Piratenpartei-Querfront: „Freiheit über alles!”

An dieser Stelle habe ich einmal die Befürchtung geäu­ßert, die Piratenpartei könne der SPD eine weitere Generation entzie­hen, nachdem sie schon eine Generation an die Grünen und eine weitere teil­weise an die Linkspartei verlo­ren hat.

Nun ist mir klar: die Befürchtung war unnötig. Die Piratenpartei hat es geschafft, Menschen in Spitzenämter zu wählen, die mit einem für Politiker unge­wöhn­li­chen Attribut tref­fend beschrie­ben sind: sie sind unpo­li­tisch. (Den Fall Bodo T. werde ich hier nicht erneut behan­deln.) Der stellv. Vorsitzende Andreas Popp hat der Rechtsaußen-Zeitschrift „Junge Freiheit” ein Interview gegeben, ohne sie zu kennen; albern genug, dass Menschen mit bundes­po­li­ti­schem Anspruch erklä­ren, sie kennen die „Junge Freiheit” nicht — das ist genau die Art von Unwissenheit, die Piratenpartei-Anhänger Spitzenpolitikern in Bezug aufs Internet, völlig zu recht übri­gens, immer wieder vorwer­fen. Von den Spitzenleuten einer Internet-Partei würde man eigent­lich erwar­ten, sie sei in der Lage, Google zu bedie­nen — ein Irrtum.

Weiterhin hat der Vorsitzende der Piratenpartei Jens Seipenbusch der Jungen Freiheit einen Fragebogen im BUNTE-Stil ausge­füllt; und begrün­det wird dies damit, dass man den argu­men­ta­ti­ven Austausch mit Rechtsextremen nicht scheuen dürfe. Alle Experten, die sich mit Rechtsextremismus beschäf­ti­gen, raten von derlei Versuchen ab, da Rechtsextreme genau auf diese Art versu­chen, sich als Demokraten zu präsen­tie­ren. Ein argu­men­ta­ti­ver Trick, wenn man so will, der ein einzi­ges Ziel hat: sich für rechts­kon­ser­va­tive WählerInnen inter­es­sant zu machen, die mit Nazis nichts am Hut haben, die CDU aber nicht konser­va­tiv genug finden.

Gleichzeitig wird im Heise-Forum die NPD vertei­digt: die Partei sei schließ­lich nicht verbo­ten, deshalb sei es falsch, ihr den Diskurs zu verwei­gern. Diese forma­lis­ti­sche Argumention hat mit Politik nichts zu tun; ich nenne dieses Verhalten das „Informatiker-Syndrom”: etwas ist entwe­der aus oder an, richtig oder falsch. So funk­tio­niert Politik aber nicht. Die NPD ist eine Partei, die danach strebt, diesen Staat zu zerstö­ren — sie wurde aus einem einzi­gen Grund nicht verbo­ten: weil Innenminister und Verfassungsschutz zu unfähig waren, ihre V-Leute im Vorfeld abzu­zie­hen. Dem demo­kra­ti­schen Spektrum gehört sie deshalb noch lange nicht an.

In Düsseldorf geben die dorti­gen Freien Wähler eine Wahlempfehlung für die Piratenpartei ab, was seitens der Piraten gefei­ert wird; hier wurde offen­sicht­lich versäumt, sich über die Ziele der Freien Wähler Düsseldorf zu infor­mie­ren: sie machen nicht nur mit Sprüchen Wahlkampf, die auch von der NPD stammen könnten (Parteien-Klüngel, Rathaus ausmis­ten, Zeit der Abrechnung, etc.), sondern sie fordern auch den Einsatz von statio­nä­ren Videokameras (Wahlprogramm Freie Wähler Düsseldorf, S. 4.)

Von Thorsten W., Vorstandsmitglied und Bundestagskandidat der Piratenpartei, wird ein Artikel in „eigen­tüm­lich frei” empfoh­len. Die Zeitschrift „eigen­tüm­lich frei” war so etwas wie das zentrale Sprachrohr der liber­tä­ren Szene in Deutschland, ist heute jedoch mit den Attributen reak­tio­när und rechts­kon­ser­va­tiv fast schon zu freund­lich beschrie­ben. (Libertäre sind übri­gens ganz sympa­thi­sche Leute, die von einem Utopia ohne Staat und Regeln träumen, und dabei leider verken­nen, dass derlei Experimente bspw. im Kongo schon gran­dios geschei­tert sind. Damit ähneln sie auf frap­pie­rende Weise den Kommunisten, die von Utopia träumen, in dem der Staat alles regelt, und dabei leider verken­nen, dass derlei Experimente schon gran­dios geschei­tert sind. Aber dies nur als kleiner Exkurs am Rande.) Zurück zu „eigen­tüm­lich frei”: Der Artikel von André F. Lichtschlag ist, wie gewohnt, schwer verdau­lich. Völlig skru­pel­los und bar jeder ethi­schen Verantwortung ist er sich nicht zu schade, die taz-Autorin Julia Seeliger auf persön­li­cher Ebene und auf billigste Weise anzu­grei­fen — weil sie es „gewagt” hat, über einen poli­ti­schen Vorgang kritisch zu berich­ten.

Die Piratenpartei-Anhänger sehen in all diesen Vorgängen kein Problem. „Links” und „rechts” sehen sie als über­wun­den an, „Piraten sind vorne” — werch ein Illtum! Die Querfront-Strategie der Neuen Rechten, junge Bewegungen als Bündnispartner zu verein­nah­men, um sich auf diese Weise der breiten Öffentlichkeit als arri­viert zu präsen­tie­ren, scheint bei der Piratenpartei voll auf zu gehen; es bleibt abzu­war­ten, ob die Piratenpartei dieser Strategie etwas entge­gen zu setzen hat, ob sie es schafft, wirk­lich Partei zu sein.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

53 Gedanken zu „Piratenpartei-Querfront: „Freiheit über alles!”“

      1. Doch. Du hast verges­sen zu schrei­ben, dass wir Piraten alle verdammte Sexisten und Antifeministen sind weil wir kein Binnen-I und Gender Gap haben wollen.

        Dein links­li­ber­tä­rer Ex-SPD-Wähler,

        Francis

        PS: Um nach was On-Topic hinzu­zu­fü­gen. Gleichermassen gibt es jede Menge achtens­wer­ter Menschen, die sich bewusst dazu entschie­den haben „Rechten/Linken Kampfblättern” Interviews zu geben. Und Dein Kongo Vergleich ist einfach nur… unter­ir­disch!

        1. Ich finde den Kongo-Vergleich super. (Logisch, ist ja auch von mir. ;-))

          Der Antifeminismus der Piratenpartei hat hier nicht rein­ge­passt (finde ich als Feminist natür­lich auch nicht toll), es ging mir um die Querfront-Strategie der Neuen Rechten.

      2. Woher stammt Deine Erwartung, dass Dir hier jemand seine persön­li­che Meinung präsen­tiert?

        Du tust es selbst ja auch nicht.

  1. der wahl­kampf zerrt an den nerven, merkt man an allen fronten. Ist ja bald vorbei :)

    Der Text wärmt einiges auf, zeigt Schwächen und geht für Piraten in eine bekannte Flanke (auch wenn es mehrere Themen sind) und Gegner der Piratenpartei fühlen sich bestä­tigt.

    Im Westen nichts neues trifft es das?

  2. Dem Text nach befin­den wir uns jetzt schon in Phase 3 des Spruches von Ghandi :)

    „Zuerst igno­rie­ren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämp­fen sie dich und dann gewinnst du.“

  3. Herrlich. man wieder was gefun­den an dem man sich aufgei­len kann. Wir leben in einer Demokratie: Man braucht nicht­mal das Hirn einzu­schal­ten bevor man was sagt. Den Zulauf bekom­men die Rechten von geschei­ter­ten Existenzen und Leuten die sich von der Politik allein­ge­las­sen fühlen. Rechtsextremismus kommt meist erst hinzu, wenn sie sich mit dem Milieu um die NPD ausein­an­der­set­zen. Der Punkt ist: Wieso sollte die Piratenpartei nicht versu­chen, dort Protestwähler abzu­grei­fen wo es sie haufen­weise gibt und damit Deutschland vor Rechtsextremisten in Parlamenten zu schüt­zen. Die Menschen wollen oft einfach nur spür­bare Veränderungen — und bisher bot das nur eine rechts- oder links­ra­di­kale Offensive. Die Piratenpartei schafft es hier einen dritten Weg zu gehen um Veränderung in die Politik zu bringen — mit Themen. Und das, ohne dem Extremismus zu verfal­len. Man sollte Parteien nach ihren Inhalten bewer­ten, nicht danach, wo sie diese Inhalte verbrei­ten. Und wenn die Piratenpartei der Deutschen Stimme ein Interview gibt — wieso nicht? Man kapi­tu­liert nur vor Rechtsextremismus wenn man nichts tut — und wem schadet so etwas denn? Wenn es Leute dazu bringt aus dem braunen Sumpf raus­zu­kom­men, dann ist das nur ein: gut.

  4. @Thomas:
    wer ein fest­ge­füg­tes rechtes Weltbild hat, wirft das nicht über Bord, weil ein polit­scher nobody mit dem intel­lek­tu­el­len Kampfblatt der sog. Neuen Rechten kuschelt. Er wählt auch nicht plötz­lich CDU, nur weil CDU-Politiker dem Blatt Interviews geben. Politische Beeinflußung ist ein dyna­mi­scher Prozeß, kein „Hoppla-jetzt-kommt-mal-was-Neues”. Zudem wird die JF nicht von Leuten gelesen, die sich ledig­lich „aus Dummheit” den Rechtsaußen zuwen­den.

    @Piratenpartei: irgend­wie mußte ich grinsen, als ich von Eurer lusti­gen, etwas unter­be­lich­te­ten Spitze las- dann wiederum habe ich mir vorge­stellt, ihr wärt im Bundestag, einem Landtag oder einem kommu­na­len Gremium (Kreistag, Stadtrat, Bezirksrat, Gemeinderat- Mist, da sitzen schon ein paar von Euch) und würdet (im Landtag usw. wahr­schein­li­cher) mit der NPD, den Reps oder der DVU (oder deren „frei-bürger­li­chen” Tarnorganisationen) genauso kuscheln:
    „och, wieso, die sind doch nicht verbo­ten… und „Arbeit zuerst für Deutsche” ist doch richtig, steht schon im Grundgesetz”
    — Art. 12 I GG formu­liert das wirk­lich so ähnlich-
    guter Punkt @Christian, FORMAL- eins und null, und schwarz und weiß …
    Die Piraten waren, sind und werden (womö­gich immer?) Politik-, meinungs­bil­dungs- und diskurs­un­fä­hig (sein), als Admins aber womög­lich mitt­ler­weile auch untrag­bar, denn für denje­ni­gen, für den eins und eins ein Binärcode ist und nicht schlicht *zwei* ergibt, dem sollte niemand seine Daten(sicherheit) anver­trauen.

    @Christian: deine Polemik zu AnhängerInnen von anar­chis­ti­schen und/ bzw. kommu­nis­ti­schen Idealen ist von Kürze geprägt, so hoffe ich jeden­falls, sonst wäre sie schlicht:
    igno­rant und kurz­sich­tig.

    1. @Nick Du verstehst es leider nicht. Die Piraten sind mit Nichten anfäl­lig für rechte Ideologien und ein „Kuscheln” mit Extremen auf Länder- oder Kommunalebene ist in sofern ausge­schlos­sen, als dass sämt­li­che Piraten-Grundsätze völlig konträr zum verschwur­bel­ten Volks- und National-Weltbild der Extremrechten stehen. Die Nazis machen sich nicht umsonst sorgen darüber, dass sie keine Jungwähler mehr bekom­men, da für diese Zielgruppe „Volkstum” und „Nationalität” im Gegensatz zur Lebensrealität im WWW nicht die geringste Rolle spielen.

      Und ist ja klasse, dass Du Deine Meinungsbildung bereits lange abge­schlos­sen hast und uns für Politik-, meinungs­bil­dungs- und diskurs­un­fä­hig erklärst.

      Damit sind wir ja tatsäch­lich schon im glei­chen Lager mit den Extremrechten ange­kom­men — aus Deiner Perspektive. Man redet besser nicht mit uns, hat ja eh keinen Sinn. Herrlich. Du bist mir ein toller Demokrat!

      1. Hast Du die Links im obigen Artikel eigent­lich ange­klickt, beson­ders der Verweis auf die Querfront? Die Unterwanderung neuer und eher kleiner Gruppierungen ist gängige Vorgehensweise in der rechten Szene, auch die NRW-FDP wurde einmal fast über­nom­men (Naumann-Kreis).

    2. Dass führende Piraten der „Jungen Freiheit” Interviews geben finde ich das auch daneben. Entscheidender als die Frage, wo einer etwas sagt, ist doch die Frage was da gesagt wird. Von über­mä­ßi­ger poli­ti­scher Kompetenz zeugen die Äußerungen der Piraten zwar nicht gerade, aber immer­hin verknei­fen sie es sich rechte Klischees zu bedie­nen. Das kann Herr Lafontaine dann doch besser: http://www.radiobremen.de/mediathek/index.html?id=017843 Er wettert ja auch ganz gern mal gegen „Fremdarbeiter”. Ein wenig mehr poli­ti­sche Erfahrung als der Vorstand der Piraten hat Lafontaine übri­gens auch, der sollte wirk­lich wissen was er tut.

  5. @Francis Drake:
    ich hatte die Masse der PP-Mitglieder und WählerInnen nicht abge­schrie­ben, werde das trotz der, naja, Naivität der obers­ten PP-Funktionäre auch weiter­hin nicht tun- bin selbst ein Redner auf einer Datenschutz-Demo gewesen, Volkszählungsgegner seit 1983, sehe die Masse der Bildungs- wie auch Datenschutz-Fragen mindes­tens ähnlich wie die PP- nur im „Sonstigen”- da hat die PP nichts, einfach nichts- und wählt sich dazu noch, achnee, besser nicht mehr benen­nen, denkt Euch doch euren Teil.
    @Christian: 1 und 0- mehr geht bei manchen Nerds leider nicht- nette Kommentierung bei Andys Blog:
    „bertel becks:
    Ja ne, is klar. Und „Stürmer“ klang wohl auch eher nach Fußballblatt.”
    Wäre das Ganze in Neuseeland, könnte ich viel­leicht drüber lachen, hier ist das nur traurig- NIMBY!

  6. Es sollte noch erwähnt werden, dass die Piratenpartei sowohl rechts­ex­trem als auch links­ex­trem ist. Außerdem ist sie eine Kinderfickerpartei und hat Verbindungen zu terro­ris­ti­schen Einrichtungen.
    (Für die SPDler: Etwaige Ironie beab­sich­tigt)

  7. Was hat Unterwanderung bitte­schön mit einem Interview zu tun, das ein Parteivorstandsmitglied, welches offen­sicht­lich nicht rechts­ex­trem ist, einer rechts­las­ti­gen Zeitung gibt zu tun?
    Klar, es mag diese Bestrebungen bei den Rechten geben, inwie­fern sie es aktiv versu­chen und ob sie es schaf­fen ist eine andere (durch­aus beach­tens­werte) Frage — auf den mir bekann­ten Piratenstammtischen ist davon jeden­falls nichts zu sehen.
    Aber ein Interview, in dem klar und deut­lich keine rechten Positionen abge­ge­ben werden, ein Bündnis mit rechten Parteien ausge­schlos­sen wird soll dem Unterwandern behilf­lich sein? Von Herzen rechts­ex­treme Wähler wurden damit doch eher vergrault, zumal die schon genug Parteien haben die wirk­lich rechte Politik vertre­ten.
    Ich kann die rechte Grütze und deren Denke nicht ausste­hen, aber indem man Menschen die ledig­lich dorthin tendie­ren als verach­tens­wert und nicht diskus­si­ons­fä­hig abtut, leistet man sich einen Bärendienst, wenn einem daran gelegen ist, rechts­ex­treme Einflüsse abzu­fan­gen (und bevor hier einer meint die Piraten seien gemeint, es ginge mir eher um poten­ti­elle Leser der Postille).

    Ihr werft den Piraten vor unpo­li­ti­sche Spitzenvertreter zu haben? Na da sage ich doch, herr­lich, genau das ist gut so. Von typi­schen Politikern habe ich nämlich die Nase voll, und das geht nicht nur mir so. Für aus meiner Sicht beach­tens­werte Teile der Bevölkerung steht ‚poli­tisch’ respek­tive ‚Politiker’ nur noch für verlogen/schmierig/Seilschaften und Egoisten. Das ist wie mit der Werbung, ein paar mal kann man den Leuten eine heile Welt mit Grinsegesichtern die alles schön­re­den verkau­fen. Irgendwann wollen sie aber mal mehr hören als „alles wird gut, weil ich kann’s und werd’s euch schon Recht machen”.

  8. Ob die Piratenpartei in der JF ein Interview gibt oder nicht, ist doch Jacke wie Hose. Aufgrund der völli­gen Unbelecktheit ihrer Mitglieder wird sie zur vierten Linkspartei werden, die zu einer noch­ma­li­gen Absenkung des Niveaus im poli­ti­schen Diskurs der Bundesrepublik führen wird. Daß Gefolgsleute des Software-Bolschewisten Richard Stallman jetzt in die Politik gehen, kann den Linken also nur recht sein.

  9. „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche”- so ähnlich hört sicher manche/r hier an.
    Nee, es ist wohl nicht verstan­den worden:
    aalglatte und naive PolitikerInnen geben der JF und noch weiter rechts Interviews, die einen, weil sie wissen, wer JF &Co. sind, die anderen, weil sie’s (angeb­lich) nicht wissen.
    Generell:
    Ich bin von unserem Lokalblatt, das leider eine Alleinstellung hat, mal zu einem univer­si­tä­ren Vorgang inter­viewt worden, der vom RCDS instru­men­ta­li­siert werden sollte. Selbstverständlich habe ich vor einer Antwort geschaut, was der Redakteur für ein Typ ist (neben­bei DJ usw.), auch ohne stell­ver­tre­ten­der Vorsitzender einer Partei zu sein, die mit der nötigen Chuzpe ausge­stat­tet zu sein scheint, es in den Bundestag schaf­fen zu wollen. @Piraten: hört Ihr die warnen­den Rufer nicht, so werdet Ihr den Verlockungen am Wegesrand nicht wider­ste­hen können und im Treibsand versin­ken. Ihr habt es in der Hand, ob Euer „Projekt” unter­geht oder tatsäch­lich gedei­hen kann- für beides braucht „man” das passende Funktionärs-Personal.
    Ende der o. a. Geschichte war im Übrigen, dass der Redakteur mich nicht wört­lich und in einem falschen Zusammenhang zitiert hat, wohin­ge­gen seine Kumpels vom RCDS sich lang und schmut­zig auslas­sen durften. Naja, selbst richtig gedacht, kann’s daneben gehen ;-)

  10. Die Piratenpartei war von Anfang an ein Fehler im Sinne ihrer eigenen Ziele:

    Wenn man „nur” EIN Thema hat (das selbst­ver­ständ­lich auch für mich wichtig ist), dann gründet man eine Aktionsplattform und keine Partei und versucht über diese Aktionsplattform so viele Personen und Gruppen, deren sons­tige Interessen vermut­lich extrem diver­gent sind, für dieses eine Ziel zusam­men­zu­schwei­ßen und deren sons­tige Kontakte für das Akjtionsbündnis optimal zu nutzen. Eine Parteigründung kann in diesem Fall nur spal­tend, lähmend und extrem vom Thema ablen­kend sein.

    @Piraten:

    Es ist nicht Schuld der bösen Piratenmießmacher, dass die Piraten sich mit sich selbst statt mit ihren Sachthemen beschäf­ti­gen (müssen). Die Anderen sind nicht gehäs­sig, neidisch oder hätten gar Angst vor den Piraten, wenn sie die Piraten offen kriti­sie­ren. Nein es ist ihre demo­kra­ti­sche Pflicht gegen­über dem Wähler offen und klar Stellung zu bezie­hen. Wer sich Kritik für seine Partei verbit­tet, soll doch gleich den Profi des meinungs­lo­sen Einheitsbreis wählen — Angela Merkel.

    Noch zu den Nazis: Was etliche Piraten offen­bar nicht begrei­fen ist die simple Tatsache, dass man Dinge, die nicht verbo­ten sind, aufgrund ihrer Legalität noch lange nicht fördern muss. Sonst können die Piraten sich ja gleich mal sich in Dialektik üben und Ursulas Meinung vertei­di­gen (die _bedeutend_ harm­lo­ser ist, als der geis­tige Sondermüll, den die Junge Freiheit perma­nent verbrei­tet).

  11. @Arnomane: Achja, tut man das? Wieso? Weil man damit effek­ti­ver auf taube Ohren trifft? Genau, jaa. Es ist ja nicht so, dass es nicht auch unab­hän­gige Initiativen gäbe (CCC,AK Vorrat usw.). Und die leisten sicher den Schwerpunkt der Aktivistenarbeit, keine Frage. Aber was hat’s in den Kernthemen bisher gebracht? Seit die Piraten da sind und sich zeigt, dass die schwei­gende Masse zu einem weit über Demo-Teilnehmer hinaus sensi­bel für diese Themen ist, werden viele dieser Themen doch erst richtig disku­tiert — im Gespräch über die Piraten. Ist jeden­falls in meinem Umfeld und auch quer durchs Netz was die „Normalos” angeht so (Studivz, Xing,…).
    Um wirk­lich direk­ten Einfluss zu nehmen ist eine Partei in unserem System leider wesent­lich effek­ti­ver, jeden­falls wenn keine exis­tie­rende Partei wirk­lich hinter den entspre­chen­den Positionen steht.
    Nur ein Thema? Ich sehe da mehr — oder anders gesagt, die anderen haben auch nur einen halb­wegs glaub­wür­di­gen Kernpunkt nur mehr Beiwerk. Ist aber auch uner­heb­lich. Warum nicht glaub­wür­dige Parteien für Kernthemen anstatt Rundum-Glücklich Parteien mit Wischiwaschi Gerede.

    Und Ursulas ‚Meinung’ wird mit Sicherheit auch von Piraten gewür­digt. Krude Meinungen vertei­di­gen heißt aber noch lange nicht diesen Blödsinn zum Gesetz werden zu lassen!

  12. Das Gespräch über die Piraten- ja, das gibt es, so wie vorher die *inter­es­sierte* Öffentlichkeit auch mit CCClub und AK Vorratdatenspeicherung geredet bzw. darüber berich­tet hat.
    Nunmehr sind die Piraten Konkurrenz, „man” drängt auf Abgrenzung und Angriff anstatt Teilhabe und Vereinnahmung zu wünschen.
    Einem guten Teil der Piraten hätte es gut getan, in Sozialkunde besser aufge­paßt bzw. Gemeinschaftskunde nicht abge­wählt zu haben.
    Einfach *keine Ahnung* von poli­ti­schen Zusammenhängen des Apparativs in dieser Republik.
    Oder würdest Du sagen, campact oder die Anti-Gorleben-BI’s in Lüchow-Dannenberg seien einfluss­los?
    Eine BI (AK, Gruppe, Verein- you name it) ist für ein-Punkt-Geschichten. Punkt. Das geht damit besser, denn alle buhlen um sie, weil „man” nicht einschät­zen kann, welchen Einfluß sie haben.
    Eine Partei kann, soll, darf- und muss (!) mehr Themen haben, beackern, ernst nehmen.
    Gerade diesen Punkt entde­cken die Piraten erst jetzt- und damit betreibt Ihr WählerInnen-Verarsche. Siehe auch dieser Vorfall mit euren Obersten. Viele halten Euch für „links”- das seid ihr nicht, ihr wißt (fast) nichts und habt keine Meinung ausser zu Freiheit (wirk­lich- dezi­dierte Positionen?- wie steht ihr zu Polizeirecht, MEP z. B.), Datenschutz und den paar, die ihr grad mal als Bürgerrechte fest­ge­stellt habt- welche Position habt ihr zu behin­de­ren Menschen, deren Rechten im Alltag- zu allein­er­zie­hen­den Müttern (Vätern)- zum Ehegattensplitting- über­haupt zu Steuern- das bringt ihr nicht rüber- entwe­der wißt ihr nichts (wohl­wol­lende Interpretation) oder ihr weicht bewußt aus (wie die von Freiheit schwa­dro­nie­rende FDP-Spitze seit 1982), um, achja, WählerInnen zu verar­schen.

    1. @Nick fällt mir schon ein biss­chen schwer auf derart pole­mi­sches Umsichschlagen ernst­haft und ruhig zu antwor­ten …

      Nick, zum einen pauscha­li­sierst Du — und das ist nie zu empfeh­len. „Ihr Piraten seid so und so” ist genau so Quatsch wie „Ihr SPDler seid so und so”. Wir haben sehr wohl Mitglieder (auch im Bundesvorstand), die über poli­ti­sche Bildung verfü­gen.

      Deine Aufzählung von Themen, zu denen es bisher keinen offi­zi­el­len Standpunkt gibt, da nichts beschlos­sen wurde in den Bereichen, lässt sich belie­big erwei­tern:
      Wie steht Ihr zum Beruf der Fleischfachverkäufern, der Abwrackprämie für Staubsauger, etc. pp.
      Zum einen ist es illu­so­risch einer derart jungen Partei fertige Konzepte in allen Bereichen abzu­ver­lan­gen, zum anderen ergeben sich eine ganze Menge Standpunkte und Meinungen schon aus unseren Grundsätzen.
      Du fragst z.B. nach Polizeirecht. Was im Detail? Wir sind gegen den Einsatz der Bundeswehr im Inneren und für eine eindeu­tige Kennzeichnungspflicht von Polizisten — mal zwei Beispiele.
      Du fragst nach „unserer Position” zu Menschen mit Behinderungen: Wie darf ich das verste­hen? Erstmal sind Menschen mit Behinderungen gleich­zu­be­rech­ti­gen und jede Form von Diskriminierung zu verur­tei­len. Barrierefreiheit ist für die Piraten z.B. ein so grund­sätz­li­ches Ding, dass darauf nicht extra hinge­wie­sen wird (kommt uns das bekannt vor? Binnen-I anyone?). Wir werden aber sicher­lich in näherer Zukunft einen Beschluss dazu fassen und eine Formulierung in unser Parteiprogramm einfü­gen, die sich mit Barrierefreiheit on- und offline beschäf­tigt.
      Zum Thema Steuern wird sehr ange­regt disku­tiert intern. Und ich kann Dir sagen, dass es eine ganze Reihe von Mitgliedern gibt, die ein Flat-Tax System vorzie­hen würden. Aber hier sind eben­falls noch keine offi­zi­el­len Beschlüsse gefasst worden.

      Und Du wirfst uns vor, wir wollten „WählerInnen verar­schen” und würden nicht „mehr Themen haben, beackern, ernst nehmen”? Nicht ernst­haft, oder?

      1. „@Nick fällt mir schon ein biss­chen schwer auf derart pole­mi­sches Umsichschlagen ernst­haft und ruhig zu antwor­ten …”
        Polemik- nö. Benennen, wo’s weh tut- ja!

        „Nick, zum einen pauscha­li­sierst Du – und das ist nie zu empfeh­len. „Ihr Piraten seid so und so“ ist genau so Quatsch wie „Ihr SPDler seid so und so“.”
        Ich schrieb: „zu einem guten Teil”- nicht mehr und nicht weniger. Wenn Ihr euch einen Vorstand wählt, der nicht weiß, wer oder was die JF ist oder dem das egal ist, dann ist der Mehrheit nicht unbe­dingt „poli­ti­sche Bildung” zu unter­stel­len. Im Übrigen bin ich nicht in der SPD, war es auch nie.

        „Wir haben sehr wohl Mitglieder (auch im Bundesvorstand), die über poli­ti­sche Bildung verfü­gen.”
        Na, fein, und warum sind die schein­bar alle im Urlaub?

        „Deine Aufzählung von Themen, zu denen es bisher keinen offi­zi­el­len Standpunkt gibt, da nichts beschlos­sen wurde in den Bereichen, lässt sich belie­big erwei­tern:”
        Und jetzt wirst Du pole­misch, indem Du Dummsülz auflis­test, den ich nicht gemeint habe- aber mach mal, das zeigt mehr, als wenn Du Dich um eine sach­li­che Antwort bemüht hättest.

        „Wie steht Ihr zum Beruf der Fleischfachverkäufern, der Abwrackprämie für Staubsauger, etc. pp.”
        Ja, danke, solche Antworten kenne ich von sog. BerufspolitikerInnen von SPD, CDU und FDP- danke :-(

        „Zum einen ist es illu­so­risch einer derart jungen Partei fertige Konzepte in allen Bereichen abzu­ver­lan­gen, zum anderen ergeben sich eine ganze Menge Standpunkte und Meinungen schon aus unseren Grundsätzen.”
        Ach, wirk­lich? Grundsätzlich war auch das 3. Reich ein Rechtsstaat (und die DDR, jaja) — was davon in der Realität blieb (lies mal bei Wikipedia zur Strafjustiz im 3. Reich), ist als bekannt zu unter­stel­len. Fertige Konzepte- nein. Lediglich Konturen und ein bißchen inhalt­lich Unterfütterung- niemand kann heut­zu­tage ein Gesetz „aus dem Hut zaubern”- aber worauf Ihr steht, mit wem ihr redet, wo Ihr euch poli­tisch veror­tet („oben” oder „vorne”- hahaha) das möchte „man” schon gerne wissen.

        „Du fragst z.B. nach Polizeirecht. Was im Detail? Wir sind gegen den Einsatz der Bundeswehr im Inneren und für eine eindeu­tige Kennzeichnungspflicht von Polizisten – mal zwei Beispiele.”
        Nein, das ist zu offen­sicht­lich, zu theo­re­tisch (siehe weiter unten)- im Übrigen ist der Einsatz der BW im Innern jetzt schon möglich (he, dachte Ihr seid GG-treu? Daür sollte „man” es kennen!).
        Wann, wie, inwie­weit „unmit­tel­ba­rer Zwang”, „finaler Rettungsschuss”- Spannungsverhältnis zwischen Versammlungsrecht aus Art. 8 GG und Auflösung bzw. Verbot von Versammlungen (z. B. Bannmeilengesetz)- als Beispiele- will das Blog nicht unnütz „zumüllen”- im Übrigen ist die Kennzeichnung (vorige Registrierung und Kontrolle inkl.)
        Ländersache, solange (meine Anspielung mit dem MEP- dem Ministerentwurf für ein einheit­li­ches Polizeigesetz- nicht bekannt- qed) es keine Einigung gibt, mach(t)en die Länder Berlin und Sachsen-Anhalt jeweils allein ihr Pilot-Projekt, mehr wird so schnell nicht passie­ren (in der „scene” auch bekannt). CDU-regierte Länder haben leider die Tendenz, den Datenschutz (hä?) ihrer BeamtInnen höher zu stellen als die Rechte der „poli­zei­li­chen Gegenüber”- dafür braucht es ein Einwirken- z. B. auf die Koalitionspartner der CDU (=SPD, FDP und Grüne)- so dass die IMin. der o. a. Länder irgend­wann gezwun­gen sind, sich des Themas ernst­haft anzu­neh­men.

        „Du fragst nach „unserer Position“ zu Menschen mit Behinderungen: Wie darf ich das verste­hen? Erstmal sind Menschen mit Behinderungen gleich­zu­be­rech­ti­gen und jede Form von Diskriminierung zu verur­tei­len.”
        Das ist zu wenig. Danke für die Positionierung. Menschen mit Behinderungen brau­chen mehr Förderung
        — gemeind­lich
        — landes-
        und
        -bundes­recht­lich
        als solche ohne Behinderungen- aber so reiht Ihr euch schön bei der nds. CDU/FDP-Landesregierung ein, deren erste „Wohltat” beim Antritt 2003 die Streichung, später Kürzung des Blindengeldes war. Yupp- strike.

        „Barrierefreiheit ist für die Piraten z.B. ein so grund­sätz­li­ches Ding, dass darauf nicht extra hinge­wie­sen wird (kommt uns das bekannt vor? Binnen-I anyone?). Wir werden aber sicher­lich in näherer Zukunft einen Beschluss dazu fassen und eine Formulierung in unser Parteiprogramm einfü­gen, die sich mit Barrierefreiheit on- und offline beschäf­tigt.”
        Euer Grusel vorm „I” ist schon pein­lich, habe in Andis Blog die Kommentare zu dem JF-Interview gelesen, ach, Ihr seid eben Kohl’s Kinder (ok, das war jetzt Polemik, sorry). Barrierefreiheit ist nur ein Schlagwort- siehe oben.

        „Zum Thema Steuern wird sehr ange­regt disku­tiert intern. Und ich kann Dir sagen, dass es eine ganze Reihe von Mitgliedern gibt, die ein Flat-Tax System vorzie­hen würden. Aber hier sind eben­falls noch keine offi­zi­el­len Beschlüsse gefasst worden.”
        Flat-Tax? Das Sein bestimmt das Bewußtsein- alle mit (prekä­rem?) Job bei Euch? Na, danke- FDP-Position, einfach nur neoli­be­ral. Yupp. Anders gesagt- wer nicht fragt, bleibt dumm :-)

        „Und Du wirfst uns vor, wir wollten „WählerInnen verar­schen“ und würden nicht „mehr Themen haben, beackern, ernst nehmen“? Nicht ernst­haft, oder? ”
        Wieso nicht, Deine Antwort spricht doch Bände :-)

  13. @Nick ja dann ist doch Klasse. Du hast Deine vorge­fer­tig­ten Vorurteile, Deine feste Meinung, wirfst uns in einen Topf mit 3. Reich, Neoliberalen etc, bezeich­nest uns als „Kohl-Kinder” (muss ich mir merken)…

    Würdest Du Dich ernst­haft unter­hal­ten wollen, würdest Du bemer­ken, dass wir in sehr vielen Fragen gar nicht so unter­schied­li­che Meinungen haben. Nur lehnen wir den alten „Rechts/Links” Müll ab und verschlies­sen uns z.B. Ideen und Konzepten wie Flat-Tax nicht einfach, nur weil sie von der „falschen” Partei kommen.

    Aber ist schon okay, Herr Altklug :)

    Agree to disagree.

    1. @Francis:
      ja, sehe ich auch so- altklug ;-)
      Mit dem 3. Reich an sich habe ich Euch nicht in Bezug setzen sollen, das Pochen darauf, dass „man” ja „Grundsätze” habe, ist doch m. E. an den zwei präg­a­gnan­ten Beispielen (na, DDR nicht gelesen?) zu kriti­sie­ren gewesen. Das ist zu wenig. Klar erwar­tet niemand, dass die Pir. nun „alles klar haben”.
      Ob wir zwei in vielen Punkten einer Meinung sind, dass weiß ich nicht.
      „Kohls-Kinder”=
      — gegen Feminismus sein (is ja uncool, was meine Eltern wollen)
      — rechts und links für Richtungsbezeichnungen aus der StVO halten, die ohne jegli­che ander­wi­ti­gen Erklärungswert sind
      — Nazis mit Linken gleich­set­zen, selbst aber naiv vor den Gräbern von SS-Soldaten (Bitburg, 1985) den toten Soldaten der Wehrmacht huldi­gen
      — sog. libe­rale Positionen (eij, is ja cool, das mit flat tax versteht ja JEDER) unre­flek­tiert über­neh­men
      — seinen Weg als allein seelig­ma­chen­den zu vertei­di­gen (ist BTW extre­mis­tisch ;-)
      (usw. usf.)
      Das ist, zuge­ge­ben, gemein. Ihr solltet begin­nen, in einen Dialog zu treten anstatt wie puber­tie­rende Bepickelte (ohoh, sorry) gegen Mutti Merkel, Onkel Guido, Tante Reni und Vati FWS vorzu­ge­hen vorzu­ge­ben, obwohl manche von Euch so wenig Plan haben, dass sie nicht mal begrei­fen, wie sehr sie sich gedank­lich und prak­tisch in den meisten Politik-Bereichen vom rechten/ neoli­be­ra­len main­stream in Politik und vor allem Medien verein­nah­men lassen.
      Zu dem indi­rek­ten Vorwurf, ich würde mich mit anderen Parteien nicht unter­hal­ten- das kannst Du nicht wissen- auf lokaler Ebene unter­halte ich mich mit allen, egal ob FDP, CDU, SPD oder Grünen- so halte ich das auch im Web, wenn „man” akzep­tiert, dass auch inner­halb verschieden(st)er Meinungen Raum für Gemeinsames bleibt und wenig Tendenz dafür zeigt, den jeweils Andersartigen (=Idioten ;-) zur persona non grata zu machen.
      Insofern, Diskutieren- gerne. Euch beju­beln- nö.

      1. Siehst Du, das Grundproblem in dieser Unterhaltung hier, ist Du eben­falls keines­wegs Bescheid weisst über meine Person. Mein Alter, meine poli­ti­sche Herkunft und Bildung etc.
        Meine Meinung zu bestimm­ten Punkten bildet sich keines­falls aus den von Dir so nett beschrie­ben Gründen.
        — Ich bin nicht gegen Feminismus weil meine Eltern dafür sind/waren und das ja uncool wäre
        — Ich kenne sehr wohl die histo­ri­sche Herkunft der Links/Rechts Einteilung und bin mir auch ihrer poli­ti­schen Bedeutung bewusst
        — Ich setze schon mal gar nicht links mit Nazis gleich, dann wäre ich ja ein Nazi ;-)
        — Ich über­nehme in der Regel keine Positionen „unre­flek­tiert”
        — Ich bin kein heili­ger Krieger des Piratentums
        — Ich denke mal, dass ich Dialogbereitschaft zumin­dest gene­rell signa­li­siert habe. Es scheint nur Leute zu geben, die uns vorschrei­ben möchten, mit wem genau wir Dialoge führen und mit wem nicht. Dagegen wehre ich mich — will damit aber nicht sagen, dass es nicht sinn­voll sein kann bestimm­ten Gruppierungen Dialog zu verwei­gern — muss man abwägen
        — Von Bejubeln habe ich nicht gespro­chen, geschweige denn geträumt. Und alle so: „Yeaahhh!” ;-)

  14. Gähn, wird’s nicht langsam öde?
    Mal zusam­men­fas­send: den Linken sind die Piraten zu rechts (angeb­lich), den Rechten sind sie zu links, den Haarspaltern sind sie zu ungenau, den Grünen zu un-ökig, den radi­ka­len Frauen zu un-femi­nis­tisch, den Pluralisten zu einsei­tig und ich möchte ja gar nicht wissen, was die Piraten vor Somalia von dem Namen halten…

    Wenn man sich das alles mal zu Gemüte führt und dazu liest, was eigent­lich in besag­tem Interview gesagt wurde (nämlich, dass die Piraten ganz klar nicht mit rechten Parteien zusam­men­ar­bei­ten) und dann sieht, was hier, bei den Kindern von fixmbr und im taz-Grünen-Wahlkampfblog von Julia Seeliger draus gemacht wird: „Piraten kuscheln mit Rechten”, dann bekommt man langsam den Eindruck, dass einige die Hosen gestri­chen voll haben bzgl. der Piraten.

    Denn: CDU-SPD, wo ist da noch der Unterschied?

    Dass die SPD bei den Piraten Federn lässt, ist klar (die SPD hat sehr viel kriti­schere Wähler als die CDU), aber: Wer die kleinen etablier­ten Parteien wählt, wählt direkt CDU+SPD, da nur noch diese beiden eine Me(rkel)hrheit zusam­men­be­kom­men (wollen).

    Die Piratenpartei im Bundestag wäre ganz sicher ein Schock für die etablier­ten Parteien und ein Signal, sich endlich mit den Themen zu beschäf­ti­gen.
    Und damit sind die Piraten die beste Möglichkeit, den Mittelfinger zu zeigen.
    Mal ganz davon abge­se­hen, dass 5% Piraten im Bundestag vermut­lich die letzte Chance sind, die Verlängerung von Schwarz-Rot zu verhin­dern, weil damit die Farbenlehre komplett aufge­mischt wird.

  15. Man muss zur Verteidigung der Piratenpartei sagen, dass dieses Thema auch inner­halb der Partei heftigst umstrit­ten ist, wobei es an der Basis anschei­nend auch Leute gibt, die gerne Chefideologen sein würden.

  16. vieles ist absolut richtig in deinem artikel, insbe­son­dere
    hast du dich — im gegen­satz zu den piraten — über die
    rolle von lemmer bei der FWG schlau gemacht (oder es
    bereits gewusst).

    du machst aber einen fehler dann doch, wenn du behaup­test,
    die piraten würden solche dumm­däm­li­chen aktio­nen ihres
    vorstan­des unkri­tisch sehen.
    wahr ist, dass es zu viele sind, aber keines­falls alle.
    und was noch wich­ti­ger ist: wir strei­ten uns offen darum,
    so dass wir vonein­an­der lernen können.
    das hätte man sich bei der SPD vor der einfüh­rung des
    berühm­ten stopp-schil­des auch gewünscht, dann wäre da
    sicher etwas anderes dabei raus­ge­kom­men.

    ihr habt euch die piraten genauso selbst einge­brockt wie zuvor
    die linken.
    ich wünsche euch das nicht, aber ihr hättet die 18% verdient.

  17. Tja. Die PP liefert Mitgliedern etablier­ter Parteien wohl weiter­hin mehr Fragen als Antworten. Gerade die „Verortung” der PP — ob nun eher links oder eher rechts — fällt schwer. Da wird jedes kleine Anzeichen gerne über­be­wer­tet, damit die PP in irgend ein Schema passt…
    Kleine Hilfestellung: „liquid demo­cracy” bzw. „direkte Demokratie”

    Die PP ist nämlich ganz offi­zi­ell dafür, dass der Bürger mehr Mitspracherecht bekom­men soll.

    Sie tritt also nicht primär mit dem Ziel an, unbe­dingt den „ganzen Laden” alleine zu schmeis­sen, sondern eher der Bevölkerung auch inner­halb einer Legislaturperiode Gestaltungsmöglichkeiten zu geben. Denn wenn man heute eine Partei wählt muss sie ja fast zwangs­läu­fig in eine Koalition gehen, und damit teil­weise ihre Ziele opfern (SPD 2005:„Gegen MwSt.-Erhöhung”-Ergebnis:Koalition mit CDU und… 3% Erhöhung…)

    Der PP ist aber daran gelegen, dass die Menschen themen­be­zo­ge­ner abstim­men können, damit sie nicht das Gefühl bekom­men „verarscht” zu werden.

    So viel nur dazu…

    MfG
    Stefan K.

    1. Wenn ich Sachen wie „Schock für die etablier­ten Parteien”, „verar­schen” [des Wählers durch DIE etablier­ten Politiker] und „die Hosen gestri­chen voll haben” [dass diesen die Wähler davon­lau­fen] lese, krieg ich mit Verlaub gesagt ‚nen Brechreiz.

      Schau dich doch bitte mal um, wer mit solchen platten Parolen sonst noch so wirbt. Meinst du, dass uns Protestparteien und Protestwahldenke nach vorne bringen (bspw. im Sinne des Schutzes der Bürgerrechte)?

      So und nun mal ganz konkret: Welche im Bundestag vertre­tene Partei verarscht(e) deiner Meinung nach wie genau die Menschen oder auch nur ihre Wähler?

      1. Es kommen doch immer die glei­chen Antworten. Die Einsicht, dass es in der Politik darum geht, Kompromisse zu finden, mit denen alle irgend­wie leben können, fehlt völlig. Je mehr Wortmeldungen ich von Piratenpartei-Anhängern lese, desto über­zeug­ter werde ich: diese „Partei” und ihre Anhänger sind komplett poli­ti­kun­fä­hig.

  18. Der „Brief an die Nichtwähler” bedient sich der glei­chen platten Sprüche:

    „Zwischen den Wahlen haben wir Bürger ruhig zu sein. Die Politiker wollen bei ihrer wich­ti­gen Arbeit nicht gestört werden. Sie bekom­men schließ­lich von den Lobbyverbänden eine Menge Geld dafür, deren Entwürfe zu Gesetzen zu machen. Von den knappen Diäten kann man ja kaum leben, und es ist auch viel beque­mer, die Vorlagen der Lobbyisten zu verwen­den, als selbst nach­den­ken zu müssen.”

    http://wiki.piratenpartei.de/Brief_an_die_Nichtwaehler

    Ich hatte eigent­lich gehofft, mit der Piratenpartei inter­es­sie­ren sich junge Leute für Politik, die was gestal­ten wollen. Aber da habe ich mich offen­sicht­lich geirrt.

    1. „Der „Brief an die Nichtwähler“ bedient sich der glei­chen platten Sprüche:”
      Welche im „Polit-Geschäft” nicht selten sind, ähem (Kleine Erinnerung: „Deutschland kann mehr.”).

      „„Zwischen den Wahlen haben wir Bürger ruhig zu sein. Die Politiker wollen bei ihrer wich­ti­gen Arbeit nicht gestört werden. Sie bekom­men schließ­lich von den Lobbyverbänden eine Menge Geld dafür, deren Entwürfe zu Gesetzen zu machen. Von den knappen Diäten kann man ja kaum leben, und es ist auch viel beque­mer, die Vorlagen der Lobbyisten zu verwen­den, als selbst nach­den­ken zu müssen.“”
      NichtwählerInnen-Ansprache ok, sch aber frei von Lobby-Interessen zu stellen? Aha- woher stammen die Tausenden Euro, mit den die Pir. ihre mitt­ler­weile sehr aufwen­di­gen Plakate finan­zie­ren? Habe da so Merkwürdiges von ein paar Internet-affinen Großspendern gehört. Nee, aber das kann gar nicht sein, der Direktkandidat in BS z. B. ist Student, der bezahlt die 4c-Plakate bestimmt aus eigener Tasche. Eine Partei, die quasi aus dem Nichts entsteht, da werden schon Zweifel wach, was/ wer wohl dahin­ter­steckt- nur Euphorie bezahlt keine Rechnungen.

      „Ich hatte eigent­lich gehofft, mit der Piratenpartei inter­es­sie­ren sich junge Leute für Politik, die was gestal­ten wollen. Aber da habe ich mich offen­sicht­lich geirrt. ”
      Es wäre schade, wenn Du recht hättest, denn mancher Ansatz, mancher Schwung, manche Ungezwungenheit bei den / durch die Pir. (ange­sto­ßen oder bewirkt) hat auch etwas Positives, erfri­schend Belebendes.

      1. @Nick: hast Du Belege für Deine Vermutungen bzg. „Grossspenden”?

        Es wurden Spenden in den LVs und im BV gesam­melt. Diese wurden vor allem über unsere Webseiten gene­riert.

        Die Summen, die den Piraten zu Verfügung stehen sind lächer­lich, vergli­chen mit der Kohle die die etablier­ten Parteien haben.

        1. Schön wie herr­lich einfach man auf leicht verschwö­rungs­theo­re­tisch ange­hauchte Kommentare eines von den Blogautoren auch nur gelit­te­nen Kommentators antwor­ten kann und damit ganz einfach mal die ganzen anderen Einwände und Fragen an die Piraten über­ge­hen kann.

          Wenn man als Pirat schon in jedem Forum des Internets die unbe­dingte Deutungshoheit an sich reißen will, dann sollte man wenigs­tens dann, wenn es ganz konkret wird, nicht das Schweigen im Walde antwor­ten lassen.

  19. @Francis:
    wenn eine Antwort noch gestat­tet ist…
    Nein, einen Beleg habe ich nicht- viel­leicht ja eure Kassenprüfung?
    @Arnomane:
    nach Christians „Hausverbots”-Ankündigung wg. angeb­li­chen „off-topic” nun Deine Attacke:
    „Schön wie herr­lich einfach man auf leicht verschwö­rungs­theo­re­tisch ange­hauchte Kommentare eines von den Blogautoren auch nur gelit­te­nen Kommentators antwor­ten kann und damit ganz einfach mal die ganzen anderen Einwände und Fragen an die Piraten über­ge­hen kann.”
    Ihr habt nicht mehr reagiert- ich habe disku­tiert- am Thema, wie „man” nach­le­sen kann. Ob an der These etwas dran ist, können n. E. SPDlerInnen (oder Mitglieder anderer Parteien mit millio­nen­schwe­ren Wahlkampfbudgets) nicht beur­tei­len, viel­leicht mal bei lang­jäh­ri­gen grünen Parteimitgliedern im Bekanntenkreis nach­fra­gen, wie Wahlkampf in der Form möglich ist mit <10000 Mitgliedern und dabei vier­far­bige Plakate aus Mitgliedsbeiträgen finan­zier­bar sein sollen. Wenn Du das als „Verschwörungstheorie” abtust, dann hast Du womög­lich noch nie mit begrenz­tem Budget Wahlkämpfe in Folge (EU-Wahl nicht zu verges­sen!) orga­ni­sie­ren müssen, zumal schon im Juni zu lesen war, die Pir. seien pleite. Ist eigent­lich egal, die BTW rückt näher, der Ton wird härter, disku­tiert doch einfach mit euch selbst.
    Erst wird hier gedroht, meine Beiträge zu löschen (Christian 2x in einem Thread), weil ich angeb­lich das Thema nicht träfe und dann wird mir ein „Rückzug” vorge­hal­ten- oder mißver­stehe ich jetzt Deinen Satz?
    Bin zuge­ge­ben, eini­ger­ma­ßen enttäuscht, dass sowohl Christian als Du so abgehen, merk­wür­dig. Euch mag meine Meinung selten behagen- wenn ihr offen disku­tie­ren wollt, dann müßt ihr mit anderen Ansichten und Darbringungsformen leben- m. E.- wenn ich ausfal­lend werden sollte, dann verstehe ich Reaktionen der o. a. Art, würde ich in meinen Weblogs auch nicht anders halten.

    „Wenn man als Pirat schon in jedem Forum des Internets die unbe­dingte Deutungshoheit an sich reißen will, dann sollte man wenigs­tens dann, wenn es ganz konkret wird, nicht das Schweigen im Walde antwor­ten lassen. ”
    Hm, viel­leicht war die Luft raus aus dem Thema? Die „neueste Sau, die durch’S Dorf getrie­ben wird” ist m. W. das SuperInternet-Ministery of all (zumin­dest bei SPON nach­zu­le­sen), welches die neueste Piraten-Forderung sein soll.

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