Mein Gott, Franzi.…

23. August 2009
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Auszüge von Franziska Drohsel im „Cicero”:

„Wo liegt Ihre Organisation inhaltlich am weitesten entfernt von der Mutterpartei und wie werden Sie die Partei auf Ihre Linie bringen?

Der letzte Juso-Buko hat das Ende des Kapitalismus eingeläutet. Viele in der Partei werden begeistert sein, andere werden sich dem Schicksal fügen müssen.

Wie alt sind Sie? Wie alt ist Ihr Parteivorsitzender? Und wo sehen Sie sich in seinem Alter?

29. 69. Im Sozialismus. 

[…]

Welches sind Ihre drei wichtigsten politischen Ziele? Wieso würden Sie Nummer drei für Nummer eins aufgeben?

1. Überwindung des Kapitalismus. 2. Offene Grenzen. 3. Luxus für alle. Nummer eins erfüllt bereits die Folgeziele.”

Ich glaube, ich kommentiere das lieber nicht, sondern lasse es in unverfälschter Schönheit so stehen, damit ich mich daran stets gruseln kann. Mir würde auch sowieso nix mehr einfallen.

 

UPDATE: Mißfelder fordert auch im „Cicero” anstatt Wehrdienst eine allgemeine Dienstpflicht für Männer, Kathrin Henneberger von den Grünen die Abschaffung der Bundeswehr, Steffen Kühe von solid ein Studiengehalt. Auch das lasse ich unkommentiert.


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24 Responses to Mein Gott, Franzi.…

  1. Nick on 23. August 2009 at 09:37

    Na, dann kommentieren eben die Leser…
    Dass eure Gen.’ Drohsel sich in 40 Jahren im Sozialismus sieht und denselben für den Hort der (Reise-)Freiheit und den Quell allen Glücks– ist immerhin mehr Perspektive, wenn auch rosarot ;-) als ein Peer S., Franz M. oder FWS zu bieten hat.
    Bei den anderen Zitaten fehlt der Kontext– und generell ein Link.

  2. Robin on 23. August 2009 at 10:43

    hm …

  3. Andreas Helsper on 23. August 2009 at 10:45

    Satire?

  4. Christian Soeder on 23. August 2009 at 12:09

    Wie, Dir fällt nichts mehr ein? Das ist neu. ;)

    Die Antworten von Franzi finde ich im Vergleich zu den anderen noch am besten. Von Johannes Vogel bin ich enttäuscht, der als einzigen Unterschied zur Mutterpartei anführt, dass die JuLis Cannabis legalisieren wollen und die FDP nicht. Etwas wenig.

    Mißfelder hat sich als der Unsympath präsentiert, der er ist. Kathrin Hennebergers Verweis auf den „veganen Eierkuchen” ist so unglaublich lächerlich, da habe ich von der Grünen Jugend mehr erwartet.

    Steffen Kühne, der Vertreter der Linksjugend, glaubt, Afghanistan ginge es besser ohne deutsche Soldaten. Das möge er afghanischen Mädchen erklären, die erstmals in ihrem Leben die Schule besuchen können.

    Wie gesagt, bei dem Vergleich gewinnt Franzi. Haushoch! :)

    • Jan on 23. August 2009 at 12:43

      Naja, Drohsel hat auch nur einen einzigen Unterschied genannt — bei dem ich mir nichtmal sicher bin, inwieweit dass ein Unterschied ist. Soll ja in der SPD auch Menschen geben, die den Sozialismus wollen. Hab ich gehört.

      Große ideologische Gräben gibts zwischen Jungen Liberalen und ihrer Seniorenorganisation nunmal nicht. Man ist sich einig, dass Liberalismus der gemeinsame Nenner ist, die Unterschiede liegen eher in der Außendarstellung, wo Westerwelle zumindest in der Vergangenheit immer so oft von Steuern geredet hat, dass die anderen, in Wahrheit viel wichtigeren Bereiche kaum wahrgenommen worden sind. Hat aber mit den Inhalten direkt nichts zu tun.

      Und die Cannabisfrage scheint wirklich ein Knackpunkt zu sein — auch wenn ich nicht nachvollziehen kann, wie man sich gleichzeitig als liberal bezeichnen und eine Legalisierung ablehnen kann (konnte mir auch noch keiner zufriedenstellend erklären, obwohl ichs oft frage). Jedenfalls haben aber die JuLis auf dem letzten Bundesparteitag versucht, einen entsprechenden Absatz ins Wahlprogramm zu schreiben, den Johannes Vogel vorgestellt hat. Die Gegenrede hielt kein Geringerer als Guido Westerwelle und natürlich wurde der Absatz abgelehnt. Das zeigt eigentlich: Auch wenn das eigentlich keine weltbewegende Frage zu sein scheint, beschäftigt dass die Partei trotzdem so sehr, dass man das als Unterschied schon zurecht herausstellen kann. Ein größerer Konflikt fällt mir im Augenblick ehrlich auch nicht ein.

      Ich glaube übrigens, dass Drohsel der SPD mit diesem Interview keinen Gefallen getan hat und kann verstehen, wenn einem — wie Bastian — so ein bisschen die Worte fehlen.

      • Christian Soeder on 23. August 2009 at 12:50

        Ich habe die JuLis bisher anders wahrgenommen. Anscheinend ist es aber doch ein Jubelperserverein, genau wie die Junge Union. Schade.

        Weiterhin finde ich es gut und richtig, dass sich Franzi nicht verstellt, sondern sagt, was sie denkt. Ich finde das sehr sympathisch und authentisch. Auch, wenn ich nicht immer der gleichen Meinung bin.

    • Laszlo Riedl on 23. August 2009 at 20:25

      Sicher sind die Unterschiede zwischen Julis und FDP nicht gewaltig und das Thema Cannabis ist auch kein sehr zentrales. Aber lieber einige wenige sachliche Differenzen mit der „Mutterpartei” als eine fundamental andere Weltsicht.
      Sorry, wer das „Ende des Kapitalismus eingeläutet hat” und sich später „im Sozialismus” wiederfinden will, wählt doch am 27.09. nicht Frank Walter Steinmeier und die SPD, sondern zweifelt ob er sein Kreuz jetzt lieber bei der LINKEN oder der MLPD machen soll.

      • Christian Soeder on 23. August 2009 at 21:15

        Die SPD strebt in ihrem Grundsatzprogramm den Demokratischen Sozialismus an. Selbstverständlich ist deshalb das Kreuz bei der SPD zu machen, wenn man dieses Ziel teilt.

        • Bastian Jansen on 24. August 2009 at 03:53

          Was ist eigentlich der Demokratische Sozialismus genau? Das konnte mir irgendwie noch keiner so richtig erklären. Gibt es historische Vorbilder?
          Franzi redet außerdem nicht vom demokratischen Sozialismus, sondern nur vom Sozialismus.
          Ihr seht, ich werde meinem Vorsatz, nicht zu kommentieren, untreu.…
          (Dass ich nicht verlinkt habe, liegt daran, dass ich aus dem Urlaub schreibe und nicht viel Zeit habe.)
          Gut ist, dass die Jusos kein Jubelperserverein (wie die JU) sind. Die anderen haben, wie Christian völlig richtig erwähnt hat, auch Blödsinn gesprochen. Allerdings frage ich mich, ob Franzi nicht ein klein wenig über das Ziel hinausgeschossen hat mit der Abgrenzung ;-). Ich glaubte, ich gehöre einer Partei an, die die Marktwirtschaft (oder den Kapitalismus, wenn man ihn so nennen will) seit 50 Jahren akzeptiert hat. Das ist keine Detail-, sondern eine Grundsatzfrage. So wie Franzi redet ja sogar in der Linken nur eine Minderheit…

          Wenn ihr Unterschiede zwischen JuLis und FDP wissen wollt, dann konfrontiert mal Leif Schubert (JuLi– Landesvorsitzender BW) mit der Jubelperserthese. Er wird euch empört ein Dutzend Themen aufzählen, in denen die JuLis angeblich anderer Meinung sind als die Mutterpartei…

        • Laszlo Riedl on 24. August 2009 at 21:10

          Kaum einer wählt die SPD, weil sie den Sozialismus anstrebt, dass machen andere konsequenter als ihr. Bei einer Partei, die die letzten 11 Jahre mit an der Regierung beteiligt war und dabei auch lange den Kanzler gestellt hat, ist so eine Phrase für den Wähler weit weniger wichtig als die Politik der letzten Jahre.
          Inwiefern brachte uns die Agenda 2010 dem Sozialismus näher?

  5. Kalle on 23. August 2009 at 12:37

    Diese Frau ist halt eine unverbesserliche Idealistin. Das hat für mich auch etwas sympathisches.

    Ich halte es mit dem Sozialismus so: „Demokratischer Sozialismus” ist unser Leitbild, das niemals erreicht wird. Es umfasst unsere historische Tradition. Aber der Demokratische Sozialismus hat nichts zutun mit dem Realsozialismus, eigentlich handelt es sich nach der Vorstellung der meisten heutigen SPD– und (Juso-)Mitglieder um eine Form des regulierten Kapitalismus. Franzi sieht das definitiv anders als die große Mehrheit der Partei. Wie genau es bei den Jusos aussieht kann ich nicht sagen. In meinem Unterbezirk sehe ich jedenfalls keine Sozialisten.

  6. Nadim Ayyad on 23. August 2009 at 13:58

    Ach, Franzi. Si tacuisses, philosophus mansisses…

  7. Christian Soeder on 23. August 2009 at 16:12
    • Christian Soeder on 23. August 2009 at 16:13

      Leider redet sie manchmal etwas zu schnell.

      • Kalle on 23. August 2009 at 23:21

        Reden kann sie nicht.

  8. Jan on 24. August 2009 at 07:46

    @Kalle: das es bei dir im Ub keinen gibt, der an den demokratischen Sozialismus als Utopie glaubt, stimmt so nicht ganz.

    @Bastian Jansen: Natürlich gibt es den Begriff des „demokratischen Sozialismus” schon länger, da es aber eine Utopie ist wirst du kaum historische Vorbilder finden :-)

    • Kalle on 24. August 2009 at 08:49

      Stimmt, nach meiner Definition (siehe weiter oben) glaube ich an den Demokratischen Sozialismus. Oder meinst du etwas anderes?

  9. Nick on 24. August 2009 at 16:32

    Ohoh, klar gab es demokratischen Sozialismus– nur in kurzen Zeiträumen und vergleichsweise kleinen Gebieten und stets unter erschwerten (Kriegs-)Bedingungen, denn kein autoritätsgläubiger Linker/Mittler/Rechter wird so etwas lange zulassen, dass sich die Leute nehmen, was ihnen sowieso gehört, da ist sogar bisweilen der Kampf gegen Faschisten nicht so wichtig :-(
    Achja, weil hier wohl unbekannt:
    191722 sog. Machno-Republik in der Ukraine
    1936/37 Katalonien, teilweise Madrid
    Und nun wettert mal los, ihr Jung„sozialisten”…
    Wer die Utopie auf ein historisches Relikt, beliebig hervorholbar als Museumstapete für den 1. Mai, beschränkt und Gutes in der Vergangenheit ausblendet, der schändet in der Konsequenz des heutigen „Roll-Back” fast jeder linker Praxis die Gräber und das Andenken derjenigen, die Leben, Gesundheit und/ oder Freiheit geopfert haben, um eine bessere Gesellschaft (ohne Chef und Staat) zu schaffen.
    Wieso ein Abzug auf Afghanistan gleich bedeutet, dass die Taliban mit Waffen der CIA versorgt, erneut durchstarten können, das möchte ich mal erklärt bekommen. Aber verständlich und nachvollziehbar, weil ich nicht jeden Schund zu glauben gewillt bin („unsere Freiheit wird am Hindukusch verteidigt”- lächerlicher Schwachsinn eines *zensiert von mir selbst*).
    Ach, zeiht ihr mich des „off-topic”, dann lest eure Beiträge noch einmal.

  10. kbojens on 24. August 2009 at 18:48

    Aha — „Überwindung des Kapitalismus”

    Warum genau würde man eigentlich den Kapitalismus überwinden wollen? Wir leben mit dem höchsten Wohlstand, der höchsten Lebenserwartung und der besten Versorgung seit die Menschheit existiert und wollen eben dieses System überwinden? Hmm, is’ klar.

    • Nick on 24. August 2009 at 21:14

      wer ist dieses „wir”?
      Das alle umschließende der neoliberal-zwangsbeglückten Volksgemeinschaft?
      Oder doch nur die Schicksalsgemeinschaft der Standortnutznießer?
      So’n Müll paßt– sorry, writer-bashing– eher ins Freenet– oder SPON-Forum, obwohl– selbst dort würde es vielleicht nicht gut ankommen.
      Die Schere zwischen armen und reichen Menschen, also die jeweilige Anzahl in bezug auf die Verteilung innerhalb der Gruppen, hat sich weiter geöffnet= die Reichen werden immer reicher und die Ärmeren ärmer.
      Schlaumeier, erkläre mir mal, warum es z. B. für AIDS (HIVpositiv) in deinem paradiesischen System keine von jedermann bezahlbaren oder kostenlosen Medikamente gibt?
      Wiwi studiert? Naja, so Leute kenne ich :-(

      • Christian Soeder on 24. August 2009 at 21:38

        Gelbe Karte für Ad-hominem-Attacke. Scharf diskutieren ist in Ordnung, persönlich zu werden nicht.

      • Kalle on 25. August 2009 at 08:53

        Wenn ich die Wahl zwischen Kapitalismus und Sozialismus habe, dann bin ich überzeugt, dass die beste Balance aus Verteilungsgerechtigkeit und Wohlstandsentwicklung im Kapitalismus zu erreichen ist. Freilich entfernen wir uns von der Verteilungsgerechtigkeit zur Zeit zunehmends.

        Es gilt, im Kapitalismus neue Wege zu gehen, zum Beispiel durch intelligenten Ausbau der Mischwirtschaft, durch neue Formen der Betriebsmitbestimmung. Durch ein Umdenken im Steuersystem, durch eine Besinnung darüber, welchen Stellenwert Arbeit angesichts steigender Produktivität und hoher Arbeitslosenraten in unserem Leben einnehmen kann und muss. Es gibt viele intelligente Ideen und Konzepte über die es sich nachzudenken lohnt. Die Gestaltungsmöglichkeiten des Kapiatlismus’ sind noch lange nicht ausgereizt.

  11. Nick on 25. August 2009 at 07:22

    akzeptiert, gehe eh kurz vom Platz :-)
    (s. Weblog…)

  12. Kristof on 26. August 2009 at 14:10

    Der Begriff des „demokratischen Sozialismus” wurde geschaffen um sich vom „real existierenden Sozialismus” des Ostblocks abzugrenzen.
    Dass das nicht der Sozialismus ist, den wir anstreben sollte uns allen bewusst sein, dass wir allerdings nicht das Wort Sozialismus in den Mund nehmen sollen, wenn wir von einer Gesellschaft reden, in der Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität voll ausgeprägt sind, weil manche mit den Begriff missbraucht haben und ihn dann viele Sozialdemokraten nicht mehr in den mund nehmen sollen finde ich lächerlich.
    Ich werde auch weiterhin meine Reden mit „liebe Genossinnen und Genossen” beginnen und nicht mit „Freundinnen und Freunde” weil manchen in der Parteispitze das Peinlich zu sein scheint, entschuldigung…

    Ich bleibe bei meiner Vision einer sozialistischen Gesellschaft und bin stolzer Jungsozialist.
    Wer im Duden nach „Sozialdemokrat” sucht wird „Anhänger des demokratischen Sozialismus” finden ;)

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