Margot Käßmann tritt angeblich zurück

Diverse Medien melden, dass Margot Käßmann Konsequenzen aus ihrer Alkoholfahrt ziehen und um 16 Uhr ihren Rücktritt als EKD-Ratsvorsitzende und Landesbischöfin von Hannover verkün­den wird.

Meine Hochachtung für diesen mutigen und klaren Schritt. Damit zeigt Margot Käßmann, dass an Kirchenvertreter höhere Maßstäbe als an welt­li­che Instanzen gelegt werden. Vergleiche mit Ministern gehen deshalb völlig fehl.

Für Häme ist kein Platz. Margot Käßmann steht vor den Trümmern einer glän­zen­den Karriere. Es ist zu hoffen, dass sie genug Kraft und Stärke findet, mit diesem Geschehen umzu­ge­hen, und dass ihr Umfeld ihr Halt und neue Zuversicht gibt.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

25 Gedanken zu „Margot Käßmann tritt angeblich zurück“

  1. „Für Häme ist kein Platz.”

    Ganz im Gegenteil. Für Häme ist sogar sehr viel Platz. Sie war die Vorsitzende einer Organisation, deren Mitarbeiter sonn­täg­lich predi­gen, wie Menschen denn zu leben hätten und Regeln für das Zusammenleben verkün­den. Das haben diese dann auch zum Beispiel in Talk Shows wie auch in anderen Medien verbrei­tet und sich auch gene­rell das Recht heraus­ge­nom­men, in gesell­schaft­li­chen Fragen Leitlinien vorge­ben zu wollen — wobei die Katholiken hier selbst­re­dend noch funda­men­ta­ler sind. Nicht zuletzt die Einmischung in Fragen der Afghanistanpolitik zeigten auf welch hohem, mora­li­schen Ross dieser Verein reitet.

    Und jetzt fährt die Oberverkünderin der Moral besof­fen Auto und gefähr­det das Leben anderer Menschen. Wer einmal bei einem schwe­ren Unfall — verur­sacht durch Alkohol — Ersthelfer war, weiß was ich meine.

    Diese Frau hat ihre mora­li­sche Integrität für den Rest ihres Lebens einge­büsst. Denn: Wer sein Leben auf eben diesem kirch­li­chen Verkünden von mora­li­schen Vorschriften („Du sollst dieses und jenes nicht tun!”) aufbaut und dann auch noch meint, sich in gesell­schaft­li­che Debatten mit dem Zeigefinger einmi­schen zu müssen, fällt eben beson­ders tief.

    Weder ist es schade um Frau Käßmann, noch ist zu wünschen, dass diese Frau noch mal irgend­eine leitende Funktion in einer Moralverkündigungsorganisation über­nimmt.

    1. Diese Frau hat ihre mora­li­sche Integrität für den Rest ihres Lebens einge­büsst.

      Bullshit. Jeder Mensch baut Mist. Die meisten haben nur das Glück, daß der Haufen nicht zu groß wird (und das auch nur, wenn die Zeiten danach sind). Die rich­ti­gen und passen­den Konsequenzen ihres Verhaltens regelt jetzt die Justiz.
      Ihre mora­li­sche Integrität wird dadurch über­haupt nicht beein­träch­tigt, zumal ihr ja deut­lich klar ist, daß sie einen Riesenmist gebaut hat.

      Was ihre mora­li­sche Integrität tatsäch­lich beein­träch­ti­gen kann, sind ihre, ähm, analy­ti­schen Fähigkeiten und das Ausmaß ihres Interesses an den Themen, zu denen sie sich laut­stark äußert.
      Mir persön­lich stinkt am meisten ihr Anspruch auf Unfehlbarkeit des Menschen.
      Das ist eine Scheinheiligkeit, die ich ekel­haft finde und die in in der Konsequenz unmensch­lich ist. Damit steht sie aber nicht allein.

        1. Ja, und aus welchem Grund darf ich nicht kirchen­feind­lich sein?

          PS: Dein christ­li­cher Aberglaube ist selten dämlich.

          1. Wer sagt denn, dass Du nicht kirchen­feind­lich sein darf? Ich finde es eben reich­lich pein­lich, das ist alles.

  2. @Kai:
    Dein (Ihr) Statement könnte auch für Fußball-Promis wie Rainer Calmund gelten oder die anderen, die in diesen elenden Talkshows sitzen.
    Steige(n Sie) mal von Deinem (Ihrem) hohen Roß herun­ter- die Äußerungen von Frau Käßmann werden nicht besser oder schlech­ter, je nachdem, ob sie danach betrun­ken Auto fuhr.

  3. Ich kann mich den Worten von Christian Söder nur anschlie­ßen.

    Eine mutige Frau hat einen Fehler gemacht. Und die Konsequenzen gezogen. Letzteres hat Seltenheitswert.

    Man verglei­che das nur mal mit dem unsäg­lich pein­li­chen Verhalten von Dieter Althaus, der als Täter sogar noch Mitleid erhei­schen wollte und dafür Kai Diekmanns Käseblatt vor seinen Karren spannte.

  4. > dass an Kirchenvertreter höhere Maßstäbe als an
    > welt­li­che Instanzen gelegt werden.
    Nein, an Kirchenvertreter werden ANDERE Maßstäbe ange­legt.
    Ein Bischof kann sich z. B. viel eher dabei „erwi­schen” lassen, daß er seine Verwaltung nicht im Griff hat.
    Aber da er seine Macht und Autorität im wesent­li­chen aus dem mora­li­schen Anspruch des Amts bezieht, ist er hier natür­lich anders zu beur­tei­len als ein Minister.

  5. > Für Häme ist kein Platz.
    Warum nicht?
    Wenn jemand so groß aufge­hängt den Moralapostel spielt, und sich zu jeder Gelegenheit öffent­lich aus dem Fenster hängt — dann ist es auch legitim, bei Fehlverhalten „hämi­scher” zu reagie­ren als beim Nachbarn um die Ecke.
    Doppelmoral und Heuchelei haben Häme verdient.

    Und da sind beim Fall Käßmann ja noch weitere Details, die ich nicht so prickelnd finde.

    So hat sie ja offen­bar die Polizisten erst einmal ange­lo­gen („habe nur ein Glas Wein getrun­ken”), erst die Blutprobe hat dann die Wahrheit ans Licht gebracht.

    Und daß während gleich­zei­tig an der Basis bei der Sozialarbeit gespart werden muß, die Bischöfin einen Luxuswagen der Oberklasse fährt — finde ich auch ziem­lich kritik­wür­dig.
    Sie muß nun wirk­lich keinen Trabbi fahren, aber ein brauch­ba­res Dienstfahrzeug gibt es auch für den halben Preis.
    Und mit weniger Spritverbrauch — ange­sichts ihrer Sonntagsreden zum Thema Umwelt und „Bewahrung der Schöpfung”.

    1. Nun wird’s albern.

      Ein VW Phaeton oder ein vergleich­ba­res Modell ist als Dienstwagen für eine Bischöfin oder EKD-Ratsvorsitzende völlig ange­mes­sen.

      1. Ich wüßte nicht, warum z. B. ein 5er BMW unan­ge­mes­sen sein sollte für die hohe Würde einer Bischöfin — warum muß es gleich die Topklasse sein? Nur weil die Kirchensteuern es herge­ben?

        Ich sehe da schon einen Kontrast zu Käßmanns propa­gier­ter „Kultur der Bescheidenheit”.
        http://www.ekd.de/aktuell_presse/news_2009_01_30_2_kaessmann_dlr_wirtschaft.html

        Oder wenn sie sagt: „Und viel­leicht tut es unserer Gesellschaft gut zu begrei­fen, dass es auch eine Ethik des Genug gibt, der Bescheidenheit.” Also her mit dem 6‑Zylinder.

        An andere Leute appel­liert sie: „Die verant­wort­li­chen Politikerinnen und Politiker dürfen deshalb im Bemühen um Klimaschutz nicht nach­las­sen, denn die Lebensgrundlagen vieler Millionen Menschen sind durch die ausufernde CO2-Belastung der Atmosphäre in Gefahr“,
        http://www.ekd.de/presse/68113.html
        Aber bei ihr selber ist ihr die „ausufernde CO2-Belastung” egal, da darf es auch ein Spritsäufer sein.

        Diese Doppelmoral finde ich eklig.

        1. 7er BMW, S‑Klasse, Audi A8, VW Phaeton, sind die norma­lem Dienstwagen für Manager, Uni-Rektoren und Minister.

          Was Dein Sozialneid mit dem Thema zu tun hat, ist mir nicht klar. Aber es ist witzig zu lesen.

          1. > 7er BMW, S‑Klasse, Audi A8, VW Phaeton, sind die
            > norma­lem Dienstwagen für Manager, Uni-Rektoren und
            > Minister.
            Das ist nicht ganz richtig — die meisten von denen kommen mit einer Klasse drunter gut aus.

            Aber Du weichst dem Kernpunkt aus: Auch für einen Manager, Uni-Rektor und Minister wäre so ein Verhalten pein­lich, wenn er gleich­zei­tig Bescheidenheit, Sparsamkeit und Klimaschutz predigt.

            Es geht in erster Linie um die Doppelmoral, nicht nur um ange­mes­sene Verwendung von Kirchengeldern.

          2. Warum ist jede Kritik an über­teu­er­ten Sachen gleich „Sozialneid”? So ein Totschlagargument ist hier nicht ange­bracht.

            Und auch ich finde, dass ein Phaeton ein zu großer/teures/spritschluckendes Auto ist, im Gegensatz zu meinem Vorredner fände ich auch einen 5er-BMW für sehr groß.

            Und übri­gens, ein Brüller-Argument: die anderen haben das auch, da muss ich das haben.

  6. @Christian Jetzt erläu­ter das bitte mal im Detail: Was ist an Kirchenfeindlichkeit „pein­lich”? Muss ich als Atheist die perma­nent öffent­li­chen Äußerungen dieses Vereins etwa unge­fragt hinneh­men?

    1. Wenn man aus reli­gi­ons­kri­ti­scher Haltung heraus reli­giöse Jobs anderen Maßstäben unter­wirft als welt­li­che, wird es unsin­nig.
      Käßmann hat für mich als Atheisten genauso viel mora­li­sche Authorität und Integrität wie mein Karpfenhändler oder der Chef der Kaufhalle.
      Und von denen erwarte ich auch nicht, daß sie ihren Job aufge­ben, wenn sie Flensburger Punkte sammeln. Und Spott sollte man gene­rell nicht über­trei­ben. Am Boden liegende soll man nicht treten.

      1. Nun, der Karpfenhändler tritt vermut­lich nicht jede Woche vor Publikum auf, um diesem vorzu­schrei­ben wie es zu leben hat. Das ist der entschei­dende Unterschied zur Kirche.

          1. Weil die Kirche durch ihre Einflussnahme auf die Politik auch das Leben derer beein­flusst, die diesen Abgerglauben nicht teilen. Ich erin­nere hier nur an Themen wie Stammzellforschung, Abtreibung, Afghanistaneinsatz, gleich­ge­schlecht­li­che Ehe, Familienpolitik und viele andere Dinge.

        1. Die Mitgliedschaft in dem Verein ist frei­wil­lig. Man muß sich ihr Geseier, das ich in der Tat oft eklig finde, also nicht unbe­dingt anhören. Genauso wenig, wie ich mir die Stammtischreden von meinem Bäcker anhören muß, die vermut­lich ein vergleich­ba­res ethi­sches und intel­lek­tu­el­les Niveau haben.
          Was den poli­ti­schen Einfluß der Kirche betrifft, so muß man dummen oder schäd­li­chen poli­ti­schen Vorschlägen grund­sätz­lich immer entge­gen­tre­ten, ganz egal, ob sie von Juristen, Lehrern, Gewerkschaftern, Bäckern, Dachdeckern, Pfaffen, such-dir-was-aus kommen. Die Zeiten, in denen sich die Leute ihr Wahlkreuz von der Kanzel haben diktie­ren lassen, sind auch schon lange vorbei.
          Der Rest ist Meinungs- und Redefreiheit.

    1. Es geht nicht um geäu­ßerte Meinungen. Es geht darum, dass poli­ti­sche Entscheidungen vor dem Hintergrund dieses Aberglaubens gefällt werden, die dann auch mich betref­fen. Dabei muss ich nur an Leute wie Norbert Geis denken, dessen poli­ti­sche Vorstellungen auch direkt aus der Feder der katho­li­schen Kirche stammen könnten.

      Weder glaube ich an einen Gott, noch inter­es­siert mich die Institution Kirche in irgend­ei­ner Art und Weise. Trotzdem bin ich poli­ti­schen Moralvorstellungen unter­wor­fen, die auf diesem Glauben fußen.

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