Gemäßigt — gestern falsch, heute richtig?

WELT ONLINE, 2. August 2009:

Der neue Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen hat sich für Verhandlungen mit gemä­ßig­ten Vertretern der radi­kal­is­la­mi­schen Taliban in Afghanistan ausge­spro­chen. Zudem forderte er in einem Interview mit der däni­schen Zeitung „Politiken“ die Europäer zu einer Truppenaufstockung auf. Bei Kämpfen und Anschlägen kamen am Wochenende mindes­tens sechs Nato-Soldaten ums Leben. Es gebe in Afghanistan „Gruppen, mit denen man reden kann, um auf eine Art Aussöhnung mit der afgha­ni­schen Gemeinschaft hinzu­ar­bei­ten“, sagte Rasmussen. Er sehe aber keinen Grund für Vereinbarungen mit Taliban, „die unsere Soldaten töten“. „Wir reden hier über andere Gruppen, die am äußeren Rand der Taliban ange­sie­delt sind.“

Warum kommt mir das so bekannt vor? Achso, richtig: FOCUS online, 3. April 2007:

„Die Idee darf man nicht einfach vom Tisch wischen“, sagte Beck am Dienstag nach seiner Rückkehr vom Hindukusch. Die Union hatte den SPD-Vorsitzenden zuvor heftig atta­ckiert. Man müsse auslo­ten, ob nicht mit gemä­ßig­ten Kräften eine Regelung getrof­fen werden könne, die auch im Süden Afghanistans eine größere Stabilität bringe, sagte Beck. Wer Menschen ermorde, sei kein Verhandlungspartner. „Aber es gibt Grundsympathisanten, die durch­aus ihren Einfluss in den unru­hi­gen Regionen haben und die zumin­dest poli­tisch abge­klopft werden sollten, ob es denn eine Chance gibt, Verbindliches zu verein­ba­ren“, fügte der SPD-Chef hinzu.

Ob Rasmussen jetzt auch von den übli­chen Verdächtigen als außen­po­li­ti­sche Fehlbesetzung bezeich­net werden wird? Wahrscheinlich eher nicht. Kurt Beck wurde und wird unter­schätzt, das wird noch deut­li­cher werden — da bin ich mir sicher.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

Ein Gedanke zu „Gemäßigt — gestern falsch, heute richtig?“

Kommentare sind geschlossen.