Ich bin ein bisschen spät dran damit, mich öffentlich über Thilo Sarrazin aufzuregen, aber besser spät als nie. Für mich ist klar: was Sarrazin von sich gegeben hat, ist rassistisch. Da habe ich auch keine große Lust, das haarklein zu analysieren, ob das nur ein bisschen Rassismus ist oder schon ziemlich starker Rassismus. Ein bisschen Rassismus gibt es nicht, so wenig wie es ein bisschen schwanger gibt. Ein SPD-Politiker sagte einmal sinngemäß: „Zwischen NPD und DVU unterscheide ich nicht, denn das hieße, Scheiße nach dem Geruch zu sortieren.” Und genau so sollte man es auch mit Rassismus halten. Ganz undifferenziert.
Dass Sarrazin von liberaler Seite verteidigt wird, darf nicht erstaunen oder verwundern. Der pawlow’sche Reflex eines bloggenden Liberalen, jedem beizuspringen, der wegen dämlicher Äußerungen in Kritik gerät, sollte mittlerweile allgemein bekannt sein.
Insofern bin ich dankbar, dass der Zentralrat der Juden so deutliche Worte für Thilo Sarrazin findet:
„Ich habe den Eindruck, dass Sarrazin mit seinen Äußerungen Göring, Goebbels und Hitler eine große Ehre macht”, sagte Kramer in gewohnt pointierter Weise auf einer gemeinsamen Pressekonferenz des Zentralrats mit der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD). „Er steht in geistiger Reihe mit diesen Herren.” Die Äußerungen des ehemaligen Berliner Finanzsenators seien „perfide, infam, volksverhetzend und muslimfeindlich.” TGD-Chaf Kenan Kolat forderte erneut den Rücktritt Sarrazins.
Und gleichzeitig schäme ich mich, dass dieser Spalter nicht nur Mitglied der SPD ist, sondern auch noch für die SPD als Berliner Finanzminister tätig war. Für Sarrazin ist kein Platz mehr in der SPD.
PS: Alan Posener räumt mit Sarrazin ordentlich auf. Grandios.


Ein ganz schlimmer Kerl. Ich habe schon regelmäßig Würgreiz bekommen wenn ich seine Äußerungen zu Hartz IV-Empfänger gelesen habe, aber die Aktion jetzt zeigt ganz deutlich, dass dieser Mann seine Aufgabe anscheinend in der Diskriminierung jeglicher Minderheiten sieht.
[…] Als kleiner Nachtrag zur Sarrazin-Thematik und der Behandlung in „liberalen“ Blogs, ein Kommentar eines „Freundes der Offenen Gesellschaft“: Kramer schadet nicht […]
Leider ist die SPD als „Volkspartei” auch Auffangbecken für sehr rechte Sozialdemokraten (gewesen).
Wenn ihr das so ändert, wie sich in der Linken die Stasi-Kader neutralisieren bzw. deinventarisieren, dann brechen womöglich wirklich neue Zeiten der Ent-Eisung zwischen SPD und Linkspartei an.
Keine Angst, einen Vereinigungs-Parteitag gibt’s deswegen trotzdem nicht ;-)
Es kommt darauf an, was Du unter „rechts” definierst. Ich habe bspw. kein Problem damit, dass ein Johannes Kahrs Mitglied der SPD ist.
@Christian:
Bildlich gesprochen:
Wer als „ehem.” Burschenschaftler lieber mit den (Krawall-)Brüdern einen heben geht anstatt sich auf dem 1. Mai sehen zu lassen, den würde ich als „rechtsaußen” bezeichnen (oder gerne mal bei JF schreibt oder kolumniert– soll sogar Grüne geben, die das tun).
Ich kenne eure Genossen nicht so gut (habe 1993 das Interesse verloren, mich mit jeder Personalie in der Asyl-Abschaffungs-Partei* auseinanderzusetzen), daher erwarte jetzt bitte keine „Liste”- „Sarrazins-Liste”, naja, geschmackloser Vergleich, sorry. Schindler war ein Ehrenmann, Sarrazin ist es nicht.
*mir bekannt, dass der sog. Asyl-Kompromiß auch von LaFo mitgetragen wurde.
Will die Linkspartei den Asyl-Kompromiss eigentlich rückgängig machen?
Gute Frage– wenn ich so manche GenossInnen U60 in Ost und West richtig verstehe, tendenziell ja. Was im Wahlprogramm steht– ka– kenne es nicht auswendig.
Ist wahrscheinlich ein Punkt, der im nächsten Jahr bei der Programmdebatte ansteht. Wir haben ja, wie die Piraten ;-)- noch kein richtiges Programm.
Kleine Ergänzung zu Deinem Artikel:
der Zitierte scheint Gerhard Glogowski zu sein, SPD aus Nds., genauer– ein Braunschweiger, ein im wahrsten Sinne wohl-gelittener dazu– damit hat er mal den Nerv getroffen (soweit ich mich an ihn und seine Zitate richtig erinnere).
Ich bin wie die weitaus meisten Herrn Dr. Sarrazin unglaublich dankbar, daß er die Problematik benannt und auf die Tgesordnung gebracht hat. Es wurde Zeit. Nur so kann Fehlentwicklungen gegengesteuert werden.
Ja, so dankbar können die tumben Stammtische der deutsch-nationalen Traditionslinien sein.
Richtig, dankbar bin ich auch, wer Sarrazin bejubelt, „wagt” sich aus der Deckung und zeigt seine wahre Gesinnung. In Wahrheit geht es den RassistInnen doch nicht darum, dass Integration anerkannt wird, denn das Fremde wird nie akzeptiert– im freudschen Sinne „Kebab-Neid”- das deutsche Würstchen bringt’s einfach nicht ;-)
Am Ende stehen Isolation, Lager und Pogrome. Ist nur die Frage, wer das dann „mutig” ausspricht. Der Tod ist ein Meister aus Deutschland :-(
Alle, die jetzt in selbstgerechter Empörung nahezu ersaufen, sollten die betreffenden Passagen des Interviews mal im Zusammenhang lesen und einer eingehenden Textanalyse unterziehen. Gerne wird auch übersehen, daß es hier zunächst mal um Berliner Probleme geht, die Herr Dr. Sarrazin aus seiner siebenjährigen Tätigkeit als Finanzsenator wie kaum jemand kennt. Die teilweise etwas gewagten Formulierungen haben ihren Zweck mehr als erfüllt, indem sie die allgemeine Aufmerksamkeit auf die im Interview benannten drängenden Probleme gelenkt haben. Die SPD hat jetzt die Chance, diese Probleme aufzugreifen und an ihrer Lösung mitzuarbeiten, bevor das die falschen Leute tun.
Sarrazin äußert sich rassistisch. Das abzulehnen sollte Grundkonsens in unserer Gesellschaft sein. Mit „selbstgerechter Empörung” hat das nichts zu tun.
[…] In der taz ist ein ausgezeichneter Kommentar zu Sarrazin zu finden mit der Forderung, ihn aus der SPD auszuschließen: Die SPD täte gut daran, Sarrazin […]
[…] Alan Posener legt in der Causa Sarrazin noch einmal nach: Thilo Sarrazin und die Folgen. Die rassistischen Äußerungen des […]
[…] nun schon lang am Laufen. Und abgeschlossen scheint das Ganze auch: Für seine als rechtsradikal, rassistisch oder gar “Göring, Goebbels und Hitler alle Ehre” machend (Zentralrat der Juden) […]
[…] Thilo Sarrazin schreiben. Aber nun gut. Ein abschließender Kommentar: für mich ist Sarrazin ein Rassist. Alan Posener sieht das wie ich. Einen schönen Hintergrundartikel zum Thema hatten wir hier auch. […]