scheiß drauf. Und die Politik soll es richten. (Die dann dämlich genug ist, dies auch zu tun.)

Marktwirtschaft geht anders.

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10 Kommentare

  1. Erstellt am 9. März 2010 um 23:09 | Permanent-Link

    Richtig. Aber nicht neu.

    Unternehmen und Konzerne sind groß darin, das Hohe Lied der Marktwirtschaft, des Wettbewerbs und des Kapitalismus zu singen.

    Und tun jeden Tag das Möglichste, all das zu verhindern. Wenn sie Glück haben, finden sie auch einen „Genossen der Bosse”.

    • Christian Soeder
      Erstellt am 9. März 2010 um 23:11 | Permanent-Link

      Natürlich ist das nicht neu. Deshalb schreibe ich ja auch „erneut”. Meistens passiert das aber vermutlich etwas geheimer und nicht derart offensichtlich, dass es einfach nur lächerlich ist.

  2. Erstellt am 10. März 2010 um 00:05 | Permanent-Link

    Mit einigen rühmlichen Ausnahmen, sind Geschäftsleute für die freie Marktwirtschaft im allgemeinen, aber dagegen wenn es um sie selbst geht.”

    Aber mit dem Erhalt oder gar der „Schaffung” von Arbeitsplätzen gehen natürlich auch hierzulande diverse politische Grüppchen auf Stimmenfang. Manchmal fördert Demokratie nunmal Dummheit.

    • Frank
      Erstellt am 10. März 2010 um 06:23 | Permanent-Link

      Der erste Satz beschreibt auch ganz hervorragend die Philosophie der FDP.

  3. F.Alfonzo
    Erstellt am 10. März 2010 um 03:02 | Permanent-Link

    Das ist sicherlich richtig, lässt sich aber m.E. nicht auf andere Wirtschaftszweige übertragen, das ist schon sehr extrem.

    Es ist meiner Meinung nach auch eine Prestige-Sache geworden, wenn sie das nicht schon immer war: wer hat den längeren Pimmel: Die Europäer oder die Amis?

    Allerdings scheint der Wettbewerb im privaten Rahmen zu funktionieren: Beide Flugzeughersteller versuchen sich ständig zu übertrumpfen, was die Effizienz ihrer Flugzeuge angeht, und beide haben in etwa den gleichen Marktanteil (im Moment ist Airbus glaub ich ein wenig vorne, kann sich aber mit dem nächsten/übernächsten Modell wieder ändern).

    • F.Alfonzo
      Erstellt am 10. März 2010 um 03:09 | Permanent-Link

      Noch eine Anmerkung: Dieser Bereich ist extrem stark reguliert, aufgrund der Unfälle der Vergangenheit; dass es nur 2 Flugzeughersteller gibt, liegt auch daran (ein Neuling ohne die Konstruktionserfahrung hätte vermutlich keine Chance, in diesen Markt einzusteigen).

  4. Frank
    Erstellt am 10. März 2010 um 06:25 | Permanent-Link

    Die Ausschreibung hat hier doch nur den Zweck, den Preis bei dem schon vorher feststehenden Lieferanten zu drücken.

    Dass sich EADS nun zurückzieht ist deren einzig mögliche Retourkutsche. Es verschlechtert Obamas Verhandlungsposition gegenüber Boeing.

  5. Forentourist
    Erstellt am 10. März 2010 um 07:29 | Permanent-Link

    Für alle, die es bisher noch nicht bemerkt haben: Unternehmen haben im Allgemeinen kein Interesse an „freier Marktwirtschaft”, wenn es um ihre Produkte geht. Denn freier Markt bedeutet Wettbewerb und Wettbewerb bedeutet niedrige Gewinnmargen.

    Gewerkschaften wissen das übrigens auch und bekämpfen aus diesem Grund zu intensiven (=„ruinösen”) Wettbewerb. Kann ein Unternehmen nämlich durch Marktmacht Überrenditen einheimsen, dann kann die Gewerkschaft einen Teil davon für sich abzweigen („Hälfte für dich, Hälfte für uns. Oder wir streiken!”). Unter „vollständigem Wettbewerb” führen einseitige Lohnerhöhungen in einem Unternehmen in der Regel nur dazu, dass dieses pleite geht.
    Falls es im Idealfall nur ein einziges gibt, dann kann man jedoch die höheren Löhne problemlos auf die Kunden abwälzen.

    Das „Hohe Lied der Marktwirtschaft, des Wettbewerbs und des Kapitalismus” wird von Unternehmen daher immer dann angestimmt, wenn es um Privilegien anderer geht.

    Deshalb kämpft z.B. auch die FDP für mehr Wettbewerb, solange es nicht die Apotheker betrifft, weil die alle fleissig FDP wählen…

    • Erstellt am 10. März 2010 um 16:14 | Permanent-Link

      Deshalb kämpft z.B. auch die FDP für mehr Wettbewerb, solange es nicht die Apotheker betrifft, weil die alle fleissig FDP wählen…”

      Es ist zwsr richtig (und richtig armselig noch dazu), dass der Drang, im Apothekenwesen Wettbewerb zu schaffen gelinde gesagt ausbaufähig ist. Trotzdem mag ich mir den Hinweis nicht verkneifen, dass trotzdem der überwiegende Teil der FDP-Wähler weder eine Apotheke besitzt noch in einer arbeitet. Manche haben auch Hotels.

  6. militaer
    Erstellt am 10. März 2010 um 09:32 | Permanent-Link

    Und fast alle Beteiligten tragen den Schaden davon. … Das US-Militär, das mit unpassenden Flugzeugen hantieren muss …”

    Du hast vielleicht Sorgen…

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