Diverse Medien melden, dass Margot Käßmann Konsequenzen aus ihrer Alkoholfahrt ziehen und um 16 Uhr ihren Rücktritt als EKD-Ratsvorsitzende und Landesbischöfin von Hannover verkünden wird.
Meine Hochachtung für diesen mutigen und klaren Schritt. Damit zeigt Margot Käßmann, dass an Kirchenvertreter höhere Maßstäbe als an weltliche Instanzen gelegt werden. Vergleiche mit Ministern gehen deshalb völlig fehl.
Für Häme ist kein Platz. Margot Käßmann steht vor den Trümmern einer glänzenden Karriere. Es ist zu hoffen, dass sie genug Kraft und Stärke findet, mit diesem Geschehen umzugehen, und dass ihr Umfeld ihr Halt und neue Zuversicht gibt.


„Für Häme ist kein Platz.”
Ganz im Gegenteil. Für Häme ist sogar sehr viel Platz. Sie war die Vorsitzende einer Organisation, deren Mitarbeiter sonntäglich predigen, wie Menschen denn zu leben hätten und Regeln für das Zusammenleben verkünden. Das haben diese dann auch zum Beispiel in Talk Shows wie auch in anderen Medien verbreitet und sich auch generell das Recht herausgenommen, in gesellschaftlichen Fragen Leitlinien vorgeben zu wollen — wobei die Katholiken hier selbstredend noch fundamentaler sind. Nicht zuletzt die Einmischung in Fragen der Afghanistanpolitik zeigten auf welch hohem, moralischen Ross dieser Verein reitet.
Und jetzt fährt die Oberverkünderin der Moral besoffen Auto und gefährdet das Leben anderer Menschen. Wer einmal bei einem schweren Unfall — verursacht durch Alkohol — Ersthelfer war, weiß was ich meine.
Diese Frau hat ihre moralische Integrität für den Rest ihres Lebens eingebüsst. Denn: Wer sein Leben auf eben diesem kirchlichen Verkünden von moralischen Vorschriften („Du sollst dieses und jenes nicht tun!”) aufbaut und dann auch noch meint, sich in gesellschaftliche Debatten mit dem Zeigefinger einmischen zu müssen, fällt eben besonders tief.
Weder ist es schade um Frau Käßmann, noch ist zu wünschen, dass diese Frau noch mal irgendeine leitende Funktion in einer Moralverkündigungsorganisation übernimmt.
Bullshit. Jeder Mensch baut Mist. Die meisten haben nur das Glück, daß der Haufen nicht zu groß wird (und das auch nur, wenn die Zeiten danach sind). Die richtigen und passenden Konsequenzen ihres Verhaltens regelt jetzt die Justiz.
Ihre moralische Integrität wird dadurch überhaupt nicht beeinträchtigt, zumal ihr ja deutlich klar ist, daß sie einen Riesenmist gebaut hat.
Was ihre moralische Integrität tatsächlich beeinträchtigen kann, sind ihre, ähm, analytischen Fähigkeiten und das Ausmaß ihres Interesses an den Themen, zu denen sie sich lautstark äußert.
Mir persönlich stinkt am meisten ihr Anspruch auf Unfehlbarkeit des Menschen.
Das ist eine Scheinheiligkeit, die ich ekelhaft finde und die in in der Konsequenz unmenschlich ist. Damit steht sie aber nicht allein.
Kai, der Kommentar ist selten dämlich.
PS: Die alte Kirchenfeindlichkeit in der SPD kommt eben immer mal wieder hoch…
Ja, und aus welchem Grund darf ich nicht kirchenfeindlich sein?
PS: Dein christlicher Aberglaube ist selten dämlich.
Wer sagt denn, dass Du nicht kirchenfeindlich sein darf? Ich finde es eben reichlich peinlich, das ist alles.
@Kai:
Dein (Ihr) Statement könnte auch für Fußball-Promis wie Rainer Calmund gelten oder die anderen, die in diesen elenden Talkshows sitzen.
Steige(n Sie) mal von Deinem (Ihrem) hohen Roß herunter– die Äußerungen von Frau Käßmann werden nicht besser oder schlechter, je nachdem, ob sie danach betrunken Auto fuhr.
Ich sitze auf keinem hohen Roß, weil ich nicht als Kirche anderen Menschen erzähle, wie sie zu leben haben.
Ich kann mich den Worten von Christian Söder nur anschließen.
Eine mutige Frau hat einen Fehler gemacht. Und die Konsequenzen gezogen. Letzteres hat Seltenheitswert.
Man vergleiche das nur mal mit dem unsäglich peinlichen Verhalten von Dieter Althaus, der als Täter sogar noch Mitleid erheischen wollte und dafür Kai Diekmanns Käseblatt vor seinen Karren spannte.
> dass an Kirchenvertreter höhere Maßstäbe als an
> weltliche Instanzen gelegt werden.
Nein, an Kirchenvertreter werden ANDERE Maßstäbe angelegt.
Ein Bischof kann sich z. B. viel eher dabei „erwischen” lassen, daß er seine Verwaltung nicht im Griff hat.
Aber da er seine Macht und Autorität im wesentlichen aus dem moralischen Anspruch des Amts bezieht, ist er hier natürlich anders zu beurteilen als ein Minister.
> Für Häme ist kein Platz.
Warum nicht?
Wenn jemand so groß aufgehängt den Moralapostel spielt, und sich zu jeder Gelegenheit öffentlich aus dem Fenster hängt — dann ist es auch legitim, bei Fehlverhalten „hämischer” zu reagieren als beim Nachbarn um die Ecke.
Doppelmoral und Heuchelei haben Häme verdient.
Und da sind beim Fall Käßmann ja noch weitere Details, die ich nicht so prickelnd finde.
So hat sie ja offenbar die Polizisten erst einmal angelogen („habe nur ein Glas Wein getrunken”), erst die Blutprobe hat dann die Wahrheit ans Licht gebracht.
Und daß während gleichzeitig an der Basis bei der Sozialarbeit gespart werden muß, die Bischöfin einen Luxuswagen der Oberklasse fährt — finde ich auch ziemlich kritikwürdig.
Sie muß nun wirklich keinen Trabbi fahren, aber ein brauchbares Dienstfahrzeug gibt es auch für den halben Preis.
Und mit weniger Spritverbrauch — angesichts ihrer Sonntagsreden zum Thema Umwelt und „Bewahrung der Schöpfung”.
Nun wird’s albern.
Ein VW Phaeton oder ein vergleichbares Modell ist als Dienstwagen für eine Bischöfin oder EKD-Ratsvorsitzende völlig angemessen.
Ich wüßte nicht, warum z. B. ein 5er BMW unangemessen sein sollte für die hohe Würde einer Bischöfin — warum muß es gleich die Topklasse sein? Nur weil die Kirchensteuern es hergeben?
Ich sehe da schon einen Kontrast zu Käßmanns propagierter „Kultur der Bescheidenheit”.
http://www.ekd.de/aktuell_presse/news_2009_01_30_2_kaessmann_dlr_wirtschaft.html
Oder wenn sie sagt: „Und vielleicht tut es unserer Gesellschaft gut zu begreifen, dass es auch eine Ethik des Genug gibt, der Bescheidenheit.” Also her mit dem 6-Zylinder.
An andere Leute appelliert sie: „Die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker dürfen deshalb im Bemühen um Klimaschutz nicht nachlassen, denn die Lebensgrundlagen vieler Millionen Menschen sind durch die ausufernde CO2-Belastung der Atmosphäre in Gefahr“,
http://www.ekd.de/presse/68113.html
Aber bei ihr selber ist ihr die „ausufernde CO2-Belastung” egal, da darf es auch ein Spritsäufer sein.
Diese Doppelmoral finde ich eklig.
7er BMW, S-Klasse, Audi A8, VW Phaeton, sind die normalem Dienstwagen für Manager, Uni-Rektoren und Minister.
Was Dein Sozialneid mit dem Thema zu tun hat, ist mir nicht klar. Aber es ist witzig zu lesen.
> 7er BMW, S-Klasse, Audi A8, VW Phaeton, sind die
> normalem Dienstwagen für Manager, Uni-Rektoren und
> Minister.
Das ist nicht ganz richtig — die meisten von denen kommen mit einer Klasse drunter gut aus.
Aber Du weichst dem Kernpunkt aus: Auch für einen Manager, Uni-Rektor und Minister wäre so ein Verhalten peinlich, wenn er gleichzeitig Bescheidenheit, Sparsamkeit und Klimaschutz predigt.
Es geht in erster Linie um die Doppelmoral, nicht nur um angemessene Verwendung von Kirchengeldern.
Warum ist jede Kritik an überteuerten Sachen gleich „Sozialneid”? So ein Totschlagargument ist hier nicht angebracht.
Und auch ich finde, dass ein Phaeton ein zu großer/teures/spritschluckendes Auto ist, im Gegensatz zu meinem Vorredner fände ich auch einen 5er-BMW für sehr groß.
Und übrigens, ein Brüller-Argument: die anderen haben das auch, da muss ich das haben.
@Christian Jetzt erläuter das bitte mal im Detail: Was ist an Kirchenfeindlichkeit „peinlich”? Muss ich als Atheist die permanent öffentlichen Äußerungen dieses Vereins etwa ungefragt hinnehmen?
Wenn man aus religionskritischer Haltung heraus religiöse Jobs anderen Maßstäben unterwirft als weltliche, wird es unsinnig.
Käßmann hat für mich als Atheisten genauso viel moralische Authorität und Integrität wie mein Karpfenhändler oder der Chef der Kaufhalle.
Und von denen erwarte ich auch nicht, daß sie ihren Job aufgeben, wenn sie Flensburger Punkte sammeln. Und Spott sollte man generell nicht übertreiben. Am Boden liegende soll man nicht treten.
Nun, der Karpfenhändler tritt vermutlich nicht jede Woche vor Publikum auf, um diesem vorzuschreiben wie es zu leben hat. Das ist der entscheidende Unterschied zur Kirche.
Da Du nicht zu diesem Publikum gehörst, verstehe ich nicht, wieso es Dich aufregt?
Weil die Kirche durch ihre Einflussnahme auf die Politik auch das Leben derer beeinflusst, die diesen Abgerglauben nicht teilen. Ich erinnere hier nur an Themen wie Stammzellforschung, Abtreibung, Afghanistaneinsatz, gleichgeschlechtliche Ehe, Familienpolitik und viele andere Dinge.
Die Mitgliedschaft in dem Verein ist freiwillig. Man muß sich ihr Geseier, das ich in der Tat oft eklig finde, also nicht unbedingt anhören. Genauso wenig, wie ich mir die Stammtischreden von meinem Bäcker anhören muß, die vermutlich ein vergleichbares ethisches und intellektuelles Niveau haben.
Was den politischen Einfluß der Kirche betrifft, so muß man dummen oder schädlichen politischen Vorschlägen grundsätzlich immer entgegentreten, ganz egal, ob sie von Juristen, Lehrern, Gewerkschaftern, Bäckern, Dachdeckern, Pfaffen, such-dir-was-aus kommen. Die Zeiten, in denen sich die Leute ihr Wahlkreuz von der Kanzel haben diktieren lassen, sind auch schon lange vorbei.
Der Rest ist Meinungs– und Redefreiheit.
Ich verstehe, Kai: was Dir vorschwebt, ist ein Rede– und Meinungsverbot für Gläubige?
Es geht nicht um geäußerte Meinungen. Es geht darum, dass politische Entscheidungen vor dem Hintergrund dieses Aberglaubens gefällt werden, die dann auch mich betreffen. Dabei muss ich nur an Leute wie Norbert Geis denken, dessen politische Vorstellungen auch direkt aus der Feder der katholischen Kirche stammen könnten.
Weder glaube ich an einen Gott, noch interessiert mich die Institution Kirche in irgendeiner Art und Weise. Trotzdem bin ich politischen Moralvorstellungen unterworfen, die auf diesem Glauben fußen.
Das nennt man Meinungsfreiheit, Meinungsstreit und Demokratie.