Die Krise des linken Lagers

28. Januar 2010
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In einem Leitartikel der heutigen ZEIT schreibt Bernd Ulrich anlässlich des Rückzugs Oskar Lafontaines:

Wenn man in der SPD einmal die wenigen Vertreter der reinen Schröder-Politik wegdenkt und bei der Linken die radikalen Systemumstürzler, dann bleibt in beiden Parteien eine überwältigende Mehrheit, die für eine allmähliche Abkehr von Hartz IV ist, für einen raschen Abschied aus Afghanistan, für einen Mindestlohn, für möglichst langes gemeinsames Lernen und so weiter und so fort. Die Konvergenz schreitet hier rasch voran. (…)

Womöglich hängen die Linken, SPD wie Linkspartei, noch zu sehr an ihrem alten Politikverständnis. Sie machen sich ein Bild von der Welt, wie sie sein soll, und schämen sich dafür, dass sie diesem Bild beim Regieren so wenig nahekommen. Doch vielleicht gilt heutzutage auch in der Politik das erste der zehn Gebote: Du sollst dir kein Bild machen, sondern offen sein für Neuerungen, die du nicht erwartet hast. Du sollst die Gesellschaft nicht ändern, sondern der sich ändernden Gesellschaft Kontur geben, sie moderieren, ihr helfen.

Den Artikel in seiner Gesamtheit halte ich für sehr lesenswert und äußerst zutreffend, jedenfalls aus meinem subjektiven Blickwinkel eines Neumitglieds in der SPD, das in seinem ersten Monat viele Menschen kennengelernt hat, die die Zeichen der Zeit verstanden haben und sich für eine andere Politik und einen anderen Politikstil einsetzen, aber auch (zu) viele, die dem Parteiapparat verhaftet zu sein scheinen und die Welt durch eine längst überholte Brille sehen.


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3 Responses to Die Krise des linken Lagers

  1. Christian Soeder on 28. Januar 2010 at 21:00

    Womöglich hängen die Linken, SPD wie Linkspartei, noch zu sehr an ihrem alten Politikverständnis. Sie machen sich ein Bild von der Welt, wie sie sein soll, und schämen sich dafür, dass sie diesem Bild beim Regieren so wenig nahekommen.

    Das ist ein Kernproblem der Linken. Seit jeher, und mitnichten eine Erscheinung der Moderne: während die Konservativen zufrieden sind und waren, regieren zu dürfen, bzw. dies erwarten, zagen und zaudern Linke allzu gerne: „Nur nix falsch machen!”

    Das ist gleichzeitig problematisch und sympathisch. Linke Wähler wollen, dass die Welt besser wird, und das möglichst schnell. Genau daran leidet auch Obama gerade: seinen Wählern geht es nicht schnell genug, sie wollen mehr, und das besser gestern als heute.

    Konservative hingegen wollen regieren um zu bewahren — das ist natürlich ungemein einfacher.

    Alles natürlich sehr vereinfacht, aber im Prinzip ist es so. Schon seit der Weimarer Republik.

    • Harald Wellmann on 29. Januar 2010 at 18:41

      Modulo der starken Vereinfachung, die du selbst anmerkst, stimme ich dir zu. Andererseits gibt es auch genügend Beispiele für die Umkehrung.

      Gerade hier in Hamburg ist das manifest zu spüren, seit die CDU am Ruder ist. Öffentlicher Raum wird nach Kräften privatisiert, „Kiez” oder „Szene„stadtteile leiden unter Gentrifikation, was der zweite Weltkrieg an historischer Bausubstanz noch übrig gelassen hat, wird einer uniformen Investorenarchitektur geopfert.

      Man bewahre uns vor solchen Konservativen.

      Fairerweise muss man dazu sagen, dass der sozialdemokratische Zeitgeist in den Siebzigern keinen Deut besser war. Es gab Pläne, ganz St. Georg abzureißen und durch „moderne” Plattenbauten zu ersetzen. Nur die beiden Kirchen hätte man gnädigerweise stehen lassen.

  2. Kalle Kappner on 28. Januar 2010 at 22:01

    Interessanter Artikel, der vorallem einmal vom Mainstream in den Medien abweicht. Aber den angeblichen „internationalen Megatrend” zu mehr Staat, mehr Sozialem, mehr Regulierung etc. kann ich beim besten Willen nicht ausmachen. Die letzten zwei Jahrzehnte waren geprägt von der Durchsetzung einer liberalen Ideologie in den Köpfen der Politiker und der „normalen” Menschen. Das ist das genaue Gegenteil.

    Wenn man in der SPD einmal die wenigen Vertreter der reinen Schröder-Politik wegdenkt und bei der Linken die radikalen Systemumstürzler, dann bleibt in beiden Parteien eine überwältigende Mehrheit, die für eine allmähliche Abkehr von Hartz IV ist, für einen raschen Abschied aus Afghanistan, für einen Mindestlohn, für möglichst langes gemeinsames Lernen und so weiter und so fort. Die Konvergenz schreitet hier rasch voran.”

    Hier sagt der Autor etwas sehr wichtiges. Ich hoffe weiterhin, dass das so einigen Genossen — in der SPD wie in der Linkspartei — mal etwas klarer wird.

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