Welche Chancen hat eine „Bushidopartei“?

Im Interview mit DASDING.tv bestätigt Bushido (bürgerlicher Name: Anis Mohamed Youssef Ferchichi), dass er eine politische Karriere anstrebt. Er stellt fest, dass er in keine Partei eintreten, sondern eine eigene Partei gründen wolle; als erstes Ziel nennt er die Senatswahlen in Berlin. Ein Parteiprogramm hat Anis Mohamed Youssef Ferchichi noch nicht, allerdings will er die „Interessen der Bürger durchsetzen“. Von General Motors würde er sich nicht erpressen lassen, sondern er würde sie „notfalls mit Gewalt rausschmeißen“, und die Opel-Mitarbeiter würden trotzdem ihre Arbeit behalten. Bushido rechnet damit, mehr Stimmen als die FDP zu erhalten, dann „wäre er auf jeden Fall Außenminister“.

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Was ist von den Bushido-Plänen zu halten? Hätte eine „Bushidopartei“ Chancen bei Wahlen? Bushido ist jedenfalls bekannt, das steht fest – von seinem Bekanntheitsgrad können 99 % der Politiker nur träumen. Vorbilder für Stars, die in die Politik gehen, gibt es durchaus: in den USA sind hier vor allem Ronald Reagan (Präsident) und Arnold Schwarzenegger (Gouverneur) zu nennen, allerdings haben sich beide einer bereits existierenden Partei angeschlossen – was natürlich auch am Mehrheitswahlrecht liegt.

In Deutschland gab es bereits eine erfolgreiche Ein-Mann-Partei, die Schill-Partei in Hamburg; Ronald „Richter Gnadenlos“ Schill war allerdings politisch nicht gerade unbedarft, sondern im Gegenteil ein Rechtspopulist, wie er im Buche steht (die ach so feine Hamburg-CDU hat trotzdem mit ihm koalitiert, aber dies nur am Rande).

Anis Mohamed Youssef Ferchichi hingegen scheint bisher noch keine großen politischen Pläne zu haben – oder er hält mit ihnen hinter dem Berg, wer weiß. Ob er ahnt, was für eine Arbeit es ist, eine Partei neu zu gründen, ihr ein Fundament zu geben, auf dem sie agieren will, sie dann auf Kurs zu halten? Die Piratenpartei kann ein Liedchen davon singen.

Und: was wären die Inhalte dieser Bushidopartei? Einfach nur Bushido? Die Lautsprecherei Richtung General Motors und für Opel-Arbeitsplätze klingt schon einmal nicht nach einer ordnungspolitischen Partei, sondern eher nach Populismus mit sozialdemokratischem Anstrich. Alles andere ist offen.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

7 Gedanken zu „Welche Chancen hat eine „Bushidopartei“?“

  1. Hm, also “notfalls mit Gewalt rausschmeißen” hört sich für mich ja eher nach beinhartem Sozialismus an. Mit nationalem Einschlag zudem – jedenfalls ist mir nicht so ganz klar, warum er GM überhaupt rausschmeissen will.

    Gleichwohl kann sowas selbstverständlich ankommen, da habe ich gar keine Zweifel. Aber soll er mal erstmal Bürgermeister von Berlin werden…

  2. Der Mann beweißt ja, dass er von politischen Abläufen nur ein sehr schwach ausgeprägtes Verständnis hat. Ich vermute deshalb, dass eine eventuelle Parteigründung schon im Anfangsstadium scheitern würde…

    Mal im Ernst: Er ist doch der Prototyp des jammernden Stammtischkrakelers, der sich über die Politik beschwert, denkt, alles besser machen zu können, aber dann sehr schnell resigniert.

    1. Glaub ich nicht. Er hat doch wohl ein Management, dass solche Arbeit für ihn machen kann, oder? Und Unkenntnis von politischen Abläufen (oder Politik überhaupt) schützt ja vor Erfolg nicht;)

      1. Mal ganz im ernst: Glaubst du wirklich, dass ein Mensch, der glaubt, wenn er „mehr Stimmen als die FDP“ sammeln könnte, automatisch zum Außenminister würde, für die Politik gerüstet ist?

        Ich stelle ja nicht in Abrede, dass viele Gestalten – und zwar parteiübergreifend – durch die Politik wandern ohne ein tieferes Verständnis zu entwickeln. Aber so krass? Da habe ich doch meine Zweifel, ob das gut gehen kann.

  3. Hat der nicht in dem Hapa Kerkeling Film mitgespielt? Da muss er wohl auf dumme Gedanken gekommen sein.

  4. Wenn schon die Schill-Partei als Beispiel angeführt wird: Ich weiß noch, wie damals alle gebannt nach Hamburg geschaut und kurzfristig sogar geglaubt haben, dass die „PRO“ die neue politische Kraft sei. Es ging gar nicht um Inhalte, aber der (Wahl-)Erfolg gab Schill Recht. Zumindest hatte er es geschafft (und das muss man ganz nüchtern registrieren), ein Thema (Sicherheit) aufzugreifen, dass die anderen Parteien ignoriert haben. Aber wofür steht Bushido? Für politische Inhalte ganz sicher nicht. Sex and Crime sind doch etwas wenig für den Berliner Senat.

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