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Es ist Deutschland hier”

29. September 2009
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In den internationalen Medien wird der künftige Außenminister schon verspottet, noch ehe er überhaupt im Amt ist. Vier Jahre müssen wir Guido Westerwelle nun ertragen. Was das für Deutschlands Ansehen in der Welt bedeutet? Man darf gespannt sein.

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17 Responses to Es ist Deutschland hier”

  1. Forentourist on 29. September 2009 at 22:03

    >In den internationalen Medien wird der künftige Außenminister schon verspottet
    :In welchen?
    Deutsche Politiker bemühen sich seit Schröder darum, einen Sitz im Weltsicherheitsrat zu bekommen und Deutsch neben Englisch und Französisch als Gleichberechtigte Arbeitssprache der EU durchzudrücken.
    Wenn die BBC für ihre Berichterstattung über DEUTSCHE Wahlen auf die DEUTSCHE Pressekonferenz einer DEUTSCHEN Partei keine Mitarbeiter mit entsprechenden Sprachkenntnissen (Deutscher Sprachraum: ~95 Mio. Menschen) schicken kann, ist das peinlich für die BBC. Deutschland ist kein exotischer Zwergstaat, die Pressekonferenz hat auch keinen aktuellen Bezug zur Außenpolitik.
    In Frankreich würde man sowas gar nicht erst WAGEN.
    Ich muss aber Recht geben, dass die Antwort etwas holperig war. Guido war bisher der Stand-Up-Steuersenker. Fürs internationale Parkett muss er die passenden Floskeln erst noch üben.

    Nebenbei: Die Frage selbst ist journalistisch schwach, weil keine Antwort mit echtem Nachrichtenwert zu erwarten war. Hätte man Steinmeier oder Fischer nach Amtsantritt die gleiche Frage gestellt, es wäre bei Floskeln über „Deutschland als verlässlicher Partner”, „Europäische Integration stärken”, „Friedliche und dauerhafte Lösung für Afghanistan/Nahost/Kosovo/etc.” geblieben.
    Die Bedeutung deutscher Außenpolitiker wird mMn general maßlos überschätzt. Falls nicht gerade Krieg oder Wiedervereinigung ist, verbrennen sie viel Kerosin auf Reisen, schütteln Hände oder Feilschen um 500 zusätzliche Soldaten für ein Krisengebiet. Die EU hat sich inzwischen Verselbständigt und läuft auf Beamtenebene, und die Krisenherde dieser Welt werden entweder von den Amerikanern oder gar nicht gelöscht. Deutschland kann lediglich entscheiden, ob es mitmacht (Balkan, Hindukusch, Piraten) oder raushält (Irak).

    • Christian Soeder on 29. September 2009 at 22:12

      Der Ton macht die Musik. Westerwelle war hier einfach nur peinlich, und genau so kam er auch an.

      Wie wichtig oder unwichtig deutsche Außenminister sind, weiß ich nicht mit Sicherheit. So unwichtig, wie Du zu glauben scheinst, sind sie mit Sicherheit nicht.

      • Forentourist on 29. September 2009 at 23:40

        >So unwichtig, wie Du zu glauben scheinst, sind sie mit Sicherheit nicht.
        :Nenne 1 bedeutende Leistung der *deutschen* Außenpolitik seit der Wiedervereinigung.
        Die wichtigsten europäischen Verträge (EG->EU, Währungsunion) waren alles Verhandlungsergebnisse mehrerer Partner. Deutschland zahlt jedes Jahr einige Milliarden dafür.

        • nordstadt on 30. September 2009 at 10:27

          Ganz einfach: durch frühzeitige Anerkennung von Kroatien, Slowenien usw. 19911993 ein Anstacheln des sog. völkischen Konflikts im (dann) ehem. Jugoslawien.
          Es gab mal SPD-Mitglieder, die Frieden wollten– ja, der damalige AMin war, wenn ich mich richtig erinnere, entweder noch Genscher oder schon Kinkel, jew. FDP– die SPDler in Folge haben keine Wende in der Außenpolitik herbeigeführt, sondern mit der Kriegslüge („Hufeisenplan”) durch R. Scharping die Grünen und ihre AnhängerInnen 1999 auf Linie gebracht, das ist auch außenpolitisch ein „Erfolg” (wenn Bomben auf Belgrad ein Erfolg sein sollen).
          Im Übrigen– was ist außenpolitisch ein „Erfolg”? Wenn Bomben, Raketen und SoldatInnen geschickt werden? Oder wenn Hilfe zur Selbsthilfe geleistet wird?

          • Christian Soeder on 30. September 2009 at 10:30

            Der Völkermord mitten in Europa sollte Deiner Meinung nach also hingenommen werden. Oder missverstehe ich Dich?

          • nordstadt on 30. September 2009 at 10:48

            1991 gab es noch keinen Völkermord.
            Die Kriegsgründe so zu verflachen, wie Du es grade machst, wird den Opfern auf allen Seiten nicht gerecht.
            Die Diskussion wird hier auch nicht gerne gesehen, weswegen gleich große rethorische „Geschütze” aufgefahren werden. Mit dem „Völkermord unterbinden”-Argument wird dem deutschen außenpolitischen Engagement Unrecht getan– hier ging es zuerst nur um Einfluß und Geostrategie, nicht um Menschenrechte. Zudem ist mit dem …-unterbinden-Argument jedes außenpolitische Handeln vorab und für alle Zeiten legitimiert– zumindest, wenn die Machart der Argumentataionskette nicht durchschaut.
            @Christian: nenne mich meinetwegen einen Träumer. Ich war KDVler und stehe nach wie vor zum Anti-Militarismus und zu den Grundfesten des Grundgesetzes, z. B. zum Verbot des Angriffskrieges.

  2. Jan on 29. September 2009 at 22:53

    Dass auf Pressekonferenzen bezüglich der Landessprache bestimmte Regeln gelten ist ja nun nichts Ungewöhnliches. Wie Westerwelle reagiert hat fand ich allerdings trotzdem ungeschickt. Der Rest der Pressekonferenz hat mich allerdings mehr aufgeregt.

  3. Leopold Bechtler on 29. September 2009 at 23:29

    Kann der Mann nicht einfach Innenminister werden? Ich stelle mir das lustig vor, wie er uns vorführt, was das F in FDP bedeutet.

  4. Julian on 30. September 2009 at 01:54

    Naja, da finde ich das Video mit „The Aufschwung is da” schon ulkiger. Bis zu dem Teil mit der Einladung zum Tee, muss ich Westerwelle da leider Recht geben.

    Aber vielleicht lernt er noch ein bischen was, und wirkt in 2 Jahren nicht mehr so nervös wenn er eine Frage auf Englisch gestellt bekommt.

    • Christian Soeder on 30. September 2009 at 10:45

      Pressekonferenzen in Deutschland sind natürlich auf deutsch. Kein Problem.

      Aber, nochmal: der Ton macht die Musik.

  5. guidowatch on 30. September 2009 at 04:53

    Das war nur der Anfang. Wir koennen uns auf 4 heitere Jahre gefasst machen. Der Rest der Welt auch, vorausgesetzt, sie verstehen ihn und seinen ‚Humor’.

    • nordstadt on 30. September 2009 at 10:40

      Nach dem langen Hin-und-Her den letzten Satz nicht in bestem, gespreizten Oxford-English zu bringen, zeigt, dass der „Gute” so Einiges gelernt hat, aber sog. soft-skills, hier das Gespür dafür, wann es angezeigt ist, sich mal– zum Schein– devot zu geben, gehört m. E. nicht dazu.

  6. Christian Soeder on 30. September 2009 at 10:51

    nordstadt: Den Opfern wird vor allem nicht gerecht, sich selbst als Pazifist und alle anderen als Unmenschen und Kriegstreiber hinzustellen. Wenn Du glaubst, damit erreichst Du in Diskussionen irgendwas, dann tust Du mir leid.

    • nordstadt on 30. September 2009 at 14:38

      @Christian:
      „alle anderen”- nein, nur die Verantwortlichen. Hast Du mit abgestimmt bei den jeweiligen BT-Entscheidungen?
      Wir drehen uns im Kreis– eine Diskussion geht nicht mit Plattitüden, da sind wir– hoffentlich– einer Meinung. Und grüne (Krokodils-)Tränen oder SPD-TINA-Argumentationsketten helfen auch nicht weiter dabei, diese Welt friedlicher, gerechter und sozialer zu machen. Entweder Politik ist zum Gestalten da– und dann muß unsere Außenpolitik disutiert werden (dürfen) oder wir begeben uns (ohne Not) jedes Anspruchs auf einen nachdrücklichen Gestaltungswillen.

  7. arnomane on 2. Oktober 2009 at 10:26

    Tja Herr Westerwelle sollte mal sich ne Scheibe von Willy Brandt abschneiden oder auch Joschka Fischer… Die haben nicht lang rumgeeiert, sondern dem Journalisten prompt geantwortet: bei Willy Brandt, dem Sprachtalent, oft in der jeweiligen Landessprache.

    Im Übrigen wurden 1998 auch Gerhard Schröder nach der Wahl von internationalen Journalisten Gagafragen gestellt, die er ziemlich abgeklärt und belustigt auf Deutsch (!) beantwortet hat.

    Oh FDP mir graust es um dein F, wenn ich euer geistig verarmtes steifes Spitzenpersonal so ansehe, das nur noch die Religion des Geldes hochhält und auch noch glaubt, das wäre Liberalismus.

  8. guidowatch on 2. Oktober 2009 at 17:55

    Jetzt gibt es ja die Loesung des Aussenministerproblems — Genscher ist wieder da.

    Exakt, Arnomane! Und der weniger sprachtalentierte Joschka hat wenigstens nicht so nicht versucht, mit populistischem Poebeln von seinen fremdsprachlichen Grenzen abzulenken. Er wusste vielmehr, was in seiner Stellenausschreibung stand und hat dann seinen Job gemacht. Diese permanente Selbstinszenierung — selbst noch nach der Wahl — ist ueberfluessig, rufschaedigend und mir persoenlich absolut zu wider.

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