Wasserstand im Ländle

Bei der letzten Wahl konnte die BaWü-SPD 23 Abgeordnete über die Liste nach Berlin entsenden, dieses Ziel hat Landes-Chefin und Spitzenkandidatin Ute Vogt wieder vorgegeben (entspricht ungefähr 27-28 Prozent). Weiterhin konnten wir vor vier Jahren vier Direktmandate holen; dies änderte zwar nichts an der Anzahl der Abgeordneten in Berlin für uns, war aber dennoch enorm hilfreich, da jedes SPD-Direktmandat in Baden-Württemberg bedeutet, dass die CDU ein Überhangmandat verliert. Ich hoffe und denke, dass die SPD in Baden-Württemberg ihr Ergebnis halten kann. Ein nennenswerter Absturz würde auf dem Parteitag im November jedenfalls nicht unkommentiert bleiben, soviel ist sicher.

Bei der CDU indessen werden sicherlich schon die Messer gewetzt: Baden-Württemberg ist das Kernland der CDU, so wie es Nordrhein-Westfalen für die SPD war (und hoffentlich wieder wird). Früher galt die Devise für die Südwest-CDU: Bundesschnitt und noch ein paar Prozentpunkte dazu. Dieses Mal sieht alles danach aus, als ob die CDU in Baden-Württemberg, zum ersten Mal seit ihrer Existenz, zumindest nach meinem Kenntnisstand, unter dem Bundesschnitt liegen wird. Sollte es so kommen, dann werden noch in der Wahlnacht Köpfe rollen. Verantwortlich für die Niederlage wird vor allem Günther Oettinger gemacht werden, der generell glücklos agierte. In der CDU-Parteispitze ist er seit seinen Filbinger-Eskapaden weitgehend isoliert, was man insbesondere daran erkennen konnte, dass Christian Wulff in der VW-Porsche-Affäre machen konnte, was er wollte – Oettinger stand allein und hilflos da, Parteichefin Angela Merkel nahm seine Klagen völlig ungerührt hin.

Auch in der eigenen Fraktion kann sich Oettinger mittlerweile nicht mehr durchsetzen. Als vor einigen Wochen Stefan Mappus erklärte, “selbstverständlich” würde die CDU mit Günther Oettinger in die Landtagswahl 2011 ziehen, war aufmerksamen Beobachtern klar: Oettingers Stuhl wackelt. Volker Kauder, der immer wieder ins Gespräch gebracht wird als Spitzenkandidat, wird es aus eben diesem Grund nicht werden. Mappus ist der neue starke CDU-Mann im Ländle.

Hinzu kommt, ganz aktuell: die massive Haushalts-Misere in Baden-Württemberg. Wenn dazu noch ein Wahldesaster kommt, dann kann Oettinger schon einmal seine Koffer packen. Erst hat man kein Glück, und dann kommt auch noch Pech dazu.

PS: Mein Freund, Lars Castellucci (Twitter), für den ich Wahlkampf gemacht habe, ist auf Platz 22 der SPD-Liste. Es wird also extrem eng, aber nicht unmöglich. Jedenfalls ist klar: Erststimme im Wahlkreis Rhein-Neckar ist Castellucci-Stimme!

10 Kommentare

  1. Ernst Wilhelm
    26. September 2009 geschrieben in 19:54 | Permalink | Antworten

    Ach so, massive Haushalts-Misere in Baden-Württemberg. Und die gibt es anderswo nicht? Pfeifen im Walde, sonst nichts. Morgen gibt es sowieso eine Überraschung. Und die kann für die SPD noch viele Probleme bereiten.

  2. 26. September 2009 geschrieben in 20:00 | Permalink | Antworten

    Bei der letzten Wahl konnte die BaWü-SPD 23 Abgeordnete über die Liste nach Berlin entsenden,

    19 über die Liste, 4 direkt. Dein “weiterhin” im folgenden Satz klingt zumindest für mich so, als ob es insgesamt 27 gewesen wären. Die Direkten standen zwar auch auf der Liste, aber es macht schon einen Unterschied.

    Die SPD lag 2005 im Bund bei 34,2% und in Ba-Wü 4% darunter bei 30,1%.

    Gehst du davon aus, dass dieses Mal in Ba-Wü der Abstand zum Bundesergebnis nicht so gross ist?

    Das schöne an den ganzen Splittergruppen ist ja, dass die beim Mandate verteilen wegfallen.
    Wenn wir 7-8% Sonstige haben, kann man auch mit 27,x% 23 Mandate holen, ansonsten wird es knapp, es gibt vermutlich nur 76 Mandate zu verteilen (ich weiss, dass man erst den Parteien und dann erst den Bundesländern zuweist, aber am Ende kommt was ganz ähnliches raus, was für eine Prognose eigentlich reichen sollte).

    • 27. September 2009 geschrieben in 01:46 | Permalink | Antworten

      23 über die Liste. Die vier Direktmandate hatten keine Auswirkung auf das SPD-, sondern auf das CDU-Ergebnis.

  3. 27. September 2009 geschrieben in 09:16 | Permalink | Antworten

    http://www.bundeswahlleiter.de/de/bundestagswahlen/BTW_BUND_05/ergebnisse/gewaehlte/land/liste_gewaehlte_8.html

    Der Bundeswahlleiter meint auch, dass 19 über die Landesliste gewählt wurden.

    • 27. September 2009 geschrieben in 11:06 | Permalink | Antworten

      Auch ohne die Direktmandate wären 23 über die Liste gewählt worden.

  4. 27. September 2009 geschrieben in 11:41 | Permalink | Antworten

    Nein, das war vielleicht in diesem speziellen Fall so, weil alle, die ein Direktmandat gewonnen haben, so weit vorne auf der Liste standen, dass sich nichts verschoben hat und weil auch alle Wahlkreisgewinner auf der Landesliste standen. 7 Abgeordnete der SPD im jetzigen Bundestag waren über keine Liste abgesichert, eine zweistellige Zahl (ich hab dann aufgehört zu zählen) lag auf den Listen so weit hinten, dass ein Kandidat mit vorderem Listenplatz nicht reinkam.

    Wenn Anne Jenter meinen Wahlkreis gewinnt (zugegebermaßen ist das eher unwahrscheinlich), haben wir auch in Ba-Wü diesen Fall. Das gleioche gilt für Werner Henn und Deinen Wahlkreis.
    Der Fall SPD bei der Bundestagswahl 2005 in Ba-Wü war ein absoluter Sonderfall. Ich gebe Dir ja völlig recht, dass sich weder an der Anzahl der SPD-Abgeordneten, noch an der personellen Zusammensetzung der SPD-Landesgruppe im Bundestag etwas geändert hat. Mir war nur die Verallgemeinerung ein wenig zu weitgehend. Diejenigen, die ein Direktmandat gewonnen haben, werden von der Landesliste gestrichen, bevor verteilt wird.
    Ich weiss, dass Du das weisst, ich weiss allerdings nicht, warum Du darauf beharrst, dass die SPD 23 Plätze über die Liste nach Berlin entsendet hat und dann noch ein “weiterhin” bzgl. der Wahlkreisgewinner nachschiebst. Der 2 Halbsatz relativiert das zwar, aber so richtig logisch finde ich das nicht.

    • 27. September 2009 geschrieben in 11:44 | Permalink | Antworten

      Ok, das war unscharf formuliert, stimmt.

      Richtig ist auch: wenn ein Direktkandidat einen Wahlkreis gewinnt und nicht auch über die Liste reingekommen wäre, dann kommt über die Liste einer weniger rein (ein Nullsummenspiel also).

      Bisher ist dieser Fall bei der SPD Baden-Württemberg aber noch nie aufgetreten.

  5. 27. September 2009 geschrieben in 12:12 | Permalink | Antworten

    Bisher ist dieser Fall bei der SPD Baden-Württemberg aber noch nie aufgetreten.

    Mit dem umgekehrten kokettieren ja auch nur die Gegenkandidaten der SPD. Daniel Sander in Freiburg und Cem Özdemir in Stuttgart.
    Wenn Ute Vogt Stuttgart I verliert, dann ändert das für die SPD gar nichts. Für die Grünen (Stuttgart) bedeutet es aber, dass ein Schtuegerter mehr reinkommt und dafür Agnes Malczak aus Tübingen, die in Ravensburg antritt, nicht. Gut, es sind ja nicht überall nur Loaklpatrioten (um es mal positiv zu formulieren), in Stuttgart aber schon.

    In 7 Stunden wissen wir mehr :-)

    • 27. September 2009 geschrieben in 12:20 | Permalink | Antworten

      Das soll Lokalpatrioten heissen, nicht Kloakenpatrioten :-)

  6. Klaus
    27. September 2009 geschrieben in 21:06 | Permalink | Antworten

    Ich werde dass Metzerwetzen in der CDU BaWü angesichts eines Verlustes von mehr als 5% interessiert beobachten.

    Derweil meinen herzlichen Glückwunsch an die SPD BaWü, die mit 10% deutlich unter dem Bundesschnitt verloren (da hat sich die Hoffnung, dass man das letzte Ergebnis fast halten kann, doch fast erfüllt) und heldenhaft den Platz als zweite politische Kraft im Ländle verteidigt hat.

Ein Trackback

  1. Von Schluss mit „Weiter so“. « Rot steht uns gut am 28. September 2009 um 00:45

    [...] Direktmandat im roten Mannheim ging verloren. Wir haben in Baden-Württemberg über 10 Prozentpunkte verloren. Die Landesvorsitzende Ute Vogt hat in Stuttgart nur halb so viele [...]

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