Gedanken zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Ein paar Gedanken zum öffent­lich-recht­li­chen Rundfunk. Zuerst einmal halte ich fest: ich halte die mediale Grundversorgung durch öffent­lich-recht­li­che Anstalten für absolut notwen­dig, mögli­cher­weise notwen­di­ger als jemals zuvor.

Dass eine Reform notwen­dig ist, steht dessen unge­ach­tet außer Frage. Das zeigt aktuell die Causa Brender, und das zeigt ganz gene­rell das Gebahren der GEZ.

Was ich für notwen­dig halte:

  • In den Gremien der öffent­lich-recht­li­chen Anstalten sollten keine Angehörigen der Exekutive mehr sitzen. Das ist jedoch ganz entschie­den kein allge­mei­nes Plädoyer gegen Politiker in den Gremien.
  • Werbung in öffent­lich-recht­li­chen Erzeugnissen (Radio, Fernsehen, Internet) sollte komplett verbo­ten sein.
  • Den öffent­lich-recht­li­chen Anstalten sollten keine Schranken im Internet aufer­legt werden.
  • Die Finanzierung der öffent­lich-recht­li­chen Anstalten sollte über eine pauschale Abgabe auf alle Privathaushalte sicher­ge­stellt werden. Diese Pauschale darf jedoch nicht nach Belieben erhöht werden und muss bezahl­bar sein (sozial Schwache wären von dieser Pauschale ausge­nom­men).

Begründung: Es ist nicht zu erklä­ren, wieso öffent­lich-recht­li­che Anstalten zusätz­lich zu den Milliarden an GEZ-Gebühren auch noch auf Werbung ange­wie­sen sein sollen.

Dass Angehörige der Exekutive in den Gremien sitzen, ist schon immer ein Unding, und wurde von Wolfgang Clement und Heide Simonis zu ihren Amtszeiten zu recht ange­mahnt. Hier ist unbe­dingt und umge­hend Abhilfe zu schaf­fen.

Dass die Anstalten im Internet sinn­freier Regulierung unter­wor­fen sind, ergibt keinen Sinn und ist anachro­nis­tisch.

Und die Finanzierung über eine pauschale Abgabe ist die logi­sche Konsequenz aus der Tatsache heraus, dass direkt und indi­rekt alle Bürgerinnen und Bürger von der umfang­rei­chen Berichterstattung der öffent­lich-recht­li­chen Anstalten profi­tie­ren. Da ein Staatsfernsehen nicht das Ziel sein kann, ist eine Steuerfinanzierung abzu­leh­nen. Gleichzeitig müssen die Kosten im Auge behal­ten werden, deshalb ist die Gebühr im Rahmen zu halten — das erklärt sich von selbst.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

20 Gedanken zu „Gedanken zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk“

  1. Mit der Werbung hast du Recht, sehe ich auch so, dass so etwas nicht sein muss, wenn schon Milliarden an Gebühren fließen.

    „Keine Angehörigen der Exekutive” — ist das nicht heute auch schon so? Die Gremien werden aber doch von den jewei­li­gen Mehrheiten besetzt — und das müsste in jedem Fall auch so bleiben, wenns Demokratisch zugehen soll. Ob dort nun Ministerpräsidenten sitzen oder Leute, die diesen Posten ihrem Ministerpräsidenten verdan­ken dürfte sich in den Entscheidungen doch allen­falls minimal auswir­ken.

    Auch beim Internet würde ich grund­sätz­lich zustim­men.

    Die Bezahlung über Pauschale, die „nicht nach Belieben” erhöht werden darf finde ich span­nend. Wer soll das entschei­den? Im Moment entschei­dets letzten Endes die KEF, die aber auch nur abni­cken darf, was die Sender wollen. Alles andere wäre ja Einmischung in die Pressefreiheit etc (das ist das Argument, nicht meine Meinung). In der Praxis wird immer irgend­wer entschei­den müssen, welche Pauschale okay ist. Die Politik darf es nicht und die Sender können es nicht, weil sie sich logi­scher­weise immer mehr zubil­li­gen würden, als wirk­lich nötig (wer würde das nicht?).

    Ein vernünf­ti­ger öffent­lich-recht­li­cher Rundfunk schei­tert an solchen Detailfragen. Er schei­tert daran, dass demo­kra­ti­sche Kontrolle prak­tisch nie ohne poli­ti­sche Einmischung funk­tio­niert, daran, dass auch die Festlegung der Gebühren-/Pauschalenhöhe immer eine Einmischung ist oder sein kann, die wir nicht wollen, daran, dass Grundversorgung ein derma­ßen schwam­mi­ger Begriff ist, dass man darun­ter selbst Gottschalk, Fussball und Spielfilme verste­hen kann, wenn man will.

    Wir reden hier von Zwangsabgaben von 7 Milliarden Euro im Jahr (demnächst wahr­schein­lich deut­lich mehr) und wie sie einge­setzt werden sollen. Das ist kein Pappenstiel und ich kann mir wirk­lich viele Dinge vorstel­len, die man Sinnvolleres damit machen kann als „Sturm der Liebe” oder Silbereisen zu produ­zie­ren. Wir vernich­ten Wirtschaftskraft im großen Stil zuguns­ten einer veral­te­ten Methode, Nachrichten und Informationen zu verbrei­ten.

  2. Da hätte ich doch ein bißchen mehr Begründung gehabt.

    > ich halte die mediale Grundversorgung
    > durch öffent­lich-recht­li­che Anstalten
    > für absolut notwen­dig, …
    Warum?
    Das Konzept einer „Grundversorgung” gibt es doch auch sonst nirgends.

    Und wieso sind Gottschalk und Bundesliga „Grundversorgung”?

    > Das zeigt aktuell die Causa Brender,
    Was zeigt die? Solche Personalpolitik ist seit Gründung der Anstalten normal.

    > * In den Gremien der öffent­lich-
    > recht­li­chen Anstalten sollten keine
    > Angehörigen der Exekutive mehr sitzen.
    Sondern wer?
    Immerhin sind diese Politiker demo­kra­tisch legi­ti­miert — alle anderen dort nicht.

    > * Werbung in öffent­lich-recht­li­chen
    > Erzeugnissen (Radio, Fernsehen,
    > Internet) sollte komplett verbo­ten sein.
    Ist mir sympa­thisch — aber die Begründung
    „Es ist nicht zu erklä­ren, wieso öffent­lich-recht­li­che Anstalten zusätz­lich zu den Milliarden an GEZ-Gebühren auch noch auf Werbung ange­wie­sen sein sollen.” ist doch eigent­lich über­haupt keine Begründung. Da könnte man den Spieß auch umdre­hen und bei den GEZ-Milliarden kürzen.

    > * Den öffent­lich-recht­li­chen Anstalten
    > sollten keine Schranken im Internet
    > aufer­legt werden.
    Die Anstalten haben einen konkre­ten Auftrag: TV und Rundfunk. Und da nur die onimöse „Grundversorgung”.
    Nur für diesen konkre­ten Auftrag bekom­men sie das Geld. Daraus folgt, daß ALLE übrigen denk­ba­ren Aktivitäten, vom Brötchenbacken bis zum Internet nicht aus dem Etat finan­ziert werden dürfen.

    > dass direkt und indi­rekt alle
    > Bürgerinnen und Bürger von der
    > umfang­rei­chen Berichterstattung der
    > öffent­lich-recht­li­chen Anstalten
    > profi­tie­ren.
    Das ist schlicht falsch.
    Wenn ich selber nicht fern­sehe, profi­tiere ich über­haupt nicht von dieser Berichterstattung.

    > Da ein Staatsfernsehen nicht das Ziel
    > sein kann, ist eine Steuerfinanzierung
    > abzu­leh­nen.
    ARD und ZDF SIND Staatsfernsehen. Und es ist reine Wortkosmetik, eine gesetz­li­che Abgabe dieser Art nicht als Steuer zu bezeich­nen, nur weil sie nicht übers Finanzamt abge­rech­net wird.

  3. Da ein Staatsfernsehen nicht das Ziel sein kann, ist eine Steuerfinanzierung abzu­leh­nen.

    Das verstehe ich nicht ganz. Die Gebührenhöhe wird durch die KEF vorge­schla­gen und muss dann durch alle 16 Länderparlamente. Bist Du der Meinung, dass die Parlamentarier anders abstim­men könnten, wenn nicht der einzelne Bürger sondern der Staat (in welcher Form auch immer) direkt bezahlt?

    Die Finanzierung der öffent­lich-recht­li­chen Anstalten sollte über eine pauschale Abgabe auf alle Privathaushalte sicher­ge­stellt werden.

    Während sonst immer Solidarität geübt werden soll, ist das bei den Rundfunkgebühren nicht der Fall? Der Millionär zahlt genau gleich viel für den Rundfunk wie der Mindestlohnempfänger?

  4. Hier steht leider tenden­zi­ell gefähr­lich falsches Zeug: Die „Causa Brender” zeigt was genau? Dass ein durch­dre­hen­der Ministerpräsident Koch nach zehn Jahren, die Herr Brender im „Amt” war, seinen Einfluss miss­brau­chen und dem ZDF-Chefredakteur eine Vertragsverlängerung verwei­gern kann. Okay. Aber einen Ministerpräsidenten könnte ich (wäre ich Hesse) für sein mangeln­des Politikbewusstsein wenigs­tens abwäh­len. Was mache ich mit den anderen (die ja heute schon in der Mehrheit in den Gremien sind)? Haben die keine Agenda? Sind die deshalb demo­kra­ti­scher, weil sie NICHT Mitglied in einer poli­ti­schen Partei sind? Das ist schlicht und einfach Unsinn. Und grund­sätz­lich ist auch nicht das Problem, dass die Parteien um Einfluss ringen, das ist Teil der ihnen in der parla­men­ta­ri­schen Demokratie zuge­dach­ten Aufgabe. Das Problem hier ist, dass Roland Koch seine ihm vom Volk gelie­hene Macht offen­bar miss­braucht hat. Aber so viel Macht ist das nun auch nicht, dass das System dabei irrepa­ra­blen Schaden genom­men hat. Das Risiko, dass ein Ministerpräsident sich mögli­cher­weise als lügen­mäu­li­ges Arschloch entpuppt, ist im System einge­plant. So schlecht funk­tio­niert das nicht.
    Und die GEZ kann aus meiner Sicht vieles besser machen, aber ich halte es für richtig, wichtig und gut, dass jeder in diesem Land die Höhe der Fernsehgebühren kennt und sie deshalb ständig disku­tiert wird. Ansonsten verschwin­det der Posten in dem großen Loch in der bösen Spalte vom Lohnzettel und das System wird nur weniger trans­pa­rent – und in der Folge sicher teurer.
    Über die Werbung kann man reden, wenn man in Kauf nimmt, dass die Gebühren steigen. Ist es das wert? Ich bin da unent­schlos­sen. Ich gucke aber tags­über auch kein Fernsehen, wenn es im ÖRR noch Werbung gibt. Insofern: mir egal.
    Aber richtig bleibt (@R.A.): Der ÖRR ist unver­zicht­bar in der Grundversorgung mit Nachrichten, Kultur und Unterhaltung (die alle ebenso unver­zicht­bar zu einem Leben gehören), und wenn wir das Gefühl haben, die anderen Sender könnten das doch genau so gut, dann liegt es wahr­schein­lich zu einem nicht uner­heb­li­chen Teil an der Kontrollfunktion, die der ÖRR durch seine bloße Existenz hat. In einem rein priva­ten System würde es für reiche Minderheiten ungleich einfa­cher und für schwa­che Minderheiten ungleich schwie­ri­ger, an der poli­ti­schen Willensbildung teil­zu­neh­men. Das System Berlusconi ist ja auch ein Auswuchs eines schlech­ten Staatsfernsehens (habe ich schon gesagt, dass ich unseren ÖRR im Kern für erfolg­reich halte? Halte ich). Genau wie das Zwei-Parteien-System in den USA (mit einem erkauf­ten Bürgermeisterposten in New York City, nur als Beispiel). Der ÖRR garan­tiert bis zu einem gewis­sen Grad, dass eine demo­kra­ti­sche Auseinandersetzung statt­fin­den kann. Wenn es – wie im Moment – auch ohne ihn ginge, umso besser. Sich aber darauf zu verlas­sen, dass „der Markt das regelt” hielte ich für sehr, sehr fahr­läs­sig.

    1. Die Aufregung der SPD über Herrn Koch (die ihm wahr­schein­lich nach der Devise, dass es sich umso unge­nier­ter lebt, je ruinier­ter der Ruf ist, recht egal sein wird, die Leute wählen ih ja trotz­dem) hat bei der SPD ja auch ziem­lich schnell nach­ge­las­sen. Klagen will man auch nicht mehr. Letztlich waren das alles Krokodilstränen, weil nach Proporz die CDU den Intendanten und die SPD den Chefredaktur aussucht, und Koch da in die Suppe gespuckt hat. Ein echtes Interesse daran, am partei­po­li­ti­schen Einfluss etwas zu ändern, ist bei der SPD genau­so­we­nig vorhan­den wie bei der CDU, und aus diesem Grund wird das ZDF faktisch zum Staatsfernsehen.

      1. Das ist wahr, und ich finde, das ist auch nicht so falsch: Ein ausge­klü­gel­tes Proporzsystem entspricht nicht unserer Idealvorstellung einer Welt, in der 14 (oder im gesam­ten Fernsehrat 77 oder so) unab­hän­gige Geister nur ihrem ausge­präg­ten Gewissen verpflich­tet Entscheidungen treffen. Aber in der realen Welt bringt dieses System Ergebnisse hervor wie das aktu­elle, wo auf einen geeig­ne­ten, unab­hän­gi­gen Journalisten nach zehn Jahren als ZDF-Chefredakteur ein weite­rer geeig­ne­ter, unab­hän­gi­ger Chefredakteur folgt. Man muss ständig am Proporz justie­ren, das ist nervig, wirkt unschön und stört die demo­kra­ti­sche Ästhetik, aber es ist sehr effek­tiv. Wie Helmut Schmidt sinn­ge­mäß sagt: Der Kompromiss ist keine Schwäche der Demokratie, sondern ihr Ziel. In diesem Fall ist es kein fauler.

    2. Und grund­sätz­lich ist auch nicht das Problem, dass die Parteien um Einfluss ringen, das ist Teil der ihnen in der parla­men­ta­ri­schen Demokratie zuge­dach­ten Aufgabe.

      Richtig. Ich habe auch nicht geschrie­ben, dass alle Politiker raus aus den Gremien sollen, sondern die Angehörigen der Exekutive.

      Und die GEZ kann aus meiner Sicht vieles besser machen, aber ich halte es für richtig, wichtig und gut, dass jeder in diesem Land die Höhe der Fernsehgebühren kennt und sie deshalb ständig disku­tiert wird. Ansonsten verschwin­det der Posten in dem großen Loch in der bösen Spalte vom Lohnzettel und das System wird nur weniger trans­pa­rent – und in der Folge sicher teurer.

      Ich finde das auch richtig. Habe ich auch oben geschrie­ben.

      1. Das Problem ist: Schon jetzt steht nicht im Staatsvertrag, dass die Mitglieder aus der Exekutive eines Landes oder des Bundes kommen müssen, sondern dass das Land oder der Bund je einen Vertreter bestim­men. Ob Koch nun selber kommt oder einen Vertreter bestimmt (oder Kurt Beck natür­lich) macht keinen Unterschied. Einen Vertreter vom Parlament bestim­men zu lassen sollte keinen Unterschied machen, weil die Mehrheiten dort die Exekutive bestim­men. Damit gehen uns die Optionen aus, wenn wir wollen, dass zumin­dest irgend­wel­che (es ist ja eine Minderheit) Mitglieder des Fernsehrates einer demo­kra­ti­schen Kontrolle durch das Wahlvolk unter­lie­gen. Alle anderen (Verbands-)Vertreter sind ja höchs­ten zufäl­lig auch gewählte Abgeordnete irgendwo.

        1. Es ist ein großer Unterschied, ob ein Mitglied der Exekutive mit Zugriff auf den Staatsapparat in den Gremien sitzt oder ein „norma­ler” Abgeordneter.

          Wie gesagt, ich will nicht Politiker per se aus dem Gremien raus­ha­ben. Mir geht’s um die Gewaltenteilung.

          1. Der Vertreter sollte natür­lich kein impe­ra­ti­ves Mandat besit­zen und bei unlieb­sa­men Entscheidungen nicht einfach so abbe­ru­fen werden können. Das sind aber Detailfragen, die bei einer grund­sätz­li­chen Einigung auf eine solche Regelung zu klären wären. Die Exekutive steht völlig zu recht unter verschärf­ter Beobachtung durch die Medien, und sollte diese deshalb nicht selbst über­wa­chen dürfen.

  5. Da ist meiner Meinung nach ein Denkfehler drin: Jeder Politiker hat (wie jeder Mensch) eine poli­ti­sche Vorliebe, Agenda, wie auch immer wir es nennen. Er kann, darf und soll seine Vorliebe auch vertre­ten, egal in welchem Gremium. Damit am Ende des demo­kra­ti­schen Prozesses eine vernünf­tige Entscheidung heraus­kommt, müssen nur die anderen poli­ti­schen Kräfte genau so ange­mes­sen vertre­ten sein. Der Ministerpräsident darf nicht über den Chefredakteur entschei­den, aber er darf seine Stimme abgeben. In dem Gremium von 14 Stimmberechtigten gehören höchs­tens 6 einer Exekutive oder Legislative an, so dass sie nie eine Mehrheit haben können (in wich­ti­gen Fragen wie der eines Chefredakteurs braucht es eh eine Drei-Fünftel-Mehrheit dafür. Beck will das jetzt offen­bar in Details ändern). Ich warne davor, in der Medienhysterie (die ja am Volk völlig vorbei geht, da inter­es­siert es nach aktu­el­len Umfragen prak­tisch nieman­den) zu über­se­hen, dass das System so schlecht nicht ist. Es ist den Realitäten ange­passt – und das muss Politik sein. Natürlich kann und muss man immer Details verbes­sern, aber eben nicht verschlimm­bes­sern.

    1. Ich warne davor, in der Medienhysterie (die ja am Volk völlig vorbei geht, da inter­es­siert es nach aktu­el­len Umfragen prak­tisch nieman­den) zu über­se­hen, dass das System so schlecht nicht ist.

      Ja. Ich bin ein großer Verfechter des öffent­lich-recht­li­chen Rundfunks, und sogar der GEZ, und war in Diskussionen unter Freunden und am Stammtisch deshalb schon oft genug der Buhmann.

      Trotzdem halte ich meine Vorschläge, und die von Kurt Beck im Übrigen eben­falls, nicht für „leider tenden­zi­ell gefähr­lich falsches Zeug”. :-)

  6. Ich nehme an, das ist eh klar, aber nur noch einmal zur Verdeutlichung: In dieser Diskussion ist bei einigen Medien-Kollegen der Fokus derart verrutscht, dass plötz­lich die simple Tatsache, dass ein Politiker in einem Gremium den Vorteil seiner Partei im Auge hat schon als unde­mo­kra­tisch gilt. Das ist ein gefähr­li­cher Gedanke. Bis auf wenige Ausnahmen wie die NPD sind die Parteien nicht die Feinde der Demokratie, sie sind auch nicht die Begleiterscheinung der Demokratie, sie sind der Ort der Demokratie. Ein Demokrat, der sich einsetzt, tut das regel­mä­ßig in einer Partei. Aus seiner Mitgliedschaft oder der Tatsache, dass er in ein Amt gewählt wurde eine gene­relle Korrumpiertheit abzu­lei­ten, wie das oft getan wurde, ist so gefähr­lich wie falsch. Er vertritt natür­lich Parteiinteressen, aber auch das ist demo­kra­tisch. Die Partei ist (wahr­schein­lich wieder bis auf wenige Ausnahmen) demo­kra­tisch. Sein Grundanliegen ist demo­kra­tisch. Unabhängigkeit von einer Partei darf nicht plötz­lich gleich­ge­setzt sein mit poli­ti­scher Vernunft. Das meinte ich (und ich weiß, da sind wir uns wahr­schein­lich einig).

  7. so, öffen­lich-recht­li­ches fern­se­hen, radio… sind also absolut notwen­dig? wofür? in letzter Zeit mal die „Nachrichten” da gesehen?
    die Qualität schreit nach Absetzung, der Informationsgehalt und die Tiefe der Recherche sind genau so belie­big, wie die der Privaten. Wo ist der Mehrwert für die Menschen, der die Existenz dieser Anstalten recht­fer­ti­gen würde?

    Brender, oder die land­läu­fige Titulierung des ARD als „Rotfunk” zeigen doch, dass die ö‑rechtlichen schon lange Staatsfernsehen sind, ja nie etwas anderes waren.

    Keiner der öffen­lich-recht­li­chen hier zu Lande kommt auch nur entfernt an das Niveau der BBC oder der CNN heran.

    …und dafür dann auch noch bezah­len? …für eine Leistung, die keinen Mehrwert bringt?
    …jeden Monat einen Teil, seiner eigenen Arbeitsleistung für etwas herge­ben ohne adäquate Gegenleistung?

    warum vertei­digst du solch ein system der ausbeu­tung von menschen, durch den menschen?

  8. @daniela: Ich binnicht gemeint, aber dazu muss ich jetzt leider doch noch etwas sagen: Ich hoffe, du meinst das nicht ernst. „die land­läu­fige Titulierung des ARD als „Rotfunk“ zeigen doch, dass die ö‑rechtlichen schon lange Staatsfernsehen sind, ja nie etwas anderes waren.” Und was zeigt die Titulierung von Spiegel und Stern als „linke Kampfpresse”? Dass sie Staatsblätter sind? Also bitte. Das ist schlicht Blödsinn. Und dass beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk der Staat etwas bei der Besetzung der Chefredakteursstellen mitzu­re­den hat ist unum­gäng­lich, und – neben­bei – bei der von dir so hoch gelob­ten BBC genau so. Und als jemand der lange in England gelebt und sehr viel BBC gesehen hat muss ich sagen: Die sind um Klasen besser, aber in der Unterhaltung. Im Journalismus müssen wir uns mit vielen WDR, NDR und ein paar anderen Programmen nicht verste­cken (in der BBC läuft auch Scheiß, nur neben­bei). Und CNN: Ich hoffe, du glaubst das nicht, was du da sagst. Allein CNN und die groß­ar­tige BBC in einem Satz zu nennen ist schmerz­haft. Frag mal einen deut­schen Kollegen bei CNN. Die würden sich nicht einmal geschmei­chelt fühlen, denen wäre das Lob pein­lich, weil sie glauben würden, du verarschst sie.
    Und dann dieser unfass­bare Satz: „warum vertei­digst du solch ein system der ausbeu­tung von menschen, durch den menschen?” Bei FERNSEHGEBÜHREN? Ausbeutung? Ich fasse es nicht. Noch einmal: Das System der Gebühren gilt für jeden, der einen Empfänger vorhält (und nicht befreit ist, weil er bedürf­tig ist o.ä.). Und dieses ÖR-System wäre ja zum Beispiel auch für dich da, um im Katastrophen- oder Kriegsfall die lebens­wich­ti­gen Informationen an dich durch­zu­fun­ken. So wie auch die Feuerwehr für dich da ist, die du wahr­schein­lich fast nie benutzt (Ausbeutung! Du bezahlst dafür!). Ähnlich wie deine Krankenkasse, die Arbeitslosenversicherung, usw. Ausbeutung der Menschen durch Menschen. Aber selbst, wenn nie etwas passiert und die Menschen für ihre Fernsehgebühren einfach nur fern­se­hen dürfen, fände ich inter­es­sant zu hören, wo deiner Meinung nach der Fernsehe-Journalismus ohne ÖR Sender besser ist als hier. BBC ist ja nun auch ÖR. CNN glaube ich nicht, ich nehme an, du wirst auch keinen deut­schen Journalismuswissenschaftler finden, der dir da Recht gibt, aber viel­leicht ja doch. Dann sind wir also in den USA, wo es tatsäch­lich kaum ein richtig funk­tio­nie­ren­des ÖR Programm gibt. Glaubst du, die haben die besser aufge­klärte Bevölkerung? Hmmm. Lass es mich so sagen: nein. Ich weiß, was jetzt kommt: Weil Amerikaner dumm sind?
    Was du sagst ist einfach Unsinn. Und alles, weil du dir anmaßt, die Qualität von Nachrichtensendungen für alle anderen Menschen beur­tei­len zu können. Die Millionen, die sie gucken, sind offen­bar zu doof, um wie du zu erken­nen, dass es da keinen Mehrwert gibt. So ein Pech. Du bist gefan­gen mit Mutanten, die sich ausbeu­ten lassen, um im Gegenzug scheiß Fernsehen zu gucken! Mein Tipp an dich: Schaff doch einfach den Fernseher ab und lies etwas, dass nicht Gefahr läuft, „Staatsblatt” zu sein. Wie wäre denn die BILD-Zeitung?

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