Die grünen Nannys aus dem Südwesten (II)

Wer glaubt, es sei übertrieben, die Grünen als Nannys und Konservative zu bezeichnen, der sei auf folgenden Kommentar des mutmaßlichen Grünen-Mitglieds Ingo Leschnewsky verwiesen:

Mit dem Alkohol halte ich’s wie mit der Religion: Soll jeder soviel nehmen, wie er möchte. Aber bitte nicht in der Öffentlichkeit.

Nachdem wir GRÜNEN uns zu Recht gegen die “Internetsperre” ausgesprochen haben, da sie nicht gegen Kinderpornographie an sich vorgeht, sondern nur brave Büger vorm Anblick derselben schützt, sollten wir uns doch an einem Gesetz, welches nachweislich Kriminalität einzudämmen half, eigentlich nur erfreuen. Und uns daher über die Aufhebung dieses Gesetzes ärgern und dagegen protestieren.

Es gibt kein Grundrecht, sich in der Öffentlichkeit besaufen zu dürfen. Außerdem halte ich das Mitführen von alkoholischen Getränken zum Zwecke des Verzehrs in der Öffentlichkeit für eine Unsitte. Oder ist es etwa ein erhebender Anblick, wenn einem jemand in der U-Bahn gegenübersitzt, der demonstrativ seine Bierflasche zwischen den Beinen hält, um ab und zu einen Schluck daraus zu nehmen?

Soll es sich dabei um “besonderen Genuß” handeln, so wird er durch die übermäßige Präsenz einfach abgewertet: Wenn ich ein Glas Rotwein genießen möchte, mache ich das auch an einem besonderen Ort, und nicht auf einer Sitzbank in der Fußgängerzone, wo mir alle zuschauen können bzw. müssen.

Betrachtet man das Trinken von Alkohol dagegen als alltäglichen Verzehr von Nahrungsmitteln, so gehört dieser erst recht in die eigenen vier Wände. Wo ich auch meine übrigen täglichen Bedürfnisse unter Ausschluß der Öffentlichkeit erledige.

Ansonsten gibt es genau wie bei der Religion auch genügend Orte außerhalb der eigenen Wohnung, die für die Ausübung geeignet sind.

Er hält also das „Mitführen von alkoholischen Getränken zum Zwecke des Verzehrs in der Öffentlichkeit für eine Unsitte“. Da muss natürlich der Staat ran. Natürlich. Wer auch sonst.

Mich wundert nicht, dass die Grünen der CDU in Baden-Württemberg teilweise den Rang ablaufen. Die sind nämlich konservativer als die Konservativen.

Autor: Christian Soeder

Christian Soeder ist Herausgeber von ROTSTEHTUNSGUT und besonders an netzpolitischen Zusammenhängen interessiert.

5 Gedanken zu „Die grünen Nannys aus dem Südwesten (II)“

  1. der süden, alkohol und die definition von nahrunsgmitteln hatte schon immer wenig zu tun mit der gesamtdeutschen betrachtungsweise. würden die politik cannabis legalisieren und nicht entkriminalisieren, gäbe es auch gesprächsbedarf bzgl. der öffentlichkeit von drogenkonsum. in holland darf öffentlich nicht gekifft werden, in den usa darf öffentlich kein alkohol konsumiert werden. das als konservativ zu bezeichnen, herr söder, wäre dann wieder eine süddeutsche betrachtungsweise oder schlichtweg bigott.

    1. Dass in den USA öffentlich kein Alkohol getrunken werden darf, stimmt. Dass es jedoch eine Einschränkung der bürgerlichen Freiheitsrechte ist, ist hingegen nicht minder richtig. Wenn Amerikaner in Deutschland sind, sind sie meist erstaunt, zumindest ist das meine Erfahrung, dass sie Alkohol in der Öffentlichkeit trinken können und sie ihn nicht vor der Polizei verstecken müssen. Dass man im Süden Deutschlands zu Alkohol ein anderes Verhältnis hat als im Norden, ist wahrscheinlich richtig, aber inwiefern das als Gegenthese zu meinem Artikel taugt, ist mir nicht klar.

    2. In den USA werden ganz legal obszöne Unmengen von Alkohol in der schönsten Öffentlichkeit konsumiert. Öffentliche Striptease, angebahnte, vorgetäuschte oder echte Sexualhandlungen bilden den Rahmen dazu an der Küste, wildes Rumgeballer mit scharfer Munition aus Schrotflinten, Repetiergewehren, Vorderladerkanonen und Revolvern bilden den eher innerkontinentalen Rahmen.
      Geht man in den Norden, wird es schnell oktoberbeerfestikcooooool! Busreisen. In Konvois. Staatenweit. Autokonvois. Fernseh- und Radiowerbung. Staatenweit.
      Dem Publikum präsentiert : Die schlimmsten Dirndls der Welt. Jodelnde Chinesen in seltsamen Lederhosen. Alle, die gerne Nachfolger von Siegfried und Roy, Rammstein, Adolf Hitler oder der Wildecker Herzbuben werden wollen. Und 40-50 Sorten Bier wegen der zeitgleich stattfindenden Weltmeisterschaft im Brauen irgendeiner obskuren Untersorte von untergärigem Bier.
      Alles ganz legal unter den schützenden Augen der Staats-, County- und Stadtpolizei.

      Es gibt ein paar Staaten, in denen es PC ist, Alkohol für eine teuflische Todsünde zu halten. Also muß man ihn im Nachbarstaat kaufen oder via Internet bzw. Katalog bestellen. Oder einfach schwarzbrennen. Die Strafen sind nicht so sonderlich hoch. Die Richter und Juroren saufen ja auch zu Hause. Und der Innerunionshandel darf ja auch nicht beschnitten werden. Der Binnenmarkt hat Verfassungsrang auf Bundesebene.

      In den meisten, vielleicht allen, Staaten wird es bestraft, wenn man mit einer Flasche Alk auf dem Beifahrersitz durch die Gegend fährt. Wer nicht beim Fahren säuft, soll gefälligst die gehaltvollen Einkäufe in den Kofferraum packen. Das soll einfach der Polizei die Kontrollen erleichtern. Dafür gibt es dort keine Ausweispflicht. Das wäre unser Pendant.

      Öffentliches Trinken im Alltag ist in den meisten Gegenden auch erlaubt. In vielen Gegenden ist man aber verpflichtet, den Alkohol so zu verpacken, daß Kinder nicht sehen, was der coole lustige Onkel da so genußvoll schlürft.
      Das Ergebnis ist, daß braune flaschengroße Papiertüten zu einer Kulturikone geworden sind, die man für alle möglichen mehr oder weniger schlechten Witze benutzt.
      Und natürlich wird Fehlverhalten wegen Vollsuffs bestraft. Genau wie bei uns. In Presseberichten fällt nur gerne das Fehlverhalten unter den Tisch.

  2. Hahaha, ein Sozialdemokrat macht es einem Grünen zum Vorwurf, wenn dieser nach dem Staat ruft … Mei, was kommt als nächstes? Die rote Heuschrecke? LOL

  3. „Nachdem wir GRÜNEN uns zu Recht gegen die “Internetsperre” ausgesprochen haben, da sie nicht gegen Kinderpornographie an sich vorgeht, sondern nur brave Büger vorm Anblick derselben schützt …“

    Dieser Satz macht doch schon klar, dass der Kommentar nicht ernst gemeint ist …

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