Im Rahmen des Herrhausen-Laureate-Wettbewerbs entstand ein sehr lesenswerter Essay von Eva-Maria Simon, in dem sie sich Gedanken über Produktivität, Wirtschaftlichkeit und menschenunwürdige Löhne macht, für die sie von der Jury mit dem dritten Preis ausgezeichnet wurde:
Ich will über Susanne C. schreiben. Susanne, Hochschulabsolventin, die oft bis nachts in einer Schneiderei arbeitet und trotzdem Arbeitslosengeld II beantragen muss, damit sie ihre Einzimmerwohnung in Berlin bezahlen kann. Und über Mohammed Z., der als Leiharbeiter schon in mehr als 20 Betrieben gearbeitet hat, weil der viel beschworene Klebeeffekt – Leiharbeiter bleiben im ausleihenden Unternehmen kleben und bekommen so einen festen Job – bei ihm einfach keiner war. […] Offenbar handeln viele Unternehmer nicht nach dem simplen ökonomischen Grundsatz, wonach der Lohn eines Arbeiters seiner Produktivität entsprechen soll: Etwa drei Viertel der Niedriglohnempfänger haben eine abgeschlossene Berufsausbildung – sind sie wirklich so wenig produktiv, dass ihnen ein rationaler Unternehmer nur Hungerlöhne zahlen kann?
Die Kollegen bei den Bissigen Liberalen sehen das alles ein wenig anders.


Der bissige Kollege, der sich für liberal hält aber , scheint ein „Ökonom” zu sein. Nur so kann ich mir diesen langatmigen, ideologiegetränkten Versuch des Numberchrunchers erklären, die zutreffende Kritik der Wissenschaftlerin Simon zu entkräften.
Selbstverständlich brauchen wir einen gesetzlichen Mindestlohn. Am besten einen einheitlichen, denn das Existenzminimum kann nicht von der Branche abhängig sein.
Das haben alle verstanden. Sogar die angelsächsischen Numbercruncher. Nur unsere bissigen „Liberalen” nicht. Vielleicht muss man den MIndestlohn nur anders nennen, damit sie es verstehen? Z.B. „Honorarordnung für Hilfskräfte”.
Wenn ein Mensch einen Beruf erlernt (im verlinkten Artikel der Susanne C. (Hochschulabsolventin?) den einer Frisuese), bei dem er einen Stundenlohn von ca. 5,50 EUR zu erwarten hat, gehe ich davon aus, dass dieser Lohn diesem Menschen für seine Arbeit angemessen erscheint – sonst würde er diesen Beruf ja nicht erlernen wollen.
Höhere Löhne sind nur durch bessere Qualifikation zu erreichen, nicht durch Mindestlöhne. Mindestlöhne, die deutlich über momentan gezahlten Löhnen liegen, führen mindestens zur Verteuerung der dann teurer erstellten Produkte oder Serviceleistungen.
Diese teureren Produkte oder Serviceleistungen werden mit Sicherheit nicht mehr nachgefragt werden, als vorher. Resultat: Die Menschen, die für die höheren Löhne arbeiten, müssen härter arbeiten und diejenigen, die das nicht können, werden entlassen. Das kann doch nicht sozial sein?
Die „Kollegen“ bei den „Bissigen“ (die ich im übrigen nicht kenne, deren Artikel aber gerne lese), sehen das also nicht anders, sondern lediglich realistischer als Sie.
Mit freundlichem Gruß
Unsinn, wie kommen sie darauf, dass jeder Mensch seine Berufsentscheidung vom zu erwartenden Lohn abhängig macht, den zu erwartenden Lohn überhaupt abschätzen kann und ihn dann auch noch gerecht findet?
Das ist Quatsch.
Nö, das wäre nicht „Quatsch”, sondern rational. Preise sind Signale, und wer Signale übersieht, darf sich über die Folgen nicht beschweren.