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FDP, Zucht und Ordnung

19. September 2009
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Bei einer FDP-Wahlkampfveranstaltung mit Guido Westerwelle am 18. September kamen einige Aktivisten von campact zusammen, um ihren Unmut über die schwarz-gelbe Atomlobby-Politik kund zu tun. (Im Video ab der 7. Minute.) Dass Westerwelle nicht erfreut ist, ist nachvollziehbar; dass er die Protestierenden mal eben als „Extremisten” und den Protest als „Quatsch” bezeichnet, ist hingegen ein Skandal.

Schön” auch das folgende Westerwelle-Zitat: „Und lasst eure Schnipsel danach nicht liegen, denn ihr seid nicht bei euch zu Hause, sondern bei der FDP.” Bei der FDP, da herrscht eben noch Zucht und Ordnung! Jawoll! Wir lernen: Westerwelle entdeckt den nationalliberalen Flügel neu für sich.

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22 Responses to FDP, Zucht und Ordnung

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  2. Markus Ritter on 19. September 2009 at 19:44

    Ach Gottchen, was jetzt schon alles ein Skandal ist :-)

    Ich fand’s eigentlich relativ souverän. Die Jungs und Mädels mit den Plakaten hatten ihre Minute, die FDP-Zuhörer konnten ihre Vorurteile bestätigen und campact hatte ein Video für youtube, dass sich alle anschauen können.

    In „Schnippsel nicht liegenlassen” jetzt irgendwas nationalliberales oder „Zucht und Ordnung” interpretieren zu wollen, halte ich für etwas überdreht. Wäre natürlich schöner gewesen, er wäre durchgedreht und die Ordner hätten prügelnd ein paar Demonstranten weggezerrt, den Gefallen hat er aber den Demonstranten leider nicht getan.

    Die FDP ist leider nicht so abgeklärt wie die SPD, wo die Störer dann auf die Bühne gebeten werden, um in einen ernsthaften Diskurs mit den Vortragenden über HartzIV, Afghanistan-Krieg und Bankenrettung treten zu können.

    • Christian Soeder on 19. September 2009 at 19:46

      Atomkraft ist ein Thema mit dem Potenzial, die Gesellschaft zu spalten. Das ist die grundlegende Frage unserer Zeit. Dass die schwarz-gelbe Atomlobby das nicht erkennt und sogar neue Atomkraftwerke bauen will, spricht Bände.

  3. Laszlo Riedl on 19. September 2009 at 22:11

    Was soll denn bitte daran nationalliberal sein? Dass Guido Westerwelle nicht begeistert reagiert, wenn auf einer FDP-Wahlveranstaltung vor einer Schwarz-Gelben Koalition gewarnt wird ist doch wohl verständlich. Die Aufforderung den eigenen Müll wieder mitzunehmen halte ich auch für harmlos. Aber weder wurden die Demonstranten von ein paar Julis abgedrängt, noch wurde die Polizei um Hilfe gerufen.

    Andere Parteien reagieren da deutlich gereizter, wenn etwa ein Fernsehteam ein Plakat auf einer Wahlkampfveranstaltung zeigen will, dass den aktuellen Kanzlerkandidaten und einen ehemaligen Bundesvorsitzenden dieser Partei bei einer intensiven Annäherung zeigt:
    http://www3.ndr.de/sendungen/extra_3/media/extr102.html

    Wie war das noch mit dem Glashaus und den Steinen?

    • Christian Soeder on 19. September 2009 at 22:51

      Ein paar peinlich übereifrige Jusos mit dem FDP-Parteivorsitzenden auf eine Ebene zu stellen ist gewagt. :-)

      • Laszlo Riedl on 20. September 2009 at 10:53

        Es waren aber sicher nicht die übereifrigen Jusos, die die Polizei gerufen haben um da „Hausrecht” auf dem Platz durchzusetzen. Die Veranstaltungsleitung der FDP reagierte jedenfalls deutlich weniger gereizt.

        Die Atomkraftgegner durften ihre Show abziehen, dass sie dafür keinen Applaus vom Podium bekommen würden war doch wohl allen vorher klar.

  4. Leopold on 19. September 2009 at 22:49

    Man nannte ihn auch Hepatitis G. Oh Mann, wen die Schwarze Pest verschont, den holt der Guido – die gelbe Springflut mit Bubenmilchschaumkrone.

  5. Jan on 20. September 2009 at 02:18

    Also vorgestern in Hamburg standen die Atomkampagneros unmittelbar neben den obligatorischen Linksextremisten, die ziemlich wirres Zeug auf selbstgemalten Plakaten stehen hatten.

    Westerwelles Reaktion darauf schien mir darauf hinzudeuten, dass sowas wohl auch in diesem Wahlkampf wieder zum Standard-Begleitprogramm seiner Auftritte gehört. Ich konnte da ehrlichgesagt keinen sichtbaren Unterschied zwischen beiden Gruppen feststellen, von denen, die die Plakate gehalten haben mal abgesehen.

    Aus der Bitte, Müll nicht rumliegen zu lassen einen Skandal zu machen, ja sogar einen Ausdruck irgendeiner rechten Gesinnung, hast du ja sicherlich als Scherz gemeint. Wäre jedenfalls ein bisschen sehr lächerlich.

    Goldig von dir, dass du, Christian, die Meinungen anderer Bürger nie als „Quatsch” bezeichnen würdest, was ja, wie du findest, ebenfalls ein Skandal wäre. Ich bin da anderer Meinung: Wenn man der Ansicht ist, jemand erzählt Mist, dann sollte man das unbedingt sagen dürfen.

    Ich bin mir übrigens fast sicher, dass sogar manchem Kapitalismusgegner ab und zu ein „Quatsch” rausrutscht, wenn jemand verkündet, wie segensreich Marktwirtschaft zu wirken in der Lage ist.

    Aber im Ernst: Mir ist ja nicht entgangen, dass Wahlkampf ist und dass sich die SPD offenbar an jeden Strohhalm klammert. Man kanns aber auch in Wahlkampfzeiten übertreiben mit dem hochjubeln vermeintlicher Skandale.

    Vielleicht teste ich, wenn ich noch Gelegenheit und Zeit genug dazu habe, auch mal die Dialogbereitschaft auf der nächsten SPD-Kundgebung und protestiere lautstark gegen einige der schlimmsten Untaten aus den letzten 11 Jahren (Auswahl habe ich da wahrlich genug). Ich bin gespannt, ob mich ein Steinmeier, ein Müntefering oder ein Steinbrück ebenfalls auffordern würde, meine Plakate etwas sichtbarer zu halten, solange ich darauf achte, dass die Leute hinter mir noch gut sehen können — wie Westerwelle dass z.B. in Hamburg mit dem Hinweis, dass er Meinungsfreiheit nunmal achten würde, getan hat. Wäre doch ein hochinteressantes Experiment.

  6. Kalle on 20. September 2009 at 08:52

    Ich habe mich für Guido fremdgeschämt.

    • Markus Ritter on 20. September 2009 at 09:48

      Wie sieht Deiner Meinung nach der richtige Umgang mit Störern aus?
      Lassen wir mal aussen vor, dass Westerwelle plötzlich seinen neoliberalen, marktradikalen, konzernhörigen Irrweg erkennt und den Thesen der erleuchteten Plakatschwinger folgt.
      Was macht ein Müntefering, wenn ihm lautstark 100 Plakate mit „wer nicht arbeitet soll auch nicht essen” entgegengestreckt werden?

      • Arnomane on 20. September 2009 at 10:30

        @Markus. Richtiger Umgang mit „Störern” (ich mag das Wort überhaupt nicht, weil es nur destruktive Handlung impliziert) hängt stark davon ab WIE man stört.

        Wer kreativ und gewaltfrei vorgeht (wovon ich trotz Westerwelles Behauptung ausgehe) und wer sich Gehör verschafft ohne dem anderen selbiges abzusprechen, dem kann ich erstmal nur Respekt zollen und dann in eine argumentative Auseinandersetzung mit ihm begeben.

        Absolut legitim ist es, wenn jemand am Mikrofon auf dem Marktplatz, wo es in aller Regel nur Monologe und keinen Diskurs gibt, mit Sprechchören argumentativ herausgefordert wird, weil man nur so eine Ungleichheit der Argumentationsmöglichkeit beseitigen kann.

        • Markus Ritter on 20. September 2009 at 13:59

          Richtiger Umgang mit „Störern“ (ich mag das Wort überhaupt nicht, weil es nur destruktive Handlung impliziert)

          ausgehend von den Vortragenden ist es das auch. Dass diejenigen, die stören das anders sehen, bleibt ihnen ja unbenommen.
          Meinst Du denn, dass die Aktion einen der Zuhörenden dazu gebracht hat, die Politik der FDP zu hinterfragen? Meinst Du, dass irgendeiner, der das Video auf youtube gesehen hat, statt der FDP plötzlich die Grünen wählt, weil die Schilder argumentativ so hochwertig waren, dass ein Umdenkungsprozeß in Gang gesetzt worden ist?
          Ganz nette Aktion, um die eigene Klientel zu mobilisieren (so wie auch öffentliche Reden auf Marktplätzen), aber einen echten Diskurs in Gang setzen?

          • Arnomane on 20. September 2009 at 15:13

            Nun ich glaube nicht, dass es das primäre Ziel von Campact ist mit diesen Aktionen FDP-Wähler von den Grünen zu überzeugen, eher schon Unentschlossene (neben Selbstmobilisierung). Ein weiteres Ziel ist eine direkte Botschaft an Herrn Westerwelle, die FDP, die Union und andere, dass die Aufkündigung des nach langer Debatte gefundenen Atomausstiegkompromisses von sehr vielen Menschen nicht hingenommen wird (und somit Einfluss auf deren politisches Handeln). Nicht ganz unerheblich ist neben der reinen Aktionskunst auch die öffentliche Demonstration, dass Politik satirisch, witzig und frech sein kann, ohne deswegen flach zu werden. Nicht zuletzt scheint die satirische Überhöhung (die sie auch anwandten), das Mittel zu sein, den WIR-Wahlk®ampf als hohl zu entlarven.

            Richtige” Kreuze in der Wahlkabine allein wären doch ein arg eindimensionales Ziel einer politischen Aktionsplattform.

            Also ich finde, viel erfolgreicher als das kann eine punktuelle politische Aktion kaum werden.

            Dass es nicht zu einem umfänglicheren Diskurs kam lag auch nur an Herr Westerwelle, der sofort versuchte die Aktivisten in die Ecke der antiliberalen, gleichgeschalteten und gewaltbereiten Chaoten zu stellen.

  7. Nick on 20. September 2009 at 12:29

    Wenn ALLE zusehen würden, endlich mal mehr Sach-Politik zu machen und sich nicht ständig an irgendwelchen Eitelkeiten und austauschbaren Befindlichkeiten delektieren würden, wäre Politik hierzulande weniger Lachnummer, würde mehr kompetente und bewegte Menschen anziehen und begeistern. Vom Abfallkutscher bis zum Zahnarzt. Ja– aber ernsthaft– die Leute, ihre Sorgen, ihre Ängste ERNST nehmen.
    Habe mir Guido nicht angeschaut, wie ich auch die JF, selbst online, nicht lese. Kein Euro und kein Klick den Despoten, keine Macht der Despotie von markt– und analfixierten Vaterlands-Liebenden.

    • Christian Soeder on 20. September 2009 at 12:32

      Artikel nicht gelesen, Kommentar geht trotzdem. Super. :S

      • Nick on 20. September 2009 at 12:40

        @Christian:
        na, da sitzt einer permanent am Rechner– oder?
        Klar hab’ ich den o. a. Artikel gelesen– auch alle Kommentare– nur das Video habe ich mir gespart– muss nicht alles sehen– oder?
        Nebenbei– Du hast meinen Kommentar nicht gelesen, sonst wäre Dir bestimmt der anal-Lapsus nicht entgangen– oder? ;-)

  8. Nick on 20. September 2009 at 12:34

    ups, analfixiert bezog sich auf die JF*, nicht auf Westerwelle, ob und mit sich der GW paat oder auch nicht, ist mir, solange es sich außerhalb des StGB bewegt, völlig egal**.
    *inspiriert durch den genialen Film „Vaters Land” von Peter Krieg (1986), dort wird ein Bezug von der deutschen Wurst– zur Analfixierung gezogen.
    ** und ich weiß auch, dass Schwule nicht unbedingt anal mit einander verkehren– so jetzt aber –cut– denn sonst bekommt das Blog hier wg. „Jugend-Gefährdung” ein vdL-Stopp-Schild ;-)

    • Christian Soeder on 20. September 2009 at 12:38

      Deine Off-Topic-Kommentare nerven sehr. Bleib beim Thema.

      • Nick on 20. September 2009 at 12:46

        Was war an meinem ersten Kommentar „off-topic”- dass ich das anders bewerte, wenn ihr euch bisweilen in „Kleinkind-Manier”* beharkt?
        Naja, der jugendliche Eifer ;-)
        *„Tante, der hat mir aber zuerst die Schaufel gestohlen, der hat ein Plakat hochgehalten, der hat laut gerufen, da mußte ich ihm leider…„
        Ist nicht „off-topic”- ist Meta. Wenn das nicht mehr geht, solltest Du die Kommentar-Funktion deaktivieren :-(

        • Christian Soeder on 20. September 2009 at 15:33

          Mach so weiter, dann hast Du hier bald Hausverbot.

          • Klaus on 20. September 2009 at 23:08

            Genau, und dann soll er bitte auch seine Kommentar-Bits mitnehmen. Immerhin ist er hier nicht zuhause, hier ist rotstehtunsgut.

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