In Diskussionen wird gerne auf die Auswanderungsquote in Deutschland hingewiesen und mit vielen Fakten hantiert;, die man schwerlich nachprüfen kann; gut, dass es eine Studie zu diesem Thema gibt (Stand: September 2009), die mit einigen Vorurteilen aufräumt:
Ziel der Studie war herauszufinden, welche Bevölkerungsgruppen Deutschland mit welcher Motivation verlassen. […] Die Auswanderungsrate in Deutschland liegt seit mehr als 20 Jahren bei 0,8 % (etwa 650.000 Personen pro Jahr). […] Ungeachtet dieser Unterschiede spielt weder für Deutsche noch für Migranten eine mangelnde Lebenszufriedenheit oder Zuversicht eine wesentliche Rolle für die Auswanderungsentscheidung. Sorgen um die konjunkturelle Entwicklung im Allgemeinen und die eigene wirtschaftliche Lage im Besonderen hatten entweder keinen oder nur einen schwachen Einfluss auf die Entscheidung. […] Die überwiegende Mehrheit der Befragten fühlt sich stark oder sehr stark mit der Region, in der sie nun leben, verbunden und hat nicht die Absicht, nach Deutschland zurückzukehren.


Du hast es aber schon gelesen (also das Original beim DIW), bevor Du es zitiert hast?
32 Menschen sind eine ziemlich kleine Stichprobe aus 650’000.
Von denen sind gerade mal 18 berufstätig.
Ein paar mehr sind es schon (288) — aber verteilt auf die Jahre 1984 bis 2005 und noch einmal 32 wurden in den Jahren 2002 bis 2006 über das „Leben im Ausland” befragt. Aber in der Tat: eine repräsentative Studie ist das sicherlich nicht.
Das SOEP ist schon repräsentativ. Problematisch ist aber, dass bei einer solch kleinen Fallzahl die Fehlerwahrscheinlichkeit enorm hoch ist.
Die Verteilung auf die Jahre 1984 bis 2005 macht da nichts — denn das bedeutet nur, dass die Personen kontinuierlich befragt wurden — und das erhöht die Aussagekraft der Studie eher, weil persönliche Motive erforscht werden können.
Die SOEP bezieht sich nur auf Inländer. Die Kontinuität endet mit der Auswanderung. Danach hat man sie (wenn ich es richtig verstanden habe) genau einmal befragt. Ich bringe allerdings die Originalstudie auch nicht so recht mit dem zusammen, was in dem Bericht steht, den Christian verlinkt hat.
Wenn ich die Studie beim DIW richtig lese (bin allerdings kein Soziologe), dann ist 288 die Zahl derjenigen, die aus der SOEP-Studie ausgeschieden sind, weil sie ins Ausland gezogen sind. Davon konnten von 67 die Auslandsadressen ermittelt werden, wovon dann 32 den Fragebogen zurückgeschickt haben.
Das, was Christian zitiert hat, stammt meines Erachtens alleine von diesen 32 zurückgeschickten Fragebögen (wobei ich mich gerne eines besseren belehren lasse).
Die Zahlen von 1984 — 2005 sind nur Grundlage für die Aussagen, wer Deutschland verlassen hat, mehr nicht.
„Die Zahlen von 1984 – 2005 sind nur Grundlage für die Aussagen, wer Deutschland verlassen hat, mehr nicht.”
Das stimmt so nicht. Durch die wiederholte Panelbefragung lässt sich für die betroffenen Auswanderer die Motivation zur Auswanderung teilweise rekonstruieren — was die Macher der Studie auch gemacht haben.
Wie dem auch sei: Solche Studien sind mit Vorsicht zu genießen (erst Recht bei einer solch kleinen Fallzahl). Generelle Tendenzen lassen sich aber sehr wohl erkennen, und darum ging es doch in der Studie.
Soweit ich weiß (aber ich erinnere mich nur dunkel) wird dem DIW ja Gewerkschaftsnähe nachgesagt… oder?
Puh, aus früheren Aussagen, bei denen die Ausgewanderten teilweise noch gar nicht wussten, dass sie mal auswandern werden auf die tatsächliche Motivation zu schliessen, halte ich für gewagt (wenn ich die Zahlen der 32 nachträglich richtig deute, dann sind da die Hälfte aufgrund familiärer Gründe/Partnerschaft ins Ausland gezogen. Ob die das immer schon vorher wussten?
Ich kenne in meinem persönlichen Umfeld (mich eingeschlossen) 11 Auswanderer. Die sind natürlich nicht repräsentativ, aber bei vielen ist der Entschluß zum Auswandern recht zeitnah mit dem tatsächlichen Auswandern gefallen. Ich weiss nicht, was ich am Ende meines Studiums angekreuzt/geschrieben hätte, wenn man mich befragt hätte.
Die Gründe bei den 11 waren im übrigen alle positive. Man hat nicht Deutschland verlassen, sondern man ist in ein anderes Land gezogen (natürlich hat man damit Deutschland verlassen, aber die Motivation für diesen Schritt war nicht „bloss weg aus Deutschland”).
@Markus:
kann das aus meinem Bekannten– und Verwandtenkreis bestätigen.
Es herrscht auch nach Jahr(zehnt)en noch ein Interesse für die
Vorgänge „in der Heimat”- wenngleich die Teilnahme an den
Wahlen aus Japan z. B. in mehreren Fällen nicht möglich war.
Also die politische Bindung
der „Ausgewanderten” wohl nicht (immer?) gewollt ist.
Kann aber auch an der dt. Botschaft in Japan liegen.
Alles nicht repräsentativ.
diese studie sollte schon deshalb mit vorsicht genossen werden, da es sich beim diw berlin um eine staatliche bzw. äußerst staatsnahe einrichtung handelt (finanziert zu 50% von der bundesregierung, zu weiteren 50% von den bundesländern). außerdem gebe ich auf studien ohnehin keinen mückenschiss mehr, seit dem skandal um die manipulierten studien und derart unwissenschaftlichen methoden (einschüchterung anderer wissenschaftler, vernichtung nicht-genehmer daten etc.) des weltklimarates. zurück zu den werten der aufklärung: sich des eigenen verstandes bedienen.