„Von Freiheit verstehen wir mehr“

Sigmar Gabriel

„Vielleicht darf ich erst was dazu sagen, dass ich nicht glaube, dass CDU und FDP bürger­li­che Parteien sind, sondern es ist ein Kampfbegriff der 60er Jahre, wo man versucht hat, die Bürgerlichen, das waren so die Guten, und die anderen, das waren die Sozialdemokraten, mit denen man eigent­lich nichts anfan­gen wollte. Als Parteivorsitzender der SPD würde ich schon sagen, da gilt das Wort Willy Brandts: Von Freiheit verste­hen wir mehr. Die erste bürger­li­che Demokratie haben Sozialdemokraten mit ihrem Leben bezahlt, wo die Vorläuferparteien derje­ni­gen, die sich heute bürger­lich nennen, noch dem Ermächtigungsgesetz von Hitler zuge­stimmt haben.“ (Sigmar Gabriel in der „Leipziger Volkszeitung“.)

Bild: SPD Schleswig-Holstein (CC-BY 2.0)

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

8 Gedanken zu „„Von Freiheit verstehen wir mehr““

  1. Über den Begriff „bürger­lich” kann man ja gerne strei­ten.
    Aber wenn ein inhalts­lo­ser Pimpf wie Gabriel für das kleine Karo des poli­ti­schen Streits unter Demokraten auf histo­ri­sche Vergleiche dieser Art zurück­greift, dann ist das nur ärmlich.

    Die Sozialdemokraten, die seiner­zeit für die Demokratie kämpf­ten und starben — die würden so etwas mit Verachtung strafen.

    1. @R. A.- na, was’n Glück, dass die alle (?) tot sind …
      Ist schon schön, wenn der diame­trale poli­ti­sche Gegner sich getrof­fen sieht.
      Danke, Sigmar- bißchen platt, aber sonst in Ordnung.
      Im Übrigen ist es schon ein klein wenig abwer­tend, bei „Siggi Pop” von „Inhaltsleere” zu spre­chen ;-)

    2. Über den Begriff “bürger­lich” kann man ja gerne strei­ten.

      Ich bin mir sogar ziem­lich sicher, dass der Begriff eher als nega­tive Abgrenzung zu den guten Linken gedacht war. „Bürgerlich” im Sinne von „bour­geois” eben, so wie auch der Kalle das immer verwen­det hat. Meiner Vermutung nach hat dieser Begriff dann das Schicksal von „Made in Germany” erlebt, das ja auch erst als Kainsmal gedacht war.

      Aber dieser Bezug auf die Ermächtigungsgesetze ist äußerst dreist und pein­lich: Als ob ein Typ wie Gabriel allein durch schiere Parteimitgliedschaft dieselbe Achtung verdient hätte wie ein Otto Wels.

  2. Ein baye­ri­scher „Kabarettist” macht scham­lose KZ-Witzchen im öffent­lich-recht­li­chen Rundfunk, der SPD-Vorsitzende rückt die Regierungsparteien öffent­lich in braunes Licht nachdem er die FDP gerade erst als „verfas­sungs­feind­lich” bezeich­net hat…

    Ihr glaubt gar nicht, wie gespannt ich darauf bin, wie diese ganzen Pappnasen erst abgehen, wenn die Regierung erst­mals Gesetze macht, die Bürgern tatsäch­lich weh tun, statt nur Phantomschmerzen zu berei­ten. Wahrscheinlich rufen sie dann direkt zum Bürgerkrieg auf.

  3. Erhard Eppler zum Begriff „bürger­lich”:

    http://www.erhard-eppler.de/texte/05–05-buerger-als-gluecksschmied.html

    Sehr lesens­wert.

    „Besonders ärger­lich und jeder Demokratie abträg­lich ist der Tatbestand, dass wir Deutschen mit dem Wort „Bürger” alles abde­cken müssen, was Franzosen mit zwei sehr klar unter­schie­de­nen Begriffen bezeich­nen: „bour­geios” und „citoyen”. Citoyen war schon im späten Mittelalter, wer kein „serf” mehr war, kein Leibeigener, sondern ein freier Bauer oder Handwerker. In der fran­zö­si­schen Revolution wurde „Citoyen” der Titel für jeden, der das Recht und die Pflicht hatte, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit in Gesellschaft und Staat zu verwirk­li­chen. Heute sind die Citoyenne und der Citoyen die wahl­be­rech­tig­ten Staatsbürger, welche zusam­men die Nation bilden und den Staat tragen. Sie sind der Souverän, der gele­gent­lich auch direkt nach seiner Meinung gefragt wird.

    „Bourgeois” bezeich­net eine Klasse. […]”

    1. @Kalle:
      danke- ja, der Begriff „Staatsbürger” ist leider durch die dümm­lich-arro­gante DDR*- bzw. Bundeswehr#-Benützung nicht gut ange­se­hen.
      *de.wikipedia.org/wiki/Staatsb%C3%BCrgerkunde
      #www.kas.de/proj/home/pub/20/2/year-2003/dokument_id-2012/index.html (viele Treffer…)

  4. Also, ich finde es auch uner­träg­lich, wenn Westerwelle von einer „bürger­li­chen Regierung” spricht. Auch ich bin Bürger dieses Landes, im Sinne von Citoyen, nicht von Bourgeois, und fühle mich von dieser Regierung schlecht vertre­ten, ja noch nicht einmal regiert.

    Den oben zitier­ten Vergleich zog Sigmar Gabriel auch heute abend in ähnli­chen Worten auf der Mitgliederkonferenz in Hamburg. Zum Thema „bürger­lich als Kampfbegriff” fügte er noch hinzu: „Wir sind immer die, die nicht mit Messer und Gabel essen können. Aber wir bezah­len unser Essen selber.” Der bürger­li­che Anstand sei nämlich den „bürger­li­chen” Parteien völlig abhan­den gekom­men.

    Das kann ich nur unter­schrei­ben.

  5. „Als Parteivorsitzender der SPD würde ich schon sagen, da gilt das Wort Willy Brandts: Von Freiheit verste­hen wir mehr.”

    Na ja, wenn ich mir bspw. die Abstimmung der SPD und FDP über die Vorratsdatenspeicherung ansehe: SPD 176 ja, 7 nein, 2 enth., FDP 0 ja, 58 nein, 0 enth. würde ich sagen: nein. Die SPD versteht von Freiheit sicher nicht mehr.

    Was nicht heißt, dass ich die FDP gutheiße, sondern dass die SPD noch viel aufzu­ar­bei­ten hat, bevor sie ansatz­weise wieder glaub­wür­dig wird.

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