Der FDP-General und die KfW-Millionen

25. Februar 2010
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Durchaus interessant, dieser nun schon fast sechs Jahre alte Artikel vom November 2004 aus dem „Tagesspiegel“:

Nachdem Nordrhein-Westfalens FDP-Chef am Freitag über die Vorzüge und für dessen Alter erstaunlich vielen unternehmerischen Aktivitäten des jungen Mannes neben ihm geredet hatte, fügte er hinzu: „Er hat aber auch die Achterbahnfahrt der New Economy aus nächster Nähe miterlebt.“ Der Mann neben Pinkwart soll am Wochenende Generalsekretär der NRWFDP werden: Christian Lindner ist 25 Jahre alt und sitzt seit 2000 für die Liberalen im Düsseldorfer Landtag. Die Politik hat ihn damals offenbar nicht ausgefüllt: eine von Lindner geführte Firma hat in der Rekordzeit von 18 Monaten fast zwei Millionen Euro aus dem Topf der Kreditanstalt für Wiederaufbau verbrannt; eine zweite Kölner Firma wurde ebenfalls mangels Aufträgen liquidiert.

Erstaunlich, dass über Lindners Geschäfts„erfolg“ in der Vergangenheit bei seiner Ernennung zum FDP-Generalsekretär kein Wort verloren wurde; mit anderen Politikern wird nicht derart gnädig verfahren (Gysi, Lafontaine).

Ebenfalls sehr spannend, dass der FDP-Generalsekretär, der den Staat für einen „teuren Schwächling“ hält, sich nicht zu fein war, die Millionen der Staatsbank KfW zu nutzen und zu verbrennen.

Das Geschäftsmodell war typisch New Economy: „20 IT-Spezialisten, Psychologen, Texter, Journalisten und Drehbuchautoren wollten anderen Firmen so genannte Avatare verkaufen – kleine Figuren, die Einkäufe im Internet erleichtern.“ Völliger Schwachsinn. Aber damals wurde alles finanziert, was nicht bei Drei auf den Bäumen war. Und Millionen verbrannt. Und Lindner war dabei. Sehr aufschlussreich.


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11 Responses to Der FDP-General und die KfW-Millionen

  1. PINKROSE on 25. Februar 2010 at 12:13

    Das ist kein Geheimnis, welches Sie meinen da ausgegraben zu haben. Mehr zu den Hintergründen lesen Sie auch in dem Interview der aktuellen Ausgabe Super ILLU vom 24.02.2010.

    • Christian Soeder on 25. Februar 2010 at 12:15

      Natürlich ist es kein Geheimnis. Sonst gäbe es dazu wohl kaum einen Artikel im „Tagesspiegel”…

  2. R.A. on 25. Februar 2010 at 13:55

    > Erstaunlich, dass über Lindners Geschäfts„erfolg“
    > in der Vergangenheit bei seiner Ernennung zum
    > FDP-Generalsekretär kein Wort verloren wurde; …
    Nun ja, ich finde es nicht erstaunlich, daß die FDP damit nicht haussieren geht.
    Ob dieser Mißerfolg wirklich negativ zu werten ist, dazu müßte man etwas näher recherchieren.

    > mit anderen Politikern wird nicht derart gnädig
    > verfahren (Gysi, Lafontaine).
    ???
    Die Vorwürfe gegen diese Beiden liegen wohl auf einer völlig anderen Ebene, kaum vergleichbar.

    > … die Millionen der Staatsbank KfW zu nutzen
    > und zu verbrennen.
    Ja warum denn nicht?
    WENN man schon gezwungen ist, diese ganzen Staatsaktivitäten mitzufinanzieren, DANN ist es doch völlig legitim, auch mal Vorteile mitzunehmen.

    Wenn schon, dann müßte die Frage umgekehrt lauten: War es verantwortbar seitens der KfW, diese Kredite zu vergeben?
    Denn es ist die KfW-Führung, die dem Steuerzahler gegenüber verantwortlich ist — es sind nicht die Geschäftspartner.

    Kritische Fragen wären also z. B. an Hans Eichel (SPD) zu richten …

    • Christian Soeder on 25. Februar 2010 at 13:58

      Natürlich: schuld sind immer die anderen. Wie konnte ich das nur vergessen?

      • Rayson on 25. Februar 2010 at 20:15

        Richtig, so geht das nicht. Es wird daher auch endlich Zeit, die wahren Schuldigen der Finanzkrise zu benennen: die amerikanischen Hausbesitzer. Nicht etwa die Banker.

        • Frank on 25. Februar 2010 at 23:26

          Das war ironisch gemeint — hoffe ich?

          • Christian Soeder on 25. Februar 2010 at 23:28

            Nein, die meinen das ernst. In Wahrheit ist nämlich die Regierung Clinton schuld. :S

          • Kalle Kappner on 25. Februar 2010 at 23:34

            Der Staat ist Schuld, weil er sich in den freien Markt eingemischt hat. Ist doch klar, oder?

          • Rayson on 26. Februar 2010 at 00:07

            Das war ironisch gemeint – hoffe ich?

            Frag Christian. Für den sind, wenn ein Kredit nicht bedient werden kann, ja die Schuldner die Schuldigen.

            Oder sollte das nur für Unternehmen gelten, die von zukünftigen FDP-Generalsekretären geführt werden? Nein, eine solch eklatante Diskriminierung vermag ich mir hier nicht vorzustellen!

  3. Jan on 26. Februar 2010 at 02:41

    teurer Schwächling” und Kredite für Schwachsinn geben — also ich mag da jetzt den Gegensatz nicht rauslesen, ehrlichgesagt.

  4. nordstadt on 26. Februar 2010 at 08:18

    Am Besten finde ich an solchen Vorgängen, wenn die selben, die vorher ohne jede Hemmung mit privaten Firmen Staatsknete verjubelt oder schlicht versenkt haben, sich dann aber gegen Subventionen (z. B. bloß kein ÖBS, „her mit dem schlanken Staat” usw.) aussprechen.
    Ein paar der ca. 90%, die die Linkspartei von der FDP trennen. Und sei es nur wegen der Logik oder der entlassenen Mitarbeiter– achnee, die sind ja dann froh, weil „man” sie „frei gesetzt” hat.

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