Leseempfehlung: Robert Misiks Rede im Wiener Audimax

Absolut lesens­wert: die Rede des groß­ar­ti­gen Robert Misik im Audimax der Universität Wien:

Ich möchte hier über die Geiselnahme und Umdeutung von Begriffen spre­chen, darüber, wie reak­tio­näre Kräfte Deutungsrahmen prägen. Das passiert ja immer wieder. Begriffe werden zu Kampfbegriffen und sie werden auch zu umkämpf­ten Begriffen. Ein solcher Begriff ist ja etwa der der „Effizienz”. Inwiefern das Euren Kampf betrifft, liegt ja auf der Hand: Dinge so zu orga­ni­sie­ren, dass sie „effi­zi­ent” sind, ist ja ein belieb­tes rheto­ri­sches Muster im Jargon der gesell­schaft­li­cher Gegenreform. Was kompa­ti­bel ist für den Organisationsrahmen freier Markt, das ist effi­zi­ent. Was nicht maximal effi­zi­ent im Sinne eines simplen Ökonomismus ist, ist inef­fi­zi­ent. Man hat die Studien versucht effi­zi­ent zu machen, also zu verschu­len. Ob das gut oder erstre­bens­wert ist, muss man dann gar nicht mehr fragen, sofern das nur angeb­lich effi­zi­ent ist. Dass man damit die Universitätsausbildung schon ziem­lich kaputt gemacht hat und dass das neben allem, in the long run auch noch „inef­fi­zi­ent” ist, na, das muss ich Euch nicht extra sagen. Immer weniger Menschen mit kriti­scher Bildung auszu­stat­ten und immer mehr Menschen im schnel­len Durchlauf mit anwend­ba­ren Fachwissen auszu­stat­ten mag „effi­zi­ent” sein in Hinblick auf ein, zwei, drei kleine Ziele, effi­zi­ent für eine lang­fris­tig prospe­rie­rende Gesellschaft ist es keines­wegs.

Hintergrundinformationen:

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

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