Aufstand in der Jungen Union?

Es brodelt und gärt in der Jungen Union, der CDU-Nachwuchsorganisation. Angela Merkel, Bundeskanzlerin und CDU-Chefin, kommt nicht zum „Deutschlandtag“ (=Parteitag) der Jungen Union. Darüber sind die Parteisoldaten erbost, was ich verstehen kann: Franz Müntefering musste bei der Juso-BDK (=Parteitag) auch Prügel verbaler Art einstecken, aber das wusste er schon vorher, und es hat ihn natürlich nicht davon abgehalten, zu kommen. Nichts hätte Müntefering von einem Besuch des Nachwuchses abhalten können, dessen kann man sich sicher sein.

„Mutti“ scheint das anders zu handhaben: „Sie hat es nie vermocht die Seele der Partei zu streicheln.“ Und man kann Münte viel vorwerfen, aber wenn jemand die Seele der SPD verstanden hat und sie streicheln kann, dann ist es Münte.

Und die Empörung beschränkt sich nicht auf Pressemitteilungen und Blog-Einträge. Es wurde sogar eine öffentliche (!) Facebook-Gruppe „Aufstand gegen Mutti“ mit fast 200 Mitgliedern gegründet – für einen Tag eine beachtliche Leistung. Die Gruppen-Beschreibung spricht für sich:

Die Junge Union ist nicht nur die Jugendorganisation der CDU und CSU. Nein, sie ist auch der größte politische Jugendverband in Deutschland und Europa. Sie ist mit fast 130.000 Mitgliedern größer als die Grünen und die FDP zusammen. Ein stolzer Verband mit vielen engagierten und aktiven Mitgliedern.

Diese Mitglieder haben im Wahlkampf viel geleistet. Sie haben als Freiwillige Plakate geklebt, auf Marktplätzen diskutiert, Flyer verteilt, für ihre Direktkandidaten und die CDU geworben – und dafür, dass Angela Merkel Kanzlerin bleibt. Tausende junger Menschen haben viel Zeit geopfert für den Wahlsieg. Eigentlich sollte man ihnen dafür danken.

Am kommenden Wochenende (16.-18. Oktober 2009) findet der diesjährige Deutschlandtag in Münster statt, das höchste Gremium der Jungen Union. Die CDU-Parteivorsitzende war seit einem Jahr dazu eingeladen und war fest eingeplant.

Nun hat „Mutti“ abgesagt. Und Horst auch.

Es ist ein Zeichen von mangelndem Respekt gegenüber dem Engagement der Jungen Union und den Wahlkämpfern.

Wir zeigen unseren Unmut!

JU-Mitglieder wie Björn B. gehen in den Kommentaren noch weiter:

Mißfelder kommentiert das nicht???? Das kann ja wohl nicht sein! Philipp mach den Mund auf! Du bist JU-Vorsitzender und nicht der Schoßhund von AM!
Wenn jetzt nichts kommt, brauchen wir einen neuen Vorsitzenden!

Tja. Die völlige Inhaltsleere der CDU, vor allem in den Ländern, die sie nicht nur in Thüringen, sondern auch im Saarland weitgehende Kompromisse eingehen lässt, wie von Rayson treffend analysiert, geht eben nicht spurlos an der Partei vorbei. Die Analyse Michael Sprengs direkt nach der Wahl ist deshalb natürlich völlig richtig:

Die CDU ist als Volkspartei zwar noch nicht auf der Intensivstation wie die SPD, aber sie ist auf dem Weg ins Krankenhaus. Sie ist nach vier Jahren Merkel fast schon da, wo sie nach 16 Jahren Kohl war: ein Kanzlerwahlverein – inhaltslos, geistig lahmgelegt, innerparteilich tot. Sie bietet keine Zukunftsorientierung, hat keinen Plan für die Gesellschaft von morgen. Die Partei ist hinter und unter Merkel fast spurlos verschwunden. Die CDU diskutiert nicht mehr, von ihr geht keine Strahlkraft, keine Faszination aus. Sie steht und fällt mit Merkel. Das ist gefährlich, wie die Wahl gezeigt hat. Denn Merkel besitzt keinen Kanzlerbonus. Ob die CDU weiter schrumpft, hängt davon ab, ob Angela Merkel die Souveränität und den Mut hat, die CDU wieder zu einer lebendigen Partei zu machen. An der Auswahl ihres Generalsekretärs wird zu erkennen sein, ob sich Frau Merkel wirklich für die CDU interessiert.

Es bleibt die Frage: wozu CDU? Wofür steht diese Partei? Niemand weiß es. Und wer soll Angela Merkel herausfordern? Rüttgers? Der Arbeiterführer? Sicher nicht. Koch? Gerade so im Amt bestätigt. Keine Chance. Wulff? Schwiegermamaliebling. Ein guter Witz. Guttenberg? Zu jung.

Die CDU hat den Niedergang erst noch vor sich. Bis dahin ist die SPD wieder voll da.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

7 Gedanken zu „Aufstand in der Jungen Union?“

  1. Guttenberg ist nicht zu jung er ist gerade im Richtigen Alter …

    Übrigens was ist dran zu kritisieren wenn eine Jugendorganisation sich endlich mal gegen die Alten auflehnt …!?

    Und viele früher hätte sie es auch nicht tun können, denn im Wahlkampf kommt es blöd …

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