Spalter Sarrazin

Ich bin ein biss­chen spät dran damit, mich öffent­lich über Thilo Sarrazin aufzu­re­gen, aber besser spät als nie. Für mich ist klar: was Sarrazin von sich gegeben hat, ist rassis­tisch. Da habe ich auch keine große Lust, das haar­klein zu analy­sie­ren, ob das nur ein biss­chen Rassismus ist oder schon ziem­lich starker Rassismus. Ein biss­chen Rassismus gibt es nicht, so wenig wie es ein biss­chen schwan­ger gibt. Ein SPD-Politiker sagte einmal sinn­ge­mäß: „Zwischen NPD und DVU unter­scheide ich nicht, denn das hieße, Scheiße nach dem Geruch zu sortie­ren.” Und genau so sollte man es auch mit Rassismus halten. Ganz undif­fe­ren­ziert.

Dass Sarrazin von libe­ra­ler Seite vertei­digt wird, darf nicht erstau­nen oder verwun­dern. Der pawlow’sche Reflex eines blog­gen­den Liberalen, jedem beizu­sprin­gen, der wegen dämli­cher Äußerungen in Kritik gerät, sollte mitt­ler­weile allge­mein bekannt sein.

Insofern bin ich dankbar, dass der Zentralrat der Juden so deut­li­che Worte für Thilo Sarrazin findet:

„Ich habe den Eindruck, dass Sarrazin mit seinen Äußerungen Göring, Goebbels und Hitler eine große Ehre macht”, sagte Kramer in gewohnt poin­tier­ter Weise auf einer gemein­sa­men Pressekonferenz des Zentralrats mit der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD). „Er steht in geis­ti­ger Reihe mit diesen Herren.” Die Äußerungen des ehema­li­gen Berliner Finanzsenators seien „perfide, infam, volks­ver­het­zend und muslim­feind­lich.” TGD-Chaf Kenan Kolat forderte erneut den Rücktritt Sarrazins.

Und gleich­zei­tig schäme ich mich, dass dieser Spalter nicht nur Mitglied der SPD ist, sondern auch noch für die SPD als Berliner Finanzminister tätig war. Für Sarrazin ist kein Platz mehr in der SPD.

PS: Alan Posener räumt mit Sarrazin ordent­lich auf. Grandios.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

16 Gedanken zu „Spalter Sarrazin“

  1. Ein ganz schlim­mer Kerl. Ich habe schon regel­mä­ßig Würgreiz bekom­men wenn ich seine Äußerungen zu Hartz IV-Empfänger gelesen habe, aber die Aktion jetzt zeigt ganz deut­lich, dass dieser Mann seine Aufgabe anschei­nend in der Diskriminierung jegli­cher Minderheiten sieht.

  2. Leider ist die SPD als „Volkspartei” auch Auffangbecken für sehr rechte Sozialdemokraten (gewesen).
    Wenn ihr das so ändert, wie sich in der Linken die Stasi-Kader neutra­li­sie­ren bzw. deinven­ta­ri­sie­ren, dann brechen womög­lich wirk­lich neue Zeiten der Ent-Eisung zwischen SPD und Linkspartei an.
    Keine Angst, einen Vereinigungs-Parteitag gibt’s deswe­gen trotz­dem nicht ;-)

  3. @Christian:
    Bildlich gespro­chen:
    Wer als „ehem.” Burschenschaftler lieber mit den (Krawall-)Brüdern einen heben geht anstatt sich auf dem 1. Mai sehen zu lassen, den würde ich als „rechts­au­ßen” bezeich­nen (oder gerne mal bei JF schreibt oder kolum­niert- soll sogar Grüne geben, die das tun).
    Ich kenne eure Genossen nicht so gut (habe 1993 das Interesse verlo­ren, mich mit jeder Personalie in der Asyl-Abschaffungs-Partei* ausein­an­der­zu­set­zen), daher erwarte jetzt bitte keine „Liste”- „Sarrazins-Liste”, naja, geschmack­lo­ser Vergleich, sorry. Schindler war ein Ehrenmann, Sarrazin ist es nicht.

    *mir bekannt, dass der sog. Asyl-Kompromiß auch von LaFo mitge­tra­gen wurde.

      1. Gute Frage- wenn ich so manche GenossInnen U60 in Ost und West richtig verstehe, tenden­zi­ell ja. Was im Wahlprogramm steht- ka- kenne es nicht auswen­dig.
        Ist wahr­schein­lich ein Punkt, der im nächs­ten Jahr bei der Programmdebatte ansteht. Wir haben ja, wie die Piraten ;-)- noch kein rich­ti­ges Programm.

        1. Kleine Ergänzung zu Deinem Artikel:
          der Zitierte scheint Gerhard Glogowski zu sein, SPD aus Nds., genauer- ein Braunschweiger, ein im wahrs­ten Sinne wohl-gelit­te­ner dazu- damit hat er mal den Nerv getrof­fen (soweit ich mich an ihn und seine Zitate richtig erin­nere).

  4. Ich bin wie die weitaus meisten Herrn Dr. Sarrazin unglaub­lich dankbar, daß er die Problematik benannt und auf die Tgesordnung gebracht hat. Es wurde Zeit. Nur so kann Fehlentwicklungen gegen­ge­steu­ert werden.

    1. Ja, so dankbar können die tumben Stammtische der deutsch-natio­na­len Traditionslinien sein.
      Richtig, dankbar bin ich auch, wer Sarrazin beju­belt, „wagt” sich aus der Deckung und zeigt seine wahre Gesinnung. In Wahrheit geht es den RassistInnen doch nicht darum, dass Integration aner­kannt wird, denn das Fremde wird nie akzep­tiert- im freud­schen Sinne „Kebab-Neid”- das deut­sche Würstchen bringt’s einfach nicht ;-)
      Am Ende stehen Isolation, Lager und Pogrome. Ist nur die Frage, wer das dann „mutig” ausspricht. Der Tod ist ein Meister aus Deutschland :-(

  5. Alle, die jetzt in selbst­ge­rech­ter Empörung nahezu ersau­fen, sollten die betref­fen­den Passagen des Interviews mal im Zusammenhang lesen und einer einge­hen­den Textanalyse unter­zie­hen. Gerne wird auch über­se­hen, daß es hier zunächst mal um Berliner Probleme geht, die Herr Dr. Sarrazin aus seiner sieben­jäh­ri­gen Tätigkeit als Finanzsenator wie kaum jemand kennt. Die teil­weise etwas gewag­ten Formulierungen haben ihren Zweck mehr als erfüllt, indem sie die allge­meine Aufmerksamkeit auf die im Interview benann­ten drän­gen­den Probleme gelenkt haben. Die SPD hat jetzt die Chance, diese Probleme aufzu­grei­fen und an ihrer Lösung mitzu­ar­bei­ten, bevor das die falschen Leute tun.

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