Spiegel Online berichtet über Großbanken, die gegen Griechenland wetten.
Ja, dieses Treiben ist unmoralisch und infam. Doch sich darüber zu empören bringt absolut nichts. Was hingegen etwas bringt, sind klare Regeln und Grenzen für Banken, um derartige Wetten zu verhinden.
Hier muss die SPD einen konkreten Vorschlag machen. Aus CDU und FDP wird dazu nichts kommen.


> Ja, dieses Treiben ist unmoralisch und infam.
Nein, überhaupt nicht.
Der Spiegel hat nur das Prinzip der CDS nicht verstanden.
Das sind reine Ausfallversicherungen für die Kreditgeber. Sollte Griechenland pleite gehen, bekommen sie ihren Schaden ersetzt — nicht mehr und nicht weniger. Sie profitieren damit also nicht von dieser Pleite, sondern sichern sich nur selber gegen Schäden ab.
Es ist gerade atemberaubend dumm, was der Spiegel da schreibt:
> Das hochverschuldete Land im Süden Europas droht
> laut „New York Times” durch einen massiven Angriff
> von Spekulanten in den Ruin getrieben zu werden.
Das ist kein Angriff, sondern reiner Selbstschutz der Kreditgeber. Und schadet dem Land nur indirekt, weil so abgesicherte Kredite natürlich teurer sind.
> Bezeichnenderweise seien an den Spekulationen vor
> allem jene Banken beteiligt, die Griechenlands
> Haushalt andererseits stabilisieren, indem sie
> dem Staat seine Anleihen abkaufen.
Ja logisch: Es versichern sich nur die Banken, die auch Kredite vergeben.
Der Spiegel könnte auch formulieren: „Bezeichnenderweise schließen vor allem die Leute Autoversicherungen ab, die auch ein Auto haben.”
> Mit anderen Worten: Die Banken sind an der hohen
> Verschuldung Griechenlands beteiligt — und wetten nun
> auf eine Pleite des Staats.
Sie wetten nicht darauf, denn es wäre ihnen natürlich viel lieber, wenn Griechenland das Geld ganz normal zurückbezahlt.
Umgekehrt wäre es problematisch: Wenn die Banken trotz der bekannten Schwierigkeiten in Griechenland neue Milliarden dorthin verleihen würden, OHNE sich abzusichern.
Das wäre verantwortungslose Zockerei.
„Der Spiegel hat nur das Prinzip der CDS nicht verstanden.”
Ich habe den Spiegel-Artikel nicht wirklich gelesen.
Das Kernproblem ist aber, dass es Banken möglich ist, gegen Staaten zu wetten und darauf zu setzen, dass andere Staaten (hier: die EU) einspringen. Das liegt teilweise am Konstrukt EU, teilweise an fehlenden Regeln für Banken. Meiner Meinung nach ist das kein gesundes Wirtschaften und gehört reguliert.
Kannst Du das auch begründen? Es wäre auch nützlich, wenn Du da mit gutem Beispiel vorangehen und Deine eigenen Versicherungen kündigen könntest.
Die Krankenversicherung zum Beispiel. Es ist doch wirklich unmoralisch, gegen die Gesundheit zu wetten!
Das muß man regulieren. Am besten verbieten.
Dann wird auch keiner mehr krank.
Investoren können sowohl dafür, als auch dagegen „wetten”, dass fremde Staaten einspringen. Ich habe den Artikel übrigens aufmerksam gelesen. Die Polemik darin war stellenweise haarsträubend. In Griechenland ist über viele Jahre massiv Misswirtschaft betrieben worden — dass das irgendwann Folgen haben muss, ist doch klar. Und dass es CDS inklusive ihrer Folgen gibt, dass konnten und mussten doch wohl auch griechische Politiker vorher gewusst und in all ihr weises Handeln einkalkuliert haben.
In einem Bericht war zu hören, dass Deutschland und andere EU-Staaten sehr von der griechischen Misswirtschaft profitiert haben (Export).
Es ist zu einfach, jetzt auf die „dummen Griechen” zu zeigen. Der Fehler liegt teilweise auch bei der EZB.
Geliehenes Geld ist viel zu lange viel zu billig gewesen.
Das hat viele der Verschuldungsauswüchse bei Staaten, Firmen und Privatleuten stark forciert.
Allerdings würde ich nicht BMW die Schuld dafür geben, wenn Atze sein Erbe zum Tuner trägt, statt die Kinder großzuziehen. Und für Staaten gilt das gleiche.
Ich halte ja die EZB insgesamt für einen Fehler — aber der hat sich zum Beispiel auch Griechenland freiwillig angeschlossen, in Kenntnis aller Risiken, Nebenwirkungen und eben auch Verpflichtungen.
Das mit dem Export hab ich nicht kapiert. Staatsschulden entstehen wohl kaum, wenn Bürger im Ausland einkaufen gehen, oder? Dafür ist wohl eher der völlig aus dem Ruder gelaufene Apparat schuld.
Profitieren würden wir (insgesamt) erst, wenn sie ihre Kredite bezahlen würden. Wenn sie sich bei deutschen Banken Milliarden leihen, um in Deutschland einzukaufen, dann fehlt wohl noch die Rückzahlung, bevor Deutschland profitiert;-)
Hier ist ein Beispiel dafür, wie sehr deutsche Unternehmen vom Griechenlandgeschäft profitieren …
Zur Zockerei im Unterschied zur Absicherung wird es in dem Moment, in dem CDS bzw. Puts auf griechische Staatsanleihen gekauft werden, OHNE die Anleihen selbst zu kaufen oder zu besitzen.
Ich verstehe auch nicht die Kritik an niedrigen Zinsen per se. Was ist an niedrigen Zinsen verwerflich? Plädieren die Liberalen für ein höhres Zinsniveau?
@stefanolix
Aus dir wird doch noch mal ein ausgezeichneter Ökonom ;-) Denn das von dir Gesagte trifft den Nagel auf den Kopf. Leider kapieren das 95% aller Journalisten nicht.
Ganz allgemein sollten wir vielleicht auch nicht vergessen, dass die Griechen sich ihre Mitgliedschaft beim Euro so ein klein wenig erschlichen haben. Hoffentlich sind sie wenigstens dafür verantwortlich.
Die Griechen sind dafür natürlich nicht verantwortlich. Sie gehören zu den größten Empfängerländern von Subventionen aus der EU und sie nehmen als Staat immer wieder hohe Kredite (zufällig auch vorwiegend aus den Geberländern) auf. Sie lebten jahrzehntelang über ihre Verhältnisse. Nachdem jetzt die Blase platzt, geben sie den Gebern die Schuld.
Aber auf der anderen Seite ist nach meinem Verständnis eine Kreditversicherung für einen Griechenland-Kredit wirklich eine Art Spekulation für den Versicherer. Wenn ich lese, dass Griechenland seine Staatsanleihen nur noch zu hohen Zinsen bekommt (schlechtes Rating), dann müssen doch logischerweise die Kreditversicherungen auch immer teurer geworden sein.
Entweder Griechenland bekommt Hilfe von der EU, dann ist die Kreditversicherung ein gutes Geschäft. Oder Griechenland geht pleite, dann hat sich der Versicherer verspekuliert.
„”„Hoffentlich sind sie wenigstens dafür verantwortlich.”””
Ach woher denn. Die Deutschen sind schuld wegen dem Zweiten Weltkrieg und so.
„”„
Aber auf der anderen Seite ist nach meinem Verständnis eine Kreditversicherung für einen Griechenland-Kredit wirklich eine Art Spekulation für den Versicherer. Wenn ich lese, dass Griechenland seine Staatsanleihen nur noch zu hohen Zinsen bekommt (schlechtes Rating), dann müssen doch logischerweise die Kreditversicherungen auch immer teurer geworden sein.
””„
Dann ist doch alles in Ordnung. Spekulation als begriff ist sinnlos. Jede wirtschaftliche Entscheidung ist eine Wette auf die Zukunft. Jede wirtschaftliche Entscheidung ist Spekulation.
Wenn Leute die zukünftige Entwicklung besser als andere einschätzen und davon profitieren, ist das in Ordnung. Und — um diesen Einwand gleich vorwegzunehmen — jeder hat auch auf irgendeinem Gebiet einen Informationsvorsprung, den er natürlich finanziell ausnutzen kann und soll, so what.