Heute vor 85 Jahren ist Friedrich Ebert, der erste demokratisch gewählte Reichspräsident der jungen Weimarer Demokratie, gestorben. Sein früher Tod war ein Schock für seine Partei, seine SPD. Auf den jungen Demokraten Friedrich Ebert folgte mit Paul von Hindenburg ein rechtsnationaler Monarchist, der mit Demokratie nicht viel anfangen konnte.
Ebert war kein Theoretiker wie Rudolf Hilferding. Er war pragmatischer Gestalter, vergaß niemals seine Herkunft aus einfachen Verhältnissen: vom Sattlergeselle und Gastwirt arbeitete er sich für seine Partei und die Menschen ganz nach oben. Von Reaktionären gehasst, hatte er es auch in seiner eigenen Partei oft schwer: er wollte Reichspräsident aller Deutschen sein, und man darf sagen, ihm ist das gelungen.
Nach seiner Wahl zum Reichspräsidenten erklärte Ebert am 11. Februar 1919: „Ich will und werde als der Beauftragte des ganzen deutschen Volkes handeln, nicht als Vormann einer einzigen Partei. Ich bekenne aber auch, daß ich ein Sohn des Arbeiterstandes bin, aufgewachsen in der Gedankenwelt des Sozialismus, und daß ich weder meinen Ursprung noch meine Überzeugung jemals zu verleugnen gesonnen bin.”
Wie anders hingegen sein Nachfolger Paul von Hindenburg, der sich nicht nur die Monarchie zurückwünschte, sondern letztendlich Hitler und dem Nazi-Terror den Weg bereitete.
Friedrich Ebert liegt begraben in Heidelberg auf dem Bergfriedhof. Dort liegt auch Albert Speer, Hitlers Architekt. So liegen im Tode zwei prägende Persönlichkeiten nahe beieinander, die sinnbildlich für die zwei möglichen Richtungen in Deutschland und Europa stehen: Freiheit, Demokratie und Republik — und Terror, Diktatur und Krieg.
Ebert starb zu früh. Sein Werk und Streben blieb unvollendet. Geschmäht und verlacht von links und rechts, spielte seine Gesundheit nicht lange mit. 1925 traf sich die SPD unter dem Eindruck von Eberts Tod und der Niederlage in den Wahlen in Heidelberg, um das Heidelberger Programm zu verabschieden: die Vereinigten Staaten von Europa wurden hier als Ziel angegeben. Wie fern dieses Ziel war und wie nah der Krieg, ahnte 1925 niemand.
Die Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD) wurde unmittelbar nach Eberts Tod gegründet und versucht bis heute, im Geist und Sinn Friedrich Eberts zu wirken. Der Besuch der Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Stiftung in Heidelberg ist sehr zu empfehlen: die Ausstellung über Eberts Leben wurde erst kürzlich erneuert.
Der Weimarer Demokratie fehlte es vor allem an: Demokraten. Demokraten wie Friedrich Ebert, die Kraft und Mut in die gemeinsame Sache des Volkes investierten. Demokratie braucht Demokraten — so banal wie richtig.
Friedrich Ebert ist nicht vergessen.
Bild: Deutsches Bundesarchiv

Hallo Christian,
ich glaube, gerade in diesen Wochen sind Hinweise auf die Weimarer Republik sehr hilfreich.
Man kann viel lernen über Inflation– und Steuerpolitik. Aber auch über die Standfestigkeit der SPD.
Nach dem Kapp-Putsch z.B. verlor die SPD die Hälfte ihrer Wähler, weil Ebert es allen Seiten recht machen wollte. Er scheute den Bruch mit dem Establishment und suchte stattdessen dessen Gunst. Dabei riskierte er sogar die Loyalität seiner Stammwähler.
Ein bisschen erinnert mich das an die Schröderjahre..
Schöner Artikel. Ebert war einer der ganz Großen, die SPD könnte zu Recht stolz auf ihn sein.
> Friedrich Ebert ist nicht vergessen.
Doch, ist er leider weitgehend.
Das merkt man nicht nur daran, daß auf http://www.spd.de kein Wort zu ihm zu finden ist.
Sondern auch daran, daß in der SPD Eberts Position des Zusammenhalts der Demokraten gegen Kommunisten und Nazis immer stärker im Rückzug ist.
Ja, mit spd.de habe ich auch so meine Probleme…
Mein Ortsverein trifft sich jedes Jahr zu einer Ebert-Gedenkstunde, die SPD Baden-Württemberg meines Wissens auch. Aber, Du hast natürlich Recht: man sollte mehr tun.
„er wollte Reichspräsident aller Deutschen sein, und man darf sagen, ihm ist das gelungen.”
Die sozialistischen Revolutionäre, insb. die 3000 — 5000 die er im Rahmen der Niederschlagung der Revolution abknallen ließ, waren keine Deutschen?
„Freiheit, Demokratie und Republik”
Nicht nur, aber eben auch an Ebert sieht man daher sehr schön, dass „Freiheit, Demokratie und Republik” nichts damit zu tun haben, dass ein Volk sich auf diese Art des Zusammenlebens verständigt, sondern dass sie Produkt einer Herrschaft sind, die so lange alle Träger eines gegnerischen Willens umbringt, bis nur noch der Teil des Volkes übrig ist, der sich mit „Freiheit, Demokratie und Republik” arrangiert.
> … waren keine Deutschen?
Deutsche schon, aber keine Demokraten.
Ein Anspruch „Präsident für alle” zu sein kann ja nur die beinhalten, die zu einem friedlichen Zusammenleben bereit sind.
Wer gewaltsam gegen die demokratische Regierung putscht, hat offenkundig an so einer Gemeinschaft kein Interesse.
Na an einem friedlichen Zusammenleben hatten die Revolutionäre sicherlich genauso ein Interesse, wie Ebert, bloß halt zu einem ANDEREM, einem sozialistischen Zusammenleben.
Und was die tatsächliche Gewalt angeht: Da hat ja wohl offensichtlich Ebert gewonnen. Die von Ebert beauftragten Freikorps haben eben die Revolutionäre umgebracht und weniger andersrum. Sonst hätte die Revo ja die Oberhand behalten.
Im Übrigen: Wenn zu „allen” nur die gehören, die mit dem, wie der demokratische Präsident das Zusammenleben regelt, einverstanden sind, dann kann man ja machen, was man will als Präsident und ist IMMER „Präsident aller”.
Mich würde wirklich mal interessieren, ob die Zugeständnisse der damaligen SPD an die Rechte und das Establishment ein machtpolitisches Kalkül waren, oder –wie bei Gerhard Schröder– einer unterwürfigen und nach Anerkennung von oben strebenden Haltung entsprangen.
Die Niederschlagung eines Aufstandes, der die Abschaffung der Republik und Errichtung einer ziemlich blutrünstigen Diktatur zum Ziel hatte, war kein Zugeständnis an „die Rechte und das Establishment” sondern ein Dienst an der Menschheit.
Wenn man sich anschaut, welche grauenvollen Wunden die rote Revolution in Rußland geschlagen hat, wie gründlich die Kommunisten dort ab 1917 das eigene Volk massakriert haben, dann sieht man, daß Ebert richtig gehandelt hat.
Es wäre natürlich wünschenswert, wenn es statt der Freikorps eine stabile Staatsgewalt gegeben hätte. Es wäre auch wünschenswert, wenn es überhaupt keine Freikorps gegeben hätte.
Und es wäre wünschenswert, wenn die Niederschlagung des Aufstands mit rechtsstaatlichen Mitteln nach heutigem Standard hätte laufen können.
Aber Geschichte ist halt kein Wunschkonzert.
Sozialismus als „blutrünstige Diktatur” zu bestimmen ist genauso gut/schlecht wie Marktwirtschaft als „blutrünstige Demokratie” zu bestimmen.
Als ob Sozialrevolutionäre bloß ein Ziel hätten: Möglichst viele Menschen massakrieren, lächerlich.
Umgekehrt stehen die Demokratien den Diktaturen in praktizierter Gewalt doch in nichts nach. Wer führt denn auf der ganzen Welt Krieg?