Cockpit kriegt den Hals nicht voll

Die Piloten der Lufthansa werden ab Montag strei­ken. Gefordert wird „6,4 Prozent mehr Gehalt für eine Laufzeit von zwölf Monaten und die Sicherung der Arbeitsplätze der deut­schen Piloten”. Das wäre ein Schluck aus der Pulle. Bei der Lufthansa erhält man als „First Officer” ein „Jahresgehalt von rund 60.000 € brutto”. Und als Kapitän ein Gehalt von „über 110.000 € in der Einstiegsstufe”, das sich nach „tarif­lich fest­ge­leg­ten Schritten” entwi­ckelt.

Carsten Knop, Ressortleiter Unternehmen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, fragt auf Twitter auch entspre­chend: „Hat in diesem wirt­schaft­li­chen Umfeld irgend­je­mand Verständnis für die Lufthansa-Piloten und ihren Streik?”

Ich jeden­falls nicht.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

24 Gedanken zu „Cockpit kriegt den Hals nicht voll“

  1. Ich schon. Zumindest ein bißchen.
    Die PilotInnen tragen auch hierbei höchste Verantwortung- warum sollten sie nicht die Schrittmacher für mögli­che Lohnerhöhungen in anderen Bereichen/ Branchen sein?
    Klar, in anderen Branchen träumt man auch nur von 5% (Kommunen… wie ist eigent­lich die SPD-Position hierzu? Auch dagegen? Achja, die „Schuldenbremse”).
    Vom Prinzip her hätte sich die SPD als Arbeiter-Partei für mich dann restlos erle­digt, falls in ihr nicht erstmal jeder, von Arbeitnehmer-Seite vorge­brach­ten, tarif­li­chen Forderung zumin­dest eine gedank­li­che Chance gegeben würde.
    @Christian: viel­leicht aber bist Du mit diesem „Populismus” auch ganz allein auf weiter Flur?

    1. Die Forderungen von ver.di finde ich vernünf­tig und richtig.

      Die Cockpit-Forderungen halte ich für über­zo­gen.

      Was das mit der SPD zu tun haben soll, weiß ich nicht.

      1. Mit der SPD hat das inso­weit zu tun, dass sie (noch) nicht (völlig)
        im poli­tisch luft-leeren Raum agiert und daher sich zu bestimm­ten
        Themen verhält bzw. verhal­ten muß- in der Politik gibt es m. E.-
        von „Ausnahmen” wie Bushido ;-) abge­se­hen keinen „deus ex machina”.
        Was an 1,5% mehr im Vergleich über­zo­gen sein soll, das ist schon
        eine gute Frage…

    2. Die SPD ist nicht die Arbeiter-Partei, sondern die Volkspartei.

      Es gibt keinen Automatismus, dass jede Lohnerhöhung gerecht­fer­tigt ist und die SPD diese auto­ma­tisch unter­stützt.

      Ohne hier irgend­et­was verglei­chen zu wollen: Als SPD-Mitglied unter­stütze ich die Gehaltserhöhungsexzesse im Management-Bereich nicht obwohl es sich formal um Arbeitnehmer handelt und diese (nach deiner Vorstellung) ja ein „Schrittmacher” für zukünf­tige Gehaltsentwicklungen sein könnten.

      1. Schade. Meine Großväter als Beamte und gestan­dene und
        über­zeugte SPD-Mitglieder haben mir das mit dem Verhältnis
        Arbeiter zu SPD immer ganz anders erzählt. Aber das waren die „golden seven­ties”. Ob die SPD noch „Volkspartei” ist, wäre eine
        „off-topic”-Diskussion.
        Da manche Manager über mehr Einfluß verfü­gen als andere
        abhän­gig Beschäftige, können diese ihre Löhne stärker oder direkt
        beein­flu­ßen- oder hast Du schon mal von einem Streik in
        einer Chefetage gehört?
        Vergleich daher nicht ganz passig, Du deutest es selbst an („formal”).

  2. Einmal erlangte Privilegien verlie­ren sehr schnell ihren beson­de­ren Charakter und werden dann zu einer Art Mindestausstattung.

    Ich wusste aber noch gar nicht, dass das Recht von Arbeitnehmern, sich ihre Interessen gegen den ausbeu­te­ri­schen Arbeitgeber notfalls mit Streik durch­zu­set­zen, vom Einkommen abhän­gig ist. Man lernt eben nie aus…

    1. „Ich wusste aber noch gar nicht, dass das Recht von Arbeitnehmern, sich ihre Interessen gegen den ausbeu­te­ri­schen Arbeitgeber notfalls mit Streik durch­zu­set­zen, vom Einkommen abhän­gig ist.”

      Achwas, sagt das denn jemand? Es geht hier ums _Verständnis_.

          1. Aber es geht doch nur gegen den ausbeu­te­ri­schen Arbeitgeber bzw. das Kapital. Piloten sind abhän­gige Arbeitnehmer, ihrem Arbeitgeber nahezu schutz­los ausge­lie­fert. Jetzt will man sie durch Lohndumping klein kriegen. Das muss doch zu bundes­wei­ten Solidaritätsadressen führen! Und über­haupt: Man bedenke die Wirkungen auf die Binnenkonjunktur!

            Gilt das da alles nicht? Du siehst mich leicht verwirrt…

  3. Ich habe verstan­den, dass Du kein Interesse an einer ernst­haf­ten Diskussion hast, Rayson. Das ist schade.

    1. Ich fürchte, der Eindruck des mangeln­den Ernstes entsteht nicht durch mich, sondern durch die absur­den Formeln, derer ich mich hier bediene, die wir aber in diesem Jahr von ganz anderen noch viel öfter zu hören bekom­men werden. Und ich fürchte auch, dass in diesen Fällen deine Einschätzung eine andere sein wird.

      Aber ganz ehrlich, so unter uns: Wer solche Beiträge wie ihr hier zu Westerwelle veröf­fent­licht, sollte sich bei anderen nicht über mangelnde Bereitschaft zu ernst­haf­ter Diskussion bekla­gen… Gestehen wir uns also ein, dass wir der Polemik huldi­gen, und spielen wir nicht das um Sachlichkeit bemühte Neutrum, wenn gerade der andere die Sau raus­lässt.

      1. Mh, ist obiger Beitrag denn nicht sach­lich? Und der Beitrag zu den Netzsperren, ist der nicht eben­falls sach­lich und selbst­kri­tisch?

        Natürlich gibt’s hier auch Polemik. Bestreitet ja niemand. Aber wenn man jede Debatte so führen will, geht der Erkenntnisgewinn gegen Null.

        1. Aber wenn man jede Debatte so führen will, geht der Erkenntnisgewinn gegen Null.

          Das Problem ist nur, dass die Debatten, die man selbst gerne sach­lich führen würden, vom anderen immer für Polemik genutzt werden. Manchmal ja auch gar nicht völlig grund­los — aber die Dosis macht das Gift.

          Zum Meta-Thema: Sorry, aber ich verfüge über keiner­lei Rezeptoren, die Verständnis von Einkommen abhän­gig machen. Das muss die libe­rale Fixiertheit auf Prozesse sein… (statt auf Zustände oder Ergebnisse) Und wenn ich dann noch die leise Hoffnung habe, den Müll, der bei keiner Tarifverhandlung im gewerk­schaft­li­chen Begleitkonzert fehlen darf, durch Anwendung auf ein von euch unge­lieb­tes Beispiel ad absur­dum zu führen, dann lasse ich mir das nicht entge­hen. Das Leben ist kein Wunschkonzert ;-)

  4. Um mal wieder aufs Thema zurück­zu­kom­men: Ich weiß nicht genug über die Ertragslage der Lufthansa und die Gehaltsentwicklung der letzten Jahre, um beur­tei­len zu können, ob die Gehaltsforderung der Piloten über­zo­gen oder ange­mes­sen ist.

    Es gab vor ein paar Jahren mal eine Forderung der Klinikärzte nach 30 % mehr Gehalt. Die fand ich damals durch­aus nach­voll­zieh­bar.

    Aber eine pauschale Aussage der Art „Wer mit einem Jahresgehalt von 60 k€ noch 6,4 % mehr fordert, kriegt den Hals nicht voll” finde ich popu­lis­tisch.

    Wir kennen doch auch alle die Rituale: Gewerkschaften müssen 6 % fordern, um am Ende 3 % zu bekom­men.

    Auf der anderen Seite: Die „Verantwortung” der Piloten wird in dieser Diskussion immer wieder beschwo­ren (s.o. auch nord­stadt).

    Ist die Verantwortung eines Piloten soviel höher als die eines ICE-Lokführers, dass man dadurch ein unge­fähr doppelt so hohes Gehalt begrün­den kann?

    Und eigent­lich kann man als Sozialdemokrat über­haupt nicht mehr guten Gewissens fliegen. Bei der Lufthansa sind die Piloten unso­li­da­risch, Ryanair ist sowas wie der Schlecker der Lüfte, und von der CO2-Bilanz wollen wir gar nicht erst anfan­gen…

    1. Und eigent­lich kann man als Sozialdemokrat über­haupt nicht mehr guten Gewissens fliegen.

      Sehe ich nicht so. Ich bin der Meinung, Demokratie über den Geldbeutel ist ein Irrweg.

    2. Verantwortung hat mit der Höhe des Gehalts nichts zu tun, das Gehalt richtet sich letzt­end­lich nach Knappheit (oder: Wie schwie­rig ist es, einen Beruf zu lernen, und wie viele Leute erfül­len die Voraussetzungen).
      Ein Mechaniker trägt nicht mehr oder weniger Verantwortung als ein Pilot oder ein Fluglotse, trotz­dem unter­schei­den sich die Gehälter massiv.

  5. Das „nicht mehr fliegen” war absolut ironisch gemeint…

    Aber was meinst du jetzt mit „Demokratie über den Geldbeutel”?

    1. Manch einer glaubt, nur durch Demokratie mit dem Geldbeutel (gute Produkte kaufen etc.) könne man die Welt verän­dern. Ich halte das für gefähr­li­chen Unsinn.

  6. Verstehe. Und ich stimme dir teil­weise zu.

    Politiker kriegen am Wahltag ihren Denkzettel, Firmen an der Kaufhauskasse.

  7. Verständlich finde ich die Forderungen schon. Ich habe grund­sätz­lich höchs­tes Verständnis für alle, die ihr Einkommen verbes­sern wollen.
    Ob sie auf Dauer damit durch­kom­men, ob das also markt­ge­recht ist, wird sich zeigen.

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