Die SPD beteiligt sich an dem Bündnis, das am 24. April 2010 eine Aktions– und Menschenkette zwischen den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel organisiert. Dazu erklärt der SPD-Parteivorsitzende Sigmar Gabriel:
Die Bundesregierung will den Wiedereinstieg in die Hochrisiko-Technologie Atomkraft. Sie will alte Schrott-Reaktoren länger laufen lassen und damit noch mehr hochradioaktiven Atommüll produzieren, für den es weltweit kein sicheres Endlager gibt. Und sie will die Steuerzahler die Milliardenkosten für Sanierung der maroden Atommülllager Asse und Morsleben tragen lassen — und nicht die Verursacher in den Atomkonzernen.
Diese Politik bedient ausschließlich die Interessen der Atomlobby. Sie richtet sich gegen das Gemeinwohl. Wer Atomkraft fördert, spielt mit der Sicherheit zukünftiger Generationen und gefährdet 300.000 Arbeitsplätze bei den erneuerbaren Energien.
Gemeinsam mit Anti-Atom-Initiativen und Umweltverbänden werden wir zwei Tage vor dem Jahrestag der Katastrophe von Tschernobyl ein deutliches Zeichen setzen: Die Menschen in Deutschland wollen eine zukunftsfähige Energiepolitik. Und keinen Marsch zurück in die Atom-Vergangenheit.

Keine Frage, es darf keinen Ausstieg aus dem Ausstieg geben! Ich finde es gut, dass Sigmar Gabriel hier klar Position bezieht.
Ich habe auch nicht prinzipell etwas gegen symbolische Aktionen wie Menschenketten, frage mich aber, ob in diesem Fall das Sichdranhängen an eine Aktion von Atomkraftgegnern nicht eher der Partei-PR dient als dem eigentlichen Ziel des Atomausstiegs.
Im SPD-Kreis Hamburg-Eimsbüttel wurde diese Aktion gar zu einem der beiden Arbeitsschwerpunkte für 2010 ausgerufen. Es ist schon etwas traurig, wenn man daraus schließen muss, dass die andere Hälfte der politischen Arbeit des Kreises von ähnlicher inhaltlicher Qualität sein wird.
Kann mir mal irgendwer hier in 2–3 Sätzen erklären, was die ‚Atom-Lobby’ sein soll? Den Kraftwerksbetreibern kann’s wurst sein, die bekommen ihre Rendite auch, wenn sie Kohle oder Öl verbrennen… die Atomkraftwerke sind vermutlich schon seit mindestens 10 Jahren abgeschrieben.
Uran als Bodenschatz gibt’s in Deutschland nicht. Es gibt Firmen, die Brennstoff aufbereiten… soll das die Lobby sein? Wer ist denn diese ominöse Lobby?
Btw: Wenn ein Atomkraftwerk in Osteuropa mal ein Problem haben sollte, werden wohl alle in Deutschland das genießen können (gab’s ja schon mal). Wie dieses Problem gelöst werden soll, indem man relativ sichere Kraftwerke in Deutschland abschaltet hat mir auch noch keiner erklären können.
Warum zum Geier kann man diese Technologie in Deutschland nicht genauso weiterführen wie andere ‚Risiko-Technologien’? Also mit massiv staatlicher Überwachung.
@fa:
„die” Atom-Lobby– das sind spitzbübische hellkragige dunkel beschürzte Halunken, die sich Dienstag Mitternacht einmal pro Woche am linken Kühlturm von abwechselnd Biblis und Neckar-Westheim treffen ;-)
Mal im Ernst– Du beantwortest Deine Frage doch schon selbst („…seit mindestens 10 Jahren abgeschrieben.”= höher Gewinn als neue Kraftwerke zu bauen, für die dann neue Standards einzuhalten sind, teuer, teuer).
Im Zweifel sind die o. a. Lobby die, die die RAF hingemetzelt hat (auch nicht richtig).
Das Osteuropa-Argument ist ganz toll, da mittlerweile dt. Technolgie weltweit (naja, fast– soweit ich weiß, nicht nach Nordkorea oder in den Iran) exportiert wird, sticht das schon lange nicht mehr– zudem: wenn zehn Waffen auf Dich gerichtet sind, dann wirst Du Dich doch freuen, wenn fünf davn verschwinden (nennt sich Risikominimierung).
Die „massive staatliche Überwachung” ist zu lasch– siehe Asse oder Brunsbüttel (einige Argumente finden sich hier
http://www.campact.de/atom2/info/5min ).
Dass es wirklich noch Leute gibt, die an der Atomenergie festhalten wollen… tsts… Dinosaurier.
@nordstadt:
Nur zur Info: Abgeschrieben bedeutet, dass das KW mehr Geld bringen muss, als es abzgl. Finanzierung kostet. Wenn man (das wärt dann ihr SPD-Schranzen, zusammen mit den Grünen :-) extrem harte Betriebsbestimmungen eingeführt hätte, wäre das sowohl der Sicherheit als auch dem Ausstieg zugute gekommen. Hat man nicht gemacht. Warum nicht? Wäre (aus eurer politischen Position heraus) sinnvoll gewesen.
Risikominimierung: ich lach mich tot.
Nehmen wir an, es sind zwei Revolver auf dich gerichtet, die alle 2 Jahre abgedrückt werden. Welchen nimmst du zuerst aus dem Verkehr? Den mit einer Patrone, oder den mit 5 Patronen?
P.S. Der Dinosaurier ist halt im Gegensatz zu euch kein Ideologe, sondern Pragmatiker: Die beste Reaktortechnologie kommt aus Deutschland, warum verwenden wir sie nicht selbst, anstatt sie an Osteuropa zu verkaufen, wo sie nicht mit dem gleichen Know-How betrieben werden kann?
Bauen wir doch neue high-end Atomkraftwerke und liefern nen ‚Sozialstrom-Anteil’ an Länder wie Tschechien und die Ukraine, damit die ihre Zeitbomben abschalten.
@fa:
diese Definition greift etwas kurz– quergelesen bei http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/abschreibung/abschreibung.htm und
http://www.foerderland.de/1310+M5a3eb0f1f59.0.html
Ich bin kein SPDler oder „Grüner”- habe den mißglückten Atomausstieg kritisiert als nicht weitreichend genug, ganz so wie es die BIs z. B. in Lüchow-Dannenberg sehen.
Die Wahrscheinlichkeit (ein Störfall in einer Million Jahren) ist sehr passend– wie schnell doch eine Million Jahre vergehen :-(
Achje, jetzt noch der „Pragmatiker”- dazu die Unterstellung, dass Ost-Europäer zu blöd wären, Technologie zu verstehen („der Pole klaut nur unsere Autos”).
Beschäftige Dich mal mit den Gründen für die Katastrophen von Harrisburg (1979, USA!) und Tschernobyl (1986, damals Sowjetunion, heute Ukraine)- es waren technische Fehler, die sich, einer Spirale gleich, aufsummierten mit Bedienungsfehlern, beim Beispiel Harrisburg ging es um das möglichst späte Abschalten, bei Tschernobyl wollte sich das damalige „sozialistische” System nicht eingestehen, dass die Reaktoren „Schrott” waren.
Beide Mechanismen sind stets zu berücksichtigen– eine Photovoltaik– oder Windkraftanlage kann defekt sein, sie fällt vom Dach oder der Mast kippt um, erschlägt zwei, drei Menschen– traurig.
Bei AKW sind es tausende Tote in den ersten Stunden nach der Havarie, zehntausende in den nächsten Tagen, hunderttausende in den folgenden Wochen (je nach Fallout-Menge [daher sollten wir an jedem 26. April eine Minute an die ukrainischen Arbeiter denken, die ihr Leben dafür gaben, den „Sarkophag” zu verschließen], Windrichtung und Standort).
http://de.wikipedia.org/wiki/Katastrophe_von_Tschernobyl
und g**glen nach „harrisburg atomunfall” (empfehlenswert!)
Wo bist Du da Pragmatiker und nicht Ideologe?
Dir sind die Toten der Atomenergie anscheinend egal. Geopfert am dem Gabentisch des ungezügelten Fortschrittsglaubens.
Traurig– eben „Dinosaurier”.
Dass sich Länder zu 50 … 100% von außen mit Energie beliefern lassen (werden) wird eine Ausnahme bleiben– die meisten Regierungen wollen nicht „abhängig” sein.