Von Freiheit verstehen wir mehr“

4. März 2010
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Sigmar Gabriel

Vielleicht darf ich erst was dazu sagen, dass ich nicht glaube, dass CDU und FDP bürgerliche Parteien sind, sondern es ist ein Kampfbegriff der 60er Jahre, wo man versucht hat, die Bürgerlichen, das waren so die Guten, und die anderen, das waren die Sozialdemokraten, mit denen man eigentlich nichts anfangen wollte. Als Parteivorsitzender der SPD würde ich schon sagen, da gilt das Wort Willy Brandts: Von Freiheit verstehen wir mehr. Die erste bürgerliche Demokratie haben Sozialdemokraten mit ihrem Leben bezahlt, wo die Vorläuferparteien derjenigen, die sich heute bürgerlich nennen, noch dem Ermächtigungsgesetz von Hitler zugestimmt haben.“ (Sigmar Gabriel in der „Leipziger Volkszeitung“.)

Bild: SPD Schleswig-Holstein (CC-BY 2.0)


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8 Responses to Von Freiheit verstehen wir mehr“

  1. R.A. on 4. März 2010 at 14:30

    Über den Begriff „bürgerlich” kann man ja gerne streiten.
    Aber wenn ein inhaltsloser Pimpf wie Gabriel für das kleine Karo des politischen Streits unter Demokraten auf historische Vergleiche dieser Art zurückgreift, dann ist das nur ärmlich.

    Die Sozialdemokraten, die seinerzeit für die Demokratie kämpften und starben — die würden so etwas mit Verachtung strafen.

    • nordstadt on 4. März 2010 at 21:59

      @R. A.- na, was’n Glück, dass die alle (?) tot sind …
      Ist schon schön, wenn der diametrale politische Gegner sich getroffen sieht.
      Danke, Sigmar– bißchen platt, aber sonst in Ordnung.
      Im Übrigen ist es schon ein klein wenig abwertend, bei „Siggi Pop” von „Inhaltsleere” zu sprechen ;-)

    • Rayson on 5. März 2010 at 00:06

      Über den Begriff “bürgerlich” kann man ja gerne streiten.

      Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass der Begriff eher als negative Abgrenzung zu den guten Linken gedacht war. „Bürgerlich” im Sinne von „bourgeois” eben, so wie auch der Kalle das immer verwendet hat. Meiner Vermutung nach hat dieser Begriff dann das Schicksal von „Made in Germany” erlebt, das ja auch erst als Kainsmal gedacht war.

      Aber dieser Bezug auf die Ermächtigungsgesetze ist äußerst dreist und peinlich: Als ob ein Typ wie Gabriel allein durch schiere Parteimitgliedschaft dieselbe Achtung verdient hätte wie ein Otto Wels.

  2. Jan on 5. März 2010 at 17:10

    Ein bayerischer „Kabarettist” macht schamlose KZ-Witzchen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der SPD-Vorsitzende rückt die Regierungsparteien öffentlich in braunes Licht nachdem er die FDP gerade erst als „verfassungsfeindlich” bezeichnet hat…

    Ihr glaubt gar nicht, wie gespannt ich darauf bin, wie diese ganzen Pappnasen erst abgehen, wenn die Regierung erstmals Gesetze macht, die Bürgern tatsächlich weh tun, statt nur Phantomschmerzen zu bereiten. Wahrscheinlich rufen sie dann direkt zum Bürgerkrieg auf.

  3. Kalle Kappner on 5. März 2010 at 17:45

    Erhard Eppler zum Begriff „bürgerlich”:

    http://www.erhard-eppler.de/texte/0505-buerger-als-gluecksschmied.html

    Sehr lesenswert.

    Besonders ärgerlich und jeder Demokratie abträglich ist der Tatbestand, dass wir Deutschen mit dem Wort „Bürger” alles abdecken müssen, was Franzosen mit zwei sehr klar unterschiedenen Begriffen bezeichnen: „bourgeios” und „citoyen”. Citoyen war schon im späten Mittelalter, wer kein „serf” mehr war, kein Leibeigener, sondern ein freier Bauer oder Handwerker. In der französischen Revolution wurde „Citoyen” der Titel für jeden, der das Recht und die Pflicht hatte, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit in Gesellschaft und Staat zu verwirklichen. Heute sind die Citoyenne und der Citoyen die wahlberechtigten Staatsbürger, welche zusammen die Nation bilden und den Staat tragen. Sie sind der Souverän, der gelegentlich auch direkt nach seiner Meinung gefragt wird.

    Bourgeois” bezeichnet eine Klasse. […]”

    • nordstadt on 6. März 2010 at 00:13

      @Kalle:
      danke– ja, der Begriff „Staatsbürger” ist leider durch die dümmlich-arrogante DDR*- bzw. Bundeswehr#-Benützung nicht gut angesehen.
      *de.wikipedia.org/wiki/Staatsb%C3%BCrgerkunde
      #www.kas.de/proj/home/pub/20/2/year-2003/dokument_id-2012/index.html (viele Treffer…)

  4. Harald Wellmann on 5. März 2010 at 21:55

    Also, ich finde es auch unerträglich, wenn Westerwelle von einer „bürgerlichen Regierung” spricht. Auch ich bin Bürger dieses Landes, im Sinne von Citoyen, nicht von Bourgeois, und fühle mich von dieser Regierung schlecht vertreten, ja noch nicht einmal regiert.

    Den oben zitierten Vergleich zog Sigmar Gabriel auch heute abend in ähnlichen Worten auf der Mitgliederkonferenz in Hamburg. Zum Thema „bürgerlich als Kampfbegriff” fügte er noch hinzu: „Wir sind immer die, die nicht mit Messer und Gabel essen können. Aber wir bezahlen unser Essen selber.” Der bürgerliche Anstand sei nämlich den „bürgerlichen” Parteien völlig abhanden gekommen.

    Das kann ich nur unterschreiben.

  5. etg on 6. März 2010 at 18:44

    Als Parteivorsitzender der SPD würde ich schon sagen, da gilt das Wort Willy Brandts: Von Freiheit verstehen wir mehr.”

    Na ja, wenn ich mir bspw. die Abstimmung der SPD und FDP über die Vorratsdatenspeicherung ansehe: SPD 176 ja, 7 nein, 2 enth., FDP 0 ja, 58 nein, 0 enth. würde ich sagen: nein. Die SPD versteht von Freiheit sicher nicht mehr.

    Was nicht heißt, dass ich die FDP gutheiße, sondern dass die SPD noch viel aufzuarbeiten hat, bevor sie ansatzweise wieder glaubwürdig wird.

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