Erlaubt?

Riesenskandal! Dazu ein paar Fragen meiner­seits:

Ich profi­tierte von einem allge­mei­nen Mindestlohn nicht, trotz­dem bin ich dafür. Erlaubt?
Gleichstellung von Frauen und Männern bringt mir persön­lich nichts, trotz­dem bin ich dafür. Erlaubt?
Von Gleichberechtigung von Homosexuellen und Heterosexuellen in allen Bereichen habe ich auch nichts, trotz­dem bin ich dafür. Erlaubt?
Vom Abschaffen der Wehrpflicht hätte ich auch nichts mehr, trotz­dem bin ich dafür. Erlaubt?
Ich bin gegen Studiengebühren, studiere aber in Baden-Württemberg und nicht in Rheinland-Pfalz. Erlaubt?

Die Liste ließe sich belie­big verlän­gern. Der Punkt ist: man muss nicht persön­lich von einem Thema betrof­fen sein, um dazu eine Meinung haben zu dürfen. Davon bin jeden­falls ich fest über­zeugt.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

6 Gedanken zu „Erlaubt?“

  1. natür­lich ist dir das alles erlaubt, aber trotz­dem nicht dasselbe, weil du das eben nicht auf einem plakat als symbol­fi­gur verkör­perst. unter PR-gesichts­punk­ten ist das also durch­aus eine panne.

    aller­dings eine unwich­tige panne, weil ja plakat-menschen und real-menschen höchs­tens von mitglie­dern des je gegne­ri­schen partei­ju­gend­ver­ban­des in verbin­dung gebracht werden. jeder andere sieht da genau das, was da wirk­lich abge­bil­det ist: ein gesicht gecas­tet von einer werbe­agen­tur.

    das größere problem ist, dass konven­tio­nelle plakate immer erkenn­bar „PR” sind: hoch­glan­zige plastik-testi­mo­ni­als, die durch ihre machart bereits signa­li­sie­ren „ich wurde von einer werbe­agen­tur erdacht”. das erzeugt bei den BürgerInnen ein hohles, doppel­bö­di­ges gefühl, und zwar auch dann, wenn man der forde­rung eigent­lich zustimmt.

  2. Kein Mensch sagt, daß das nicht erlaubt ist. Aber die Kampagne wirkt aufgrund der Umstände halt unglaub­wür­dig. Dafür kann die abge­bil­dete Dame frei­lich nix. Sie kann ja ruhig diese Meinung haben.

  3. Ich habe nicht ganz verstan­den, was das mit erlaubt zu tun haben soll. Selbstverständlich ist es erlaubt, für Dinge einzu­ste­hen, von denen man selbst nicht profi­tiert.
    Aber jetzt mal abseits dieses aktu­el­len Plakats (da hat m.E. Martin Lindner schon alles zu geschrie­ben); Wo würdest Du die Grenze ziehen?
    Ich bin für die flächen­de­ckende Einführung von Gesamtschulen, schicke mein Kind aber auf ein priva­tes Gymnasium, ange­mes­sen?
    Ich bin für eine multi­kul­tu­relle Gesellschaft, schicke mein Kind aber auf eine Grundschule, die ich nach dem Ausländeranteil (uns zwar einem nied­ri­gen) ausge­sucht habe, ange­mes­sen?

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