Fünf Impulse zum Gender Mainstreaming

Immer wieder ist Gender Mainstreaming ein Thema. Gleichstellungspolitik spielt überall dort eine Rolle wo Mann und Frau aufein­an­der treffen und sie hat auch ihre Berechtigung. Die verfas­sungs­recht­li­che Gleichberechtigung von Mann und Frau muss auch in der Gesellschaft veran­kert sein. Sie ist zu Recht ein Teil der sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Grundüberzeugung. Aber bewusst provo­ka­tiv gefragt: Schießen wir nicht immer öfter über das Ziel hinaus?

Fünf kurze Impulse zur Geschlechterpolitik in verschie­de­nen Bereichen:

1. Frauenquote in der Politik

Eine Partei sollte ein Interesse daran haben, dass sowohl Geschlechter als auch Berufs- und andere Gruppen ange­mes­sen, zumin­dest ihrem Bevölkerungsanteil entspre­chend, vertre­ten sind. Gerade eine Volkspartei. Mit einem Frauenanteil von 31,2 Prozent sind weniger Frauen in der SPD als anteils­mä­ßig in der gesam­ten Bevölkerung (50,1 %) der Bundesrepublik. Aber ist bei 31,2 Prozent eine Quote von 40 Prozent zu halten und vor allem gerecht?

In vielen Gliederungen verkommt die Frauenquote zu einer anstren­gen­den Reglementierung. Und zwar immer dann, wenn nicht genü­gend Frauen zur Verfügung stehen. Sei es auf Grund mangeln­der Qualifikation oder mangels Interesse der poten­zi­el­len Kandidatinnen. Es leuch­tet nicht ein, warum den vielen Untergliederungen das Leben dennoch so schwer gemacht wird.

2. Quote in der freien Wirtschaft

Im letzten Wahlkampf hat auch die SPD eine Quote für Aufsichtsräte gefor­dert. Frauen sollen in Bereichen, in denen sie unter­re­prä­sen­tiert sind, durch die Quote eine bessere Chance erhal­ten. Unter Gerechtigkeitsaspekten stellt sich nicht nur die Frage, wo dann in Berufen mit hohem Frauenanteil die Forderung nach einer Männerquote bleibt.

Gender Mainstreaming sugge­riert die Förderung der Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau. Tatsächlich stellt sie aber eine reine Frauenförderung dar. Das zustän­dige Ministerium ist ein Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Dies bedeu­tet, dass das Ministerium für Männer im Alter von 25 (nicht mehr Jugend, i.d.R. noch nicht Familie) bis 50 Jahren nicht zustän­dig ist, sofern sie ledig und kinder­los sind.

3. Lohnunterschiede

In die Diskussion wird immer wieder die Diskrepanz der Entlohnung zwischen den Geschlechtern einge­bracht. So weist der DGB auf seiner Internetseite auf eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung hin, wonach der durch­schnitt­li­che Bruttoverdienst von Frauen „rund 23 Prozent unter dem der Männer“ liegt. Aber das Deutsche Institut für Wirtschaft (DIW) behaup­tet, dass es für 80 Prozent der Gehaltsunterschiede sach­li­che Gründe gibt: So werden nicht etwa gleiche Tätigkeiten vergli­chen, sondern ein fikti­ver Durschnitt über alle Erwerbstätigen gebil­det. Zudem unter­schei­den sich sowohl die wöchent­li­chen Arbeitszeiten von Selbstständigen (49 zu 36 Stunden) als auch jene von Angestellten (39 zu 30 Stunden) zwischen den Geschlechtern teil­weise gravie­rend. Laut Focus ist den Daten des Statistischen Bundesamtes sogar folgen­des zu entneh­men: „Frauen, die Teilzeit arbei­ten, verdie­nen übri­gens oft mehr als Männer, die dasselbe tun, im Schnitt 22 Prozent.“

In einer Studie des Queen’s College in New York kommen die Soziologen zu dem Ergebnis, dass „Frauen unter 30 in urbanen Zentren […] bis zu 120 Prozent des vergleich­ba­ren männ­li­chen Einkommens“ (Focus 38/2009) erhal­ten. 2006 hat bereits die Financial Times Deutschland ein ähnli­ches Ergebnis des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW) für die Bundesrepublik mit der Überschrift „Junge Chefinnen verdie­nen mehr als junge Chefs“ veröf­fent­licht.

4. Benachteiligung der Männer

Auf der glei­chen Webseite präsen­tiert die Hans-Böckler-Stiftung eine Tabelle mit den Schulabschlüssen der Geschlechter aufge­teilt nach Schulformen. Die Aussage der Tabelle ist eindeu­tig. Der SPIEGEL schreibt dazu am 22.05.2007 unter dem Titel „Vorsicht, Frau!: Wie Studentinnen die Männer über­ho­len“:

Anfang der sech­zi­ger Jahre gab es an Gymnasien noch zwei Fünftel Mädchen und drei Fünftel Jungs. Heute sind über die Hälfte der deut­schen Abiturienten weib­lich. Die Jungs liegen dafür bei den Schulabbrechern vorn, vor allem in Ostdeutschland.

Die Shell-Jugendstudie aus dem Jahre 2006 bilan­ziert gar: „Mädchen sind die neue Elite“. Die Mehrheit der Arbeitslosen ist männ­lich und die Tendenz steigt, da Frauen „in einer Gesellschaft, in der Dienstleistungen immer wich­ti­ger werden, schlicht die besse­ren Jobs“ erhal­ten, zitiert der Focus am 14. September 2009 den Soziologen Hans Bertram. Es verwun­dert daher nicht, dass die neue Familienministerin auch gegen die Benachteiligung der Jungen kämpfen will. Und sie liegt damit richtig, wie die zitie­ren Studien zeigen. Im Kindergarten und in der Schule ist das Personal in der Mehrheit weib­lich, so dass es insbe­son­dere den Jungen in dieser Gesellschaft an Vorbildern mangelt.

5. Gendergerechte Sprache

In weiten Teilen der Gesellschaft scheint die gender­ge­rechte Formulierung von Texten inzwi­schen ange­kom­men und akzep­tiert. Immer wieder trifft man auf die Nennung beider Formen. Auffallend an ganzen Texten ist aber auch eine Negierung der weib­li­chen Form bei negativ besetz­ten Personengruppen. Terroristinnen, Faschistinnen und Mörderinnen sind die Ausnahme. In der ein oder anderen sozia­lis­ti­schen Kampfschrift heißt es dann wohl trotz geschlech­ter­ge­rech­ter Grundüberzeugung nur: der Unternehmer. Dieser ist ja auch böse.

Die „Stelle für Chancengleichheit der Universität Tübingen” empfiehlt in ihrer Broschüre [PDF] zu dem Thema verschie­dene Methoden, welche sich „als Aktionsmittel zur Nichtdiskriminierung der Geschlechter und als ein konkre­tes poli­ti­sches Engagement zur Gleichstellung im Sinne des Gender Mainstreaming“ verste­hen. Unter anderem wird die Nennung beider Formen vorge­schla­gen sowie die Verwendung des Binnen-I. Dass diese letzte Variante vor allem sprach­lich falsch und beide Varianten nicht fördernd für Lesefluss und -konzen­tra­tion sind, spielt im Kampf für die vermeint­li­che Gleichberechtigung keine Rolle. Auch wird das Binnen-I in der Regel nur als weib­li­che Form wahr­ge­nom­men. Umgekehrte Diskriminierung durch Feminisierung? Egal. Es scheint so richtig und wird ange­wandt.

Vielleicht sollte man aber schon froh sein, dass zumin­dest niemand ernst­haft fordert, dass unsere Gesetze gegen­dert werden. Diese sind in weiten Teilen schon kompli­ziert genug. Man stelle sich mal vor, dass die schwarz-gelbe Regierung bei ihrer ange­kün­dig­ten großen Steuerreform zum Beispiel den
§ 18 I Nr. 1 S. 2 EStG gendert:

Zu der frei­be­ruf­li­chen Tätigkeit gehören die selb­stän­dig ausge­übte wissen­schaft­li­che, künst­le­ri­sche, schrift­stel­le­ri­sche, unter­rich­tende oder erzie­he­ri­sche Tätigkeit, die selb­stän­dige Berufstätigkeit der Ärztinnen und Ärzte, Zahnärztinnen und Zahnärzte, Tierärztinnen und Tierärzte, Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte, Nortarinnen und Notare, Patentanwältinnen und Patentanwälte, Vermessungsingenieurinnen und Vermessungsingenieure, Ingenieurinnen und Ingenieure, Architektinnen und Architekten, Handelschemikerinnen und Handelschemiker, Wirtschaftsprüferinnen und Wirtschaftsprüfer, Steuerberaterinnen und Steuerberater, …

Autor: Nadim Ayyad

Nadim Ayyad studiert in Köln, lebt und engagiert sich in Solingen. Er arbeitet sich gerne am politischen Gegner ab, nimmt aber auch innerparteilich kein Blatt vor den Mund.

54 Gedanken zu „Fünf Impulse zum Gender Mainstreaming“

  1. Bei 5. muss ich dir wider­spre­chen. Erst ist „sprach­lich falsch” falsch — wenn wir alle das Binnen-I verwen­den, gehört es dazu. Und zwei­tens finde ich schon, dass Gesetze auch sprach­lich gegen­dert gehören (inhalt­lich erst recht). Das EStG-Beispiel könnte zum Beispiel auch so umge­setzt werden:

    Zu der frei­be­ruf­li­chen Tätigkeit gehören die selb­stän­dig ausge­übte wissen­schaft­li­che, künst­le­ri­sche, schrift­stel­le­ri­sche, unter­rich­tende oder erzie­he­ri­sche Tätigkeit sowie folgende selbst­stän­dig ausge­übte Berufe:

    - Ärztin/Arzt
    — Zahnärztin/Zahnarzt
    — …”

    Nebenbei: die Uni Freiburg verlangt „mein Doktorvater solle mir eine Promotionsbescheinigung ausstel­len” — ist in dem Fall eine Doktormutter, was ich lustig finde.

    1. Sind weib­li­che Zahnärzte keine Zahnärzte? Operieren die mit der Vagina oder sind Frauen einfach doofer als ihre männ­li­chen Kollegen oder worauf begrün­det sich diese dümm­li­che Diskriminierung?
      Irgendeinen Grund muß es ja haben, daß man da so drin­gend zwischen den Geschlechtern unter­schei­den muß. Ist vor Rechtsanwältinnen zu warnen, weil sie ihre Mandanten anders vertre­ten, wie man das von Rechtsanwälten im allgmei­nen erwar­tet?
      Gendersprache ist PC für Sprachbehinderte. Sie kostet einen Haufen Geld, der für sinn­vol­lere Projekte wie beispiels­weise die Einrichtung von bezahl­ba­ren Kindergärten gebraucht wird.

    1. Ja weil man mitt­ler­weile gelernt hat es zu über­le­sen bzw. zu igno­rie­ren (wenn nicht, empfehle ich das Firefox-Addon Binnen-I be gone).

      Nur in Vorträgen wenn man nicht spezi­ell daran gewöhnt ist über­liest man das sehr leicht und dann wird aus BürgerIn, Bürgerin.

      Wobei man klar sagen muss das Binnen-I verdan­ken wir nicht Germanisten und Soziologen sondern Medienleuten und Journalisten:

      Meine Theorie:
      -Irgendwo in Deutschland in einer Zeitungsredaktion Datum: XX.XX.1980 kurz vor dem Weltfrauentag-

      Journalist 1: Hey guck mal, du. Hier in der Times steht Spokeswoman, du. Super, du, wie die das weib­li­che mit in den Beruf rein­neh­men.

      Journalist 2: Ja, zum Glück geht das bei uns nicht, weil wir für sowas das gene­ri­sche Maskulinum haben. Wir müssen uns bei vielen Berufen gar nicht drum kümmern, weil der Ausübende einer Tätigkeit expli­zit genannt werden muss sonst ist das nämlich grund­sätz­lich neutral.

      Journalist 1: Mir würde das aber besser gefal­len, du. Weil so würden die Leute immer genau wissen ob das ein Mann oder eine Frau ist, wie wär es denn mit einen -in hinten­dran.

      Journalist 2: Und wie würdest du das dann schrei­ben wenn es sich um MÄnner und Frauen handelt?
      Journalist 1: So z.B. PolitikerIn.

      Journalist 2: Mal ernst­haft, das verwirrt doch nur.

      Journalist 1: Ach komm die gewöh­nen sich schon dran, ausser­dem würde uns das garan­tiert plus­punkte einbrin­gen bei den Frauengruppen.

      Journalist 2: Na gut, wenn du meinst, wenn es den Lesern nicht gefällt, werden sie es uns ja sagen.

      Es gefiel ihnen nicht (ausser den Frauenlobbys) und es blieb trotz­dem. Nicht mal Germanisten und Sprachwissenschaftler konnten etwas dagegen tun. Und gerade die, die dagegen eigent­lich aufmuck­ie­ren mussten die Deutschlehrer waren ähnlich drauf wie die Journalisten in meinem Beispiel. Und so wurden Millionen von Aufsätzen abge­nom­men, trotz oder gerade wegen dieser in Tinte gegos­se­nen Idiotie!

  2. Oh, my God, that’s so ‚80s.

    Das Binnen-I mag akzep­ta­bel sein, funk­tio­niert aber nur in der Schriftform.

    Ich erwarte von meinen Kolleginnen, Genossinnen usw., 1) dass sie mir nicht pauschal eine Geschlechterdiskriminierung unter­stel­len und 2) dass sie zwischen dem gram­ma­ti­ka­li­schen und dem biolo­gi­schen Geschlecht einen Subjekts unter­schei­den können.

    Ich finde es furcht­bar, wenn jede Rede fünfmal mit Bürgerinnenundbürger, Genossinnenundgenossen usw. aufge­bläht wird, damit man ja nicht poli­tisch unkor­rekt erscheint.

    Zur Quote: Das AGG unter­sagt u.a. auch eine Diskriminierung aufgrund der sexu­el­len Identität. Wir brau­chen folg­lich nicht nur eine Frauenquote, sondern auch eine Quote für SchwulInnen sowie Lesbinnen und Lesben in jeder Parteigliederung.

    Ob die sich durch eine einge­tra­gene Lebenspartnerschaft oder durch frei­wil­lige Selbsteinschätzung quali­fi­zie­ren müssen, können wir dann gerne noch disku­tie­ren.

    1. Harald, Du erwar­test von PC-Schattenboxern ernst­haft, daß sie sich auch nur rudi­men­tär mit den Themen ausken­nen, an denen sie herum­dok­torn?
      Das wäre als würden Kernkraftwerke von Kennern der Technik statt von geschei­ter­ten Soziologen kontrol­liert!

  3. Sehr schöne Analyse des Autors. Es ist nur zu hoffen, dass diese Erkenntnisse nun auch allmäh­lich in die Köpfe der poli­ti­schen Führungspersonen sickern. Wenn man sich in Zeiten einer Wirtschaftskrise, von der nach­weis­lich beson­ders Männer sehr hart betrof­fen sind, weiter­hin der „Überwindung der männ­li­chen Gesellschaft” verschreibt, muss man sich nicht wundern, wenn man beson­ders für männ­li­che Wähler eben nicht mehr sehr attrak­tiv ist.

    Zu Punkt 2 (Gender main­strea­ming) möchte ich noch anmer­ken, dass nicht einzu­se­hen ist, warum auch an Einrichtungen mit einem sehr hohen Frauenanteil, (wie z.B. Schulen mit Frauenanteil sogar über 90% unter der Lehrerschaft) die Gleichstellungsbeauftragten immer noch ausschliess­lich weib­lich sein müssen. Das gibt einfach keinen Sinn mehr und muss sich endlich ändern.

  4. War das nicht euer Verein der titelte UND titelt:
    „Wer die mensch­li­che Gesellschaft will muss die männ­li­che über­win­den”
    Und nun über­legt euch mal was die männ­li­che Gesellschaft alles geleis­tet hat und wer da inner­halb der ehema­li­gen „Arbeiterpartei” dazu­ge­hört.

    Nur mal so ein kleines Beispiel wie war das mit Zypris und den Vaterschaftstests?

    Vielleicht sollten sich die linken Parteien SPD wie Grüne wie SED/KPD äh Linke mal über ihre eigene Misandrie die mitt­ler­weile nicht nur partei­in­tern vorherrscht sondern das ganze Denken beherrscht klar werden. Allerdings muss das die Basis tun, je weiter oben in der Hackordnung, bei Grünen und Linken seh ich da aller­dings kein Potential, wenn man sich z.B. deren Satzungen anschaut.

    Allerdings muss ich sagen gab es aus der SPD meines erach­tens die beste Familienministerin die dieses Land jemals hatte, nämlich die Schmittens Renate :-). Dass sie im zu der 23%-Lüge im Endeffekt nichts anderes gesagt hat als dass die Frauen mal endlich selbst die Verantworung dafür über­neh­men sollen und nicht alles hinter­he­ge­tra­gen bekom­men sollen, RESPEKT!

      1. Mehr hast du dazu nicht zu sagen? Warum ist dieser Satz „Wer die mensch­li­che Gesellschaft will muss die männ­li­che über­win­den” eine völlig rich­tige Aussage? Gibt’s dafür Belege, Beweise, Tatsachen, Fakten…?

        Wenn ich mich richtig erin­nere, beruht dieser Satz nur auf Annahmen auf die man sich geei­nigt hat ohne diese jemals zu über­prü­fen. Eine Kritik die auch damals erhoben wurde als der Rummel um die Wiederaufnahme dieses Satzes in das Grundsatzprogramm entbrannte.

        Man kann also fest­hal­ten, dass dieser Satz eine unüber­prüfte Annahme der SPD ist.

        1. Der Satz steht im Grundsatzprogramm, inso­weit ist dass was ich gesagt habe auch eine völlig rich­tige Aussage :-).

          Ob aller­dings dieser Satz eine rich­tige Aussage ist oder ob er nichts weiter als ein weite­rer PR-Gag ist um sich bei den 50,1% weib­li­chen Bevölkerung lieb­kind zu machen, dass steht noch zur Debatte.

          Wieso keine Partei versucht den 49,9% Männern mehr entge­gen­zu­kom­men erschließt sich nicht. Vielleicht frucht­los weil Männer auf sowas nicht reagie­ren. Allerdings dürfte ein effek­ti­ves Vorgehen in dieser Richtung für die Partei in etwas so positiv auswir­ken als wär mann der einzige mit einenm Schaufelbagger in Klondike zur Zeit des Goldrauschs :-).

          50,1% im übrigen in der Gesamtbevölkerung, bis zum mitt­le­ren Lebensalter gibt mehr Männer. Ab da haben es die schlech­tere med. Versorgung, risko­rei­chere Lebensweise, gefähr­li­che­ren Berufe und höheren Selbstmordquoten geschafft den Überhang an Männern in der Bevölkerung zu redu­zie­ren.

  5. Googlet mal nach „Gender Mainstreaming”

    -> 1 Mio Treffer welt­weit
    -> die Hälfte davon auf Deutsch bzw. aus Deutschland.

    Dämmert es?

    VeVi

    „Wer die mensch­li­che Gesellschaft will, muss die dämli­che über­win­den”; frei nach Eppler!

    1. Ja, es dämmert VeVi und zwar ganz gewal­tig. Was dämmert ist die Tatsache, dass googeln allein keinen Erkenntnisgewinn bringt, dafür bedarf es immer noch der Transferleistung des Nachdenkens. Diese ist Dir in diesem Fall leider nicht gelun­gen.

      Warum kommen die meisten Treffer aus dem deutsch­spra­chi­gen Raum ? Weil „Gender Mainstreaming“ ähnlich wie Handy im Englischen für diesen Fachbereich nicht verwen­det wird. Was bei uns GM ist im engli­schen Sprachraum „gender equa­lity” und da findest Du dann über 4 Millionen Treffer, die meisten nicht auch Deutschland.

      Ich hoffe, dass es bei Dir jetzt dämmert.

  6. Ein ganz wich­ti­ger Punkt fehlt: das EheRG von 1977.
    In diesem SPD- Gesetz wurde die welt­weit einma­lige, jeden Lebensumstand einer Frau erfas­sende Unterhaltsgesetzgebung fest­ge­na­gelt und unzäh­lige Männer verschul­dens­un­ab­hän­gig zu lebens­lan­gen Zahlsklaven ernied­rigt. Bei über­wäl­ti­gen­der Übereinstimmung in der juris­ti­schen Fachiteratur fehlt diesem Gesetzeswerk voll­stän­dig die rechts­ethi­sche Rechtfertigung, ein einma­li­ger Vorgang in der 2000- jähri­gen Rechtsgeschichte. Die offen­sicht­li­che Grundgesetzwidrigkeit und die zwin­gende juris­ti­sche Klärung konnte bislang durch das Richterwahlrecht eines Bundestagsausschusses und die von ihm nach Parteienproporz lancier­ten Richter an den Obergerichten seit nunmehr 30 Jahren wirkungs­voll verhin­dert werden.
    Ich bitte um Stellungnahme.

    1. Ich bin ja nicht die SPD von 1977 aber dennoch tut Sachverstand not, auch wenn man (ja man) hetzt was dass Zeug hält.

      zu den Fakten:

      - es ist also so, dass die SPD die Macht hat des BVerG so zu beset­zen dass ein „SPD-Gesetz” aus den 70ern, obwohl Deiner Ansicht nach völlig verfas­sungs­wied­rig, nicht gekippt wird. Bei Steuern, Abtreibung, Mitbestimmung usw gelang das nicht aber beim Scheidungsrecht schon.
      Witzig, aber nicht über­zeu­gend.

      - Dass EheRG trat 1976 (nicht 1977) in Kraft und löste dass „Schuldprinzip“ ab. Dh . Unterhaltszahlungen sind seit dem nicht mehr von der „Schuld“ sondern von der Wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit abhän­gig. Wenn also eine gutver­die­nende Frau (davon soll es ja einen ganzen Haufen geben) sich von Ihrem Hausmann schei­den lässt muss sie eben Unterhalt zahlen. (Zu den ganzen Ausnahmen und Regeln zur Wiederaufnahme einer Tätigkeit usw. schreibe ich hier nichts, Du kannst Dir ja ein Buch über dass Thema kaufen oder hier nach­le­sen
      http://www.bpb.de/publikationen01076900131314521849545168923836,5,0,Sozialliberale_Koalition_und_innere_Reformen.html)

  7. Das, was ich bisher gelesen habe, fügt sich zu einem unsäg­li­chen Bild einer Diskussion von Männern, die meinen für die Gleichberechtigung sei schon genug getan und die Frauen sollten aufhö­ren zu heulen.

    Mit faden­schei­ni­gen Fakten wird aus Faulheilt und Chauvinismus heraus versucht, jegli­cher Frauenförderung den Boden zu entzie­hen.

    Zu Quoten jeder Art: es ist eine unbe­schreib­li­che Frechheit, wenn immer unter­stellt wird, daß Quoten nur schlechte Frauen pushten! Damit wird impli­ziert, daß Frauen per se gerin­ger quali­fi­ziert seien. Ihr habt sie doch nicht mehr alle!

    Quoten in der freien Wirtschaft funk­tio­nie­ren übri­gens in Norwegen schon bestens. Und wenn man muß, findet man plötz­lich genü­gend genauso geeig­nete Frauen für Führungspositionen wie Männer!

    Zu argu­men­tie­ren, Lohnunterschiede seien sach­lich begründ­bar, heißt, auf die Propaganda der Arbeitgeber rein­zu­fal­len! Schon mal was gehört von einem Ideal des männ­li­chen Normalarbeiters und daß weib­li­che Tätigkeiten tenden­zi­ell gerin­ger bewer­tet werden, nur weil sie von Frauen ausge­übt werden?! Der Fehler liegt im System und dem verbrei­te­ten und auch hier zum Ausdruck gebrach­ten Irrglauben, daß Frauen weniger als Männer leisten und Führungsstärke mit „männ­li­chen” Eigenschaften asso­zi­iert wird. Außerdem — selbst wenn Frauen weniger verdie­nen weil sie öfter Zuhause bleiben, um Kinder zu erzie­hen — woran liegt das? Ja wohl nur daran, daß es in unserer Gesellschaft immer noch als selbst­ver­ständ­lich gilt, daß haupt­säch­lich Frauen Windeln wech­seln.

    Gendergerechte Sprache ist ein wich­ti­ger Ausdruck von Respekt gegen­über dem anderen Geschlecht. Wer das bezwei­felt, igno­riert die oftmals im Unterbewußtsein ablau­fen­den Prozesse, die ausge­löst werden, wenn immer nur der Mann als Standard genom­men wird und zwangs­läu­fig alles Weibliche als davon abwei­chend und somit minder­wer­tig wahr­ge­nom­men wird.

    Soviel erstmal dazu. Aus Platzgründen schließe ich mit schämt Euch, ihr angeb­lich so eman­zi­pier­ten Männer!

    1. Gendergerechte Sprache ist ein wich­ti­ger Ausdruck von Respekt gegen­über dem anderen Geschlecht. Wer das bezwei­felt, igno­riert die oftmals im Unterbewußtsein ablau­fen­den Prozesse, die ausge­löst werden, wenn immer nur der Mann als Standard genom­men wird und zwangs­läu­fig alles Weibliche als davon abwei­chend und somit minder­wer­tig wahr­ge­nom­men wird.

      Nein, der kann nur besser Deutsch.

        1. Höchstens was „rich­ti­ges” Deutsch ist, lässt sich dekre­tie­ren. Nicht, was „gutes” Deutsch ist.

          Zum Beispiel ist es kein gutes Deutsch, die gebräuch­li­che Mehrzahl für eine „männ­li­che” Mehrzahl zu halten, so wie über­haupt Genus und Sexus zu verwech­seln. Schon Mark Twain hat sich wort­spie­lend-ironisch gewun­dert, warum im Deutschen „a young lady has no sex, but a turnip has”. Aber es ist ein Unterschied, ob sich ein ameri­ka­ni­scher Schriftsteller, der übri­gens exzel­lent Deutsch sprach, aus der ihm wohl­be­kann­ten Differenz von Genus und Sexus einen Witz macht, oder ob Sozialingenieure über Sprache die Gesellschaft verän­dern wollen.

          1. Ja, dass ist ein Unterschied. Allerdings wollte ich, erfolg­los wie mir scheint, vermit­teln, dass Sprache immer auch eine Reflektion einer gesell­schaft­li­chen Situation ist. Aus diesem Grund entwi­ckeln und verän­dern lebende Sprachen sich auch dauernd und damit ändert sich eben auch, was als gutes oder rich­ti­ges Deutsch bezeich­net werden kann. Luther sprach und schrieb nicht wie Goethe, Brecht oder Grass. Deshalb kann auch ein Deutsch dass von „Sozialingenieuren“ verwen­det wurde um die Welt zu verbes­sern am Ende gut und richtig sein.

          2. Luther sprach und schrieb nicht wie Goethe, Brecht oder Grass.

            Aber Luther, Brecht und Grass spra­chen und schrie­ben wie die Leute um sie herum spra­chen, nicht wie ihnen eine Kommission zur Durchsetzung poli­ti­scher Ziele vorschrei­ben wollte. Den drei Herren war und ist Sprache zu wichtig, um sie derart zu verun­stal­ten. Das ist übri­gens, nur so neben­bei bemerkt, auch der Hayeksche Unterschied zwischen Regeln, die durch mensch­li­ches Handeln entste­hen und solchen, die ihre Existenz mensch­li­cher Absicht verdan­ken. Bewusste Eingriffe in spon­tane Ordnungen sind immer proble­ma­tisch.

            Deshalb kann auch ein Deutsch dass von „Sozialingenieuren“ verwen­det wurde um die Welt zu verbes­sern am Ende gut und richtig sein.

            Nur im Sinn dieser Sozialingenieure, nicht aber für den Liebhaber der Sprache. Sowohl Binnen-I als auch die stän­dige zusätz­li­che Nennung der weib­li­chen Mehrzahl bzw. der weib­li­chen Bezeichnungen zusätz­lich zu den neutra­len sind ästhe­ti­sche Monstren.

    2. Zu Quoten jeder Art: es ist eine unbe­schreib­li­che Frechheit, wenn immer unter­stellt wird, daß Quoten nur schlechte Frauen pushten! Damit wird impli­ziert, daß Frauen per se gerin­ger quali­fi­ziert seien. Ihr habt sie doch nicht mehr alle!

      Das hat meines Erachtens in dieser Diskussion niemand unter­stellt. Ich habe sogar betont, dass Frauen inzwi­schen besser quali­fi­ziert sind als Männer.

      Außerdem – selbst wenn Frauen weniger verdie­nen weil sie öfter Zuhause bleiben, um Kinder zu erzie­hen – woran liegt das? Ja wohl nur daran, daß es in unserer Gesellschaft immer noch als selbst­ver­ständ­lich gilt, daß haupt­säch­lich Frauen Windeln wech­seln.

      Ja, auch ich bin dafür, dass Männer dazu animiert werden die Windeln ihrer Kinder zu wech­seln. Und?

    3. Zur Quote:

      Ich unter­stütze voll und ganz das Ziel, mehr Frauen in Führungsfunktionen zu bringen. Ich denke auch, eine gewollte posi­tive Diskriminierung der Art „Bei glei­cher Eignung werden XXX bevor­zugt einge­stellt” (XXX = Frauen oder auch andere unter­re­prä­sen­tierte Gruppen) ist völlig in Ordnung.

      Ich halte aber wenig von verbind­li­chen Quoten. Konkretes Beispiel: Ich arbeite in der Softwareentwicklung. In den Entwicklungsteams in unserer Firma liegt der Frauenanteil unter 10 %.

      Einige Zeit lang war ich in den Rekrutierungsprozess invol­viert. Unter gefühl­ten 50 Bewerbungen, die durch meine Hände gegan­gen sind, stamm­ten drei von Frauen. Von diesen haben wir zwei zu einem Interview einge­la­den und eine einge­stellt.

      Gäbe es eine verbind­li­che Frauenquote, viel­leicht sogar nur bei 25 %, hätten wir dann alle drei Bewerberinnen einstel­len müssen?

      Oder haben wir hier schon eine posi­tive Diskriminierung, weil ja tatsäch­lich 33 % aller weib­li­chen Bewerbungen Erfolg hatten, während es bei den männ­li­chen höchs­tens 10 % waren?

  8. Interessant auch, dass aus Parteien ohne Frauenquoten hervor­gin­gen:

    - die erste Bundestagspräsidentin (ja, doch!)
    — die erste Bundeskanzlerin
    — die aktuell einzige Ministerpräsidentin
    — die erste Bundespräsidentenkandidatin

      1. und ja damals hatte die SPD keine Quote, aber eben auch nur eine Handvoll Frauen im Bundestag, eine Ministerin (von 17) usw.

        1. Das bestä­tigt doch nur die These, dass die Quote entspre­chende „Quotenfrauen” bringt, nicht aber dazu beiträgt, dass Frauen auch außer­halb von ihr an hinrei­chen­der Autorität gewin­nen, um wirk­lich in Führungspositionen zu gelan­gen. Die Frage muss auch erlaubt sein, ob Quoten nicht in Wirklichkeit zu einer „adverse selec­tion” führen.

          1. Nein, dass bestä­tigt diese These nicht.
            Was hier bestä­tigt wird ist die Tatsache dass erst die Quotenregelungen von SPD und Grünen dazu geführt haben, dass deut­lich mehr Frauen in den Parlamenten sitzen. FDP und Union zogen dann nach. Warum sind Deiner Ansicht nach eigent­lich die 40% Männer die ja auch durch die Quote garan­tiert in Parlamenten sitzen nicht Quotenmänner ?

          2. Ja, eben — mehr Quantität aufgrund einer Quote, und eher keine, die sich aufgrund von Qualitäten durch­ge­setzt hätte. Das betrifft übri­gens nicht nur die Frauenquote, sondern Quoten über­haupt, wie z.B. lands­mann­schaft­li­che oder flügel­ba­sierte…

          3. Da schwingt doch immer unter­schwel­lig mit, dass es nicht genug kompe­tente Frauen gäbe. Ich bin fest davon über­zeugt, die gibt es.

            Nur bekom­men einige von ihnen nicht die Chance oder sind vopn vorner­ein abge­schreckt, weil Posten häufig eher an denje­ni­gen verge­ben werden, der lauter schreit oder besser vernetzt ist.

            Ich kann es immer nur wieder­ho­len, als Mann ist einem diese unter­schwel­lige Ausgrenzung und Behinderung oft gar nicht bewusst.

      1. Das diese Frauen aus Quotenlosen Parteien hervor­gin­gen kann man auch mit Marketingstrategien erklä­ren.

        Ich traue der CDU ja viel zu, aber Angela Merkel als große Marketingstrategie…? Mh.

      2. Das diese Frauen aus Quotenlosen Parteien hervor­gin­gen kann man auch mit Marketingstrategien erklä­ren.

        Und die Quote nicht? Die Frage ist doch, was letzt­lich wie wirkt.

  9. Der Bloger hat leider dass Konzept von „Gender Mainstreaming“ nicht verstan­den, denn seine aus seinen „Impulsen“ wird klar, dass er nicht verin­ner­licht hat, dass es hier eben um den gene­rel­len Abbau von geschlechts­be­ding­ter Diskremminiehrung geht. Dh. GM kümmert sich genauso um den Jungen der unbe­dingt Modedesignerin (ja Designerin) werden will wie auch um das Mädchen dass unbe­dingt Papst (ja Papst) werden will. Ich verein­fa­che die Dinge, dass ist ange­sichts der Kommentare hier notwen­dig.

    Es ist vor diesem Hintergrund nicht verwun­der­lich, wenn der Autor – leider – die Ebenen sofort durch­ein­an­der­bringt. Ziele und Instrumente zu vermen­gen ist nie gut und eine verant­wort­li­che Diskussion über Gleichstellung beginnt mit der Bestandsanalyse.

    a) Parteien mit Quotenregelungen haben einen höheren Frauenanteil in Führungsgremien und Fraktionen als Parteien ohne Quote. Sicher kann darüber gestrit­ten werden ob die Quote in der SPD die Mitgliederzahl gebun­den sein soll, Fakt ist aber dass die Quote dass mit Ihr verbun­dene Ziel erreichte.
    b) Länder mit Quotenregelungen in der Wirtschaft haben einen höheren Anteil an Frauen in Führungspositionen als Länder ohne entspre­chende Regelung
    c) Geschlechterquoten wie die SPD sie hat und wie Sie einige nordi­sche Länder auch für die Wirtschaft einge­führt haben sind nach Ansicht des Autors „reine Frauenquoten“. Hätte der gute Nadim hier kurz inne­ge­hal­ten und nach gedacht, hätte er erkannt das dies ja gerade das Paradeargument für Quoten ist. Denn hier zeigt sich doch, dass Frauen in diesen Bereichen immer noch völlig unter­re­prä­sen­tiert sind. Es gibt halt kaum Männer die eine Quote brau­chen um ein Amt/einen Beruf zu bekom­men. Alle Geschlechterquoten kommen Frau/Mann (Transgender Personen werden hier regel­mä­ßig verges­sen) glei­cher­ma­ßen zu gute, dass Frauen stärker Nutznießerinnen sind ist gerade der Beleg dafür, dass dieses Instrument noch notwen­dig ist.
    d) Dein Plädoyer für mehr männ­li­che Kindergärtner unter­schreibe ich, aller­dings ist dies ja für jeden der sich nur ober­fläch­lich mit GM oder Geschlechtersoziologie beschäf­tigt beliebe kein neues Phänomen.
    e) Zum Schluss noch was zur Sprache. Genau wie an die neue Rechtschreibung würden wir uns sicher auch irgend­wann an das i gewöh­nen. Aber dein hilf­rei­ches Link (wir beach­ten wie ich nicht hilf­rei­cher schrieb) nach Tübingen zeigt uns doch worum es geht. Dass Menschen sich durch die rein masku­line Bezeichnung diskri­mi­niert und ausge­grenzt fühlen. Warum sollte es uns Männern nicht zuzu­mu­ten hier Rücksicht zu nehmen und unser Verhalten entspre­chend anzu­pas­sen ? So schwer ist dass auch nicht und der Untergang der Deutschen Sprache wird deshalb auch nicht drohen.
    Noch ein Satz zu „Terroristinnen, Faschistinnen und Mörderinnen sind die Ausnahme“ Dass stimmt halt einfach nicht. Frau Bader wird meines Wissens immer als Terroristin bezeich­net. Hier soll­test du noch mal Deine Fakten prüfen bevor es wieder mit Dir durch­geht.

  10. Punkt 1 ist falsch, vor allem wenn man mit dem Grundgesetz argu­men­tiert.

    Wesensgehalt des enspre­chen­den Artikels ist auch die Förderung von tatsäch­li­cher Gleichberechtigung. Gerade vor diesem Hintergrund ist diese Quote richtig.

    Bei Punkt 3 werden Daten aus dem Focus als Argumentationshilfe benutzt. Allein das ist schon­mal kritisch zu sehen, weil der Focus es mit der Genauigkeit der Recherche noch weniger hält, als seriöse Presse. Mal ganz davon abge­se­hen wird der Anteil der Hausfrauen völlig vernach­läs­sigt.

    In diesem Zusammenhang möchte ich mal darauf aufmerk­sam machen, dass Punkt 4 ebenso blöd­sin­nig ist. Denn wenn Frauen mit guter bzw. besse­rer Ausbildung Hausfrauen werden, weil sie von patri­ar­cha­len Gesellschaftsstrukturen dazu gezwun­gen werden, nutzt ihnen das mal garnichts. Es sind die gesell­schaft­lich gepräg­ten Rollenbilder, die für unter­schied­li­che Geschlechteranteilen in unter­schied­li­chen Berufen sorgen.

    Anders ausge­drückt: Nur, weil die kras­ses­ten und offen­sicht­lichs­ten Zeichen der Diskriminierung in Grundgesetz, bei der Rente, im Scheidungsrecht und bei der Abtreibung von den Grünen und uns geän­dert bzw. abge­schafft wurden, heißt das noch lange nicht, dass wir in einer gleich­be­rech­tig­ten Gesellschaft leben.

    Funktionell äqui­va­lent zu den präsen­tier­ten und impli­zier­ten Argumenten ist folgen­des: Alle haben das Recht, Millionäre zu werden. Wozu also einen Sozialstaat!?

    Mal ganz davon abge­se­hen brau­chen Werte an sich keine Begründung. Emanzipation ist ein wert an sich. Der Statz „Wer die mensch­li­che Gesellschaft will, muss die männ­li­che über­win­den.” verkör­pert diesen Wert. Sollen wir jetzt anfan­gen, Menschenrechte empi­risch zu begrün­den!?

    Der Artikel ist zu kurz gedacht und zeugt von reak­tio­nä­rem Denken, genauso wie die Kommentare von einigen hier. Ich kann den GegnerInnen dieses Artikels nur recht geben.

    1. Ja, Frauen sind in Aufsichtsräten und Vorständen der deut­schen Unternehmen (leider) noch eine Ausnahme. Das bestrei­tet ja auch kein Mensch. Gleichzeitig — und da waren wir uns ja einig — sollen Männer öfter den Weg in Kindergärten und Schulen finden.
      Aber wenn wir sagen, dass wir eine Quote in Aufsichtsräten — wieso eigent­lich Aufsichtsrat? Leitungsgremium ist der Vorstand — brau­chen, weil Frauen dort unter­re­prä­sen­tiert sind, wäre es dann nicht konse­quent auch eine Männerquote für Kindergärten zu fordern?

      Liebe Leute, die Quote zu kriti­sie­ren heißt noch lange nicht, dass man an „gesell­schaft­lich gepräg­ten Rollenbilder[n], die für unter­schied­li­che Geschlechteranteilen in unter­schied­li­chen Berufen sorgen” fest­hal­ten will. Ich halte die Quote nur für ein falsches Instrument — beson­ders dann, wenn nicht genü­gend Frauen zur Verfügung stehen.

      1. Was ist dann Deiner Ansicht nach ein besse­res Instrument ? Und was passiert eigent­lich wo „Keine Frauen zur Verfügung stehen“ ? Ist es nicht so dass dann die Plätze entwe­der frei bleiben oder mit Männern besetzt werden ? (Wobei wir ja nicht verges­sen dürfen, dass die meisten Vorstände in der SPD als die Quote einge­führt wurde einfach vergrö­ßert wurden).

        1. Nach meiner Erfahrung bleiben die Plätze frei oder werden mit Personen besetzt die eigent­lich nicht wollen und das ist ziem­lich unglück­lich, je nach Größe des und Arbeitsverteilung im Vorstandes. Wenn man dann noch zur alljähr­li­chen Satzungsänderung greift, wird das Ganze ziem­lich absurd. Nach meinem Verständnis sollten und können (wenn man sich an die Satzung halten will) die Plätze nicht mit Männern besetzt werden. Für derar­tige Fälle könnte man doch eine Regelung finden, oder ist das Freihalten in deinen Augen eine gute Lösung?

          Wir müssen dafür sorgen, dass es für Frauen attrak­ti­ver wird eben nicht mehr Teilzeit zu arbei­ten, sondern Vollzeit. Im Jahre 2007 waren mehr als zwei Drittel der Frauen in Führungspositionen kinder­los. Kind und Karriere ist immer noch nicht verein­bar, auch wenn sich in den letzten Jahren an der ein oder anderen Stelle etwas getan hat und das Thema nicht mehr nur „Gedöns” ist, wie ein bekann­ter Sozialdemokrat einst behaup­tete. Praktisch hat die Sozialdemokratie als Opposition in den nächs­ten Monaten eine Aufgabe: Das Betreuungsgeld verhin­dern und in den Kommunen wo sie noch stark ist den Ausbau der Ganztagsschulen und von U3-Plätzen zu gestal­ten. Um nur zwei Punkte zu erwäh­nen.

      2. Da wird doch der Bock zum Gärtner gemacht!

        Es ist ein Irrglaube, dass nicht genug Frauen zur Verfügung stehen. Es gibt nur zu wenig Förderung von Frauen, zu chau­vi­nis­ti­sche Strukturen und zu chau­vi­nis­ti­sches Verhalten in den verschie­de­nen Institutionen.

        Wenn Männerjuntas nicht genü­gend Frauen fördern, müssen sie eben durch Quoten gezwun­gen werden.

        Da habe ich auch kein Mitleid mit Kindergärtnern. Wenn mehr Männer ihren anti­qi­uer­ten Männlichkeitswahn ablegen würden und über­haupt Kindergärtner werden wollen würden, hätten sie keine Probleme in den Beruf zu kommen. Aber nein, Kindergärtner sind schwul oder Schwächlinge. Männer in diesen Berufen brau­chen über­haupt keine Quote.

        Mag sein, dass die Frauenquote in Lehrberufen weitaus höher ist. In den leiten­den Positionen der Lehrinstitutionen ist es aber wieder das glatte Gegenteil. Da herr­schen wieder die Männer. Gerade daran sieht man auch, dass eine Quote in diesen Beufen schwach­sinn ist.

        1. Die Sache ist einfach, dass Kindergärtner unter­be­zahlt werden und das ist eine Tatsache, die sicher mit dazu beiträgt, dass es mehr Männer in „klas­si­schen Männerberufen” gibt, als etwa im Kindergarten oder in der Grundschule.

  11. Hier herrscht eine ziem­lich beschränkte Sicht auf das Konzept „Gender Mainstreaming” vor; wenn man sich das hier so durch­liest könnte man glauben, Gleichberechtigung sei erreicht, wenn sich das Binnen-I durch­setzt und überall Quoten einge­führt sind. Tatsächlich gehts aber um mehr. Sinn des Ganzen ist doch, bei allem was getan wird, even­tu­elle Nachteile für ein Geschlecht (!) zu beden­ken.

    Und das wird halt leider nicht überall getan. Man kann beispiels­weise das Elterngeld, wie hier in Deutschland, so ausge­stal­ten, dass der gerin­ger-verdie­nende Partner länger zuhause bleiben kann als der andere — was meis­tens Frauen sind. Das deswe­gen, weil Frauen halt über­durch­schnitt­lich in leider unter­durch­schnitt­lich bezahl­ten Jobs — Kranken-, Altenpflege etc. arbei­ten und deswe­gen meis­tens weniger verdie­nen. Man es aber auch so ausge­stal­ten, dass beide Partner gleich lange zuhause bleiben müssen, egal wie viel beide verdie­nen. In dem Fall bestehen bei keiner/m Anreize, länger aus dem Beruf auszu­stei­gen.

    Aber das haben wohl die selben Leute verbro­chen, die dachten, wenn sie in dem Gesetz das Binnen-I verwen­den, sei das schon geschlech­ter­ge­recht genug.

  12. Die Quote ist ein simples Machtinstrument zur Erreichung einer halb­wegs pari­tä­ti­schen Repräsentation beider Geschlechter. Gerne setze ich mich auch für Geschlechterquoten im Fürsorgebereich ein, etwa in der Pflege. Selbstverständlich sollte man nicht verges­sen, daß einsei­tige Frauenfördermaßnahmen nur ein Steinchen im Mosaik der Gleichstellung sind. Es bedarf nämlich nicht immer nur der Anpassung der Frauen an männ­li­che Standards, sondern auch der Verallgemeinerung bishe­ri­ger weib­li­cher Lebensentwürfe, die sich oft vor allem mit Kindererziehung und Altenpflege befaßt haben. Endziel muß die Überwindung jegli­cher tradi­tio­nel­ler Rollenteilung sein. Weibliche Aufsichtsräte müssen eben so selbst­ver­ständ­lich werden wie Hausmänner. Da dies aber nicht vom Himmel fällt, sind Hilfsmittel uner­läß­lich — wie eben die Quote oder finan­zi­elle Anreize. Von nichts kommt nichts.

  13. Wer hier so klug über Gleichstellung redet (Feminismus ist ja fast schon ein verbo­te­nes Wort), der sollte auch mal beher­zi­gen, dass Gleichstellung von beiden (bzw. allen) Geschlechtern ausge­hen muss.

    Dazu gehört auch, als Mann seine eigenen Verhaltensweisen zu hinter­fra­gen, und zu über­le­gen, was auf Frauen abschre­ckend wirken könnte. Gerade bei Juso-Veranstaltungen erlebe ich das immer wieder, wie manche Redner (ja, Redner) versu­chen, die Delegierten zusätz­lich durch Redelautstärke zu über­zeu­gen, und wie ande­rer­seits bei meist leiser spre­chen­den Frauen sofort das Gemurmel losgeht.
    Sowas schreckt viele Frauen ab, obwohl es für Männer eine völlig normal wirkende Verhaltensweise ist… achtet selber mal drauf.

    Dass in der SPD fast 70% der Mitglieder männ­lich sind, ist eine Schande und kein Faktum, was man halt so hinneh­men sollte. In der Zeit vor der Geschlechterquote war der Anteil deut­lich gerin­ger und stieg in den 80ern und 90ern an, nachdem die Quote beschlos­sen worden war.

    Ich halte es für sehr un-sozi­al­de­mo­kra­tisch, sich immer nur auf den aktu­el­len Ist-Zustand zu bezie­hen und sich damit das Leben so gemüt­lich wie möglich machen zu wollen. Wir brau­chen mehr Frauen in der Partei und in der Politik allge­mein, und da wäre es doch das falscheste, die Quote, die in der Vergangenheit defi­ni­tiv positiv dazu beige­tra­gen hat, aufzu­wei­chen oder abzu­schaf­fen.

    1. Verständnisfrage — du schreibst:

      Dass in der SPD fast 70% der Mitglieder männ­lich sind, ist eine Schande und kein Faktum, was man halt so hinneh­men sollte. In der Zeit vor der Geschlechterquote war der Anteil deut­lich gerin­ger und stieg in den 80ern und 90ern an, nachdem die Quote beschlos­sen worden war.

      Heute 70 % der Mitglieder männ­lich, und vor der Quote war ihr Anteil deut­lich gerin­ger? D.h. seit Einführung der Frauenquote hätte sich der Männeranteil noch erhöht?

      Ich nehme mal an, du woll­test das Gegenteil zum Ausdruck bringen.

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