Kurz-Kommentar zum Hartz-Urteil

9. Februar 2010
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Es ist gut, dass die Berechnung der Sätze, die für ein „menschenwürdiges Existenzminimum” notwendig sind, künftig transparent erfolgen muss.

Weiterhin ist klar: der im Grundgesetz begründete Sozialstaats-Gedanke ist richtig und notwendig.

Gleichzeitig ist ebenfalls wahr: wer arbeitet, muss mehr in der Tasche haben als der, der nicht arbeitet.

Dieses Ziel erreicht man jedoch nicht dadurch, dass man Sozialleistungen kürzt — sondern indem man alles dafür tut, dass Löhne wieder steigen.

Deshalb sind Mindestlöhne ein Gebot der wirtschaftlichen Vernunft und der sozialen Gerechtigkeit.


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23 Responses to Kurz-Kommentar zum Hartz-Urteil

  1. Rayson on 9. Februar 2010 at 23:03

    Deshalb ist eine höhere Arbeitslosigkeit ein Gebot der wirtschaftlichen Vernunft und der sozialen Gerechtigkeit.

    Verstehe ich nicht.

  2. Markus on 9. Februar 2010 at 23:08

    Späte Einsicht ist besser als keine. Aber es gilt auch:

    Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht”.

    Es wird noch eine ganze Weile dauern, bis sich die SPD von ihren elf (Mit-)Regierungsjahren erholt haben wird. Sozialdemokratisch kann ja nicht nur bedeuten, weniger schlimm als Schwarz-Gelb zu sein.

  3. Markus on 9. Februar 2010 at 23:23

    @ Rayson

    Von welchen Arbeitsplätzen redest du? Von denen im Niedriglohnsumpf?

  4. Santiago on 9. Februar 2010 at 23:35

    Es muss eine grundsätzliche Reform der Sozialgesetzgebung und der Einwanderung her. Die Welt hat dazu einen Artikel auf ihren Seiten, der wirklich lesenswert und diskussionswürdig ist.

    http://www.welt.de/debatte/article6305249/Wie-man-mit-viel-Geld-Armut-vermehrt.html

    Das sollte bedacht werden, bevor nun die großen Geldgießkannen rauskommen. Und, Karlsruhe hat keine höheren Sätze gefordert, die Unterstützung von Kindern kann auch anders stattfinden (Nachmittagsangebote, Lernmittelfreiheit, Nachhilfen in Schule etc.pp.) Damit würden diese Kinder am Leben teilnehmen können, ohne dass die Sätze erhöht werden. Gleichzeitig muss den Eltern auch mit Fortbildungen Hilfen zur Wiedereingliederung ein Angebot gegeben werden!

    • Christian Soeder on 9. Februar 2010 at 23:59

      Karlsruhe hat keine höheren Sätze gefordert”

      Stimmt. Buschkowsky hat der Frankfurter Rundschau ein gutes Interview gegeben.

      • Santiago on 10. Februar 2010 at 19:51

        Danke für den Hinweis, er hat recht, mit der Aussage:

        Das Sozialsystem ist ein Ausfallbürge. Für Schicksalsschläge und Lebensumstände, die den Einzelnen aus der Bahn werfen, so dass er nicht selbst für seinen Unterhalt sorgen kann. Das ändert nichts an der Grundphilosophie. Jeder Mensch ist für die Gestaltung seines Lebens zuerst selbst verantwortlich. Hartz IV bedeutet nicht: Absicherung der Grundlast des Lebens und für den Spaß mache ich ein wenig nebenbei. Wenn wir das zum System machen, werden wir daran zugrunde gehen. Es kann nicht um die Garantie des durchschnittlichen Lebensstandards gehen, sondern um die Existenzsicherung eines Lebens in Menschenwürde.

        und dies trifft auf den Artikel in „Die Welt” online zu, den ich verlinkt habe. Das Beispiel USA hat gezeigt, dass weniger manchmal mehr ist!

        Je auskömmlicher das Sozialsystem das Leben gestaltet, desto stärker werden seine lähmenden, sedierenden Wirkungen.

        UND: ich kenne Sportvereine, die Kinder von Arbeitslosen und ALGII-Empfängern auch kostenlos aufnehmen und betreuen, bei meinem Verein hatten wir das um 2000 schon eingeführt. Hier muss eine Verbesserung einsetzen: Nachhilfe in Schulen durch Lehrer oder Lehramtsstudenten. Ferienkurse für alle Kinder, die zB einen gefährdeten Abschluss haben, Zugang zu Sportvereinen und Musikschulen; Ganztagsangebote mit Mittagessen. Das entlastet die Familien und fördert gleichzeitig die Kinder!
        Ich stimme da mit Buschkowsky überein, nicht die Sätze müssen erhöht werden sondern die Chancen für die Kinder. Es gibt Familien, die in 3. Generation von „Stütze” leben, aus dem Teufelskreis (von Arrangement mit der sozialen Hängematte und verhinderten Zugängen zu Bildung und gesellschaftlichem Leben) muss ein Ausweg gegeben werden.

  5. Rayson on 9. Februar 2010 at 23:36

    @Markus

    Dass Leute, statt zu vergleichsweise geringen Löhnen zu arbeiten, lieber arbeitslos sein sollen, ist doch mal eine echte Aussage. Ich wünschte mir, die Verfechter von Mindestlöhnen würden das immer so offen sagen.

    • Christian Soeder on 10. Februar 2010 at 00:02

      Ich meine, dass der, der arbeitet, mehr haben soll als der, der nicht arbeitet. Das ist heute teilweise nicht der Fall, was am Erstarken des Niedriglohnsektors liegt. Und ich bezweifle, dass alle (!) Jobs im Niedriglohnsektor bei einem moderaten Mindestlohn von 7,50 Euro einfach so wegfallen würden.

      • Jan on 10. Februar 2010 at 02:00

        ich bezweifle, dass alle (!) Jobs im Niedriglohnsektor bei einem moderaten Mindestlohn von 7,50 Euro einfach so wegfallen würden”

        Ich auch und ich kenne niemanden, der sowas je behauptet hätte. Klar ist aber: Etliche würden wegfallen. Man kann zwar der Meinung sein, dass solche Jobs keinerlei Existenzberechtigung hätten — allerdings kenne ich verschiedene Leute, die genau solche Jobs machen und das vollständig anders sehen. Die mögen vielleicht nicht repräsentativ sein — aber berechtigt dass zu deren Entmündigung?

        • nordstadt on 11. Februar 2010 at 15:22

          @Rayson: na, mal wieder das hohe Lied ds Sozialdumpings singen?!
          @Christian: sorry, für die Uhrzeit ist dein Artikel sehr dünn.
          @Jan: wieso Entmündigung?
          1. es herrscht doch (noch) Freizügigkeit, wer für einen Hungerlohn arbeiten will– so für 50 cent, kann doch nach Polen gehen z. B.
          oh, auch dort gibt es einen Mindestlohn (2,10 EUR).
          2. jede/r ARGE-„Kunde/in” wird entmündigt– warum regst Du Dich nicht mal darüber auf? Oder darüber, dass es Monate dauert, bis dringend notwendige Weiterbildungen überhaupt nur besprochen werden? Oder über die „Anweisungen” aus der „Zentrale” in Nürnberg, den Leistungsbezug mit immer neuen Spielchen (jetzt brauchen wir aber noch’n Mietvertrag? Nein, also diesen Vertrag kenne ich nicht– das ist doch gar kein Riester– Sie haben uns [lange Liste von Nachweisen, die zu 95% bereits direkt zugestellt worden waren] noch gar nicht geschickt usw. usf.) herauszuzögern? Oder die gängige Praxis– dann, wenn endlich alles– also Pfurz und Feierstein und seine Ötterpötter-Nachweise (Schuhgröße wollen sie nur selten wissen)- vorhanden sind– den Antrag einfach ablehnen: „soll er/sie doch klagen-hahaha”?!
          Wo bleibt da Dein liberal/libertärer „Aufschrei”?
          Ich behaupte– Du (und Rayson und diese anderen neoliberalen Schönschwätzer) bist nur an Freiheit interessiert, wenn’s Dir und den Deinen zu Nutze ist. Im Grundgesetz steht *nicht*:
          „wer kein Geld hat, soll verhungern”-
          „wer alkoholkrank ist, soll erfrieren„
          oder gar
          „wer keinen Schulabschluß hat, darf keine Kinder bekommen„
          – So, mal genug für’s Erste :-)

          • Jan on 11. Februar 2010 at 17:30

            Mit dem Argument „wander doch aus” könnte man fast jede Zumutung begründen, exzellenter Debattenbeitrag. Dich stört die Wehrpflicht? Wander doch aus! Dich stört der Lauschangriff? Wander halt aus! Es stört dich, dass es in Deutschland keine Mindestlöhne gibt? Tja nun, nach linker Lesart haben die doch in sämtlichen Nachbarländern Millionen von Arbeitsplätzen geschaffen, die nur darauf warten, besetzt zu werden — wander doch einfach aus?!

            Im Übrigen sind 5 Euro kein „Hungerlohn”. Es ist auch nicht die Welt aber es gibt Leute, die lieber dafür als gar nicht arbeiten gehen.

            Der mit HartzIV und Sozialleistungen insgesamt verbundene bürokratische Wahnsinn regt mich übrigens auf — unter anderem aus eigenen Erfahrungen. Dagegen habe ich im vergangenen Sommer auch entsprechend Wahlkampf gemacht.

            Ich behaupte– Du (und Rayson und diese anderen neoliberalen Schönschwätzer) bist nur an Freiheit interessiert, wenn’s Dir und den Deinen zu Nutze ist”

            Und ich behaupte: Du hast nicht den Hauch einer Ahnung, wer ich und schon gar nicht er „die meinen” sind. Deine Unterstellungen sind das Allerletzte und haben mit dem Thema ohnehin nichts zu tun. Ich glaube, Leute die solche Sachen schreiben nennt man normalerweise Trolle.

          • Christian Soeder on 11. Februar 2010 at 19:55

            Deshalb steht da auch „Kurz-Kommentar”. Im Übrigen ist alles drin, was drin sein muss.

          • Rayson on 12. Februar 2010 at 00:11

            Na, nordstadt, mal wieder das hohe Lied der Arbeitslosigkeit singen?

            Noch ein kleiner Tipp: Wenn du zukünftig noch ernst genommen werden willst, verkneif dir einfach deine „ad personam”-Angriffe. Zumal sie mangels konkreter Anhaltspunkte völlig substanzlos bleiben müssen.

  6. Mindestlohn von der anderen Seite on 10. Februar 2010 at 13:10

    […] vom Urteil des BVerfG zum ALG-II-Satz (1 BVL 1/09) ist die Debatte um den Mindestlohn wieder aufgeflammt. Ich empfehle, das Urteil komplett zu lesen und nicht nur die Leitsätze (so ab Rn. 155 […]

  7. […] Rot steht uns gut Zum Inhalt springen Über unsAnderswoArchivKontaktImpressum « Kurz-Kommentar zum Hartz-Urteil […]

  8. Markus on 10. Februar 2010 at 23:55

    @ Rayson

    Bei „vergleichsweise niedrigen Löhnen” zur Arbeit gezwungen zu werden, bedeutet nicht nur eine persönliche Degradierung, sondern schafft zugleich die Altersarmen der Zukunft. Dafür darf dann die Allgemeinheit aufkommen. Auf die Idee, Arbeitsplätze zu schaffen, kommt man in den Kreisen der „autoritären Liberalen” wohl nicht?

    http://www.gegenblende.de/012010/++co++a9007774-e347-11de-43a9-00093d10fae2
    Gegenblende | Ausgabe 01: Januar/Februar 2010 | Die Entfaltung sozialer Dienstleistungen

    • Harald Wellmann on 11. Februar 2010 at 10:47

      @Markus: Äußerst interessanter Artikel (der von Cornelia Heintze in der Gegenblende). Wie die Erosion des öffentlichen Dienstes zur faktischen Handlungsunfähigkeit führt, erleben wir in Hamburg gerade hautnah in Form eines Eischaos.

      Dass ein leistungsfähiger öffentlicher Dienst einer entsprechenden Steuerquote bedarf, liegt auf der Hand. Leider fehlt hier in dem Artikel der entsprechende Vergleich der Steuerlast in D, DK und NO.

      • nordstadt on 11. Februar 2010 at 15:32

        @Harald:
        so ähnlich auch in Braunschweig… da „off-topic”- nur kurz:
        den Winterdienst (Teil der vorher kommunalen Stadtreinigung) hat die große real-existierende Koalition in private Hände gegeben („ALBA”), die erst mal 50% der MitarbeiterInnen entlassen haben– die Folgen, na, sie liegen gewissermaßen in Schnee, Eis, zerbeutelten Karossen und gebrochenen Knochen vergraben :-(
        (wer die „ALBA-Winterdienst”-Geschichte– vielleicht als Exempel für die Auswirkungen von Privatisierungen– nachlesen will, siehe mein Blog– Suche oben, ALBA und Winterdienst eingeben)

    • Rayson on 12. Februar 2010 at 00:05

      @Markus

      Auf die Idee, dass Arbeitsplätze nur von Unternehmen geschaffen werden, die sich damit Gewinne versprechen, kommt man in den Kreisen der Vulgärsozialisten wohl nicht?

  9. Markus on 11. Februar 2010 at 22:15

    Bei aller Kritik an der SPD, die Hoffnung stirbt zuletzt!

    http://www.vorwaerts.de/artikel/deutsche-wirtschaftspolitik-ein-problem-fuer-europa
    Deutsche Wirtschaftspolitik: ein Problem für Europa? | vorwärts.de

    http://www.vorwaerts.de/artikel/pleite-paerchen-auf-weltreise#kommentieren
    Pleite-Pärchen auf Weltreise | vorwärts.de

    @ Harald

    Cornelia Heintze ist eine ausgewiesene Skandinavien-Expertin.

    Aber hierzulande will man nicht sehen, wie es die „Nordlichter” anstellen, ökonomische Effizienz und sozialen Ausgleich hinzubekommen. Immer wieder bekommt man zu hören, daß eine hohe Staatsquote per se schlecht sei und nur niedrige Steuern gut seien.

    Verläßliche Statistiken auch zum Themenkomplex „Skandinavien” findet man bei Joachim Jahnke (laut Rayson „Linkspam”):

    http://www.jjahnke.net/index.html
    Informationsportal Globalisierung — Standort Deutschland — Neoliberalismus — Falsche Rezepte, Joachim Jahnke

  10. Filterblog » Sozialstaat hat seinen Preis on 13. Februar 2010 at 10:52

    […] ich bei denen, denen (nach eigener Einschätzung) rot gut steht, Christian Soeders’ Satz “ich bezweifle, dass alle (!) Jobs im Niedriglohnsektor bei einem moderaten Mindestlohn von […]

  11. Filterblog » Sozialstaat hat seinen Preis on 13. Februar 2010 at 10:52

    […] wird also geraten, auszuwandern, unterstellt ich fände die “Hartz”-Bürokratie gut und richtig, […]

  12. Markus on 13. Februar 2010 at 22:19

    @ Rayson

    Daß auch um ihre wirtschaftliche Freiheit stets besorgte Unternehmer sich bisweilen vom „bösen Staat” helfen lassen müssen, ist so sicher, wie es richtig ist, daß man eine Volkswirtschaft nicht allein mit betriebswirtschaftlicher Gewinnorientierung „managen” kann. Und Arbeitsplätze sollen ja auch noch entstehen, aber dafür interessieren sich Privatunternehmen nur am Rande.

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