Schlechter Stil

Ich mag den Peer, irgend­wie. Auch wenn ich mich manch­mal über ihn geär­gert habe. Aber eine Rede erst im Parteivorstand zu halten und diese dann an die Presse zu geben, das ist schlech­ter Stil. Unabhängig davon, ob man den Inhalten dieser Rede zustimmt oder nicht. Eine interne Aussprache sollte auch intern bleiben. Soviel Solidarität sollte man erwar­ten können.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

14 Gedanken zu „Schlechter Stil“

  1. Es ist wohl die zeit der Selbstdarsteller, aber auch diese Phase gehört zur Trauer und viel­leicht auch zur inner­par­tei­li­chen Neuausrichtung dazu.
    Im Prinzip ist es mir lieber, dass jetz alles ausge­spro­chen wird, auch wenn es an Stil vermis­sen lässt, als das es uns ewig nach­hängt.
    In diesem Sinne kann ich mich sogar über Matschies Fehltritt in Thüringen freuen, denn er ermög­lich einer Parteibasis das Gehör und die Möglichkeit der Mitbestimmung, so etwas setzt einen Kontrapunkt z.B. zum gefak­ten Parteitag der Saargrünen und kann auf Dauer sogar der inner­par­tei­li­chen Demokratie förderl­lich sein.

    Vielleicht wird die SPD ja wieder eine Partei der streit­ba­ren Demokraten — Dafür nehem ich auch gerne den Vorwurf der Zerstrittenheit in Kauf, denn es entwi­ckelt die Politik weiter im Gegensatz zu einer Basta Politik. wie z.B. die CDU seid ihrer Gründung pflegt.

  2. Fand den Einblick ins Innenleben der SPD-Spitze ganz inter­es­sant, verstehe aber, dass das als unso­li­da­risch empfun­den wird.

  3. Abgesehen davon, dass ich seine Analyse teile, verstehe ich die Aufregung nicht. Ihr wollt doch wieder breit über die Zukunft (der Partei) disku­tie­ren. Hier hat ein Vorstandsmitglied seine Gedanken der Öffentlichkeit zugäng­lich gemacht und nicht im Hinterzimmer behal­ten.
    Ich empfinde das als sehr erfri­schend.

  4. Naja, hat er sie wirk­lich an die Presse gegeben? Über die Quelle schweigt isch der SPIEGEL ja aus — und das hätte er sicher­lich erwähnt.
    Davon abge­se­hen, finde ich die Rede richtig gut, nicht nur inhalt­lich, sondern auch rheto­risch. Hätte ich gar nicht erwar­tet.

    1. Habe den entspre­chen­den Artikel oben verlinkt, Zitat:

      Der SPIEGEL zitiert aus der Abschiedsrede, die Steinbrück für das Nachrichtenmagazin aus eigenen Notizen und Erinnerungen rekon­stru­iert hat.

      Und dass Du das nicht erwar­tet hast, wundert mich wirk­lich. Steinbrück ist ein bril­lan­ter Redner. Das ist nun wirk­lich keine Neuigkeit.

  5. OK, das hab ich wohl über­se­hen — ja, sowas wird inner­par­tei­lich wahr­lich nicht gerne gesehen.
    Ich kenne Steinbrück ja nicht partei­in­tern (wo er sehr gute Reden zu halten scheint). In den im Fernsehen zu sehen­den 15-Sekunden-Schnipseln kommt er jeden­falls nicht so sehr rüber.

  6. Eine interne Aussprache sollte auch intern bleiben. Soviel Solidarität sollte man erwar­ten können.

    Das sehe ich etwas anders. Peer Steinbrück wird sich vermut­lich nicht der Illusion hinge­ben, dass er bei Herrn Wowereit oder Herrn Stegner ein echtes Nachdenken über das eigene Handeln erreicht. Dafür sind alle drei einfach schon zu lange im Politikgeschäft.

    Er spricht viele Punkte an, die bisher nicht so öffent­lich bespro­chen wurden (z.B. die Zufriedenheit der Bevölkerung mit einzel­nen SPD-Führungsfiguren), oder das Paradoxon, dass die Deutschen dieje­ni­gen gewählt haben, die (schein­bar) die Krise verur­sacht haben, dass die Menschen anschei­nend lieber Politiker wählen, die den Sozialstaat zusam­men­strei­chen und Arbeitnehmerrechte schlei­fen wollen, als ihr Kreuz bei der SPD zu machen.

    Ich finde diese Rede sehr inter­es­sant und hätte es schade gefun­den, wenn sie in irgend­ei­nem Parteiordner verstaubt wäre.

    Ich kann nicht erken­nen, dass Steinbrück schär­fer mit seiner Partei und den handeln­den Personen ins Gericht geht als bspw. der Landesverband Berlin.

  7. Er hat mit seiner Kritik nicht ganz Unrecht, nur frage ich mich wer die letzten Jahre über stell­ver­tre­ten­der Bundesvorsitzender war. Zu Recht übt er Kritik aber letzt­end­lich igno­riert er meiner Meinung nach die eigene Mitverantwortung.

  8. An sich gehört so eine Abrechnung nicht extern über die Presse publi­ziert, aber seine Analyse ist ja nicht nur für den Parteivorstand gedacht sondern eher für dieje­ni­gen, die über die künf­tige Zusammensetzung dieses Gremiums zu entschei­den haben.
    Insofern verstehe ich, dass Steinbrück seine Rede an die Presse weiter­ge­ge­ben hat.

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