Feiermann

Oberbänker Ackermann durfte bei Angela Merkel Geburtstag feiern und ein paar Spielkameraden einladen. Das Problem hierbei sind nicht die Kosten: ein paar tausend Euro sind, bezogen auf den Staatshaushalt, Peanuts. Das habe ich bei der Debatte um Ulla Schmidts Dienstwagen so gesehen und formu­liert, und das sehe ich jetzt genauso. (Natürlich macht Kleinvieh auch Mist und Verschwendung ist niemals gut, aber man soll doch bitte die Kirche im Dorf lassen.)

Johannes Kahrs Kommentar hingegen ist tref­fend und richtig: „Das Kanzleramt ist kaum der rich­tige Ort, um Events der soge­nannten High Society zu veran­stalten. Dazu gibt es genü­gend Orte in Frankfurt, auf Sylt und in Blankenese. Und über­dies genü­gend Gastgeber, die das Ganze aus eigener Tasche bezahlen.”

Außerdem möchte ich mich Raysons Frage anschließen: „Also entweder sind wir ein Volk von Erbsenzählern, oder wir haben uns längst daran gewöhnt, dass unsere Regierung mit Konzernmanagern so sehr gemein­same Sache macht, dass die Einladung an sich als völlig normal erscheint. Letzteres würde einiges erklären.”

Ackermann-Party

Unrechtsbewusstsein, Problembewusstsein? Zumindest bei Ackermann-Spielkamerad Frank Schirrmacher ist davon nichts zu spüren, er macht sich sogar noch über die Kritik und die Kritiker lustig: „Anders als manche meiner jour­na­lis­ti­schen Kollegen, die sich niemals zum Essen einladen lassen und jedes Büffet verschmähen, bin ich schwach geworden. Wir sind weit gekommen, in der Beschädigung der Würde nicht nur der Politiker, sondern auch der Verfassungsorgane, aber alles hat seinen Preis. Verzeihung kann ich nicht erwarten, aber Verständnis. Mit keinem Mitschuldigen habe ich geredet. Mein Bekenntnis kommt aus freiem Willen. Ich habe bekannt, nun richtet mich.”

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Der gemeine Bürger steht diesem Treiben ohnmächtig gegen­über. Hier ist ziviler Ungehorsam richtig wohl­tuend, ob in Form einer Ackermann-Party für alle oder einer „Buchungsanfrage ans Kanzleramt zwecks Geburtstagsfeier”.

Bild: Bündnis 90/Die Grünen (CC-BY 2.0)

Über Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.