Kurz notiert: Zensursula schlägt wieder zu

Aktuell berich­tet „derFreitag”, dass Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen, besser bekannt als „Zensursula”, das aktu­elle Album von Rammstein indi­zie­ren ließ:

Vielleicht möchte sie so aber auch ihre evan­ge­li­ka­len Wertvorstellungen durch­drü­cken. Jetzt kann man sich auch fragen, wie man mit verhü­te­tem Sex zu sieben Kindern kommt oder wie welt­fremd man sein muss, die einzige im Ausland erfolg­rei­che Musikgruppe neben „Tokio-Hotel” und den „Scorpions” indi­zie­ren zu lassen.

Ich für meinen Teil habe mir jetzt das aktu­elle Rammstein-Album bestellt, um ein Zeichen zu setzen gegen staat­li­che Bevormundung und Zensur — und gleich­zei­tig bin ich froh, dass dieses Mal die SPD nicht schuld ist, und sich statt­des­sen die FDP von ihren WählerInnen fragen lassen muss, wie sie diese Ministerin mittra­gen kann.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

17 Gedanken zu „Kurz notiert: Zensursula schlägt wieder zu“

  1. Naja, ne Indizierung ist jetzt nicht ganz das gleiche wie das Internet zu zensie­ren aber warum diese Frau immer noch Ministerin spielen darf, ist in der Tat ein Rätsel.

  2. Der Brückenschlag zwischen evan­ge­li­ka­len Vorstellung und der fehlen­den Verhütung ist voll­kom­men verwirrt, hat nichts mit der Indizierung des Albums zutun und reine Polemik gegen von der Leyen. Das Argument der Verkaufszahlen spreche gegen die Indizierung ist auch Schwachsinn. So darf man keine Artikel schrei­ben, auch wenn ich die Indizierung für nicht sinn­voll halte. Naja jetzt verkauft sich die CD — wie von der Band gewünscht — richtig gut. War ja geplant. Dass du, Christian ein „Zeichen” setzen willst, finde ich dann aber doch amüsant. Konsum gegen Zensur? Auf in den Kampf. Diese Argumentation versteh ich nicht. Ich kauf mir nur Musik die mir gefällt.

    Und die Schadenfreude gegen­über der FDP ist auch ziem­lich sinn­frei. Auch Polemik, die nichts zur Sache beiträgt.
    Ein wenig Niveau sollten wir viel­leicht auf diesem Blog erhal­ten.

  3. Gut zu lesen, das es doch Menschen gibt, die nicht wie die Oben Genannte im falschen Jahrtausend leben und denken. Soso nun soll angeb­lich Rammstein mit Ihrer neuen CD die Kinder verder­ben, naja als Rammstein Fan kann ich mich eigent­lich für diese Art der Reklame nur bedan­ken, erinner sei nur an Falco und Jeannny PartI u.II. Andererseits wenn diese CD so anstös­sig und verderb­lich ist wie da so unter­stellt wird, dann muss aber ab sofort jegli­che Tageszeitung die nackte Körper, Anzeigen für das Alte Gewerbe etc. abdru­cken, jede Zeitung die den Schlankheitswahn unter­stüt­zen mit irgend­wel­chen dümm­li­chen Diäten, die jeden Tag mehr ein Kind zur Bulemie drängt, ab sofort auf den Index setzen, sie verder­ben mehr Menschen als diese gelun­gene Rammstein CD. Hinzu kommt, das die vermeint­lich zu verder­ben­den Kinder, sobald sie das Elternhaus hinter sich lassen, sich einer Sprache und Ausdrucksweise betä­ti­gen, da würden selbst die Jungs von Rammstein die Ohren anlegen und rot werden. Diese Indizierung zeigt ein weite­res Mal, wie Antiquiert,verklemmt und fern der Realität diese Leute sind die da uns Ihre Meinung per Gesetz verord­nen. Es wird Zeit das diese Herrschaften Indiziert werden um uns endlich vor denen zu schüt­zen.

  4. Also Textzeilen wie „Du blutest für mein Seelenheil, Ein kleiner Schnitt und du wirst geil, Der Körper schon total entstellt, Egal — erlaubt ist was gefällt” finde ich persön­lich jetzt nicht sehr jugend­frei. Wenn eine entspre­chende Szene im Kino liefe würde ich auch sehr für eine Altersbegrenzung plädie­ren (und nichts anderes ist ja die Indexierung, die ja nur den Verkauf an Jugendliche verbie­tet).

    1. @DSB

      Schließt eine Indizierung nicht auch Werbeverbote mit ein? Okay, die Indizierung selber wirkt besser als eine Millionenteure Kampagne aber trotz­dem meine ich, dass das schon etwas anderes ist als eine Altersbegrenzung. Und ein „Ab 18” finde ich auch nicht gerecht­fer­tigt, ab 16 hätte völlig gelangt.

  5. ja, diese Text-Schnipsel gibt’s bei Rammstein- aber auch „Haifisch” und „Mehr”, die teils blumig, teils hinter­rücks die gesell­schaft­li­chen Zustände anpran­gern bzw. teils einen Weg aus ihnen andeu­ten.
    Die CD so weit zu hören / zu ertra­gen, bis zu Stück 4 bzw. 10, das ist wohl zuviel für Frau vdL- oder geht es gar genau um diese Texte?
    Wer Rammstein die Euros nicht gönnt, kann auch bei last.fm oder you tube rein­hö­ren in die Songs der CD.

    1. Und in Horrorfilmen gibt es auch roman­ti­sche Szenen … Dass andere Lieder nicht so brachial daher­kom­men, macht das eine im Zweifelsfall ja nicht „jugend­ver­träg­li­cher”. Und bei Alben kommt man dann wahr­schein­lich nicht umhin, eben das Gesamtkunstwerk auf den Index zu setzen. Alternativ könnte man natür­lich auch die entspre­chen­den Stellen neutra­li­sie­ren (so kam ja das berüch­tigte Beeeep in die Welt ;) Aber das macht in diesem Fall wahr­schein­lich einfach wenig Sinn …

  6. Höre grade „Pussy” aus dem o. a. Album, ein klarer Angriff gegen Sextourismus, der wahr­schein­lich mehr bewirkt als tausend Web-Sperren. Klar, wer Realität benennt, ist ein „Gedankenverbrecher”.
    Gut, im Mittelalter wären sie noch gerä­dert worden.

    1. Na dann ist ja klar, dass auch 13- oder 15-jährige mit dras­ti­schen Botschaften zu diesem Thema zuge­dröhnt werden müssen.

  7. Ich bin zufrie­den mit dem Eintrag. :-)

    Das freut mich wirk­lich. Solch extrem genüg­same, leicht zufrie­den­zu­stel­lende Menschen findet man heut­zu­tage selten.
    Daß jemand gern mehrere Kinder (und sieben sind ja nun nicht wirk­lich viele) haben will, oder daß jemand einfach Dinge tut, die er eben gut kann (und wenn es eben gerade das Kinderzeugen und -gebären ist) das ist Dir wohl nicht in den Sinn gekom­men? Ich wäre ehrlich gesagt dankbar, wenn Frau v. d. Leyen an dieser Stelle weiter­ge­macht hätte, meinet­halb bis zum vollen Dutzend, statt Deutschland mit ihrer kinder­feind­li­chen Fremdbetreuungsideologie zu beglü­cken. Wo bei der Frau »evan­ge­li­kale Wertvorstellungen« zu finden sein sollen, ist mir eini­ger­ma­ßen schlei­er­haft.

  8. Herzlich Willkommen im Mittelalter, dieser ausge­machte Schwachsinn wurde tatsäch­lich bestä­tigt. Da stellt sich mir die Frage, wann an den Strassenecken wieder Ablässe geahn­delt werden und beim Dorfältesten der Hexenhammer aushängt. Wenn diese CD die nichts als Umgangssprache enthält zensiert werden muss , verstehe ich auch langsam warum die Filme der Olsenbande bei Premiere( Sky ) erst ab 16 und deswe­gen tags­über frei­ge­schal­tet werden mussten.

  9. Ich habe drei Kinder, der jüngste ist 13 und mit dem war ich gestern im Kino — „Die Päpstin”. Muss mich ja auch irgend­wie an der Bildung des Kindes betei­li­gen, um den Unterrichtsausfall zu kompen­sie­ren (also ich wende Geld auf, um das was ich bereits bezahlt aber nie bekom­men hab zu erhal­ten :-)) — also die Päpstin. Die Bösen schla­gen dem Priester natür­lich den Kopf vom Hals und das Blut spitzt — jedes PC-Spiel wäre schon verbo­ten bei paar Tropfen roter Farbe. Die Vergewaltigung der Gattin des Priesters durch selbi­gen vor den Augen der Kinder dürfen Kinder natür­lich im Kino sehen — nur gesun­gen dürfen sie es halt nicht bekom­men. Die Kriegszene lasse ich nun unkom­men­tiert, nicht das mir jemand damit kommt, da hätte sich irgend­wer gewalt­ver­herr­li­chend endblö­det. Der Film war ab 12.

    Ich empfinde es 20 Jahre nach dem Mauerfall
    persön­lich als Sündenfall was da grad abläuft. Die künst­le­ri­sche Beschreibung der Realität wird indi­ziert, Autoren auch heute schon wieder verbo­ten und die Frage bleibt — wann werden denn nun wieder die ersten Bücher brennen? Ist das vom Lindemann dabei? Und wo Zensursula wenn das Feuer gelegt wird?

    Ich hab mit meinen Kindern nicht nur über Rammstein gespro­chen. Ich glaub ich hab ihnen auch beige­bracht was die Freiheit die wir meinen auszeich­net, die Achtung der Meinung des Anderen. Wohl gemerkt — die Achtung — nicht Verbot und Verfolgung wie bei Nazies und Kommunisten!

    Wen das Inlet an SM-Praktiken erin­nert, der sollte isich in erster Linie wegen seiner schmut­zi­gen Phantasie selbst indi­zie­ren lassen, wer in Pussy die Aufforderung zu unge­schütz­ten Sex im AIDS-Zeitalter erkennt sollte sich wohl eher als ertappt fühlen — keine Sau stört das sonst was die Jungs singen, wenn ich mich nicht an jedem Straßenstrich entlang vögeln muss. Vielleicht erken­nen sich zu viele Bundesdeutscheinnen und -deut­sche und den Lieder wieder. War noch nie lustig so ein Spiegel vor Augen.

    Ich habe jeden­falls meine erste Enttäuschung nach der Bundestagswahl weg und werde nie nie nie wiiiiiiiee­e­e­e­e­e­e­e­e­eder ind Stadt, Land oder Bund an Leute bzw. Parteien meine Stimme verge­ben die an dieser Entscheidung mitgew„ü„rgt haben.

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